mini|John Wolf Brennan (2007) John Wolf Brennan (* 13. Februar 1954 in Dublin) ist ein irisch-schweizerischer Klassik-, Jazz- und Improvisationsmusiker (überwiegend Klavier), Komponist, Dirigent und Kolumnist. Brennan wurde in den 1980er Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten Urs Leimgruber bekannt. Er veröffentlichte mehr als 80 Tonträger und wurde für 12 CDs in Folge mit 12 „Swiss Grammys“ ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Komponistengruppe Groupe Lacroix und komponierte über 280 Stücke. Seine bekanntesten Gruppen sind Pago Libre, Pilgrims, Triangulation, Sooon und FriendShip.
Leben Herkunft und Musikstudium John Wolf Brennan entstammt einer schweizerisch-irischen Musikerfamilie mit deutschen Wurzeln.M. B.: Spuren aus. In: Leipziger Volkszeitung, 28. März 2009, S. 11.Die Wolfs waren väterlicherseits Juden aus Dresden und Karlsbad, die 1938 in die Schweiz emigrierten; die Brennans kamen mütterlicherseits aus Donegal und Dublin. Brennan wurde 1954 als Sohn des Schweizer Hoteliers und Amateurpianisten Hans-Peter Wolf (1923–1986) und der Irin Una Wolf-Brennan, einer klassischen Sängerin, in Dublin geboren.Ian Carr: John Wolf Brennan, S. 97.Interview mit Ludwig van Trikt, 2005 ().Der anglisierte Name Brennan wird im Irischen Bhraonáin geschrieben und heißt übersetzt kleiner Tropen. Quelle: John Wolf Brennan: Die Kelten – das rätselhafte Erbe einer Kultur (). Der Onkel Karl Ulrich Wolf (1921–1957), Pianist und Komponist, war seinerzeit designierter Direktor der Königlichen Musikhochschule Stockholm. Außerdem ist John Wolf Brennan weitläufig mit den irischen New-Age-Sängerinnen Enya und Moya Brennan verwandt. Seine Eltern zogen mit ihm 1961 in die Zentralschweiz. Ab dem elften Lebensjahr bekam er Klavierunterricht in Luzern. Musikalisch geprägt wurde er in seiner Jugend durch die Musik von den Beatles, Cream, Miles Davis, Pink Floyd und Jimi Hendrix. Entsprechend begann er 1970 als Bassgitarrist der Blues-Rockgruppe Crossbreed. Im Jahr 1974 legte er die Matura Typ E (Wirtschaftsgymnasium) an der Kantonsschule Luzern ab.Maria Künzli: Uraufführung in St.Gallen. In: Berner Zeitung, 3. Mai 2007, S. 34. 1974 trat er als Keyboarder Flame Dream bei, einer Artrock/Jazzrock-Band in der sein Bruder Peter Wolf Frontmann war.Heinz Horat: Flame Dream. In: Heinz Horat (Hrsg.): Außer Rand und Band. Die Luzerner Szene 1950–1980. Velvet, Luzern 2006, ISBN 3-9522411-4-8, S. 152.
Brennan studierte von 1975 bis 1979 Germanistik bei Peter Horst Neumann, Musikwissenschaft bei Luigi Ferdinando Tagliavini und Filmwissenschaft bei Stephan Portmann an der Universität Freiburg sowie Klavier und Musiktheorie bei Axel Jungbluth an der Swiss Jazz School in Bern.John Wolf Brennan. In: Hans Steinbeck, Walter Labhart (Hrsg.): Schweizer Komponisten unserer Zeit, S. 58. Anschließend studierte er von 1979 bis 1984 Klavier (Diplom 1985) bei Eva Serman und Musiktheorie bei Peter Benary am Luzerner Konservatorium. Ergänzend besuchte er 1977, 1978 und 1980 Sommerkurse in Komposition bei James Wilson und in Chorleitung an der Royal Irish Academy of Music in Dublin. 1983 wohnte er Improvisations- und Jazz-Workshops von Karl Berger, Carla Bley, David Cherry, Marilyn Crispell, Steve Gorn, Paolo Moura, Babatunde Olatunji und Naná Vasconcelos am Creative Music Studio in Woodstock, New York/USA bei.Weitere Fortbildungen absolvierte er bei Joey Baron, Joëlle Léandre, Tim Berne, Hank Roberts, Don Friedman, Ray Anderson, Chris Burns, Pauline Oliveros, dem Rova Saxophone Quartet und Pierre Favre. Von 1985 bis 1987 studierte er Schulmusik (Diplom 1987) an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern.Zu seinen Lehrern gehörten Walter Meier, Alois Koch, Hans Zihlmann, Monika Henking und Ernst Pfiffner. Darüber hinaus nahm Brennan an Kompositions-Meisterkursen bei Ennio Morricone (1992), Edison Denissow (1993), Klaus Huber (1994), Heinz Holliger (1998) und Hanspeter Kyburz teil.
Jazz- und Improvisationsmusiker Nach den Besuchen der McGregor und McLaughlin-Konzerte in Willisau und Montreux in den 1970er Jahren besann er sich auf seine klassische Klavierausbildung zurück und verließ die Band Flame Dream wieder.Interview mit Martin Schuster, 2006 (). Er gründete während seines Studiums 1977 mit dem Jazztrompeter Peter Schärli die Free-Jazz-Gruppe Freemprovisations (zunächst mit Gästen; ab 1979 als Quintett).Ian Carr: John Wolf Brennan, S. 98.Simon Adams: Brennan, John Wolf. Grove Music Online. 1979 veröffentlichten sie ihre erste LP: Opening Seed. Von 1980 bis 1984 war er Mitglied der Afro-Jazz-Band Mohrenkopf. Darüber hinaus gehörte er von 1980 bis 1982 neben Prem Ushma (Violine) und Barni Palm (Tabla) dem Trio Triumbajo an. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er von 1982 bis 1989 als Duopartner von Urs Leimgruber (Saxophon), mit dem er mehrere Alben einspielte. Das Duo wurde später um die Jazz-Sängerin Norma Winstone erweitert.
Für die Produktion seines ersten Piano-Soloalbums The Beauty of Fractals zog er 1988 für ein halbes Jahr nach Greenwich Village in New York. Ende der 1980er Jahre begann Brennan seine Solokarriere. Konzertreisen führten ihn durch Europa, Russland, Japan, China, Kanada und USA.. Website von JW Brennan. Abgerufen am 27. Dezember 2012. Einen weiteren Schwerpunkt bildet seit 1989 seine Arbeit mit dem Crossover-Quartett Pago Libre,Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Gründer zusammen: Patumi, Goodman, Lindvall und Brennan.Musik wird auch als Third Stream bezeichnet. zu der Arkady Shilkloper (vormals Lars Lindvall), Florian Mayer (vormals Tscho Theissing, Steve Goodman) und Tom Götze (vormals Achim Tang, Georg Breinschmid und Daniele Patumi) gehören.. Website von JW Brennan. Abgerufen am 27. Dezember 2012. Während eines 3-tägigen Festivals in Wetzikon 1990 traf er auf John Cage, der ihn bei der Interpretation einiger Klavierwerke beriet.Martin Schuster: Musik im prekären Gleichgewicht. In: Concerto 04/2006 (). Als Stipendiat der Binz-39 Stiftung hielt er sich 1993 im Tyrone Guthrie Centre in Annaghmakerrig, Irland auf. Mit einem Stipendium der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr lebte er 1997 für sechs Monate im Londoner East End. Er stellte in dieser Zeit seine Solo-Platten Text, Context, Co-text & Co-co-text (1993/94) und The Well-Prepared Clavier (1997) fertig. Außerdem spielte er mit Julie Tippetts, Evan Parker, Paul Rutherford und Chris Cutler das Album HeXteT (1998) ein und knüpfte Kontakte mit den britischen Musikern Eddie Prévost, Elton Dean und Simon Picard.Interview mit Roger Spence, 2007 (). Weiterhin spielte er als Pianist mit Christy Doran, Patrice Héral, Esther Flückiger, Magda Vogel, Robert Dick, Gene Coleman, Hans Kennel, Margrit Rieben und Christian Wolfarth. . Website von musinfo. Abgerufen am 28. Dezember 2012. Außerdem leitete Brennan mehrere Jazz- und Improvisationsensembles bei Musikfestivals in Willisau, Montreux und Luzern u. a. die esa, das Ensemble Extemporaneo, das Creative Works Orchestra, die Tribschen SinFONietta, die OrganIC VolCes und das klangschiff.
Komponist und Musikpädagoge Neben zahlreichen Kompositionen für Kammermusikensembles und Ausflügen in die Klanginstallation schreibt Brennan überwiegend Theater- und Vokalmusik.Martin Kunzler: Brennan, John Wolf, S. 141. Zu seinem über 220 Werke umfassenden Œuvre, das mehrheitlich im Pan-Verlag in Kassel erschien, . Website von musinfo. Abgerufen am 28. Dezember 2012. gehören auch die Opern Güdelmäntig (2003–2004) nach Thomas Hürlimann und Night.Shift (2007) nach The Age of Anxiety von W. H. Auden. Letztere wurde durch den Regisseur Jakob Peters-Messer am Theater St. Gallen inszeniert. In jüngster Zeit schrieb er auch Hörspielmusiken, wie für das ausgezeichnete Hörbuch platzDADA! (2008). Wichtige Bezüge nimmt er in seinen Werken zu keltischen Themen, so veröffentlichte er mit Nadja Räss das Jodelbuch Jodel Vol.1 (2008) und ab 2010 die Reihe Wurzelklänge.Urs Mattenberger: John Wolf Brennan und Pago libre. Nur die Güllenpumpe fällt nie aus dem Takt. In: Neue Luzerner Zeitung, 29. Dezember 2009. Brennan ist Mitglied der schweizerisch-österreichischen Komponistengruppe Groupe Lacroix, die er 1993 mit Jean-Luc Darbellay, Christian Henking und Michael Schneider gründete.Die ebenfalls an der Gründung beteiligten Stephan Sabotta und Michael Baumgartner traten nicht wieder aktiv in Erscheinung. Später traten der Gruppe Marianne Schroeder, Michael Radanovics und Alfons Karl Zwicker bei. Mit dieser realisierte er diverse Musikprojekte, darunter zu Bildern von Paul Klee. Brennans klassische Kompositionen wurden u. a. durch James Galway (A Golly Gal’s Way to Galway Bay), Ori Meiraz (Alef Bet – an Ori-ental Peace Piece) und Evelyn Glennie (Dundrum) sowie das Moscow Contemporary Music Ensemble (Epithalamium und Frictions) und das Ensemble Sortisatio (N-gl) uraufgeführt.John Wolf Brennan (PDF; 618 kB). Website des CMC. Abgerufen am 28. Dezember 2012.
John Wolf Brennan war viele Jahre als Klavierlehrer an der Musikschule Küssnacht und als Professor für Klavier am Gymnasium Immensee tätig.Pirmin Bossart: Der Unermüdliche von Wattawis. In: Das Kulturmagazin, Nr. 12, Dezember 2005. Daneben unterrichtete er an der Hochschule Luzern und war als Stiftungsrat der Zurich James Joyce Foundation tätig. Vorträge und Workshops hielt er u. a. bei den Cortona-Wochen der ETH Zürich.. Website der ETH Zürich. Abgerufen am 27. Dezember 2012. Er lebt mit seiner Frau Regula Hasler in Weggis am Vierwaldstättersee.Weggiser Persönlichkeiten aus dem aktuellen Kulturbereich. Website der Gemeinde Weggis. Abgerufen am 4. Januar 2013.
Musikstil mini|Brennan am präparierten Klavier (2007)