Wappen Luftbild 100px|Wappen StralausDetails 180px|Luftbild der Halbinsel StralauHalbinsel Stralau Basisdaten Bundesland: Berlin Verwaltungsbezirk: Friedrichshain-Kreuzberg Koordinaten: Einwohner: 4725 Fläche: 1,12 km² Höhe: Postleitzahl: 10245 Website: BA Friedrichshain-Kreuzberg { "type": "Feature", "properties": { "stroke": "#ff2600", "stroke-width": 2, "stroke-opacity": 1, "fill": "#ff2600", "fill-opacity": 0.5 }, "geometry": { "coordinates": [ [ [13.464363,52.495564], [13.464677,52.495488], [13.465859,52.495124], [13.467624,52.494562], [13.468859,52.494068], [13.470415,52.493468], [13.470488,52.493476], [13.471247,52.493198], [13.472839,52.492717], [13.473081,52.492664], [13.473679,52.492575], [13.474039,52.492514], [13.474304,52.492475], [13.474637,52.492403], [13.475101,52.492338], [13.476411,52.492107], [13.477032,52.491918], [13.478068,52.491334], [13.479826,52.489938], [13.480323,52.489466], [13.480592,52.489258], [13.481040,52.489105], [13.481510,52.488841], [13.481897,52.488671], [13.482244,52.488596], [13.482491,52.488616], [13.482609,52.488685], [13.482942,52.489121], [13.483061,52.489449], [13.483047,52.489699], [13.482176,52.490812], [13.482527,52.490957], [13.482222,52.491223], [13.481983,52.491182], [13.480833,52.491679], [13.480212,52.492181], [13.480358,52.492234], [13.479423,52.493181], [13.476390,52.494220], [13.475775,52.494715], [13.475446,52.495298], [13.475446,52.495495], [13.475492,52.495598], [13.475642,52.495659], [13.475711,52.495743], [13.475702,52.495815], [13.475869,52.495975], [13.475654,52.496403], [13.475007,52.496656], [13.474678,52.496806], [13.473124,52.497271], [13.471148,52.498080], [13.469858,52.498610], [13.469324,52.499099], [13.469388,52.499168], [13.468288,52.499271], [13.467631,52.498099], [13.466163,52.496831], [13.464363,52.495564] ] ], "type": "Polygon"
Stralau ist eine Ortslage des Berliner Ortsteils Friedrichshain im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, die auf einer Landzunge zwischen der Spree und dem Rummelsburger See liegt. Der Name geht auf ein Dorf zurück, das unter dem Namen Stralow hier entstand und 1920 Teil Groß-Berlins wurde. Das Wort ist slawischen Ursprungs und bedeutet so viel wie Pfeilort, was auf die Form der Halbinsel zurückzuführen ist.
Geschichte
Frühzeit bis 14. Jahrhundert Archäologische Funde wie ein Walzenbeil und ein bearbeiteter Feuerstein aus der Steinzeit weisen die Halbinsel Stralau als einen der ältesten Siedlungskerne auf heutigem Berliner Gebiet aus. Weitere Artefakte konnten Archäologen in die Bronzezeit und Eisenzeit datieren. Aus späterer Zeit ist germanische und wendische Besiedlung belegt. Die Höhenlagen Dorflage und der an der südlichen Spitze gelegene Schwanenberg sind dabei eiszeitlichen Ursprungs und bestehen aus Schwemmsand und angewehten Dünen.Informationstafel: Historischer Lehrpfad um die Halbinsel Stralau – Ortsgeschichte, nördlich des Schwanenbergs, Januar 2018 Bereits im 13. Jahrhundert wurde der Name Stralow erwähnt. Während unklar ist, ob ein in einer Urkunde von 1240 (oder 1244) erwähnter Ritter Thidericus von Stralow mit einer Ortschaft auf der Halbinsel in Zusammenhang steht, vermutet man dies vom 1261 erwähnten Ritter Rudolf von Ystralowe. Als erste Erwähnung des Fischerdorfes Stralau werden unterschiedliche Jahre genannt: Markgraf Otto V. legte 1288 die Grenze zwischen Berlin und Rosenfelde neu mit dem Stralowschen Damm fest, der auf das Dorf Stralow verweist. Am 6. Mai 1358 schließlich tauchte Stralow selbst erstmals in einer Urkunde auf, als die Doppelstadt Berlin-Kölln das Fischerdorf und den Rummelsburger SeeStralau, Webseite des Vereins für die Geschichte Berlins, abgerufen am 21. Januar 2018. vom Ritter Nicolaus Bartolpsdorf kaufte. Auf einen Ritterbesitz deuten auch die im Boden aufgefundenen Reste einer Burganlage aus dem 13./14. Jahrhundert. Historiker vermuten die Ursprünge des Dorfes an der Stelle, an denen im 21. Jahrhundert die Grundstücke Alt Stralau 13–24 liegen.
15.–19. Jahrhundert mini|hochkant|Dorfkirche Stralau mini|Plan vom Dorff Stralow, 1775
Aus dem Jahr 1412 ist bereits die Existenz des Friedhofs als Begräbnisstätte für elf Fischerfamilien überliefert., Webseite der Dorfkirche Stralau, abgerufen am 21. Januar 2018. Es ist daher denkbar, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine einfache Holzkirche bestand. Handwerker errichteten in den Jahren 1459–1464 auf einem Sockel aus Feldstein die Dorfkirche Stralau. Ihre Kirchweihe fand zum Bartholomäustag am 24. August 1464 statt. 1539 kam die Reformation nach Stralau. 1574 begründeten die Berliner die Tradition des Stralauer Fischzugs. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1810 eröffnete in jedem Fischerhaus eine Gastwirtschaft. Dennoch sind aus dem Jahr 1817 erst 76 Einwohner überliefert. Die Kirchengemeinde setzte sich dafür ein, den Sakralbau in den Jahren 1823/1824 nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Langerhans um einen neugotischen Westturm zu ergänzen, in dem dieser einen hölzernen Vorgänger zurückbauen ließ. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten die ersten Berliner auf der Halbinsel ihre Sommerhäuser, darunter auch der Bankier David Splitgerber.Informationstafel: Die Gaststätten auf Stralau, Alt-Stralau 22, Januar 2018 Die Einwohner lebten in dieser Zeit hauptsächlich vom Fischfang, ergänzt durch ein gastronomisches Angebot. Stralau und die Rummelsburger Bucht gelten aber auch als Geburtsstätte des Segelsports in Deutschland. Hier wurde in den 1830er Jahren die erste Gesellschaft zur Förderung des sportlichen Segelns ins Leben gerufen und in den 1860er Jahren zahlreiche Segelvereine (BJC) gegründet, die später an den Wannsee oder ins brandenburgische Umland umzogen. 1835 gründete sich im Lokal Alte Taverne mit der Tavernengesellschaft eine der ältesten Segelvereine Deutschlands. 1842 wurde die Anbindung Stralaus landseitig durch den Bau einer Chaussee erheblich verbessert. Als Amtsbezirk existierte Stralow von 1874 bis 1893; zu ihm gehörte die Landgemeinde Stralow sowie der Gutsbezirk Boxhagen-Rummelsburg. Im Jahr 1879 wurde Stralau dem Gerichtsstand Berlin unterstellt. Seit 1893 gilt der amtliche Name des Ortes Stralau. 1878 und 1879 führte der erste Leiter des Märkischen Provinzialmuseums in Berlin Ernst Friedel gemeinsam mit dem Stralauer Gastwirt Julius Tübbecke und dem Gemeindevorsteher Liebe auf der südlichen Spitze der Halbinsel, dem Schwanenberg, archäologische Grabungen durch. Dieser war zu dieser Zeit durch einen Wassergraben, den Priestergraben, vom Dorf Stralau getrennt. Sie fanden zahlreiche Werkzeuge, Scherben, Knochen, Geweihe und Hörner. Neben diesen Artefakten legten sie auch die Reste einer Pfahlgründung frei. Sie vermuteten, dass sie zu einer slawischen Wallanlage gehörten, die an dieser Stelle eine Furt sicherten. Diese Annahme wurde durch Urnenfunde untermauert, die in der Nähe der Dorfkirche sichergestellt werden konnten.Informationstafel: Der Schwanenberg, an der Südspitze Stralaus, Januar 2018 1874 gelangte Stralau gemeinsam mit Rummelsburg und Boxhagen unter eine gemeinsame Verwaltung; der Sitz des Amtsvorstehers war Stralau.
mini|hochkant=0.85|Glaswerk Friedrichshain, 1969
Im Zuge der industriellen Revolution erlebte auch Stralau einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Entwicklung wurde dabei maßgeblich durch die Eröffnung des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg (im Jahr 2018: Berlin-Ostkreuz) 1882 vorangetrieben. Im nordwestlichen Teil der Halbinsel siedelten sich zahlreiche große Industriebetriebe wie die Schaarschuhsche Brauerei (ab 1917: Engelhardt-Brauerei), das Stralauer Glaswerk oder Bootswerften an. Hinzu kam die Teppichfabrik Protzen, die Berliner Jutespinnerei und Weberei, eine Asphalt-Fabrik, die Mörtelwerke Weidner, die Maschinenfabrik Grauert sowie die Bootswerft von Wilhelm Deutsch. Er baute in der Tunnelstraße Ruderboote. 1883 errichtete die Firma Rengert am nordöstlichen Ufer der Halbinsel eine Fabrik, in der aus den Früchten der Ölpalme und anderen ölhaltigen Samen mit Hilfe von Kohlenstoffdisulfid insbesondere Palmöl hergestellt wurde. Das Werk bestand neben einer Entfettungsfabrik, zwei Lagerhäusern, einem Kesselhaus sowie einem Verwaltungsgebäude aus einem Palmkernölspeicher im Stil der Neorenaissance.Informationstafel: Historischer Lehrpfad um die Halbinsel Stralau – Palmkernölspeicher, nördlich des Schwanenbergs, Januar 2018 Die Stralauer Glashütte ließ auf der Gemarkung Alt-Stralau 46 Werkswohnungen für deren Arbeiter errichten. Unter der Leitung von Heinrich Mittag entstanden insgesamt drei fünfgeschossige Häuser mit einer zur damaligen Zeit herausragenden Ausstattung. Sie verfügten über eine große Küche, fließendes Wasser und eine Dampfheizung. Im Keller ließ Mittag für die Arbeiter Bäder und Waschküchen einbauen; hinter den Häusern einen Garten mit einem Spielplatz anlegen. Die gute Wohnsituation führte zu einer starken Gemeinschaft der Glasarbeiter, die sich ab 1890 im Zentralverband der Glasarbeiter und -arbeiterinnen Deutschlands organisierten, der ab 1897 seinen Sitz in Stralau hatte.Informationstafel: Die Hüttenhäuser, Alt-Stralau 46, Januar 2018 1888 gründete sich auf der Insel die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern, die bereits ein Jahr später eine kleine Reederei in der Dorfstraße übernahm. 1891 kam mit dem Segelclub Fraternitas einer der ersten Clubs für Arbeiter hinzu.Informationstafel: Industriedenkmal Werftkran, südwestlich des Krans, Januar 2018 Die Lage am Wasser und vor den Toren der Stadt führte dazu, dass Stralau zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner wurden. Zu dieser Zeit verfügte Stralau über 20 Ausflugsgaststätten, im 21. Jahrhundert gibt es keine einzige mehr. Dies war auch darauf zurückzuführen, dass durch die zunehmende Industrialisierung die Gewässer verschmutzt wurden und sich der Fischfang kaum noch lohnte.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wohnten in Stralau durch die wachsende Industrie so viele Familien mit Kindern, dass die Gemeindeverwaltung zunächst die Straßen auf der Halbinsel befestigen, 1894 eine Gemeindeschule (Alt-Stralau 34, heute Thalia-Grundschule) sowie einige Jahre später auch eine Turnhalle dazu errichten ließ. 1885 bauten Handwerker die Dorfstraße aus, die seit 1900 den Namen Alt-Stralau führt. Die Straßen wurden ab 1889 mit Gas beleuchtet. 1894 erhielt die Halbinsel den Anschluss an die Wasserversorgung.
20. Jahrhundert