mini|Der Große Dieckfluss zwischen Oldendorfer Schweiz und Quelle mini|Geode des Oberen Jura (Malm) vom Bachsystem des Oldendorfer Mühlbaches Großer Dieckfluss wird das an der Wasserscheide Balkenkamp, Stadt Preußisch Oldendorf, hervortretende Fließgewässer von 38 km Länge genannt. Als Gr. Diek Fl. wird es um die Mitte des 19. Jh. an der Nordgrenze des Altkreises Lübbecke bezeichnet, bevor der Kl. Diek Fl. einmündet, und beide zusammen als Gr. Diek in Die gr. Aue münden.Topographische Karte von Rheinland und Westfalen 1841–1858.

Der Große Dieckfluss ist ein linker Nebenfluss der Großen Aue, einem linken Nebenfluss der Weser, und wird gespeist aus dem Wiehengebirge, aus den Niederungen des westlichen Kreises Minden-Lübbecke im nördlichen Nordrhein-Westfalen und vom Südosthang des Stemweder Berges.

Oberlauf Als Oberlauf des Großen Dieckflusses wird die Strecke bis zum Eintritt in die Ebene auf gut nördlich von Engershausen betrachtet.

Aus dem Oldendorfer Berge des Wiehen kommend hat der Bach das Wittlager LößvorlandHubertus Braun in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) Offelten – Porträt eines Dorfes im Mindener Land an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert. Münster 2002. ., vgl. Lübbecker Lößland, durchmessen und tritt inmitten Engershausens in die Alsweder Niederungen und damit in die Norddeutsche Tiefebene ein.

Quellgebiet Die aufm Barkenkamp liegt im Naturschutzgebiet Limberg und Offelter Berg auf der Quellhöhe dicht unten am Wege von Offelten und dem Kernort Preußisch Oldendorf über den entwaldeten Rücken Balkenkamp ins Eggetal mit Abzweigung zum Limberg.

Unweit östlich liegt das Quellgebiet des Landwehrbachs, südlich verläuft längs des Eggetals der (Börninghauser) Mühlenbach. Beide gehören zum Einzugsgebiet der Großen Aue.

Im Norden trennt der Bergrücken Offelter Berg – Brümmel gegen das Einzugsgebiet des Offelter Bachs, der nordöstlich von Gut Groß-Engershausen in den Großen Dieckfluss entwässert.

Oldendorfer Schweiz Der Große Dieckfluss windet sich durch bewaldetes Gebiet und tritt oberhalb des Waldschwimmbades in das offene Gelände der Oldendorfer Schweiz ein, lieferte zuvor zeitweise Frischwasser für Fischteiche und wurde bis in die 1950er Jahre zur Speisung des Waldschwimmbades genutzt, .

Erstmals in seinem Verlauf wurde der Bach hier höher an den Hang verlegt. Das schon damals sehr komfortable Waldschwimmbad ersetzte die Badeanstalt, welche nicht weit unterhalb der Quelle des „Bodenbachs“ errichtet und durch ihn gespeist war. Diese Badeanstalt an der Ecke Ziegeleistraße/Am Bodenbach musste bald nach 1940 dem Lufttanklager weichen, dessen Errichtung Ende 1939 beschlossen wurde. Der Bodenbach fließt durch Harlinghausen und liegt im Einzugsgebiet der Hunte und heißt im weiteren Verlauf Schröttinghauser, anschließend Heithöfer Bach.

Bedeutender Zufluss zum Großen Dieck ergibt sich bei Eintritt in die Hegge durch den linken Zufluss Eggebach.Amtlich bezeichnet "N.N." Dieser entspringt etwa hoch nahe dem Alten Frieden vor dem Steilanstieg zur langgestreckten Egge mit und nahe der Wasserscheide zum Einzugsgebiet der Hunte, in welches das Gebiet um die ehemaligen Stollen der Zechen auf Gründen der Bauerschaft Harlinghausen entwässerte.

Zwischen Großem Dieck am Balkenkamp und dem Eggebach nahe der Wasserscheide im Westen liegen dicht am Nordhang der Egge aufgereiht zahlreiche weitere Quellen. Das gesamte Quellgebiet entwässert durch die Pforte zur Oldendorfer Schweiz. mini|An der Pforte zur Oldendorfer Schweiz. Blick über Steinmanns Wiese zur Bergstraße (1957)

Verkehrsadern Der Eggebach leitet die heutige Bergstraße von Oldendorf her ins Eggetal bis zum Steilanstieg der Egge; dann lehnt sich diese Fahrstraße dem Nordhang an, bis sie am Durchbruch, einer Notstandsarbeit der Jahre um 1926, die Egge auf Harlinghauser Grund passieren kann, und sich angrenzend an Niedersachsen zur Talsohle absenkt.

In früheren Zeiten bis in die zwanziger Jahre des 20. Jh. vermittelten zwei andere von der Egge her dem Großen Dieckfluss zugeführte Bäche den Verkehr von Eininghausen und Börninghausen mit dem Stadtzentrum Oldendorf. Der Eininghauser Weg und Börninghauser Weg nahmen den direkten Weg über die Egge, folgten dabei möglichst den Bachläufen zwischen Großem Dieck und Eggebach.

Pforte zur Oldendorfer Schweiz Die Pfade nach Börninghausen und Eininghausen treffen am Südende der Hegge zusammen, wo etwa die vier erwähnten Bäche sich vereinigen. Am Nordende der Hegge kommen sich Aufm Brümmel und Baben Oldendorf, heute Linken Berg, so nahe, dass eine Geländestufe die Anlage einer Mühle ermöglichte. Unter anderem der baumbestandene gerade Verlauf des Großen Dieck im Bereich der 200 m langen Hegge weist auf einen – zum weiteren Male – künstlich angelegten, hangseitigen Verlauf hin, der den nötigen Höhenunterschied zur Speisung einer Mühle bereitstellt. Dazu wurde offenbar östlich rechts des Dieck Erdreich abgegraben. Der steile früher mit Bruchsteinen befestigte Weg östlich der HeggeAnnemarie Becker, Offelten. Dorf- und Flurentwicklung im Lübbecker Lößvorland. Mindener Beiträge 15. Minden: Mindener Geschichtsverein 1977. Die Autorin hat im Flurbuch von 1827 (Staatsarchiv Detmold) „auf unebenes Gelände mit ursprünglichem oder noch vorhandenem Waldbestand hinweisende“ Flurnamen gefunden: Hegge Acker, untere Hegge, zwischen der Hegge, oberste Hegge, Dreck-Hegge. Nach Hermann Jellinghaus, Westfälische Grammatik. Die Laute und Flexionen der Ravensbergischen Mundart. Bremen: Kühtmann 1877, S. 9, 74, meint mundartlich hegge einen Feld- oder Waldsaum bestehend aus Gebüsch. Cornelia Kneppe, Landwehrbau und Landesherrschaft im Amt Limberg. In: Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg e. V., Preußisch Oldendorf [Hg.]: Die Burg Limberg. Mittelpunkt einer Region. Preußisch Oldendorf: Kölle-Druck 2007, 94–114. Die Autorin kennt Hegge im Zusammenhang mit Landwehren, S. 107 f. umgeht diesen ehemals seichten, jedenfalls für Fuhrwerke unpassierbaren Taleinschnitt. Westlich heißt die Wohnstraße jüngeren Datums In der Hegge, eine Wohnsiedlung wurde in der ehemals seichten Steinmanns Wiese errichtet.

Hier in Ober Oldendorf hat der Große Dieckfluss das Oldendorfer Vorgebirge in Brümmel und Linken geteilt und die „Pforte zur Oldendorfer Schweiz“ geschaffen, sofern diese Mulde in den Ablagerungen des Mittleren Dogger nicht ohnehin durch rückschreitende Erosion hier ihren Ursprung nahm. Wo sich die Enge nach Norden öffnet, kann die Stätte des Heinrich in dem Doven Diech, später Daubendiek, Oldendorf Nr. 30, vermutet werden, heute Haus des Gastes. Der zugehörige knapp 100 m weiter nördlich gelegene, ebenfalls abgebrochene Wilken Kotten dieser Stätte ist abgebildet.Der Gewässername Dieck von "dik" ist damit über die Wurzel Teich verbunden. Dov kann auf taub, aber auch zusätzlich auf Wasser hindeuten: Der Heinrich Getaufte sitzt im 16. Jh. auf der Stätte Im Doven Diech in Ober Oldendorf. Franz Herberhold, Das Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556. Münster: Aschendorff 1960, S. 582. mini|Aufschluss des Linken-Bergs vom Westen gesehen; der ehemalige Steinbruch mag die geologischen Bedingungen zur Bildung der Pforte zur Oldendorfer Schweiz verdeutlichen.

mini|Umflut des Mühlbachs für die Ölmühle an der Bergstraße, hier 1960 nach Starkregen mit Blick zur Mühle mini|Blick über die Umflut zu Wilken Kotten, Ulmen säumten die Bergstraße mini|Teich der Ölmühle mit Korbweiden vor dem Brümmel im Winter 1957/58

Wassermühlen und andere Nutzung Die Wassermühle zu Ober Oldendorf war als oberste Mühle bekannt, später unter dem Namen Haaken Mühle; sie war eine Korn-, Öl- und Bokemühle. Wegen beschränkter Ergiebigkeit des Baches wurde vor 1880 eine Dampfmaschine installiert; ein Sägewerk wurde ebenfalls betrieben.Dieter Besserer: Beiträge zur Mühlengeschichte der Stadt Preußisch Oldendorf. Uhle & Kleimann, Lübbecke 1982. Um 1901 war Heinrich Haake Besitzer der Mühle, er errichtete eine größere Anlage zur Elektrizitätserzeugung. Anwohner der Linkenstraße, jetzt Bergstraße, bezogen Elektrizität, darunter das damalige Rettungshaus Pollertshof ab 1902.Ulrich Rottschäfer: Erweckung und Diakonie in Minden-Ravensberg. Das Rettungshaus Pollertshof 1851–1930. Mindener Geschichtsverein, Minden 1987.Fr. Wilh. Buckesfeld: Auf Wicherns Pfaden. Wie und wo Bruder Gotthold Mission erfuhr, sie lieb gewann und sich ihr verschrieb. Lenz, Leipzig 1934.

Wenige hundert Meter entfernt eignete sich das Gelände wieder zur Anlage einer oberschlächtigen Wassermühle. Sie war früher als Ölmühle bekannt und noch in den fünfziger Jahren des 20. Jh. als Kornmühle – Krögers Mühle – in Betrieb. Um 1900 wurden Zichorien für Ersatzkaffee geröstet, gemahlen, in TütenUlrich Rottschäfer: Erweckung und Diakonie in Minden-Ravensberg. S. 30. Zur Erzielung von Einnahmen wurden vom Rettungshaus Pollertshof für die Papierfabrik Lübbecke Tüten geklebt. verpackt und als Päcksken verkauft. Wiederum wurde der Bach an den östlichen Hang höher verlegt; so wurde die notwendige Fallhöhe erreicht. Für diese Mühle und ihren unmittelbar vor dem Mühlrad gelegenen Teich mussten umfangreiche Erdbewegungen hingenommen werden. Steilhänge im Gebiet zwischen den Mühlen deuten noch darauf hin. Die bei solchen Verlegungen entstandenen Senken wurden verfülltDazu diente auch Schutt, der damals weitgehend aus Asche vom Hausbrand und organischen Abfällen bestand. und eingeebnet, wobei in diesem Fall an ihrer Westseite am Hang längs der Linken-, später Bergstraße, ein offener Graben angelegt wurde. Im Fall von Reparaturen am Mühlrad oder einer Regenflut diente er als Umflut für den Großen Dieck. Zwischen diesen beiden Mühlen war der Bach im Bereich der früheren Stätte Oldendorf Nr. 30, der Stelle des jetzigen „Hauses des Gastes“, überbaut.

Unterhalb der Ölmühle beginnt das älteste Siedlungsgebiet Oldendorfs mit den am Großen Dieck aufgereihten Höfen beginnend mit der früheren Stätte Pollert, Oldendorf Nr. 1, seit Mitte des 19. Jh. zunächst Rettungshaus und jetzt die Diakonische Einrichtung Pollertshof. Wo der Fluss das Schwarze Viertel verlässt, konnte wiederum eine Mühle angelegt werden: Köllings Mühle, im 19. Jh. mittelste oder Oldendorfer Mühle genannt.

Bevor er die Haspelstraße quert, führte der Mühlbach im 18. bis hinein ins 19. Jh. der Mikwe, dem rituellen Tauchbad der jüdischen Einwohner Oldendorfs und auswärtiger Juden das dafür erforderliche lebendige Wasser zu.Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf. Kölle-Druck, Preußisch Oldendorf 2014, ISBN 978-3-00-047532-0, S. 284, 310. Im weiteren Verlauf speiste er den Teich der vierten und letzten Wassermühle, der untersten oder „Conradis“ Mühle. Der Dieckfluss verlief danach östlich der Oldendorfer Kirche längs einer Gebäudereihe und der Straße nach Engershausen und durch diese Bauerschaft bis zum Gut Groß-Engershausen. Zu den vier Oldendorfer Wassermühlen heißt es 1704:St.A. Münster: Kriegs- und Domänenkammer Minden. Nr. 2683, Urbarium des Amts Limberg Vogtei Oldendorff. (1704), Bl. 6.

„diese 4 mühlen treibt ein kleine bach auß dem berg.“

Kleine Aufstauungen des Dieck – der Bache, wie man sagte – ermöglichten Wäschespülen oder die Gewinnung von Gießwasser für Gärten. Bei Frost diente Krögers Mühlteich zum Schlittschuhlaufen, zum Schollenfahren bei Tauwetter. Selbst das Waldschwimmbad konnte in den fünfziger Jahren zum Schlittschuhlaufen und für Eishockey genutzt werden; denn das Becken wurde schließlich im Winter nicht mehr geleert, um dem äußeren Druck durch Grundwasser entgegenzuwirken.