Dieser Artikel beschreibt die Geschichte der Stadt Königstein im Taunus.
Keltische Besiedlung Das Gebiet um Königstein wurde bereits in vorchristlicher Zeit besiedelt. Älteste Spuren der Besiedlung sind die keltischen Ringwälle am Altkönig, die aus dem 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. stammen. Eine Reihe keltischer Funde aus Königstein und Umgebung sind heute im Königsteiner Burg- und Stadtmuseum ausgestellt.
Sage Einer örtlichen Sage nach soll König Chlodwig I. um 500 die Burg Königstein und eine Kapelle errichtet haben.
Im Mittelalter Die Nüringer miniatur|Burg Nürings Erst aus salischer Zeit sind Urkunden überliefert, die Auskunft über Königstein und seine Herrscher geben könnten. Königstein gehörte räumlich zum Niddagau. 1042 wird ein Graf Berthold von Wettereiba (Wetterau) erwähnt, zu dessen Herrschaftsgebiet auch das heutige Königstein gehörte. 1103 wird dessen Sohn, Berthold von Nürings als Gaugraf urkundlich erwähnt. Das Geschlecht der Herren von Nürings errichtete die Burg Nürings (der Vorläufer der direkt benachbarten Burg Falkenstein). In verschiedenen Urkunden werden in der Folge die Herren von Nürings erwähnt. Mit Gerhard von Nürings stirbt das Geschlecht der Nüringer aus. Die letzte urkundliche Erwähnung Gerhards stammt aus dem Jahr 1171.
Die Münzenberger Nach dem Aussterben der Nüringser fiel Königstein an das Adelsgeschlecht der Münzenberger. Kuno I. von Münzenberg war mit Luckharde von Nürings verheiratet und erbte mit dem Aussterben der männlichen Linie der Nürings dessen Besitzungen. Nach seinem Tod 1212 erbte sein Sohn Kuno II. von Münzenberg Burg und Ort Königstein. Nach dessen Tod im Jahr 1225 wurde sein jüngerer Bruder Ulrich I. von Münzenberg Besitzer der Burg Königstein. 1239 wurde Ulrich I. erstmals urkundlich als Besitzer der Burg Königstein erwähnt. Ihm folgte nach seinem Tod sein Sohn Ulrich II. von Münzenberg. Seine Ehe mit Hedwig von Weinsperg blieb kinderlos, und mit seinem Tod im Jahre 1255 endete das Geschlecht der Münzenberger in männlicher Linie. Unter den Münzenbergern erfolgte ein umfangreicher Ausbau der Burg Königstein.
Die Burggrafen Das Herrschaftsgebiet der Münzenberger umfasste mit der Wetterau und großen Teilen des Vordertaunus ein so großes Gebiet, dass in den einzelnen Burgen Burgmannen eingesetzt wurden. In Königstein wird 1215 mit Arnold von Königstein erstmals ein Burggraf namentlich urkundlich erwähnt. Er ist vermutlich ein Reichsministeriale, ein Ritter im Dienst des Stauferkaisers. Ihm war die Verantwortung für die Reichsburg Königstein übertragen worden. Er hatte sie zu verwalten, die Verteidigungs- und Schutzvorrichtungen instand zu halten, über Einnahmen und Ausgaben Rechnung zu führen und die Handwerker und anderen Bediensteten mit Arbeiten zu beauftragen und zu überwachen. Er hatte für die Benutzbarkeit und Sicherheit der Straße Frankfurt–Köln–Aachen zu sorgen. Albert zu Königstein ist 1225 der zweite namentlich bekannte Burggraf.
Die Falkensteiner Nach dem Tod Ulrichs II. von Münzenberg erbte 1255 der Falkensteiner Philipp I. von Falkenstein, der Ehemann von Ulrichs Schwester Isengard, im Rahmen der Münzenberger Erbschaft die Herrschaft Königstein. Unter Philipp III. von Falkenstein erhielt Königstein 1313 die Stadtrechte.
1364 bis 1366 kam es zu einem Reichskrieg gegen Philipp VI. von Falkenstein (Falkensteiner Fehde). Anlass war ein Rechtsstreit zwischen Ulrich III. von Hanau und Philipp über Gebietsansprüche. Die Burg Königstein wurde im Rahmen dieses Krieges durch Truppen der Reichsstädte Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen belagert. Es gelang den Belagerern zwar nicht, die Festung einzunehmen, jedoch wurden die umliegenden Dörfer stark in Mitleidenschaft gezogen. 1366 endete der Krieg mit einem trotz Gebietsverlusten günstigen Frieden für die Falkensteiner. Philipp und Ulrich einigten sich, und die Reichsacht über Philipp wurde aufgehoben.
In einer Fehde mit den Rittern von Reifenberg 1374 gelang es den Reifenbergern, die Königsteiner Burg einzunehmen. Philipp VI. starb auf der Flucht. Seine Frau Agnes und seine Kinder gerieten in Gefangenschaft und wurden durch Erzbischof Kuno II. von Trier aus dem Hause Falkenstein ausgelöst. Der Sohn Philipps VI., Erzbischof Werner von Trier, wurde als dessen Erbe neuer Herr in Königstein.
Die Eppsteiner Nach dem Tod des letzten Falkensteiners, Erzbischof Werner III., wurde dessen Besitz unter den Erben verteilt. Die Herrschaft Königstein ging an den Eppsteiner Eberhard II. von Eppstein-Münzenberg. Dessen Nachfolger Eberhard III. von Eppstein-Münzenberg gründete am 3. Februar 1465 das Kugelherrenstift Königstein. Sein Sohn, Philipp von Eppstein-Königstein, starb 1481 und hinterließ seine Frau Luise und vier minderjährige Kinder. Nachdem zunächst seine Witwe als Regentin die Geschicke der Herrschaft Königstein lenkte, übernahm Eberhard IV. (Eppstein-Königstein) 1492 die Alleinregierung. Eberhard wurde 1505 zum Reichsgrafen ernannt. Königstein bildete nun den Hauptort der Grafschaft Königstein.
Die Stolberger/Reformation in Königstein Am 27. Mai 1535 übernahm Eberhards Neffe, Graf Ludwig von Stolberg, nach dessen Tod die Grafschaft Königstein und nannte sich daraufhin Graf zu Stolberg-Königstein.
Bereits unter Eberhard hatte die Reformation in Königstein Fuß gefasst. Ludwig zu Stolberg förderte diese Bestrebungen und führte am 5. August 1540 offiziell die Reformation nach der Kirchenordnung des Grafen Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken in Königstein ein. Nach dem Prinzip des Cuius regio, eius religio wurden auch die Einwohner formell protestantisch. Das Stift der Kugelherren wurde im Rahmen der Reformation nach 85 Jahren aufgelöst. Der Besitz des Klosters fiel an die Königsteiner Grafen. Vom März 1563 bis zum März 1564 suchte eine Pestepidemie Königstein heim.
Nach dem Tod des Grafen Ludwig zu Stolberg im Jahr 1574 wurde Christoph zu Stolberg, Dompropst zu Halberstadt, testamentarisch zu dessen Erben erklärt. Diese Erbschaftsangelegenheit war jedoch juristisch umstritten, da er als Dompropst schon 1544 die Subdiakonsweihe empfangen hatte, die ihn zum Zölibat verpflichtete. Als Christoph zu Stolberg am 5. August 1581 starb, teilte der Mainzer Kurfürst Daniel Brendel von Homburg dessen Bruder Albrecht Georg zu Stolberg mit, dass per Vollmacht des Kaisers Rudolf II. die Grafschaft als erledigtes Reichslehen anzusehen sei und der Kurfürst als Reichskommissarius für die Herrschaft eingesetzt werde. Die Grafschaft wurde in das Oberamt Königstein umgewandelt und die Stadt Teil von Kurmainz.Herbert Pohl: Zauberglaube und Hexenangst im Kurfürstentum Mainz. Ein Beitrag zur Hexenfrage im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, Stuttgart: Franz Steiner 1998, S. 66. Die Grafen zu Stolberg klagten dagegen erfolglos vor dem Reichskammergericht, sollten aber in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges die Herrschaft kurzfristig zurückerhalten.
Neuzeit Kurmainzer Herrschaft, Gegenreformation und Dreißigjähriger Krieg hochkant=1.5|miniatur|Valentin Wagner: Königstein von Nordosten 1633. 1603 wütete in Königstein eine Pockenepidemie. Von 1603 bis 1605 erfolgt die Gegenreformation und die Rekatholisierung Königsteins. Königstein erhielt einen katholischen Pfarrer, den Magister Johann Hohenstein. Ende 1605 waren nach 60 Jahren wieder alle Einwohner katholisch.
1618 wurde die Festung in Königstein versehen und unter dem neuen Kommandanten von Greifenklau auf den bevorstehenden Krieg vorbereitet. August 1619 erreichte der Dreißigjährige Krieg Königstein, als die Truppen von Herzog Maximilian I. von Bayern durch Königstein zogen, um an der Schlacht am Weißen Berg teilzunehmen. Im Sommer des nächsten Jahres plünderten spanische und flandrische Söldner des Generals Marquis di Spinola Eppstein und Neuenhain. Nachdem diese (eigentlich ja verbündeten) Heere vorbeigezogen waren, kamen nach zwei Friedensjahren im Sommer 1622 erstmals protestantische Truppen unter Herzogs Christian von Braunschweig nach Kurmainz, konnten jedoch die Festung Königstein nicht einnehmen und wurden in Höchst durch Graf Tilly geschlagen. Im Januar 1626 verordnete der Mainzer Kurbischof seinen Untertanen eine „Landrettungssteuer“ zur Finanzierung des Krieges. Auch wenn Königstein selbst bis 1630 nicht in Kriegshandlungen verwickelt war, trugen die Einwohner doch die Lasten des Krieges mit.
In der Schlacht bei Breitenfeld bei Leipzig am 7. September 1631 schlug Gustav Adolf General Tilly und machte damit den Weg für die Eroberung von Kurmainz durch protestantische Truppen des Landgrafen von Hessen-Kassel frei. Im November 1631 standen diese Truppen vor Königstein und begannen mit einer Belagerung. Während die Burgen Reifenberg, Falkenstein und Kronberg schnell eingenommen waren, hielt die Festung Königstein zunächst stand. Nach der Eroberung von Mainz am 23. Dezember 1631 war der Widerstand in Königstein sinnlos geworden. Am 24. Dezember 1631 kapitulierte auch die Festung Königstein.
Mit Patent vom 12. Januar 1632 verfügte Gustav Adolf die Rückgabe Königsteins an die Stolberger Grafen. Der Graf zu Stolberg bezog das Königsteiner Schloss. Nach der Huldigung des Grafen durch die Einwohner Königsteins am Folgetag wurde eine sofortige Zwangsbekehrung zum Protestantismus verfügt und durchgesetzt. Gegen den Widerstand der Bevölkerung wurde der katholische Pfarrer durch einen protestantischen ersetzt und die Ausübung des katholischen Glaubens verboten.
Mit der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 gewann die Katholische Liga wieder Oberhand. In der Folge kam es auch in Königstein wieder zu Kriegshandlungen. Im Sommer 1635 floh Graf Stolberg aus Königstein nach Frankfurt. Die Festung Königstein wurde nur noch durch eine kleine protestantische Besatzung gehalten. Am 21. September 1635 wurde die Festung Königstein den kaiserlichen Truppen übergeben. In Königstein wurde wieder ein katholischer Pfarrer eingesetzt und die Festung unter den Befehl eines kurmainzischen Obersten gestellt.
In den Folgejahren kam es immer wieder zu Einquartierungen, Plünderungen und Scharmützeln in Königstein. Auch wenn keine großen Schlachten mehr geschlagen wurden, verarmte die Stadt völlig und büßte einen großen Teil der Bevölkerung ein. Besonders schmerzlich waren 1640 die Plünderungen schwedischer Landsknechte. Die schwache Festungsbesatzung war nicht in der Lage, die Stadt zu schützen. Im Frühjahr 1645 wurde die Reisegesellschaft der Gemahlin des Herzogs Karl IV. von Lothringen in Königstein einquartiert. Im November 1645 erfolgten Plünderungen durch Kavallerie des Fürsten von Holstein. Nach dem Ende des Krieges begann langsam der Wiederaufbau. Unter anderem wurde das Kapuzinerkloster Königstein gegründet.
Von 1660 bis 1670 wurde die Festung durch Kurmainz nach Plänen des französischen Baumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban um- und ausgebaut. Ein Teil der Festung wurde nun als Staatsgefängnis genutzt. Ein bekannter Gefangener war Philipp Ludwig Freiherr von Reiffenberg der letzte Ritter von Reifenberg.
1688 im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Königstein durch französische und hessische Truppen eingenommen. Die Festung unter Kommandant Graf Hohenlohe kapitulierte nach kurzer Belagerung. Auch 1745 im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Königstein (trotz der Neutralität Kurmainz) durch französische Truppen besetzt. 1781 wurde das Oberamt Königstein mit dem Oberamt Höchst-Hofheim zusammengelegt. Oberamtssitz wurde Höchst.
Koalitionskriege/Die Zerstörung der Burg miniatur|Burgruine