mini|Stiftskirche Admont mini|Ansicht des Kirchenschiffs von Süden mini|hochkant|Romanisches Portal im Südturm mini|hochkant|Der gotische Chorbau der Admonter Stiftskirche Die römisch-katholische Stifts- und Pfarrkirche Admont des Benediktinerklosters Admont in Admont in der Obersteiermark wurde nach dem großen Brand von 1865 bis 1869 unter Einbeziehung romanischer und gotischer Bauteile im neugotischen Stil wiedererrichtet. Das Münster ist eine der ersten neugotischen Sakralbauten Österreichs. Die beiden 73 und 74 Meter hohen Türme sind das Wahrzeichen des Steirischen Ennstales. Die historisch auch als Blasiusmünster bezeichnete Kirche ist dem hl. Blasius geweiht.
Geschichte In der romanischen Bauperiode entstand 1074 – gleichzeitig mit der Gründung des Klosters Admont – eine erste schlichte Kirche, die der Gottesmutter Maria und dem hl. Blasius geweiht war (in honore eiusdem sancte dei genitricis et sancti BlasiiRudolf List: Stift Admont 1074–1974. Festschrift zur Neunhundertjahrfeier. Oberösterreichischer Landesverlag, Ried im Innkreis 1974, S. 28.) und den Mönchen als Gotteshaus diente. Zwischen 1117 und 1137 wurde das Gebäude unter Abt Wolfhold neuerrichtet, nur wenig später aber, 1152, wieder durch einen Brand zerstört. Daraufhin wurde die Kirche unter Abt Gottfried I. als dreischiffige Basilika mit zwei Westtürmen wieder aufgebaut. In Ermangelung archäologischer Untersuchungen lassen sich keinerlei Aussagen über die Baugestalt der ersten Admonter Stiftskirche machen, wie auch ob und bis zu welchem Maß der Erstbau in den nachfolgenden Wiederaufbau übernommen wurde. Der Ausbau der romanischen Stiftskirche zog sich noch bis in das 13. Jahrhundert hin. 1205 fand Abt Rüdiger beim Besuch eines Steinbruchs, der wohl der Suche nach geeignetem Steinmaterial für die Fertigstellung der romanischen Zweiturmfassade galt, den Tod. Von Abt Konrad (1231 bis 1242) wird berichtet, dass er „durch umfassende Baulichkeiten die Ehre des Hauses Gottes förderte“, doch dürfte 1235 beim Besuch Kaiser Friedrichs II. im Stift Admont der Neubau der Stiftskirche im Wesentlichen abgeschlossen gewesen sein. Noch unter seinem Nachfolger Berthold I. (1242 bis 1259) wurden der Stiftskirche zwei Sakristeien zugefügt.
Abt Heinrich II. ließ die romanische Kirche um einen gotischen, in fünf Seiten des Zehnecks schließenden Mönchschor erweitern und 1286 durch Konrad von Himberg, Bischof von Chiemsee, weihen. Abt Wilhelm von Reisberg begann gegen Ende des 14. Jahrhunderts den gotischen Ausbau der Westtürme, die aber erst unter seinem Nachfolger Hartnid Gleusser vollendet wurden. Im 15. Jahrhundert wurde das bisher flachgedeckte Langhaus durch Mitglieder der Admonter Bauhütte eingewölbt und der Kirchenraum liturgisch neu ausgestattet.
Unter Abt Matthias Preininger setzte 1621 der barocke Ausbau der Stiftskirche ein, die ein barockes Hauptportal erhielt und deren romanischem Südturm ein Oktogongeschoß aufgesetzt wurde. Fortgesetzt wurde dieser erste barocke Ausbau unter seinem Nachfolger Urban Weber. Die Barockisierung des Innenraums erfolgte um 1680, gleichzeitig mit dem Ausbau der Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns unter Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel. Der Nordturm der Kirchenfassade erhielt erst 1711 unter Anselm Lürzer von Zechenthal seine barocke Gestalt.
Als 1865 ein verheerender Brand zahlreiche Gebäude des Marktes von Admont verwüstete und auch ein Großteil des Stiftsgebäudes und die Kirche ein Raub der Flammen wurden, begann Abt Karlmann Hieber unmittelbar mit dem Wiederaufbau. 1866 bis 1869 errichtete der Architekt Wilhelm Bücher unter Einbeziehung erhalten gebliebener romanischer und gotischer Bauteile das neugotische Gotteshaus, eines der frühesten dieser Stilrichtung in Österreich. Am 12. September 1869 erfolgte unter Abt Zeno Müller die Kirchenweihe. Eine bautechnische Besonderheit der Admonter Stiftskirche stellt die umfangreiche experimentelle Verwendung vorgefertigter architektonischer Einzelformen in Perlmooser Portlandzement dar.
1929 wurden bei einer purifizierenden Restaurierung der Kirche unter Abt Oswin Schlammadinger neugotische Details wie die Fialen am Turmaufbau entfernt.
Bauwerk mini|hochkant|Blick in den gotischen Chor Die Baugestalt der neugotischen Stiftskirche, eine dreischiffige, siebenjochige, querhauslose, von fünf Seitenkapellen begleitete Basilika mit offenem Strebewerk, wurde wesentlich durch die romanischen Unterbauten der Westtürme mit ihren beiden seitlichen Säulenportalen, den in seinen Umfassungsmauern erhaltenen und in den Neubau einbezogenen gotischen Chor und die Grundrissform der mittelalterlichen Kirche bestimmt. Neben dem 1275 begonnenen Regensburger Dom dienten vor allem auch die 1855 von Heinrich Ferstel begonnene Votivkirche in Wien und der durch Vinzenz Statz 1859 geplante und 1862 begonnene Mariä-Empfängnis-Dom in Linz als Vorbild bei der historisch korrekten Gestaltfindung.
Der Eindruck des kreuzrippengewölbten und mit spitzbogigen Arkaden ausgestatteten Kirchenraums wird von seiner starker Vertikalität und formalen Schlichtheit bestimmt, indem die Gewölbedienste ohne Zäsur aufsteigen und die Maßwerkfenster formal mit dem Triforium zusammengezogen sind. Die westliche Orgelempore ist in Form eines maßwerkgeschmückten gotischen Lettners gestaltet, der in mittelalterlichen Klosterkirchen zur Trennung des Mönchschores vom Laienraum diente. In den Chorraum öffnen sich seitliche, mit aufwendigen Maßwerkfenstern ausgestattet Oratorien.
Das Hauptportal der Westfassade zeigt Statuen des hl. Benedikt und der hl. Scholastika. Ein Wimperg mit der Figur des Stiftspatrons, des hl. Blasius, bekrönt das Portal. An der Nordseite des Langhauses zeigen zwei Wasserspeier in offener Anspielung auf die Schlacht von Königgrätz Porträts von Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck. Der südlich an den Chor angebaute Trakt beherbergt die Benedictus-Kapelle, früher die Alte Sakristei.
Einrichtung mini|Innenansicht gegen Westen mini|hochkant|Der Marienaltar Nach ihrer baulichen Fertigstellung im Jahre 1865 erhielt die Stiftskirche schrittweise ihre liturgische Neuausstattung, deren Ausführung sich über die nächsten fünfzig Jahre hinzog, wobei nur wenige erhaltene Objekte aus der zerstörten Kirche in den Neubau übertragen werden konnten. Unter dem Chorbogen wurde das überlebensgroße spätgotische Triumphkreuz aus der Zeit des Abtes Christophorus Rauber angebracht, rückseitig signiert und datiert fra vincentius von Reichenhaus 1518. Seitlich unter dem Chorbogen steht heute eine Kopie der berühmten Admonter Madonna von ca. 1310 – das Original befindet sich im Landesmuseum Joanneum in Graz. Der neugotische Marienaltar, in dessen Scheitel das Wappen von Abt Zeno Müller (1869–1894) angebracht ist, enthält das Bild der Maria Immaculata, geschaffen 1726 von Martino Altomonte, umgeben von 15 geschnitzten Rosenkranzgeheimnissen des aus Graz stammenden Stiftbildhauers Josef Thaddäus Stammel (1695–1765).
mini|hochkant|links|Detail des Wandteppichs von Benno HaanIm Chor fanden die Wandteppiche aus der Stickereischule von Frater Benno Haan O.S.B., die im frühen 18. Jahrhundert geschaffen wurden und vom großen Stiftsbrand verschont blieben, ihre Aufhängung. Die kunstvollen Teppiche mit Äbtewappen, Darstellungen von Heiligen und einer bunten Vielfalt an Blumen- und Tiermotiven sind in Hoch- und Flachstickerei gearbeitet.
Als bedeutendstes Kunstwerk aus der zerstörten Kirche hat sich die barocke Weihnachtskrippe von Josef Stammel erhalten, die den Brand von 1865 unbeschadet überstanden hatte. Die Stammel-Krippe ist traditionell nur zur Weihnachtszeit (25. Dezember bis 2. Februar) geöffnet. Von Stammel stammt auch die 1763 für die Pfarrkirche Wildalpen geschaffene Pietà, die sich seit 1953 in Admont befindet.
mini|hochkant|links|Der Kreuzaltar Zur ersten Ausstattungsphase der Stiftskirche gehört der dem Marienaltar gegenüberstehende Kreuzaltar auf der Südseite mit der Kreuzigungsgruppe 1867 von Jakob Gilber. In dem nach Westen folgenden Kapellenpaar befinden sich die jeweils Reliquienschreine der beiden frühchristlichen Märtyrer Benedikt und Vinzenz, deren Reliquien 1776 aus den römischen Katakomben nach Admont transferiert worden sind. Im nächsten Kapellenpaar stehen die 1874 von Ignaz Brandstätter geschaffenen Altäre mit den Statuen der Ordensheiligen Scholastika, Gertrud und Erentrudis, bzw. Benedikt, Placidus und Maurus. Die Altäre der beiden nächsten Kapellen enthalten – neben den Statuen der hl. Anna und des hl. Stephanus — Reliefs des 1880 von Jakob Gilber geschaffenen Kreuzwegs, der sich auf der Westseite des Schiffs fortsetzt. Das vierte, 1893 ausgestattete Kapellenpaar enthält Altäre mit Statuen der hl. Hemma und des hl. Petrus von Peter Neuböck. Das westlichste, nach außen durch eine Polygonalapsis herausgehobene Kapellenpaar enthält im Norden die barocken Weihnachtskrippe in einem vom Grazer Architekten August Ortwein entworfenen neugotischen Schrein, die gegenüberliegende Kapelle enthält im ehemaligen Josephsaltar als Pendant die 1763 von Stammel geschaffene Pietà. Die neugotische Kanzel mit ihrem aufwendigen Gesprengeaufbau schuf Ignaz Brandstätter 1869 nach einem Entwurf von Wilhelm Bücher.
mini|hochkant|Marienkrönung, Teilansicht des mittleren ChorfenstersZur zweiten Ausstattungsphase der Zeit um 1900 gehört der 1895 nach einem Entwurf des Architekten August Ortwein errichtete neugotische Hochaltar aus Carraramarmor wird von einer von Josef Linser geschaffenen Statue des Stiftspatrons, des hl. Blasius, bekrönt. Zugleich dient der Altar auch als Grabstätte für den Gründer des Klosters, Erzbischof Gebhard von Salzburg. Die von Theodor von Cramer-Klett und Abt Oswin Schlammadinger gestifteten, der Darstellung des Glorreichen Rosenkranzes gewidmeten Glasgemälde der drei Chorschlussfenster aus dem Jahr 1914 fertigte Franz Xaver Zettler von der Bayrischen Hofglasmalerei in München, die beiden seitlichen Chorfenster mit der Stiftungslegende von Franz Xaver Pernlochner von der Innsbrucker Glasmalerei Anstalt stiftete 1895 Abt Kajetan Hoffmann.
In der Eingangshalle erinnert ein 1909 von Hans Brandstetter geschaffenes Epitaph an den Architekten der Kirche, Wilhelm Bücher.
Im Erdgeschoß des romanischen Nordturms wurde um 1960 eine Fatima-Kapelle eingerichtet. In der benachbarten Benediktuskapelle befindet sich ein barocker Corpus Christi aus der Werkstatt Johann Meinrad Guggenbichlers.
Orgel mini|Prospekt der Rieger-Orgel im Admonter Münster mini|Hörbeispiel der Orgel Die Admonter Stiftskirche scheint bereits früh im Besitz einer Orgel gewesen zu sein, die, zunächst für die einstimmige Gesangsbegleitung, seit dem 13. Jahrhundert in der Kirchenmusik Verwendung fand. In seinem Traktat de musica verwies Abt Engelbert von Admont (1297–1327) bereits auf die Bedeutung der Orgel für die Liturgie,Pia Ernstbrunner: Der Musiktraktat des Engelbert von Admont (ca. 1250–1331). Schneider, Tutzing 1998. und wenig später erscheint 1337 in einer Petition des Klosters an den Heiligen Stuhl ein Johannes, der Organist als Zeuge. Der erste Hinweis auf das Vorhandensein mehrerer Orgeln im Admonter Münster findet sich im Äbtekatalog unter Abt Hartnid Gleusser (1391–1411), als organa diversa famata genannt werden.Uwe Pape: Die Orgeln in der Stiftskirche Admont. In: Pape Orgelprofile. 1 (1978), S. 2f.