mini|Tor- und Glockenturm der Wehrkirche, daneben das kleine Fachwerkhäuschen Pfarrberg 11 mini|alt=|Historischer Wehrkirchenkomplex in Wersau. mini|alt=|Die Schulstraße und das älteste Fachwerkhaus Wersaus, erbaut im Jahr 1614. mini|alternativtext=|Das alte Pfarrhaus. Erbaut in den Jahren 1732 - 34. Geplant vom Architekten Johann Conrad Lichtenberg, Vater des Georg Christoph Lichtenberg Wersau ist mit etwa 1300 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Brensbach im südhessischen Odenwaldkreis und wird von den Bewohnern im Dialekt „Wersche“ genannt.

Geographie Geographische Lage Wersau liegt im Norden des Odenwalds im Gersprenztal, am linken westlichen Ufer des Flusses, nordwestlich des benachbarten Kernorts Brensbach jenseits der Gersprenz. Der höchste Punkt der Gemarkung liegt im Südwesten auf dem 310 Meter hohen Ausläufer des bewaldeten Höhenzuges Gemmertsberg. Im Süden bildet der Bierbach größtenteils die Grenze zu Fränkisch-Crumbach. Am Nordufer des Bachs hat Wersau Anteil am Weiler Bierbach. Der nördliche Teil der Gemarkung liegt am Kohlbach jenseits der Gersprenz. Dort hat Wersau mit zwei Gehöften Anteil am Weiler Hippelsbach auf der Grenze zu Groß-Bieberau, die gleichzeitig die Kreisgrenze zum Landkreis Darmstadt-Dieburg ist. Wersau liegt in der Region Starkenburg.

Naturraum Die Gemarkungsfläche mit ihrem fruchtbaren Lößboden wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Geologisch zählt der südwestliche Bereich der Wersauer Gemarkung zum kristallinen Vorderen Odenwald, der nordöstliche Teil zum Reinheimer Hügelland. Wersau liegt im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Ein Teil des Wersauer Waldes zählt zum Natura2000-Schutzgebiet Buchenwälder des Vorderen Odenwaldes. mini|zentriert|700x700px|Luftaufnahme von Wersau und dem Wersauer Wald. Im Vordergrund der Flusslauf der Gersprenz. Im Hintergrund rechts die Neunkircher Höhe.

Gewässer Folgende Bäche entspringen und/oder durchlaufen die Wersauer Gemarkung in Richtung Gersprenz: Bierbach Küh-Bach Moorbach (Wersauer Dorfbach) Kirchbach Gräbenackersbach Kohlbach

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Eine Reihe von Artefakten, die in und um den Ort gefunden wurden, belegen, dass dort bereits ab der Jungsteinzeit Menschen anwesend waren. Aus dieser Epoche stammt eine etwa 4500 Jahre alte Steinaxt. Sie wurde in der Nähe des Weilers Hippelsbach gefunden, ein weiteres Steinbeil gleicher Zeitstellung im Ortsgebiet Wersaus. Keramikscherben, die 1980 bei Feldbegehungen nahe dem Kirchbach gesichert wurden, sind der Kulturstufe der Linearbandkeramiker zugeteilt (ca. 4800 v. Chr.). 1977 wurde am östlichen Rand der Gemarkung bei Feldarbeiten ein Hinkelstein (Menhir) entdeckt, geborgen und 70 Meter weiter - auf der Grenze zu Groß-Bieberau - aufgestellt. Auf dem Höhenzug des im Wersauer Wald liegenden Gemmertsberg befinden sich drei Hügelgräber, die dort vermutlich während der Hügelgräber-Bronzezeit angelegt wurden. Den bislang ältesten Hinweis auf eine Besiedlung des heutigen Ortsgebietes stellen Keramikfunde aus der Moorbachstraße dar. Die dort sichergestellten Gefäßscherben und ein Spinnwirtel datieren in die eisenzeitliche Latènekultur (zwischen 450 v. Chr. und Christi Geburt). Zu dieser Zeit siedelten im Brensbacher Gemeindegebiet Kelten, was u. a. eine keltische Münze Quinar, Typ Heidelberg-Neuenheim (etwa erstes Jahrhundert vor Christus) belegt. Bei der Münze, die beim Weiler Bierbach gefunden wurde, handelt es sich um eine der ganz wenigen keltischen Münzen, die aus dem Bereich Vorderer Odenwald überhaupt bekannt sind.Quelle: Gemeindevorstand der Gemeinde Brensbach: Brensbach - Eine Zeitreise Brensbach 2022. ISBN 978-3-00-072862-4

Auch die Römer hinterließen während der Besatzung des Odenwaldes in Wersau ihre Spuren. Die hessische Landesarchäologie vermutet, dass sich im Bereich des Wersauer Kirchfriedhofs einmal ein römisches Gebäude - möglicherweise ein römisches Badehaus befunden hat. Diverse Ziegelfragmente, die im Jahr 1982 bei Grabungen unter der Kirche gefunden wurden, deuten darauf hin. Bei Feldbegehungen des Heimat- und Geschichtsvereins Wersau wurden weitere Zeugnisse römischer Anwesenheit sichergestellt: Eine römische Fibel im Bereich Bierbach, ein Sesterz mit der Prägung des römischen Kaisers Mark Aurel in der Moorbachstraße, ein Dupondius gleicher Zeitstellung am westlichen Rand der Wersauer Gemarkung. Von der einst weit verbreiteten Annahme, ein in den 1960er Jahren in der Bahnhofstraße freigelegter Knüppeldamm sei römischen Ursprungs, ist die Archäologie inzwischen abgewichen und spricht diesen als wahrscheinlich spätmittelalterlich bis frühneuzeitlich an.Quelle: Gemeindevorstand der Gemeinde Brensbach: Brensbach - Eine Zeitreise Brensbach 2022. ISBN 978-3-00-072862-4

Mit dem Rückzug der Römer begann in Mittel- und Südeuropa die Völkerwanderungszeit, die vor allem durch Migration germanischer Gruppen definiert ist. In Südhessen waren es zunächst die westgermanischen Alemannen, die dort neues Siedlungsgebiet suchten. Aus dieser Zeit stammen zwei Bügelknopf-Fibeln aus Bronze, von denen eine im Bereich des Weilers Bierbach und eine weitere am westlichen Rand der Wersauer Gemarkung, bei Feldbegehungen des Heimat- und Geschichtsvereins Wersau, gefunden wurden.

Staats-, Verwaltungs- und Gerichtsgeschichte Der Ort ist unter dem Namen „Wersauwe“ seit 1314 urkundlich bezeugt (ab 1538 „Wersaw“, später „Wersau“). Wersau hat seit 1439 eine eigene Kirche, die dem Heiligen Egidius geweiht war. Der Ort gehörte zu je einem Viertel der Herrschaft Breuberg und dem Fürstentum zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort. Die andere Hälfte gehörte zu Hessen und lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte Reiswagen eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, der dem Zentgrafen unterstellt war. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Wersau gehörte zum Großbieberauer Reiswagen, dem Waldhausen, bestehend aus den Orten Niedernhausen, Billings, Meßbach und Nonrod sowie die Dörfer Rodau, Wersau und Steinau angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1806 kam Wersau vollständig zum Großherzogtum Hessen.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Wersau am 1. August 1972 kraft Landesgesetz zugleich mit den Gemeinden Höllerbach, Nieder-Kainsbach und Wallbach in die Gemeinde Brensbach eingegliedert und wechselte dabei vom Landkreis Dieburg zum Odenwaldkreis. Für Wersau sowie für die übrigen im Zuge der Gebietsreform nach Brensbach eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Im Jahr 2014 feierten die Wersauer die 700-jährige urkundliche Ersterwähnung des Dorfes., abgerufen am 27. Juni 2014.

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gerichte als auch Verwaltungsorgane. denen Wersau angehörte:

Nicht-hessische Hälfte vor 1805: Heiliges Römisches Reich, (ein Viertel: Grafschaft Erbach-Schönberg, Herrschaft Breuberg), (ein Viertel: Fürstentum zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort, Zent Kirch-Brombach) (1805: Durch Tauschvertrag Anteile von Löwenstein-Wertheim an Hessen)

Hessische Hälfte vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Groß-Bieberauer Reiswagen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg

Insgesamt hessisch: ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung der Breuberger und Löwensteinischen Anteile infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde BrensbachAm 1. August 1972 als Ortsbezirk zur Gemeinde Brensbach und Eingliederung in den Odenwaldkreis.

Gerichte ab 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Wersau das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung von Lichtenberg nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim (Landgerichte wurden durch funktionsgleiche Amtsgerichte ersetzt), zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Auswanderungen im 19. Jahrhundert Bis in das 19. Jahrhundert kam es in Europa durch die Kleine Eiszeit zu vielen Missernten. Nach vielen entbehrungsreichen Jahren wanderten deshalb etliche Familien aus Wersau und Bierbach nach Amerika aus. Die meisten wurden in den Staaten Illinois und Ohio sesshaft.

Die Werscher Gäns Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Wersau 260 Wersauer Gänse gezählt, die alle ohne Aufsicht durch das Dorf und die Felder liefen, wo sie auch Schäden an der Ernte anrichteten. Darum wurde 1913 eigens für diese Tiere ein Gänsehirte eingestellt. Sein Jahressalär belief sich auf 130 Mark. Darum ist neben dem Glockenturm die Werscher Gans ein Wahrzeichen des Dorfes. Nahe dem historischen Ortsmittelpunkt befindet sich in der Moorbachstraße der Gänsebrunnen. Er wird von den Wersauern auch „Schebbbrunne“ oder Milschkisch genannt, weil dort schon früher ein Brunnen installiert und früher die zentrale Milchsammelstelle untergebracht war. Der Brunnen wurde im Zuge der Dorferneuerung installiert. Die Gänsestele steht in der Ortsmitte unmittelbar bei der Ortstafel und wurde im Rahmen der 700-Jahr-Feier 2014 aufgestellt.

Erster Weltkrieg (1914–1918) mini|Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege am Fuße des Pfarrberges Als im November 1918 der Erste Weltkrieg endete, hatte Wersau 19 gefallene und 3 vermisste Soldaten zu beklagen.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945) Im Zweiten Weltkrieg fallen 43 Wersauer, 24 bleiben bis heute vermisst.