Ober-Ostern ist ein Ortsteil der Gemeinde Reichelsheim im südhessischen Odenwaldkreis.
Geographie mini|Blick von Fischershöhe bei Erzbach nach Westen in den kristallinen Odenwald nach Ober-Ostern mit kleinteilig strukturiertem Oberflächenrelief der Otzberg-Zone mini|Blick von der Fischershöhe im kristallinen Odenwald bei Erzbach in Richtung Süden auf den Kahlberg, der aus rotem Sandstein (Buntsandstein) besteht mini|Blick von Fischershöhe bei Erzbach nach Osten zum Buntsandstein-Odenwald mit bewaldetem Horizont mini|Blick auf Ober-Ostern aus nordwestlicher Richtung
Ein offenes Dorf mit loser Häuseranordnung, liegt Ober-Ostern im Granitgebiet des Odenwaldes, ca. 10,5 km westlich von Erbach und vier Kilometer südlich der Kerngemeinde Reichelsheims. Der Ort liegt innerhalb des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald in Ostertal. Von der 572,9 Hektar umfassenden Gemarkung Ober-Ostern sind 204 Hektar bewaldet.
An Ober-Ostern grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, die Reichelsheimer Ortsteile Unter-Ostern, Erzbach, Weschnitz der Gemeinde Fürth i. Odw. und Gumpen. Durch Ober-Ostern verläuft die Kreisstraße 52, die die Landesstraße 3105 südlich von Unter-Ostern mit der B 460 in Weschnitz verbindet.
Ober-Ostern und Unter-Ostern liegen im Tal des Osterbachs, der als rechter, östlicher Quellbach zusammen mit dem Mergbach die Gersprenz bildet. Dabei befindet sich Ober-Ostern oberhalb der Einmündung des Erzbachs, den der Osterbach etwa auf seiner halben Länge von Südosten aufnimmt. Naturräumlich liegt das Tal im Vorderen Odenwald, dem aus kristallinem Gestein mit kleinteilig strukturiertem Oberflächenrelief gebildeten Teil des Odenwalds.
Der Kahlberg (521 m ü. M.), der im Hintergrund mit seinen Windrädern zu sehen ist, und der sich nach Nordosten erstreckende bewaldete Horizont bestehen aus Buntsandstein.
Der Ort besteht in der historischen Bausubstanz aus relativ gleichmäßig im Tal verstreuten Bauernhöfen. In der verkehrsgünstigen Lage am Südrand der Gemarkung nahe der Bundesstraße 460 ist daneben noch einige Wohnbebauung entstanden, die an die Ortslage von Weschnitz unmittelbar angrenzt.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste erhalten gebliebene Namensform Osterenaha ist für das Jahr 880 urkundlich bezeugt und meint einen nach Osten fließenden Bach. Die nächste Erwähnung als Obern Osterna datiert von 1321.
Seit 1398 sind die Schenken von Erbach mit Rechten an dem Dorf Osterna belehnt. Die Erwähnung eines Stein-(Bergwerks)-Zehnten lässt auf Erträge aus dem Bergbau schließen. Bis in die 1920er Jahre wurde Schwerspat abgebaut.
Ober-Ostern gehörte zum Amt Reichenberg der Grafschaft Erbach, die 1806 zum Großherzogtum Hessen kam. Ab 1822 gehörte Ober-Ostern zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Lindenfels, ab 1874 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ober-Ostern zeitgleich mit vier weiteren Gemeinden im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Reichelsheim i. Odw. eingegliedert. Für Ober-Ostern, sowie für die meisten im Zuge der Gebietsreform nach Reichelsheim eingegliederten Gemeinden, wurde ein Ortsbezirk gebildet.
Gerichte Nach Auflösung des Amtes Erbach 1822 nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Ober-Ostern das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1853 das Landgericht Fürth und ab 1879 das Amtsgericht Fürth, ab 1904 das Amtsgericht Reichelsheim und nach dessen Auflösung 1968 erneut das Amtsgericht Fürth.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ober-Ostern angehört(e):
vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Reichenberg ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach-Erbach, Anteil an der Grafschaft Erbach, Amt Reichenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Starkenburg, Amt Reichenberg (Standesherrschaft Erbach) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Reichenberg ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ErbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Michelstadt) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Lindenfels ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Erbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Reichelsheim
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Ober-Ostern 402 Einwohner. Darunter waren 15 (3,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 72 Einwohner unter 18 Jahren, 144 zwischen 18 und 49, 75 zwischen 50 und 64 und 108 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 135 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 51 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 87 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit 1961: 250 evangelische (= 79,87 %), 27 katholische (= 8,63 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Ober-Ostern besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Ober-Ostern) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung gebildet. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Ober-Ostern 52,09 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied der SPD und vier Mitglieder der Gemeinschaftsliste „CDU und Reichenbacher Wählergemeinschaft“ (CDU-RWG). Der Ortsbeirat wählte Willi Falter (CDU-RWG) zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ehemalige Schule Als ortsbildprägendes Kulturdenkmal steht die jetzt als Kindergarten genutzte Alte Schule in der Mitte des Orts, ein im Jahr 1900 im Stil einer Villa errichtetes Fachwerkgebäude mit Untergeschoss aus Sandsteinquadern.
Es gibt drei Gaststätten und vier Vereine (Freiwillige Feuerwehr, Gesangverein, den Kastelruther-Spatzen-Fanclub Ostertal und die Theatergruppe Noachtwäwwere). Des Weiteren gibt es eine Kelterei, ein Alten- und Seniorenheim, ein Autohaus und einen Wohnmobilhersteller als Arbeitgeber im Dorf, sowie mehrere Landwirte.
Regelmäßige Veranstaltungen sind jeweils im ersten Wochenende im September Kirchweih (Hawwerkerb) und an Ostern der Ostermarkt mit dem größten Osterhasen-Hampelmann der Welt (Guinness-Buch der Rekorde).
Im Zuge der Schaffung eines von der UNESCO unterstützten Geoparks im Odenwald rund um Reichelsheim wurden an vielen Stellen Tafeln zur Erklärung der lokalen Geologie aufgestellt (siehe bergbaukundlicher Wanderweg Rohrbach-Bockenrod). Auch wurde in Ober-Ostern ein Stollen, der früher zum Versuchsabbau von Schwerspat (Baryt) angelegt worden war, der Öffentlichkeit unter fachkundiger Führung zugänglich gemacht.
Verkehr Ober-Ostern wird für den überörtlichen Verkehr durch die Kreisstraße K 52 erschlossen, die als Ostertalstraße am Ortsende von Unter-Ostern von der Landesstraße L 3105 abzweigt und kurz hinter der Kreisgrenze zum Landkreis Bergstraße in Weschnitz in die als Siegfriedstraße bekannte Bundesstraße 460 einmündet.
Persönlichkeiten Johann Peter Arras (* 5. November 1870 in Ober-Ostern; † 30. Juni 1939 ebenda), hessischer Politiker (HBB) und Abgeordneter des Landtags des Volksstaates Hessen in der Weimarer Republik.
Weblinks
Ortsteil Ober-Ostern. In: Webauftritt der Gemeinde Reichelsheim.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Odenwaldkreis Kategorie:Geographie (Reichelsheim (Odenwald)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Odenwaldkreis) Kategorie:Ersterwähnung 880 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971