Diese Seite listet die Kraftfahrzeuge der Reichswehr und der Wehrmacht mit Stückzahl und gegebenenfalls Nutzlast und Herstellungszeitraum auf. Zu den Sonderkraftfahrzeugen der Reichswehr und Wehrmacht wird auf die Liste der Sonderkraftfahrzeuge der Wehrmacht verwiesen, bezüglich der Anhänger auf die Liste von Anhängern und Sonderanhängern der Wehrmacht.
Bezeichnungen und Abkürzungen Die Wehrmacht nutzte zur Dokumentation und für die logistischen Aufzeichnungen ein System von Bezeichnungen für Fahrzeuge. Dieses Bezeichnungssystem erlaubte die eindeutige Identifizierung für Einzelfahrzeuge und Fahrzeuggruppen. Für viele dieser Bezeichnungen sind Abkürzungen bekannt, bei denen schon geringe Abweichungen von der normierten Schreibweise problematisch sein können. Dies gilt insbesondere auch für Leerstellen und die Groß- und Kleinschreibung von Buchstaben in diesen Bezeichnungen und Abkürzungen.
Systematik und Nummernkreise Für die Logistik zur Beschaffung, zur Zuteilung und für Wartung wurde darauf geachtet, die Fahrzeuge nach Klassen und Nummernkreisen zu gliedern. Dies geschah erstmals mit dem am 14. November 1932 herausgegebenen Vorblatt zu H.D.V.428 „Ausrüstungsverzeichnis über die Kraftfahrgeräteausstattung der Einheiten des Reichsheeres (A.K.R.)“, wonach die Benennung sich danach richtete, ob es sich handelte um Kraftfahrzeuge völlig handelsüblicher Art: solche wurden durch das Zeichen (o) hinter der Benennung kenntlich gemacht, z. B. „mittl. PKW (o)“. Das (o) steht für „ohne Bezeichnung“. Eine Kfz.-Nummer erhielten diese Kraftfahrzeuge nicht. Kraftfahrzeuge mit handelsüblichem Fahrgestell, aber speziellem nur für die Reichswehr (später Wehrmacht) konstruiertem Aufbau, z. B. „(Kfz.72)“. Hierbei ist „72“ eine Typennummer. Kraftfahrzeuge derselben Typennummer haben in mehreren Fällen verschiedene Verwendungsnamen erhalten, bei Kfz. 72 z. B.: „Funkhorchkraftwagen“, „Fernsprechbetriebskraftwagen“, „Funkkraftwagen“, „Funkbetriebskraftwagen“ und andere mehr. Kraftfahrzeuge, bei denen auch das Fahrgestell eine nur für die Reichswehr, später Wehrmacht geschaffene spezielle Sonderkonstruktion war: Sie wurden als „Sonder-Kraftfahrzeuge (Sd.Kfz.)“ bezeichnet. 1932 waren dies lediglich die jeweils vierrad-angetriebenen: Sd.Kfz.1: Krupp-Daimler Geschützwagen 19, Sd.Kfz.2 Krupp-Daimler Zugmaschine D1 (auch DZ 1) und Sd.Kfz.3 gepanzerter Mannschaftstransportwagen. Anhänger wurden entsprechend als „Ah.(o)“, Ah.(+Typennummer, z. B.: „Ah.51“) oder Sd.Ah. (z. B. „Sd.Ah.111“) bezeichnetSeifert S. 18–19.
In der Praxis sind wiederholte Kollisionen dieser Zuordnungen vorgekommen. Nachfolgend eine Systematik,John Milsom, German military transport of World War Two, 1975, Arms and Armour Press, Seiten 9, 76, 84, die dort abgedruckte Nummernfolge stimmt allerdings nur eingeschränkt die allerdings nicht 100%ig durchgängig gehandhabt wurde:
Kfz. 1 – Kfz. 10: Leichte Personenkraftwagen (le. Pkw) Kfz. 11 – Kfz. 20: Mittlere Personenkraftwagen (m. Pkw) Kfz. 21 – Kfz. 30: Schwere Personenkraftwagen (S. Pkw) Kfz. 31 – Kfz. 40: Leichte Lastkraftwagen (le. Lkw) Kfz. 41 – Kfz. 50: Mittlere Lastkraftwagen (m. Lkw) Kfz. 51 – Kfz. 60: Schwere Lastkraftwagen (s. Lkw) Kfz. 61 – Kfz. 70: Leichte geländegängige Lastkraftwagen (le. gl. Lkw) Kfz. 71 – Kfz. 79: Mittlere geländegängige Lastkraftwagen (m. gl. Lkw) Kfz. 81 – Kfz. 83: Lastkraftwagen der Fliegerabwehrtruppen Kfz. 91 – Kfz. 95: Lastkraftwagen der Nebeltruppe Kfz. 100: schwere geländegängige Lastkraftwagen (s. gl. Lkw) Kfz. 301 – Kfz. 385: Lkw nach speziellen Vorgaben (Sonderaufbau) für die Luftwaffe. Kfz. 411 – Kfz. 420: Kraftfahrzeuge der Luftabwehr
Ein weiterer Nummerkreis betrifft die sogenannten Sonderkraftfahrzeuge (Sd. Kfz.). Ergänzend zur Liste der Sonderkraftfahrzeuge der Wehrmacht ein Überblick der Grobeinteilung:
Sd.Kfz. 1 – Sd.Kfz. 99: ungepanzerte Sonder-KraftfahrzeugeSeifert S. 94 ff Sd.Kfz. 100 – Sd.Kfz. 199: gepanzerte Sonder-Kraftfahrzeuge: Kampfpanzer, Jagdpanzer, Selbstfahrlafetten auf Panzer-Fahrgestellen Sd.Kfz. 200 – Sd.Kfz. 299: Späh- und Schützenpanzer, Beobachtungspanzer, Panzerbefehlswagen Sd.Kfz. 300 und höhere Nummern: Minenräumer und Ladungsträger
Ein dritter Nummernkreis betrifft die Anhänger und Sonderanhänger, insoweit wird auf die Liste von Anhängern und Sonderanhängern der Wehrmacht verwiesen.
Lieferungen und Bestandsgrößen Zahlen zur Menge der von der Wehrmacht genutzten Fahrzeuge stammen aus unterschiedlichsten Quellen. Hauptsächlich sind dazu Herstellerangaben zur Produktion, Verzeichnisse über beschlagnahmte oder erbeutete Fahrzeuge und die logistischen Aufzeichnungen bei den militärischen Einrichtungen und Truppenteilen bekannt.
Gelieferte Stückzahlen Folgende Stückzahlen von an die Reichswehr und Wehrmacht gelieferten Kraftfahrzeugen (ohne Sonder-Kfz.) sind aus offiziellen Statistiken bekanntBundesarchiv Akten BA R13 IV 1-3: Jahr 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 PKW 51 8 43 67 110 108 88 163 220 262 268 330 914 LKW 29 14 61 153 156 152 125 150 119 148 101 102 576
Jahr 1934 1935 1936 1937 1938 1939 1940 1941 1942 PKW 3867 9249 8423 5529 13.418 20.091 28.472 27.120 24.332 LKW 1697 6951 7048 12.661 22.832 32.869 53.412 51.267 58.160
Daneben gibt es aus den Unterlagen des Heereswaffenamtes folgende Zahlen für die KriegszeitHahn, Waffen und Geheimwaffen Bd.2 S.126:
Jahr 9.–12.1939 1940 1941 1942 1943 1944 1.–2.1945 PKW . . . 23.773 25.083 15.280 2772 LKW 7943 42.531 45.679 49.707 52.896 49.962 4582
Soweit sich beide Tabellen scheinbar widersprechen, dürfte der Widerspruch darin begründet liegen, dass letztere Tabelle wohl lediglich die Lieferung an das Heer, die erstere dagegen die Lieferungen an alle drei Wehrmachtsteile (Heer, Luftwaffe, Marine) umfasst.
Ab März 1945 fehlen brauchbare Zahlen, da damals nicht nur das Transport-, sondern auch das Meldewesen völlig zusammenbrach und daher zentrale Dienststellen keine Unterlagen über gefertigte Güter mehr erhielten.
Beutefahrzeuge Die Wehrmacht verwendete – wie auch alle anderen Armeen im Zweiten Weltkrieg – vorübergehend vom Feind erbeutete Kraftfahrzeuge. Unter Beutefahrzeugen wurden aber landläufig auch im Feindesland requiriertete (zivile) Fahrzeuge verstandenderen Eigentümer übrigens ebenfalls einen Entschädigungsanspruch hatten, Requisitionen durften nur durch Offiziere gegen Übergabe eines Requisitionsscheines erfolgen, ferner solche, die -insbesondere in Frankreich- die dortige Automobilindustrie für die Wehrmacht herstellte. Letztere Gruppe stellte die Masse der „Beutefahrzeuge“ dar, sie betrugBundesarchiv Akten R 13 IV 3 für 1940–42, R3/3181 für 1943, R 3/3179 für 1944: Jahr 1940 1940 1941 1941 1941 1941 1942 1942 1942 1942 1943 1943 1943 1943 1944 1944 Quartal III. IV. I. II. III. IV. I. II. III. IV. I. II. III. IV. I. II. PKW 1329 3571 3189 2689 2336 1506 1103 1236 416 5 30 0 0 0 3 0 LKW 5506 9118 8636 10196 10740 8141 8369 8912 9543 9748 8505 4299 3040 2882 3326 1404
Eine Übersicht zu den Typen der Beutefahrzeuge ist in Kennblätter fremden Geräts#Gruppe Fahrzeuge (D. 50/11, D. 50/12) aufgeführt.
Kraftfahrzeuge mit Nummer Leichte Pkw. Unter leichte Personenkraftwagen verstand man in der Wehrmacht solche von bis zu 1,5 Litern Hubraum und zwei Sitzplätzen. Allerdings wurde diese Grenze später zeitweise überschritten, indem man auch PKW wie den Mercedes 170V und den leichten Einheits-PKW mit 1,7 bzw. 2 Litern Hubraum zu den leichten PKW rechnete. BezeichnungVerwendete TypenVerwendung/Bemerkung/Bild leichter Personenkraftwagen (o) BMW 3/15, BMW 3/20, BMW 303, BMW 309, BMW 315
Folgende Nummern wurden vergebenSeifert S.46ff: Kfz.-Nr.BezeichnungVerwendete TypenVerwendung/Bemerkung/Bild 1 leichter geländegängigerPersonenkraftwagen Fahrgestell des leichten Personenkraftwagen (o) wie BMW 3/15, BMW 3/20, BMW 309, BMW 315Einheits-Pkw., Mercedes 170VK, VW Typ 82 für Stellengruppe Zug- und Kompanieführer in mot. Einheiten 1/20 leichter geländegängigerwassergängiger Personenkraftwagen Volkswagen Typ 166 Schwimmwagen in Aufklärungseinheiten anstelle B-Krad ab 1942, ferner bei Pionieren wie Kfz 1 2 Fernsprechkraftwagen Fahrgestell des leichten Personenkraftwagen (o) wie Adler Primus, BMW 3/15, BMW 309, BMW 315, VW Typ 82 in Nachrichtenformationen 2 Funkkraftwagen Fahrgestell des leichten Personenkraftwagen (o) wie Adler Primus, BMW 309, BMW 315, VW Typ 82leichter Einheits-Pkw.mittlerer Personenkraftwagen (o) in Nachrichtenformationen 2 Nachrichtenkraftwagen Fahrgestell des leichten Personenkraftwagen (o) wie Adler Primus, BMW 3/15, BMW 3/20, BMW 309, BMW 315, Mercedes 170VKleichter Einheits-Pkw.mittlerer Personenkraftwagen (o) in Nachrichtenformationen 2/1 leichter Fernsprechkraftwagen wie Kfz. 1 Führer/gr. Fernsprech-Trupp a 2/2 leichter Funkkraftwagen wie Kfz. 1 Tornisterfunktrupp b 2/40 kleiner Instandsetzungskraftwagen VW Typ 82, leichter Einheits-Pkw., m. Pkw. (o) Instandsetzungs-Trupp (ITp.) in mot. Kompanien 3 leichter Meßtruppkraftwagen leichter Pkw. (o), BMW 3/20, VW Typ 82, leichter Einheits-Pkw. in Batterien der aufklärenden Artillerie 4 Truppenluftschutzkraftwagen leichter Einheits-Pkw. mit Zwillings-Fla-MG, einer pro Artillerie-Batterie
Mittlere Pkw. Unter mittlere Personenkraftwagen verstand man in der Wehrmacht solche von über 1,5 Litern bis 3 Hubraum mit bis zu 5 Sitzplätzen. Später gab es allerdings auch etliche Kraftwagen mit über 3 Litern Hubraum (mittlerer Einheits-Pkw, ferner Ergänzungsfahrzeuge von Ford, Horch, Mercedes), die in den Planstellen des mittleren Pkw liefen. BezeichnungVerwendete TypenVerwendung/Bemerkung/Bild mittlerer Personenkraftwagen (o) Personenkraftwagen mit Hubraum von 1.500 bis 3000 cm³ und 4 Sitzen wieAdler 10/45, Adler 10/50, Adler Diplomat 3G, Adler Primus 1,5 A, Adler Primus 1,7 AAdler Standard 6 (10 N), Adler Standard 6 (12 N), Adler Standard 6 (12 NS), Adler Standard 8 (15 N), Adler Favorit (8 J)BMW 319, BMW 319/1, BMW 320, BMW 321, BMW 326, BMW 327, BMW 327/28, BMW 328, BMW 329
Folgende Nummern wurden vergebenSeifert S. 50 ff: