mini|Schlitz von oben
Schlitz ist eine Kleinstadt im Osten des mittelhessischen Vogelsbergkreises. Durch die fünf Burgen der Stadt ist Schlitz über Hessen hinaus bekannt und wird daher auch als Romantische Burgenstadt Schlitz bezeichnet.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Schlitz liegt am Fluss Schlitz kurz vor dessen Mündung in die Fulda. Flächenmäßig ist sie mit 142,09 km² die viertgrößte Stadt in Hessen nach Frankfurt, Wiesbaden und Oberzent.
Nachbargemeinden Schlitz grenzt im Norden an die Gemeinden Breitenbach und Niederaula (beide Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Osten an die Gemeinden Haunetal (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Burghaun sowie die Stadt Hünfeld (beide Landkreis Fulda), im Südosten an die Stadt Fulda (Landkreis Fulda), im Süden an die Gemeinden Großenlüder und Bad Salzschlirf (beide Landkreis Fulda), im Nordwesten an die Stadt Grebenau, im Südwesten an die Gemeinde Wartenberg sowie im Westen an die Kreisstadt Lauterbach (alle drei Vogelsbergkreis).
Stadtgliederung Schlitz untergliedert sich in die folgenden Stadtteile: Bernshausen, Fraurombach, Hartershausen, Hemmen, Hutzdorf, Nieder-Stoll, Ober-Wegfurth, Pfordt, Queck, Rimbach, Sandlofs, Stadtgebiet Schlitz, Üllershausen, Ützhausen, Unter-Schwarz, Unter-Wegfurth und Willofs.
Am 30. Juni 2017 hatte Schlitz selbst 4513 Einwohner.
Klima
Stadtgeschichte mini|Blick auf die Altstadt mini|Ankunft Kaiser Wilhelms II. mit seinem Hofzug im Bahnhof Schlitz, 18. April 1906 Mittelalter Die urkundliche Ersterwähnung von Schlitz ist die Weihe der heutigen Stadtkirche Schlitz St. Margarethe im Jahre 812: „... ecclesia in slitise ...“Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 18, S. 58. Überliefert ist die Urkunde in einem Kopiar aus der Zeit um 1160, dem Codex Eberhardi.
König Heinrich II. schenkte am 29. Dezember 1012 dem Kloster Fulda auf Bitten des Abtes Branthoh II. den um das Kloster gelegenen Königsforst Branfirst Hermann Knaus (Bibliothekar): Die königlichen Forstprivilegien für die Abtei Fulda. Dissertation. Gießen 1938, S. 36–46. innerhalb angegebener Grenzen mit Bann und allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Klosters. Diese Schenkung ist auch im Codex Eberhardi aufgezeichnet. Genannt werden neben Schlitz u. a. die Orte Hofbieber, Wolferts, Rothemann, Kalbach, Flieden, Crainfeld, Bermuthshain, Ilbeshausen, (Bad Salz-)Schlirf, Herbstein und Fulda. StAM, Kopiare Fulda: K 430. F. 73–74.
Ein erster Ortsadliger „Gerlach de Slidese“ wird 1137 genannt, ebenfalls im gleichen Kopiar.Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 792, S. 389. Die Brüder Friedrich und Simon von Schlitz verzichteten am 12. Mai 1285 mit Zustimmung ihrer Ehefrauen Berta und Gisa auf alle Ansprüche an die Mark des Klosters Blankenau. Dort besaß eine Seitenlinie der Herren von Schlitz eine Burg.StAM, Urk. 77, 10. Ritter Giso von Steinau bekundete am 28. September 1289 in Treysa einen Vergleich zwischen Eberhard von Meilenrode und der Frau des Simon von Slidese.StAM Urk. 80, 555. Der Ritter Friedrich von Slytese, Ministeriale des Klosters Fulda, beurkundete am 21. Juni 1291 ein fuldisches Lehen.Johann Friedrich Schannat, Corpus Traditionum Fuldensium. S. 368.
Im Jahre 1344 ist es „... her Heinrich de Slitse ...“, der urkundlich erscheint.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 828, S. 568. Ein Kopiar des 15. Jahrhunderts kennt „... Symon de Slitz“.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 588, S. 163.
Im Jahre 1613 erschien erstmals der heutige Ortsname Schlitz.StAD, Abt. XIII, 2, Konv. 40, Fsc. 31.
Dem Siedlungsnamen liegt ein Gewässername zugrunde und wahrscheinlich eine Ableitung von dem Suffix -isa. Das idg. Wort bedeutet soviel wie schlüpfrig, gleiten.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 333 f, S. 334.
Neuzeit Die Herren von Schlitz bauten in Mittelalter und Früher Neuzeit eine Herrschaft aus einem Lehen auf, das sie vom Hochstift Fulda erhalten hatten. Mit Einführung der Reformation 1546 und als Folge des Dreißigjährigen Krieges lösten sie sich immer weiter von Fulda. 1806 fiel die Landeshoheit der Herrschaft Schlitz im Zuge der Bildung des Rheinbunds und der Mediatisierung der Grafen von Schlitz an das neu gebildete Großherzogtum Hessen. In der Folge war die Herrschaft Schlitz eine hessische Standesherrschaft, zu der neben der Stadt Schlitz 16 Dörfer gehörten.Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. Le Roux, 1825, S. 361 (books.google.de).
In Schlitz galten die Schlitzer Verordnungen aus dem 18. Jahrhundert zusammen mit Teilen des Fuldischen Rechts als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese speziellen Regelungen für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert. In der gerichtlichen Praxis wurden die Verordnungen aber nur noch selten angewandt.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 104 und beiliegende Karte. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.
Einen bedeutenden Handwerkszweig bildete bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Leinenweberei, im Jahr 1823 wurden 176 Leinenweber gezählt.
siehe auch Burg Niederschlitz
Eingemeindungen Hutzdorf gehört seit dem 1. Januar 1969 zu Schlitz. Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Bernshausen, Fraurombach, Hemmen, Nieder-Stoll, Ober-Wegfurth, Pfordt, Queck, Rimbach, Sandlofs, Üllershausen, Ützhausen, Unterwegfurth und Willofs eingegliedert. Am 1. August 1972 kamen Kraft Landesgesetzes Hartershausen und Unter-Schwarz hinzu.
Einwohnerentwicklung
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Schlitz erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Schlitz 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 52,2 16 50,0 16 42,5 13 44,2 14 47,8 18 47,8 18 21,0 7 24,2 7 31,6 10 38,2 12 36,4 13 34,7 13 BLS Bunte Liste Schlitzerland 17,6 5 14,9 5 15,9 5 10,7 3 — — — — 9,2 3 10,9 3 10,0 3 6,9 2 7,7 3 8,0 3 UBL Unabhängige Bürgerliste Schlitz — — — — — — — — 8,2 3 9,5 3 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 62,2 53,5 55,1 52,6 52,6 52,6
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Schlitz neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sechs weitere Stadträte angehören. Die Stärke der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen spiegelt sich grundsätzlich in der Zusammensetzung des ehrenamtlichen Magistrats wider.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. April 2022 Heiko Siemon (CDU), der in der Kommunalpolitik zuletzt als Stadtrat dem Magistrat angehörte. Der Amtsvorgänger Alexander Altstadt (CDU) war wenige Monate nach Beginn seiner ersten Amtszeit schwer erkrankt und wurde am 1. November 2021 wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Deshalb übernahm Erster Stadtrat Willy Keutzer (CDU) ab Ende 2019 kommissarisch die Leitung der Stadtverwaltung und die Wahl eines neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden. Heiko Siemon erhielt am 13. Februar 2022 im ersten Wahlgang bei 63,7 Prozent Wahlbeteiligung 50,3 Prozent der Stimmen.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 13. Februar 2022 in Schlitz
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: Einzelergebnisse sind nicht archiviert - Votemanager: Wahltermine Stadt Schlitz, seit 2003 2022–2028 Heiko Siemon (CDU)Heiko Siemon: Über mich - Fuldaer Zeitung, 29. März 2022: Festakt in Schlitz: Heiko Siemon in Bürgermeister-Amt eingeführt: „Am 1. April tritt Heiko Simon das Amt als Bürgermeister an“ 2019–2021 Alexander Altstadt (CDU)Osthessen News, 26. März 2019: Alexander Altstadt (CDU) offiziell ins Amt eingeführt: „Vom 27. April an wird Altstadt sechs Jahre lang die Geschicke der Burgenstadt leiten“ - und 30. Oktober 2021: Amtszeit von Bürgermeister Alexander Altstadt endet zum 31. Oktober 2021: „Im November 2018 wurde Alexander Altstadt (CDU) zum neuen Bürgermeister … gewählt. Knapp ein Jahr später kam dann die Schocknachricht: Altstadt erlitt einen Schlaganfall. Seitdem wird er vom ersten Stadtrat Willy Keutzer in seinem Amt vertreten. Jetzt gibt die Stadt bekannt: Altstadt wird sein Amt auch in Zukunft nicht ausführen können - deshalb endet seine Amtszeit nun am 31. Oktober 2021.“ 1995–2019 Hans-Jürgen Schäfer (CDU) 1970–1994 Siegfried Klee (SPD) 1960–1970 Hanns-Heinz Bielefeld (FDP) 1945–1960 … 1933–1945 … 1933 Alfred Klostermann (NSDAP) 1919–? Friedrich Niepoth, DVP 1880–? Otto Zinsser, NLP
Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften gibt es mit folgenden Städten: Bogyiszló, Ungarn
Kultur und Sehenswürdigkeiten Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Schlitz (Vogelsbergkreis).
Bauwerke Der Burgenring: Innenstadtbereich auf einem Hügel mit Burgen, Türmen, Herrenhäusern, der Stadtkirche und vielen Fachwerkhäusern; ein historisches Ensemble. Wegen des Burgenringes und der landschaftlichen Lage wurde Schlitz in früheren Zeiten als das „hessische Rothenburg“ bezeichnet.
Vorderburg Hinterburg Hinterturm (36 m Höhe) mit Turmauffahrt per Aufzug, in der Adventszeit: größte „Kerze“ der Welt. Dabei wird der Hinterturm in ein rotes seidenes Tuch gehüllt und eine Kerzenspitze aus mehreren hunderten Glühbirnen aufgesetzt, die schon von Weitem sichtbar ist. Schachtenburg Ottoburg Marktbrunnen Rathaus Auerhahn-Brauerei Schlitzer Kornbrennerei Burg Seeburg (beim Stadtteil Hartershausen) Schloss Hallenburg Schloss Berleburg Burg Niederschlitz Evangelische Stadtkirche (ehem. St. Margarethen), 812 geweihtWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Evangelische Kirche Fraurombach (Heraklius-Wandmalereien) Sandkirche auf dem städt. Friedhof, 1612 kath. Pfarrkirche Christkönig Alte Eisenbahnbrücke
Museen Burgmuseum SchlitzBurgmuseum der Stadt Schlitz In: Webauftritt der Stadt Schlitz. Abgerufen im Januar 2019. Dorfmuseum 'Buisch ahl Huss', FraurombachDorfmuseum Fraurombach.
Regelmäßige Veranstaltungen Das Schlitzerländer Trachtenfest findet immer in ungeraden Jahren am zweiten Juliwochenende statt. Das Schlitzer Altbierfest, welches immer in den geraden Jahren im Juli stattfindet. Der Schlitzerländer Weihnachtsmarkt. Hierfür wird der Hinterturm durch Dekoration in eine „rote Kerze“ verwandelt. Das Schlitzer Runkelrübenfest, bei dem die ganze Stadt mit Runkelrüben verziert wird.
Freizeit- und Sportanlagen Die Stadt verfügt über ein Freibad, einen Campingplatz und eine Drei-Felder-Sporthalle. Im Stadtteil Pfordt befinden sich zwei Baggerseen.
Durch Schlitz verlaufen folgende Radwanderwege: Der verlängerte Vulkanradweg, der auf der ehemaligen Trasse der Oberwaldbahn von Altenstadt (Hess) in der Wetterau bis Lauterbach (Hess) führt und später bis Schlitz (Hess) verlängert wurde. Der Vulkanradweg ist inzwischen Teil des BahnRadwegs Hessen, der von Hanau auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt. Der Hessische Radfernweg R7 verbindet Werra und Taunus über den Vogelsberg.