mini|Sube'etai auf einer chinesischen Zeichnung

Sube'etai oder SubutaiEs existiert kein einheitliches System zur Transliteration der Eigen- und Ortsnamen aus dem Mittelmongolisch aus der Zeit des Mongolischen Weltreichs. Dementsprechend finden sich in den Publikationen zum Thema zahlreiche unterschiedliche Schreibweisen auch des Namens Sube'etai Ba'aturs. Wir folgen der Schreibweise Sube'etei Ba'atur. Diese Übersetzung der mittelmongolischen Schreibweise, wird im deutschen Sprachraum von Mongolisten und Philologen überwiegend verwendet (Haenisch, 1948; Heissig, 1985; Leicht, 1985; Weiers, 1996; im englischen Sprachraum: Sübe'etai). Verschiedene Autoren bevorzugen die Übersetzung der chinesischen Schreibweise, Subutai. Diese hat sich als die heute verbreitetste durchgesetzt, vermutlich nicht zuletzt, weil sie tastatur- und aussprachefreundlich ist. (mittelmongolisch: ᠰᠦᠪᠦᠭᠠᠲᠠᠢ, Sube'etai; mongolisch (modern): Сүбээдэй, Sübeedei; chinesisch: 速不台, Subutai; * um 1175 in der Mongolei; † 1248 in der Mongolei) war ein General und Feldherr in der Armee des Mongolischen Reichs. Sube'etai trug den Beinamen Ba'atur (mittelmongolisch: ᠪᠠᠭᠠᠲᠤᠷ, Ba'atur; mongolisch (modern): Баатар, Baatar; wörtlich: Held), ein Ehrentitel, der dem europäischen Ritter vergleichbar ist.Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire. Facts on Files Inc, New York, 2004, S. 601 (englisch). Er wird nicht nur als der fähigste General Dschingis Khans, Ögedei Khans und Güyük Khans angesehen, heutige Militärhistoriker zählen ihn zu den größten Heerführern der Geschichte und sehen ihn auf einer Stufe mit Napoleon, Alexander, Cäsar und Hannibal.Basil Liddell Hart: Jenghiz Khan and Sabutai. In: Great Captains Unveiled. Blackwood & Sons, Edinburg and London 1927, S. 3 (englisch); Richard A. Gabriel: Subotai the Valiant – Genghis Khan's Greatest General. Preager, Westport, Connecticut 2004, S.xi (englisch). Diese Wertung ist allerdings nicht unumstritten, einige Autoren sehen in ihm nur einen unter vielen mongolischen Heerführern.Leo de Hartog: Ghengis Khan. Tauris, London, 1989, S. 165–166 (englisch); Timothy May: The Mongol Art of War. Pen & Sword, Barnsley, 2007, S. 93–95 (englisch).

Unstrittig ist, dass Sube'etai im Laufe seiner rund 50 Jahre umspannenden Laufbahn an der Einnahme von mehr Territorium beteiligt war als jeder andere historische Militärführer. Sein Operationsgebiet erstreckte sich von den Wäldern Sibiriens im Norden bis nach Iran im Süden, von China im Osten bis nach Ungarn im Westen. Unter seinem Befehl stehende Truppen drangen bis nach Polen, Österreich und an die Adria vor. Kriegsgräuel und Massaker an der Zivilbevölkerung waren routinemäßig Teil seines Vorgehens, einige Städte wurden auf seinen Befehl hin so gründlich dem Erdboden gleichgemacht und entvölkert, dass sie nie wieder aufgebaut wurden.

Leben Die Quellenlage zur Person Sube'etais ist äußerst lückenhaft, widersprüchlich und undurchsichtig. Dementsprechend sind in der Sekundärliteratur viele Angaben zu seiner Biografie, seiner Herkunft und frühen Jahre umstritten. So werden beispielsweise das Jahr und der Ort seiner Geburt, seine ethnische Zugehörigkeit, seine familiären Verhältnisse sowie die Datierung entscheidender Ereignisse, etwa seines Anschlusses an Dschingis Khan oder seines ersten unabhängigen Kommandos, diskutiert.

Zudem besteht eine gewisse Mythologisierung in der Sekundär- und Populärliteratur, zahlreiche der dort gemachten Angaben lassen sich anhand der Primärquellen nicht belegen oder als falsch nachweisen. Einige dieser Angaben sind weit verbreitet und sowohl in der Literatur als auch – und vor allem – im Internet viel zitiert. Eine der Populärsten ist jene, die besagt, Sube'etai habe „65 offene Feldschlachten geschlagen und 32 Nationen unterworfen“. Diese Angabe, die offensichtlich von Basil Liddel-Hart ausgehend ihren Weg in Richard A. Gabriels Biografie Subotai the Valiant gefunden hat, und sich von dort aus unter anderem auch in die englischsprachige Wikipedia fortgesetzt hat, ist in keiner der sie zitierenden Sekundärquellen belegt.Basil Liddell Hart: Jenghiz Khan and Sabutai. In: Great Captains Unveiled. Blackwood & Sons, Edinburg and London 1927, S. 3 (englisch); Richard A. Gabriel: Subotai the Valiant – Genghis Khan's Greatest General. Preager, Westport, Connecticut 2004, S.xi (englisch). Die bisher genaueste Analyse der Primärquellen zu dieser Angabe hat Carl Sverdrup erarbeitet, er kam dabei auf 35 Schlachten, die Sube'etai führte.Carl Fredrik Sverdrup: Sübe'etei Ba'atur, Anonymous Strategist. In: Journal of Asian History. Nr. 47.1. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2013, S. 49 (englisch); Carl Fredrik Sverdrup: The Mongol Conquests: The Military Operations of Genghis Khan and Sube'etei. Helion, Solihull 2017, S. 359–366 (englisch). Weitere populäre Beispiele, die sich anhand der Primärquellen nicht belegen lassen, sind beispielsweise die Angaben, Sube'etai habe nie eine Schlacht verloren; Sube'etai sei kein ethnischer Mongole und kein Steppennomade gewesen, sondern habe zu den Waldbewohnern Süd-Sibiriens gehört;Richard A. Gabriel: Subotai the Valiant – Genghis Khan's Greatest General. Preager, Westport, Connecticut, 2004, S. 1–3 (englisch). Sube'etai sei so fettleibig gewesen, dass kein Pferd ihn tragen konnte, und er in einem eisernen Karren umherfahren musste;Turnbull, Stephen: Genghis Khan & the Mongol Conquests 1190–1400. Osprey Publishing, Oxford, 2003, S. 73 (englisch) Sube'etai sei einäugig gewesen und habe eine verkrüppelte Hand gehabt.Franklin Mackenzie: Dschingis Khan. Scherz, München, 1977, S. 116. Die Liste ließe sich um zahlreiche Beispiele erweitern. Stephen Pow und Jingjing Liao veröffentlichten 2018 einen ersten Text, um diesen Mythologisierungen und Legendenbildungen entgegenzuwirken und eine Aufarbeitung derselben anzuregen.Stephen Pow und Jingjing Liao: Subutai: Sorting Fact from Fiction Surrounding the Mongol Empire’s Greatest General. In: Journal of Chinese Military History. Nr. 7. Brill, Leiden, 2018, S. 37–76, (englisch).

Herkunft und frühe Jahre Die historischen Hauptquellen für Informationen über die Abstammung Sube'etais, die frühen Lebensjahre und die ersten Jahre seiner Laufbahn, die in westlichen Übersetzungen vorliegen, sind die Geheime Geschichte der Mongolen und insbesondere die chinesische Chronik Yuan Shi, die eine kurze Biografie Sube'etais enthält. Persische und europäische Quellen liefern, wenn überhaupt, dürftige Informationen. Eine Ausnahme stellt der persische Chronist Raschīd ad-Dīn dar, der in seinem Werk Dschāmiʿ at-tawārīch einige Angaben zu Sube'etais Stamm, den Uriyangqay, und zu seiner Familie macht.

Keine der historischen Quellen nennt das genaue Geburtsjahr Sube'etais. Einzig das Yuan shi gibt einen Hinweis. Laut dieser Quelle starb er in einem Maus-Jahr (Wu-Shen) im Alter von 73 Jahren.Paul D. Buell: The Biography of Sübedei. In: Readings on Central Asian History. East Asian Studies 210: Nomads of Eurasia. Independent Learning, Bellingham 2003, S. 100 (englisch). Da sich das genannte chinesische Jahr vom 28. Januar 1248 bis zum 15. Januar 1249 westlicher Zeitrechnung erstreckte, kann seine Geburt auf 1175 oder 1176 datiert werden.mini|Lage des Siedlungsgebiets der Uriyangqai und anderer mongolischer Stämme zu Beginn des 13. JahrhundertsRelative Einigkeit besteht in den Quellen darüber, dass Sube'etai einem Uriyangqay (Uriyangkhai, Uriangqan, Uriankhit, Uriyangqat) genannten Stamm angehörte. Keine der Primärquellen gibt an, dass die Uriyangqay keine ethnischen Mongolen gewesen seien. Im Gegenteil, sowohl das Yuan shi als auch Raschīd ad-Dīn geben dezidiert an, dass sie ein mongolischer Stamm waren. Sie lebten westlich des Flusses Onon auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Laut Raschīd ad-Dīn gab es einen weiteren Stamm namens Uriyangqai, diese lebten westlich des Baikalsees in Süd-Sibirien, waren aber mit dem Stamm, dem Sube'etai entstammte, nicht verwandt.Wheeler McIntosh Thackston: Rashiduddin Fazlullah's Jamiʼuʼt-tawarikh. Compendium of Chronicles – A history of the Mongols. Harvard University Press, Cambridge, 1998, S. 75–77 (englisch).

Besonders in Bezug auf Sube'etais Familie sind nicht nur die Angaben in der heutigen Sekundärliteratur, sondern auch jene der historischen Quellen inkonsistent und widersprüchlich. Die ausführlichsten und wohl verlässlichsten Angaben finden sich im Yuan shi.Stephen Pow und Jingjing Liao: Subutai: Sorting Fact from Fiction Surrounding the Mongol Empire’s Greatest General. In: Journal of Chinese Military History. Nr. 7. Brill, Leiden, 2018, S. 51, (englisch);* Laut dieser Quelle hieß Sube'etais Vater Qaban und er hatte einen älteren Bruder namens Huluhun.Paul D. Buell: The Biography of Sübedei. In: Readings on Central Asian History. East Asian Studies 210: Nomads of Eurasia. Independent Learning, Bellingham 2003, S. 97 (englisch). Über Sube'etais Mutter und etwaige weitere Geschwister schweigen die historischen Quellen sich aus. Auch ist über Sube'etais Frauen so gut wie nichts bekannt. Einzig von Tumeken, kaiserliche Prinzessin aus dem Geschlecht der Dschingisiden (Temüdschins Familie und Nachfahren), die Ögedei Khan ihm 1229 zur Frau gab, ist der Name überliefert.Paul D. Buell: The Biography of Sübedei. In: Readings on Central Asian History. East Asian Studies 210: Nomads of Eurasia. Independent Learning, Bellingham 2003, S. 99 (englisch). Sube'etai hatte mindestens zwei Söhne, Uriyangqadai und Kököcü, sowie einen Enkel, Aju. Uriyangqadai und Aju waren ebenfalls bedeutende Armeeführer unter Möngke Khan und Kublai Khan.Wheeler McIntosh Thackston: Rashiduddin Fazlullah's Jamiʼuʼt-tawarikh. Compendium of Chronicles – A history of the Mongols. Harvard University Press, Cambridge, 1998, S. 77, 420; Raschīd ad-Dīn: The Successors of Genghis Khan. Übersetzt von John Andrew Boyle. Columbia University Press, New York 1971, S. 248–250 (englisch); Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire. Facts on Files Inc., New York, 2004, S. 6, 592 (englisch). Der Geheimen Geschichte der Mongolen zufolge war Sube'etai ein naher Verwandter des J̌elme. Dieser war ebenfalls ein bedeutender General Dschingis Khans und einer seiner frühesten Gefolgsleute.Manfred Taube: Geheime Geschichte der Mongolen. Herkunft, Leben und Aufstieg Cinggis Qans. Kiepenheuer, Leipzig und Weimar, 1989, S. 36, 52.

Wann sich die Wege Sube'etais und Temüdschins erstmals kreuzten, ist nicht genau überliefert. Folgt man der Schilderung in der Geheimen Geschichte, erscheint ein Anschluss um 1190 wahrscheinlich.Paul D. Buell: Sübȫtei Ba’atur. In: Igor de Rachewiltz et al. (Hrsg.): In the Service of the Khan: Eminent Personalities of the Early Mongol-Yuan Period 1200–1300. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1993, S. 13–14 (englisch); Carl Fredrik Sverdrup: Sübe'etei Ba'atur, Anonymous Strategist. In: Journal of Asian History. Nr. 47.1. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2013, S. 34 (englisch) Die Angaben des Yuan shi lassen sich allerdings dahingehend interpretieren, dass dies erst 1203 geschah.Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire. Facts on Files Inc., New York, 2004, S. 6, 592 (englisch). Über die dazwischenliegende Zeit finden sich keine weiteren Angaben, und auch in der Biografie des Dschingis Khan klafft in diesem Zeitraum eine fast zehnjährige Lücke.Paul Ratchnevsky: Ghengis Khan – His Life and Legacy. Blackwell, Oxford und Cambridge 1992, S. 49–50 (englisch).

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