mini|Zippelhaus (1888) Das Zippelhaus war ein historisches Gebäude in Hamburg-Altstadt, nach dem die Straße benannt wurde, die heute an seinem ursprünglichen Standort verläuft.
Geschichte Altes Zippelhaus Das Gebäude wurde 1535 in unmittelbarer Nähe zur St.-Katharinen-Kirche erbaut, einem der damals vier Kirchspiele Hamburgs. Die Stadt Hamburg überließ 1604 das Zippelhaus den Gemüsehändlerinnen aus Bardowick gegen eine geringe Miete „auf ewige Zeiten“. Diese Gemüsehändlerinnen nutzten das Gebäude als Verkaufslokal und Warenlager. Außerdem übernachteten auch viele Bardowicker Gemüsemädchen im Haus, die auf diese Weise die mühsame Pendelei zwischen ihrem Heimatort und ihrer Arbeitsstätte vermieden. Die Benennung des Zippelhauses folgte einem der wichtigsten hier verkauften Lebensmittel: der Zippel, dem plattdeutschen Wort für Zwiebel.
Das Gebäude war ein schmaler, einstöckiger Fachwerkbau, der an der Straßenseite über horizontal angebrachte Fensterläden aus Holz verfügte, die heruntergeklappt und zum Verkauf der Waren genutzt wurden. Die auf dem Wasserweg herangeschafften Waren konnten auf einem eigens hierfür vorgesehenen Landungsplatz am Zollkanal gelöscht und ins Zippelhaus transportiert werden. Das alte Gebäude musste 1674 nach 139 Jahren Bestand wegen Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt werden. Wegen Straßenbaumaßnahmen wurde nach weiteren 214 Jahren auch dieses Gebäude 1888 abgerissen. Die Bardowicker Gemüsehändlerinnen, die das Zippelhaus ursprünglich auf ewige Zeiten angemietet hatten, verzichteten zuvor auf ihr Mietrecht. In Bardowick bildete sich daraufhin 1889 eine Interessengemeinschaft Zippelhaus, die das Lagerhaus Deichstraße 27 erwarb, das später auch als Bardowicker Speicher bezeichnet wurde. Noch heute erinnert eine Gedenktafel daran.Elke Schnee: . In: Hamburger Abendblatt vom 3. Dezember 2005.
Heutige Bebauung an der Straße Zippelhaus Am ursprünglichen Standort des Zippelhauses verläuft heute am Zollkanal gegenüber der Speicherstadt die Straße Zippelhaus, die ihren Namen zur Erinnerung an das historische Gebäude trägt. Dort stehen heute eine Reihe von Häusern aus dem späten 19. Jahrhundert. Zippelhaus 1/2: Katharinenhof, ehemaliges Frachtenhaus; Der Ursprungsbau wurde 1890–1891 nach Entwurf des Architekten Hinrich Fittschen errichtet; 1991–1993 wurde das im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte Haus rekonstruiert und baulich ergänzt. Zippelhaus 3: Das Wohn- und Geschäftshaus Haus Rademacher entstand 1890–1891 nach Plänen des Architekten Carl Elvers für den Verleger F. W. Rademacher. Die Neorenaissance-Fassade des mehrgeschossigen Hauses wird unter anderem durch zwei Figurenhermen im 1. Obergeschoss geschmückt, die Alois Senefelder, den Erfinder der Lithografie, und Johann Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks, darstellen. Die Figuren weisen auf die Bestimmung des Gebäudes als Druck- und Verlagshaus hin. Das Gebäude gilt als Beispiel für die Vorläufer des eigentlichen Kontorhauses. Es bestand zwar noch die alte Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten des Bürgerhauses, jedoch waren sowohl Laden- und Kontorbetreiber als auch Bewohner bereits voneinander unabhängige Mieter.Vorbild New York: Die Kontorhäuser. In: Welt Online vom 25. August 2002, . Nach Nordosten schließen sich das Transporthaus (Zippelhaus 4), der ehemalige Nobelshof (Zippelhaus 5) und die Gebäude Zippelhaus 6 und 7 an.
Quellen Jonas Ludwig von Heß: Hamburg topographisch, politisch und historisch beschrieben. 2. Auflage, Band 1 (Hamburg), J. C. Brüggemann, Hamburg 1810, S. 365. (Digitalisat bei der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg) Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg Lexikon. 2., durchgesehene Auflage. Zeiseverlag, Hamburg 2000, ISBN 3-9805687-9-2, S. #. Ralf Lange: Das Hamburger Kontorhaus. Architektur, Geschichte, Denkmal. Dölling und Galitz, München / Hamburg 2015, ISBN 978-3-86218-067-7, S. #.
Einzelnachweise
Weblinks
Freie und Hansestadt Hamburg, Denkmalliste für Bezirk Hamburg-Mitte (PDF) Alte und neue Fotos auf www.bildarchiv-hamburg.de
Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Hamburg Kategorie:Erbaut 1535 Kategorie:Zerstört in den 1880er Jahren Kategorie:Hamburg-Altstadt Kategorie:Bauwerk im Bezirk Hamburg-Mitte