mini|Schlangenbad 2009 Schlangenbad ist eine Gemeinde im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen westlich der Landeshauptstadt Wiesbaden. Der Kernort mit den Thermalquellen liegt an der Bäderstraße Taunus und gilt als das älteste anerkannte Heilbad Hessens.Regierungspräsidium Kassel: Der Ortsname ist auf die in der Gemeinde vorzufindenden ungiftigen Äskulapnattern zurückzuführen.
Die Gemeinde Schlangenbad weist mit 131 Prozent einen weit überdurchschnittlichen Kaufkraftindex auf (Bundesdurchschnitt: 100 Prozent), womit Schlangenbad nach Niedernhausen die Gemeinde mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen im Rheingau-Taunus-Kreis ist.
Geografie Lage und Gemeindegliederung Der Ortsteil Schlangenbad und damit der Kernort der Gemeinde liegt als Kurort in geschützter Talhanglage im waldreichen Hohen Taunus an der Einmündung des Warmen Bachs in die Walluf. Schlangenbad ist 12 km von Wiesbaden, 7 km von Eltville am Rhein und 7 km von Bad Schwalbach entfernt.
Das langgestreckte Gemeindegebiet erreicht eine Ausdehnung von über 13 km mit den wie auf einer Kette aufgereihten Ortsteilen von Georgenborn im Osten über den Kernort Schlangenbad, dann weiter über Wambach und Bärstadt zum höchstgelegenen Ortsteil und Luftkurort Hausen vor der Höhe (483 Meter), von da hinein ins Gladbachtal über Obergladbach und Niedergladbach bis zum Hinterlandswald und Wispertal im Westen.
Der höchste Punkt des Gemeindegebietes liegt am Westhang der Hohen Wurzel, in der Nähe des Taunus Wunderlandes, bei etwa 544 Metern. Der niedrigste Punkt im Walluftal in der Nähe des Forsthauses Schlangenbad und der Neu-Mühle liegt bei 210 Metern. Das Tal durchschneidet bei Schlangenbad den Taunushauptkamm mit besonders steilen Hangneigungen.
Nachbargemeinden Schlangenbad grenzt im Norden an die Stadt Bad Schwalbach, im Osten an die Stadt Taunusstein und die kreisfreie Stadt Wiesbaden, im Süden an die Stadt Eltville am Rhein und die Gemeinde Kiedrich sowie im Westen an die Stadt Oestrich-Winkel.
Klima und Schlangen In Schlangenbad herrscht ein reizschwaches Schonklima mit starker nächtlicher Abkühlung. Das gemäßigte Klima ist vergleichbar mit dem mediterranen Klima. Dadurch und wegen der Erwärmung der Walluf durch Thermalquellen konnte sich auch nach allgemeiner Abkühlung des Klimas in Deutschland eine Population der Äskulapnatter erhalten, die heute nur noch in mediterranen oder besonderen wärmeren Gegenden Tschechiens, Polens und Deutschlands (an 3 Orten) vorkommt, zu wärmeren Zeiten aber in ganz Mitteleuropa verbreitet war.Radka Musilová, Vít Zavadil, Petr Kotlík: Isolated populations of Zamenis longissimus (Reptilia: Squamata) above the northern limit of the continuous range in Europe: origin and conservation status. In: Acta Soc. Zool. Bohem., 71, 2007, S. 197–208. Der Ortsname Schlangenbad basiert auf diesem Vorkommen der Äskulapnatter, das Wappen zeigt die Natter mit Krone.
Mehrmals im Jahr werden Führungen zur Äskulapnatter von verschiedenen Institutionen angeboten. Die fünf Unterführungen der Bäderstraße/Umgehung wurden mit sogenannten Querungshilfen im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen durch die Straßenbauverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Darmstadt und dem Verein Naturschutzhaus ausgestattet.
Geschichte mini|Schlangenbad um 1900 Im gesamten Mittelalter war das mittlere Tal der Walluf unbesiedelt und unerschlossen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befand sich an der Stelle des heutigen Schlangenbads ein einziges Gebäude: Die Warme Mühle am Warmen Bach, einem Zufluss der Walluf, der einen ganzjährigen Mühlenbetrieb erlaubte. Der Warme Bach bildet die Grenze zwischen dem Kurmainzischen Rheingau und der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, während der untere Bereich des heutigen Schlangenbads zum Fürstentum Nassau-Idstein gehörte.
Im Jahre 1687 überbaute der Amtmann von Hohenstein einen Teil der Schlangenbader Quellen mit einem einfachen Holzbau. Damit begann die Geschichte des Schlangenbader Bades. Ab 1694 begann eine rege Bautätigkeit auf der linken – hessischen – Seite des Warmen Bachs. Errichtet wurden auf Geheiß des Landgrafen-Prinzen Karl von Hessen-Kassel ein Badehaus, Logierzimmer und weitere Gebäude. In den Jahren 1700 bis 1703 ließ der Mainzer Kurfürst und Erzbischof auf der rechten – mainzerischen – Seite des Warmen Baches ebenfalls ein dreistöckiges Logierhaus errichten. Seit 1716 betrieb die Landgrafschaft Hessen-Kassel das Bad in eigener Regie als Staatsbad.
Liselotte von der Pfalz erwähnte „Schlangenbadt“ mehrmals, zuerst im Jahr 1699 in einem Brief an ihre Halbschwester Amelise.W. L. Holland: Briefe der Herzogin … Band I. 1676–1706, S. 151 online im Internet-Archiv
Die Wirren der Koalitionskriege führten zu einem fast vollständigen Verfall des Kurlebens und der Badeeinrichtungen. Durch die Verträge des Frieden von Lunéville verloren die Nassauischen Fürsten ihre linksrheinischen Besitzungen und bekamen durch Beschluss des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 das Vizedomamt Rheingau zugesprochen. Der dritte, kurhessische Teil Schlangenbads gelangte mit dem 20. November 1806 zunächst unter französische und dann unter preußische Verwaltung. Erst mit dem 22. April 1818 wurden die Dreiteilung des Ortes endgültig beendet und Schlangenbad wurde als Gemeinde innerhalb des Herzogtums Nassau selbständig.Dr. Dr. S. Dörffeldt: Schlangenbad. Geschichte und Gegenwart. Herausgeber: Gemeinde Schlangenbad, S. 20 ff., 1968.
Frühere Namen des Ortes sind: Warme Mühlen (1482), Amtmannsbad (1687), Karlsbad (1693), Schlangenbad (1700) und Schlangen Bad (1708).
mini|Personen betrachten ein Banner, das auf die Verabschiedung des Bundeswahlgesetzes am 15. Juni 1949 in Schlangenbad hinweist.In Schlangenbad fand am 15. Juni 1949 die Tagung der Ministerpräsidenten der drei westlichen Besatzungszonen statt, in der das Wahlgesetz zum ersten Bundestag und zur ersten Bundesversammlung der Bundesrepublik Deutschland und die Verordnung über den WahltagVerordnung über den Wahltag vom 15. Juni 1949 (BGBl. I S. 24) (14. August 1949) beschlossen wurde. Mit dem Wahlgesetz wurde das bis heute geltende personalisierte Verhältniswahlrecht für den Bundestag beschlossen.
Eingemeindungen Der Nachbarort Georgenborn, der 1928 in die Stadt Wiesbaden eingegliedert worden war, wechselte am 1. April 1939 seine kommunale Zugehörigkeit und war fortan als Ortsteil in die Gemeinde Schlangenbad im Untertaunuskreis integriert. Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen wurde auf freiwilliger Basis mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 zunächst die Gemeinde Wambach in die Gemeinde Schlangenbad eingegliedert. Am 1. Juli 1972 folgten die Gemeinden Bärstadt, Hausen vor der Höhe, Niedergladbach und Obergladbach diesem Beispiel.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Schlangenbad erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 BfB Bürger für Bürger 31,1 8 29,8 7 24,5 6 16,6 5 – – – – 31,0 8 28,8 7 33,4 8 37,3 11 48,3 15 38,0 12 15,0 4 21,2 5 15,9 4 21,2 7 12,4 4 9,6 3 9,7 2 14,0 4 18,4 5 19,5 6 26,1 8 35,6 11 4,3 1 6,1 2 7,8 2 5,4 2 8,9 3 12,5 4 FLS Freie Liste Schlangenbad 8,9 2 – – – – – – – – – – PRO PRO Schlangenbad – – – – – – – – 4,2 1 4,2 1 Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 61,6 57,5 55,9 57,4 57,7 59,0
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Schlangenbad neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sechs weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. März 2019 Marco Eyring (CDU). Er wurde als Nachfolger von Michael Schlepper (FDP), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 28. Oktober 2018 im ersten Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 70,9 Prozent mit 56,0 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Juni 2024.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 in Schlangenbad
Amtszeiten der Bürgermeister 2019–2031 Marco Eyring (CDU)Jahrbuch 2020 des Rheingau-Taunus-Kreises, Seite 238: Schlangenbad. Nach zwölf Jahren neuer Bürgermeister. Marco Eyring neuer Chef im Schlangenbader Rathaus. 2007–2019 Michael Schlepper (FDP) 1999–2006 Detlev Sieber (SPD) (im September 2006 durch Bürgerentscheid abgewählt)Frankfurter Allgemeine, 12. Januar 2007: Ehemaliger Bürgermeister will ins Amt zurück 1994–1998 Klaus-Peter Willsch (CDU)Deutscher Bundestag: Biografien. Klaus-Peter Willsch, CDU/CSU: „seit April 1994 bis zur Wahl in den Bundestag Bürgermeister in Schlangenbad“ 1982–1994 Horst-Dieter Reuther (CDU)Schlangenbader Nachrichten, September 2023: Rückblick: Konzert 40 Jahre Kulturkreis Schlangenbad; „Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Horst-Dieter Reuther und von Prof. Johannes Ludwig konstituierte sich der Kulturkreis am 18.03.1983“ (Seite 8 der PDF-Datei 4,17 MB) 1972–1982 Heinz Grein (SPD)Wiesbadener Kurier, 24. Juni 2022: 50 Jahre Gemeinde Schlangenbad: „Der vom ersten Bürgermeister der Gemeinde, Heinz Grein, seinerzeit beschworene „Brückenschlag zwischen den Ortsteilen“ ist heute aber längst vollzogen.“
Partnergemeinde Die Gemeinde Schlangenbad unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Craponne in Frankreich.
Gemeindewappen Beschreibung: In Grün über drei silbernen (weißen) Wellenbalken eine gekrönte, rot gezungte goldene S-förmig gewundene Schlange.
Das den Ort auszeichnende Vorkommen der Äskulapnatter hat über die Marke des hessischen Staatsbades Eingang in das Gemeindewappen gefunden und wurde schon im Hessischen Ortswappenbuch von 1956 dargestellt.
Bekanntmachungen der Gemeinde Satzungen, Verordnungen sowie andere Gegenstände, deren öffentliche Bekanntmachung erforderlich ist, werden durch Abdruck im Wiesbadener Kurier oder durch Veröffentlichung auf der Internetseite der Gemeinde Schlangenbad bereitgestellt.§ 7 Absatz 1 der Hauptsatzung der Gemeinde Schlangenbad.
Außerdem gibt die Gemeinde seit 1972 als Mitteilungsblatt die Schlangenbader Nachrichten heraus.
Bauwerke mini|Christuskirche, Zeichnung von Ludwig Hofmann
Die evangelische Christuskirche, erbaut 1907, ist ein Hauptwerk des Architekten Ludwig Hofmann. Die katholische Kirche Herz Jesu wurde 1895–97 aus Bruchsteinen gebaut. Von Eugen Rückgauer stammten die Pläne zum Parkhotel Schlangenbad.
Das Rathaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Kurhotel gebaut. Ein Nebengebäude ist als Historische Caféhalle erhalten.
Der Kurpark und die Kurkolonnaden mit Trinkhalle wurden für den Kurbetrieb erbaut. Das Schweizerhaus steht oberhalb des Parks.
Wirtschaft und Infrastruktur Kliniken Median Klinik Schlangenbad, Behandlungsgebiete: Psychosomatik, Rheumatologie, spezielle schmerztherapeutische Behandlungen, Gynäkologie Oberberg Parkklinik Wiesbaden-Schlangenbad, Behandlungsgebiete: Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie
Freizeit- und Sportanlagen Thermalfreibad mit Kelosauna Aeskulap Therme Tennisplätze Schlangenbad Bouleplatz im Kurpark Schlangenbad Heinz-Grein-Sporthalle Georgenborn Sporthalle Bärstadt Fußballplatz Hausen
Wanderwege Der Rheinsteig, ein durch das Walluftal bei Schlangenbad führender Wanderweg von Schloss Biebrich bei Wiesbaden über die Loreley, die feindlichen Brüder (Liebenstein und Sterrenberg) und Burg Lahneck nach Bonn. Wanderweg nach Rauenthal (ca. 45 min) mit Blick über das Rheintal. Schlangenbader Waldpfade am Parkplatz Adelheidtal. Rundwanderwege am Parkplatz „Förster-Bitter-Eiche“ bei Hausen v. d. H. nahe dem Hinterlandswald. Schlangenpfad mit Schautafeln zu Biologie, Gefährdung und Schutzmaßnahmen der größten heimischen Schlange, der ungiftigen Äskulapnatter.