Das Konzentrationslager Oberndorf befand sich im Saale-Holzland-Kreis zwischen den Orten Bad Klosterlausnitz, Tautenhain, Rüdersdorf und Oberndorf. Es war ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Zwischen dem 19. November 1944 und dem 18. Februar 1945 wurden KZ-Häftlinge aus diesem Lager zur Zwangsarbeit in der „Luftmunitionsanstalt Oberndorf“ eingesetzt. Insgesamt sind durch jüngste Archivrecherchen 237 Einzelschicksale von Häftlingen namentlich nachweisbar (Stand 2026),Muna Oberndorf: Ein Wald. Eine Fabrik. 237 Schicksale, abgerufen am 20. Mai 2026. die zwischen November 1944 und der Lagerräumung im Februar 1945 im Außenlager interniert waren.

Geschichte Entstehung des Lagers Auf einem etwa 250 ha großen Areal wurde im Auftrag der deutschen Luftwaffe ab 1934 die „Luftmunitionsanstalt Oberndorf“ (auch „Luftmunitionsanstalt 5/IV“) errichtet. 1935 konnte sie in Betrieb genommen werden. Zweck dieser Anlage war, wie bei allen vergleichbaren Luftmunitionsanstalten, die Fertigstellung von Abwurfmunition für die Luftwaffe (Splitter-, Spreng- und Zeitzünderbomben). Hierbei wurden in der Munitionsanstalt (kurz Muna) die Zünder in die angelieferten Bomben eingesetzt und diese bis zu einer Anforderung zwischengelagert. Für den An- und Abtransport der Munition bestand ein gesonderter Gleisanschluss an das Netz der Deutschen Reichsbahn. Gleichzeitig wurden für die Arbeit in der Muna Entschärfungstrupps ausgebildet.

Im Laufe des Krieges vergrößerte sich der Arbeitskräftemangel in der Muna bei gleichzeitig steigendem Munitionsbedarf. Aus diesem Grunde wurden KZ-Häftlinge aus Buchenwald als „kostengünstige“ Arbeitskräfte angefordert. Diese wurden eingesetzt, um noch nicht bezünderte Bomben auf Holzschlitten von der Bahnstation zu den Munitionsarbeitshäusern der Muna zu transportieren. Im Anschluss wurden die scharfen Bomben entweder in oberirdischen erdgedeckten Bunkern zwischengelagert oder auf Eisenbahnwagons verladen. Neben dieser Aufgabe gehörte die Entschärfung von Blindgängern zu den Aufgaben der Häftlinge. Außerdem errichteten sie Betonpfeiler und bauten Wege.

Die ersten 92 männlichen Häftlinge erreichten Oberndorf am 16. November 1944, weitere acht folgten wenige Tage später. Die Häftlinge besaßen unterschiedliche Nationalitäten. Die Häftlinge stammten aus über zehn Nationen. Die größten Gruppen bildeten Staatsangehörige der Sowjetunion (ca. 90 Personen) und Polens (40 Personen), gefolgt von Italienern, Ungarn und Franzosen. Auch Häftlinge aus den Niederlanden, Belgien, Lettland, Tschechien und Deutschland sind nachweisbar. Im Lager arbeiteten Anfang Januar 1945 200 Häftlinge. Ihre Zahl halbierte sich Anfang Februar auf 100, die dann bis zum Monatsende auf 3 Häftlinge sank.

Gerüchte über das Lager Die „Luftmunitionsanstalt Oberndorf“' hatte in den Nachbardörfern den Ruf, eine Schokoladen- oder Marmeladenfabrik zu sein. Das dort arbeitende Personal wurde verpflichtet, kein Wort über seine Arbeit zu verlieren. Die Häftlinge durften keinerlei Kontakt zur Außenwelt unterhalten. Da die Arbeiter tagtäglich mit dem süßlich riechenden Sprengstoff in Kontakt kamen und ihre Kleidung den Geruch aufnahm, entstand in der Umgebung des Werkes das Gerücht, die Muna produziere Schokolade oder Marmelade.

Häftlingsalltag Die Häftlinge lebten in kleinen Holzbaracken, über deren Anzahl in der Literatur Unklarheit herrscht. Sie wurden in kürzester Zeit errichtet. Die Munitionsanstalt verfügte über zwei Küchen, eine für das Wachpersonal und eine andere, die „Obere Küche“ für die Zwangsarbeiter. Der Werksbereich war komplett umzäunt. Zusätzlich existierte ein zweiter Zaun um den Bereich der KZ-Häftlinge. Scheinwerfer in den die Baracken umgebenden Bäumen leuchteten den Häftlingsbereich nachts aus.

Es liegen zahlreiche Berichte über Fluchtversuche vor, die durch den Einsatz von Hunden stets vereitelt wurden. Als Strafmaßnahme ließ man sie im strengen Winter zur Jahreswende 1944/45 erfrieren. Vermutlich wurden die Leichen in der Umgebung des Lagers verscharrt. Mehrere Funde menschlicher Überreste lassen dies vermuten.

Das Ende des Lagers Die Auflösung des Lagers erfolgte im Februar 1945 in zwei Phasen. Am 5. und 18. Februar 1945 wurden insgesamt 186 Männer in Güterwaggons zurück in das Stammlager Buchenwald transportiert. Viele von ihnen wurden von dort aus im April 1945 auf die großen Todesmärsche (u. a. Richtung Kommando S III/Ohrdruf) geschickt. Die verbliebenen Häftlinge in Oberndorf wurden Ende März 1945 zu Fuß auf Todesmärsche geschickt.

Ein dokumentierter Knotenpunkt dieses Leids war das Rittergut Ottendorf, wo am 27. März 1945 mehrere Häftlingskolonnen rasteten. Mindestens zwei Männer starben dort und wurden anonym an der Friedhofsmauer begraben; dem örtlichen Pfarrer Fentinus wurden jegliche Einträge in das Kirchenbuch durch die SS untersagt.

Am 13. April 1945 wurde die Munitionsanstalt von US-Truppen kampflos übernommen. Bereits am 11. Mai 1945 begannen die Soldaten damit, die Munitionsbestände zu sprengen. Aufgrund ausgelöster Waldbrände und Schäden durch die entstandenen Druckwellen wurde dies jedoch gestoppt. Nach der Übergabe Thüringens an die Rote Armee setzten sowjetische Truppen die Sprengungen ab dem 2. Juli 1945 fort, die bis 1946 dauerten. Hierbei kam es aufgrund der Druckwellen zu großen Schäden, die selbst noch im Stadtgebiet von Gera auftraten. Bombentrichter mit einem Durchmesser von 50 m sind heute noch erkennbar.

Schießplatz der Nationalen Volksarmee 1952 scheiterte ein geplantes Siedlungsprojekt (Goldborn) für 80 Familien auf dem Gelände aufgrund der massiven TNT- und Phosphorkontamination des Bodens sowie eines tödlichen Sprengunfalls.

Ab 1956 nutzte die Nationalen Volksarmee das 250 ha große Gelände zu Schießübungen. Weder eine Gedenkstätte noch eine Erinnerungstafel erinnerte an das frühere Konzentrationslager und das Schicksal der KZ-Häftlinge. Daran änderte sich bis heute nichts.

Heutige Situation In den Gebäuden der ehemaligen Munitionsfabrik wurden ein Jugendheim und eine Diskothek eingerichtet. Im früheren Eingangsbereich befindet sich heute ein Jugendwaldheim.

Die Gebäudereste des früheren Konzentrationslagers wurden vor ein paar Jahren abgerissen. Heute befindet sich an der Stelle ein Regenrückhaltebecken. Ein Teilbereich wurde zu einem Schutzgebiet.

Weblinks Luftmunitionsanstalt und KZ-Außenkommando Oberndorf Geschichte der Luftmunitionsanstalt Oberndorf Geschichte des KZ-Außenlagers Oberndorf (PDF; 1,5 MB)

Einzelnachweise

Oberndorf Oberndorf Kategorie:Thüringen in der Zeit des Nationalsozialismus Kz Oberndorf