Die Comedian Harmonists waren ein international bekanntes Berliner Vokalensemble der Jahre 1927 bis 1935. Es gab zwei direkte Nachfolgegruppen, das Meistersextett in Deutschland und die Comedy Harmonists im europäischen und weiteren Ausland.
Geschichte Besetzung Die Mitglieder der Gruppe waren: Ari Leschnikoff (1897–1978) 1. Tenor Erich A. Collin (1899–1961) 2. Tenor Harry Frommermann (1906–1975) 3. Tenor Roman Cycowski (1901–1998) Bariton Robert Biberti (1902–1985) Bass Erwin Bootz (1907–1982) Pianist
Gründung mini|Gedenktafel: Gründung der Comedian Harmonists in Berlin-Friedenau, Stubenrauchstraße 47 Die Comedian Harmonists wurden in der Wohnung von Harry Frommermann in Berlin-Friedenau gegründet. Am Haus Stubenrauchstraße 47 erinnert eine Gedenktafel an die Gesangsgruppe.
Inspiriert von den Aufnahmen der US-amerikanischen Gruppe The Revelers erschien am 18. Dezember 1927 im Berliner Lokal-Anzeiger eine Anzeige, in der Harry Frommermann Sänger für eine neue Gruppe suchte:Foto der Anzeige, www.die-charmonists.de, Abruf 27. Oktober 2025.
Der gerade volljährig gewordene Frommermann hatte keine akademische Gesangs- und Musikausbildung, er war überwiegend von seinem Vater, einem ehemaligen Opernsänger und Kantor, unterrichtet worden. Auf seine Annonce meldeten sich in der damals wirtschaftlich schwierigen Lage mindestens 70 Männer. Darunter befand sich auch Robert Biberti, der als einziger der späteren Besetzung bei diesem Vorsingen von Frommermann akzeptiert wurde. Er hatte nicht nur eine außergewöhnlich wirkende Bassstimme, sondern teilte auch Frommermanns Begeisterung für die Revelers.
Im Januar 1928 fanden die ersten Proben der Gruppe statt, in der Besetzung: Frommermann, Biberti, Theodor Steiner (Frommermanns Mitbewohner und Mitinitiator der Idee) sowie Louis Kaliger und Max Colani (ob dieser mit dem Schauspieler Victor Colani identisch ist, ist nicht restlos geklärt).
Einige Wochen später wurden Kaliger und Colani durch Bibertis Chorkollegen aus dem Großen Schauspielhaus, den Bulgaren Ari Leschnikoff (Erster Tenor) und Walter Nussbaum (Zweiter Tenor) ersetzt. Der Pole Roman Cycowski, ebenfalls vom Schauspielhaus-Chor, stieg als Bariton ein. Leschnikoff brachte in der Folge seinen Freund Erwin Bootz in die Gruppe, der nun für Steiner die Klavierbegleitungen übernahm. Der fertige Musikstudent Bootz war als Einziger der Sechs mit einem guten Einkommen ausgestattet. Die Gruppe nannte sich anfangs und ab 1. April 1928 auch vertraglich ‚Melody Makers‘.
Anfänglich probte das Ensemble in Harry Frommermanns Mansardenwohnung, später stellte die Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen den Musiksalon ihrer Wohnung an der damaligen Kaiserallee als Probenraum zur Verfügung.Eberhard Fechner: Die Comedian Harmonists. Heyne, München 1998, ISBN 3-453-87315-7, S. 156. Es stellte sich heraus, dass viele Monate harten Probens bevorstanden, für die es keinerlei Einnahmen gab. Chorsingen oder sonstige Gelegenheitsarbeiten waren stattdessen die Einnahmequelle.
Im Mai 1928 stieg Theodor Steiner aus dem Projekt aus. Somit bestand die Gruppe nun aus Harry Frommermann (Buffo), Robert Biberti (Bass), Ari Leschnikoff (Erster Tenor), Walter Nussbaum (Zweiter Tenor), Roman Cycowski (Bariton) und Erwin Bootz (Klavier).
Im Juni 1928 sangen die sechs Musiker in der Berliner Scala erstmals vor. Das misslang, weil ihr Stil nicht den Musikvorstellungen dieses Vergnügungslokals entsprach. Schließlich fand im Spätsommer bei dem Agenten Bruno Levy, mit dem Frommermann verwandt war, ein zweites Vorsingen statt. Levy hörte sich den Vortrag an, griff zum Telefonhörer und rief den Berliner Varieté-König Erik Charell an, bei dem das Sextett sein gesamtes Repertoire noch einmal vortrug. Charell machte ein Angebot, das Levy zur Überraschung der jungen Männer ablehnte. Er ging mit ihnen zu Charells größtem Konkurrenten, dem Operettenregisseur Herman Haller, der seit 1923 Direktor im Admiralspalast war. Schließlich landeten sie doch bei Charell, der eine Abendgage von 16 Reichsmark zahlte. Er schlug den Namen ‚Comedian Harmonists‘ vor.
Erste Auftritte mini|Comedian Harmonists, 1930Stehend von links: Roman Cycowski, Robert Biberti, Ari Leschnikoff; stehend ganz rechts: Erich A. Collin; sitzend links: Erwin Bootz; sitzend rechts: Harry Frommermann
Am 1. September 1928 war der erste Auftritt in der Revue-Operette Casanova in Charells Großem Schauspielhaus mit einer Zuschauerkapazität von 5000 Sitzplätzen.Die erfolgreiche Revue „Casanova“ findet heute vor 90 Jahren ihren Abschluss, Matthias-Blazek.eu. Das Stück sollte bis Ende Februar 1929 auf dem Spielplan stehen. Wenige Wochen später hatten die Comedian Harmonists mehrere Engagements, und bald engagierten alle renommierten Veranstalter in Berlin die Gruppe.
Im Februar 1929 kam es zu einer Umbesetzung: Walter Nussbaum musste die Gruppe verlassen und wurde zunächst durch Willi Steiner ersetzt. Am 1. März 1929 folgte im Hamburger Hansa-Theater in dieser Besetzung das erste Gastspiel außerhalb Berlins. Steiner erwies sich jedoch als stimmlich unzulänglich und sein Engagement wurde nach den Auftritten im Hansa-Theater aufgelöst. Stattdessen brachte Erwin Bootz mit Erich A. Collin einen früheren Kommilitonen von der Musikhochschule in die Gruppe, der von nun an den Part als Zweiter Tenor übernahm.
Im Laufe des Jahres 1929 ging es nach Hamburg auch in andere deutsche Städte, zum Beispiel nach Köln und Ende 1929 nach Leipzig. Hier erlebte das Sextett am Leipziger Schauspielhaus an der Sophienstraße seinen Durchbruch.Die Story der Comedian Harmonists, Userpage.fu-berlin.de. Die ausverkauften Abende fanden vor einem begeisterten Publikum statt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Comedian Harmonists lediglich Teil eines größeren Revueprogramms.
Ein erster Radioauftritt fand am 18. Dezember 1929 in der Funk-Stunde Berlin statt. Bei aller Popularität, die durch Grammophonplatten und zahlreiche Rundfunkauftritte gefördert wurde, waren sie doch noch nicht landesweit bekannt. Deshalb bedeutete eine eigene Konzerttournee ein größeres Risiko für die Veranstalter, sodass das Ensemble Säle für die Auftritte selbst zu mieten und sämtliche Veranstalter-Risiken zu tragen hatte. Als erster Auftrittsort für ein erstes eigenes Konzert wurde Leipzig festgelegt, weil man vier Wochen zuvor hier gefeiert worden war. Das wiederholte sich auch bei der Premiere am 26. Januar 1930. Die Popularität hatte rasch zugenommen, und ab 1930 genügte eine Zeitungsnotiz, dass die Comedian Harmonists auftreten würden. Aufwendige Werbung war nicht mehr nötig, meistens waren die Säle ausverkauft.
Konzerte, Schallplattenverkäufe und die Auftritte im noch jungen Tonfilm erbrachten für alle ein hohes Einkommensniveau. In ihren besten Jahren, so erinnert sich Roman Cycowski später, hatte jedes einzelne Mitglied zwischen 40.000 und 60.000 Mark Jahreseinkommen zu versteuern. Lange vor dem ersten Auftritt hatten die Mitglieder des Ensembles einen Vertrag abgeschlossen, der jedem die gleichen Anteile an den Einnahmen sicherte.
Im Jahr 1932 traten die Comedian Harmonists in der Berliner Philharmonie auf, die nicht gerade für Unterhaltungsmusik konzipiert war. Das eher konservative Musikpublikum schien mit dieser „Entweihung“ keine Schwierigkeiten zu haben, denn 2700 Besucher applaudierten enthusiastisch. Von nun an galten die Konzerte der Gruppe als Kunst: Von den Einnahmen war nun keine Vergnügungsteuer mehr an die lokalen Behörden abzuführen.
Erste Plattenaufnahmen und Durchbruch Bereits wenige Monate nach Gründung der Gruppe entstanden am 10. Mai 1928 erste Schallplattenaufnahmen bei der Deutschen Grammophon, die jedoch unveröffentlicht blieben.Andreas Schmauder: Irgendwo auf der Welt. Die Schallplatten der Comedian Harmonists und ihrer Nachfolgegruppen, Selbstverlag, Freiburg 1999, S. 5. Die nächsten Plattenaufnahmen wurden für die Electrola, Tochtergesellschaft der Gramophone Company, im August 1928 im Rahmen der Casanova-Operetten-Bühnenrevue für Charell gemacht. Danach erhielt das Sextett am 28. Oktober 1928 einen Einjahres-Plattenvertrag bei Odeon, dem Mutterlabel des Carl-Lindström-Konzerns, der jedoch nach 15 Schallplatten im Oktober 1929 nicht mehr verlängert wurde.
Im Anschluss hieran schlossen sie am 31. Oktober 1929 einen günstigen Exklusiv-Vertrag mit der Electrola über garantierte 30 Titel pro Jahr ab. Außerdem traten sie im Rundfunk auf und machten Gastspielreisen mit dem Programm Tempo-Varieté. Im Januar 1930 gastierten sie damit am Leipziger Schauspielhaus. Dort gelang ihnen der endgültige Durchbruch – ausverkaufte Vorstellungen, begeisterte Kritiken, auch auf der folgenden Deutschlandtour. Sie wurden zur Attraktion.
Insgesamt entstanden bis zur Trennung im Frühjahr 1935 bei Electrola 69 Platten. Erste Plattenaufnahme bei Electrola war die am 11. November 1929 eingespielte Single Puppenhochzeit / Musketiermarsch (EG #1647),Andreas Schmauder: Irgendwo auf der Welt. Die Schallplatten der Comedian Harmonists und ihrer Nachfolgegruppen, Selbstverlag, Freiburg, 1999, S. 35 ff. die im November 1929 erschien. Es folgten am 16. Dezember 1929 die Aufnahmen zu dem Schlager-Potpourri Hallo, bestehend aus den Titeln Armes kleines Mädel vom Chor / Schöner Gigolo / Einmal im Leben erblüht uns die Liebe / Ich hab’ kein Auto, die als EG #1685 im Januar 1930 auf den Markt kam. Der Klassiker Ein Freund, ein guter Freund / Liebling, mein Herz läßt Dich grüßen (EG #2032) wurde am 22. August 1930 aufgenommen und erschien im September 1930. Bei diesem Aufnahmetermin entstanden auch die Klassiker Veronika, der Lenz ist da / Wochenend und Sonnenschein (EG #2033), die ebenfalls im September 1930 erschienen.
Dabei war Wochenend und Sonnenschein ihre erste Coverversion, und zwar vom Titel Happy Days Are Here Again, für den zur Musik von Milton Ager der deutsche Text von Charles Amberg geschrieben wurde. Die Comedian Harmonists schrieben ihre Lieder selten selbst; eine Ausnahme hiervon ist die Hof-Serenade als B-Seite von Marie, Marie! (EG #2204), aufgenommen am 19. Januar 1931 und veröffentlicht im Februar 1931. Fast alle Aufnahmen fanden in Berlin statt, einige jedoch auch in Paris, z. B. die französische Fassung von Das ist die Liebe der Matrosen (EG #2382), veröffentlicht in Deutschland im September 1931. Als Les Gars de la Marine wurde die französische Fassung am 24. August 1931 in Paris eingespielt. Ihr Repertoire entwickelte sich von reinen Revue-Songs und Tagesschlagern über witzig getextete Lieder und klassische Adaptationen bis hin zu deutschen und europäischen Volksliedern und Goethes Sah ein Knab’ ein Röslein stehn’ (EG #2483), das am 29. Januar 1932 eingespielt wurde. Am 17. September 1932 wurde das humorvolle Maskenball im Gänsestall / Eins, Zwei, Drei, Vier (EG #2642) aufgenommen, das im Oktober 1932 auf den Markt gebracht wurde.
Die Comedian Harmonists waren nun auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – ihr Vokalstil war voll ausgeprägt; sie sangen ihre großen Hits mehrsprachig und konnten so auch im Ausland Erfolge feiern. Nach der Machtübernahme der NSDAP wurde am 4. September 1933 die Coverversion von Harold Arlens Stormy Weather unter dem deutschen Titel Ohne Dich zusammen mit der B-Seite Tag und Nacht (deutsche Fassung von Cole Porters Night And Day) aufgenommen (EG #2848), das im September 1933 erschien. Im Mai 1934 wurde das am 5. Mai 1934 aufgenommene Komm’ im Traum / Das alte Spinnrad (EG #3047) veröffentlicht. Einer der Klassiker, Mein kleiner grüner Kaktus / Lebe wohl, gute Reise (EG #3204), entstand am 15. November 1934 und wurde im Dezember 1934 herausgebracht.
Zeit des Nationalsozialismus