Liste heraldischer Begriffe
Unter Kreuz sind ebenfalls heraldische Begriffe zu finden.
A
abgeledigt: ein an seinen Enden gekürztes Heroldsbild, das nicht den Wappenrand berührt;abgelediget. In: Christian Samuel Theodor Bernd: Die Hauptstücke der Wappenwissenschaft. 2. Abtheilung: Die allgemeine Wappenwissenschaft in Lehre und Anwendung, nach ihren Grundsätzen in Europas Ländern aus den Quellen dargestellt. [Verlag] bei dem Verfasser und Eduard Weber, Bonn 1849, 6. Von den Heroldsbildern, § 32, S. 124, . auch: abgekürzt (Beispiel: Balken, Pfahl; bei einem Wappenbild in der Bedeutung „freischwebend“, etwa einem Baum, der normalerweise auf einem Grund steht) abgerissen: Hände, Tatzen, Kopf allein, wenn Hautfetzen noch dargestellt sind. abgeschnitten: Figurenteile, durch einen scharfen Schnitt abgetrennt. abgestuft: auch abgetreppt oder gestuft; Heroldsfigur, deren Begrenzungslinien durch einen Stufenschnitt gebildet werden. abgewendet: Figuren, die einander die Rückseite (Rücken an Rücken zweier Tiere) zukehren oder die Köpfe abwenden abwechselnde Tinktur: verwechselte Farbe Achseln: Sachsen (Heraldik), Flügelknochen Adelindiskreuz: Kreuz mit Tatzenenden Adlerfang: einzelnes Adlerbein im Wappen Affenhelm: Spangenhelm mit stark hervortretendem Visier, siehe Affe Aigrette: (frz.) als Helmschmuck verwendeter Federbusch Allianzwappen: Doppelwappen, bei Eheleuten auch Ehewappen genannt. Alpfuß, Alpkreuz: Pentalpha Alérion: (frz.) kleiner Wappenadler ohne Füße und Schnabel Amsel: (frz.) Merlette oder Merle; auch ein Vogel als Wappentier am Spalt: halbe Figur, mit der Schnittfläche an der Spaltungslinie Andreaskreuz: auch Schrägkreuz oder Schragen an der Teilungslinie: halbe Figur, mit der Schnittfläche an der Teilungslinie (s. Eltzer Wappen) oder ganze Figur auf der Teilungslinie (s. Wertingen) angehackt: bezeichnet Balken, Pfahl oder andere Heroldsbilder, dessen Außenlinien wie mit einer Axt bearbeitet aussehen. Die Konturlinien haben Ähnlichkeit mit Reißzähnen oder mit nicht abgeschlagenen groben Spänen. Beispiel Wappen von Hayingen angeschoben: Ein Turnierkragen wird mit angeschoben blasoniert, wenn er mit seiner oberen Seite den oberen Schildrand berührt angestückt: Heroldsbild berührt Schildrand, Metall an Metall bzw. Farbe an Farbe kommt im Bild vor. Ankerkreuz: Kreuzarme zu zwei seitlich auseinanderstrebenden Spitzen ausgezogen, die (wie ein Anker) nach innen gebogen sind Apfelkreuz: auch Kugelkreuz. Kreuzarme mit kleinen Kugeln (Äpfel) bestückt Arabesken: für Damazierung des Wappens gewählte freie Formen und Linien. Astkreuz: Kreuzarme aus natürlichen Ästen, aus knorrigen Baumstämmen waagerecht/senkrecht dargestellt Astschnitt: geästet, schräggestellte Zinnen Attribut: typisches Erkennungszeichen für Personen, insbesondere der Heiligen auf der Hut: ein stehender Hirsch, der den Kopf dem Betrachter (en face) zugewandt hat auffliegend: sitzende Vögel mit ausgebreiteten Flügeln (Scherbvogel) aufgerichtet: auf den Hinterbeinen stehendes vierfüßiges Tier Auflegung: dem Schild wird ein Schildchen mit dem entsprechenden Wappen aufgelegt. Das kleine Schildchen liegt oft auf der Herzstelle. ausgebogen: Heroldsbild mit nach außen gerundeten Linien ohne den mittleren Teil der Figur ausgerissen: Pflanzen mit dargestellter Wurzel ausgeschlagen: Zunge von Wappentieren: herausgestreckt; bei Formen: ausgebrochen z. B. bei Ortband, Seeblatt
B
Balken: auch Binde genannt; bei halber Breite ist es ein Faden, insbesondere Querfaden; max. 2/7 der Schildbreite. balkenweise: in der Richtung eines Balkens nebeneinander (reihenweise) angeordnet Bastardstab: schmaler Schrägbalken im Wappen als Zeichen der unehelichen Geburt (Bastardiese) des Wappenempfängers bebutzt: mit einem Butzen versehen bebartet: mit Kelchblättern versehene stilisierte Blüte (Rose), s. bespitzt befußt: Fußfarbe anders tingiert als Kralle oder Klaue (Bewehrung) begleitet: von kleineren Nebenfiguren umgebene Hauptfigur begrifft: siehe gegrifft behelmt: das Haupt der Wappenfigur trägt einen Helm Beizeichen „Steg“: die heraldische Regel gilt nicht (Metall auf Metall) bekappt: ist der Falke, wenn eine Kappe den Kopf verdeckt bekrallt: Krallenfarbe (Bewehrung) anders tingiert als Fuß bekrönt: das Haupt der Wappenfigur trägt einen Krone belebt: Andersfarbigkeit der Augen, um das Tier, besonders beim Delfin, als belebt zu beschreiben. belegt: kleines Bild auf größerem ohne Berührung der Begrenzungen bemalt oder besamt: Blüte mit andersfarbig dargestelltem Innern (Butzen) bequastet: mit Quasten versehen, möglich bei Helmkissen, gemeine Figur, Wappenmantel oder Beutelstand, im Papstwappen die Binde- und Löseschlüssel bereift: ein andersfarbiger Reif des Reichsapfels Berg: spezifisch als Dreiberg (s. u.), als Vulkan (Saffig) und als natürlicher/stilisierter (steigende Spitze, Ayl) Berg wachsend im Schildfuß (Sengenthal) besamt: mit einem Samen (Butzen) versehene Blüte besät: viele kleine Figuren rasterartig regelmäßig im Feld, randständige Elemente durch den Rand gekappt beseitet: kleinere Figuren neben einer großen Figur ohne Berührung; man spricht von rechts (vorne) und / oder links (hinten) beseitet. besetzt und besteckt: Wappen, auf dem ein anderes steht kleinere Figuren am größeren Gegenstand befestigt beschnabelt: sind Vögel, deren Schnäbel eine eigene Farbe haben bespitzt: mit Kelchblättern versehene stilisierte Blüte (Rose) bestreut: viele kleine, vollständige Figuren im Feld, den Freiräumen folgend angeordnet betagleuchte(r)t: Öffnungen (offene Fenster, Schießscharten, Türe, Tore) in Türmen, Burgen, Mauern, Häusern zeigen die darunterliegende Tinktur oder das Wappenbild (ab dem 17. Jahrhundert) bewartetbewartet. In: Johann Christoph Gatterer: Abriß der Heraldik oder Wappenkunde. Gabriel Nicolaus Raspe, Nürnberg 1774, 2. Register, S. 87 ().: das Dach eines Kastells ist mit Türmen besetzt, der mittlere ist höher Bewehrung: heraldischer Ausdruck für Krallen, Schnäbel, Zungen, Hörner, Flossen usw. von Wappentieren, besonders wenn in eigener, vom Träger abweichender Farbe vorkommend. bewindfahnet, Fahnen oder kleine Wimpel an Türmen, Schiffsmasten oder ähnlichen Bauwerken bewinkelt: Figur (z. B. Kreuz) wird in den vier Ecken von kleineren Nebenfiguren begleitet bewurzelt: Baum mit dargestellten, besonders bei abweichend vom Baum gefärbten Wurzeln Binde: s. Balken Blasonierung: Wappenbeschreibung, mündlich oder schriftlich, mit definierten heraldischen Formulierungen (Kunstsprache). Blume: meist spezifiziert als (heraldische) Lilie, Rose etc., selten mit Stiel (bestielt) Bogenschnitt: ein- oder ausgerundet gebogene Spitzen; aus dem Seitenrand ragend heißen Wolfszähne Bord: siehe Schildbord bzw. Innenbord bordweise gestellt: mehrere gemeine Figuren werden nahe dem Schildrand diesem folgend angeordnet Brog: (pol.) Heuschober, in der polnischen Heraldik als gemeine Figur aus vier natürlichen Pfählen mit einem aufgesetzten Strohdach Buchstabengemerk: Initialen, Majuskel im Wappen Burgunderkreuz: Astkreuz liegt als Andreaskreuz Büffelhörner: gemeine Figuren, die auf das Gehörn wilder Stiere als Trophäe zurückgehen; wegen der teilweise abstrakten Form oft irrtümlich als Elefantenrüssel beschrieben Bügelhelm: auch Spangenhelm (15. Jahrhundert) Butzen: Mittelstück der heraldischen Rose, auch Same genannt und mitunter anders als die Blütenblätter gefärbt. Byzantinisches Kreuz: auch Stufenkreuz, lateinisches Kreuz mit Stufenunterlage, auch griechisches Kreuz mit Krücken.
C
chaperonne: sinusartige Erhebung im Schildhaupt in der französischen Heraldik. Kann mit „überkappt“ übersetzt werden. Cymbelschnitt: Schildteilung durch Spitzen (Zinnenschnitt, Eisenhütlein)
D
damasziert: ornamentale Ausmalung des Feldes Damaszierung: Verwendung von Arabesken und bedeutungslosen Mustern zur Belebung der Wappenfelder Deichsel: Gabelkreuz oder Schächerkreuz Devise: kurzer Spruch unter dem Wappen, meist auf Band oder Zettel; dauerhaft beim Wappen verbleibende Devise heißt Wappenspruch. Doppeladler: zweiköpfiger Adler Doppeladler, byzantinischer: dreifach gekrönter Doppeladler, später mit Brustschild, das den heiligen Georg zeigt. Nach 1453 nachweisbar und besonders auf russischen Wappen. Doppelkreuz: auch Radkreuz, aus dem griechischen und Andreaskreuz gebildet. 8 Schenkel mit einem Ring, sogen. Glorienschein („Mainzer Rad“ im Wappen von Mainz) Doppelwolkenschnitt: eingekerbten Herzen ähnlich Doppelzinnenschnitt: Schnitt Drache: wurmartiges Tier mit spitzem Kopf, aufgerissenem Rachen, zwei Löwenfüßen und Fledermausflügeln; vierfüßig ist es ein Lindwurm Dreiberg: heraldische Figur aus drei symmetrisch angeordneten runden Kuppen, die mittlere größer (5–25 möglich). Dreiköpfiger Adler: äußerst seltenes Wappentier Drudenfuß: Pentalpha Drudenkreuz: Pentalpha durchbohrt: Figur mit eingeschnittener, runder Öffnung durchschlungen, durchzogen, durchsteckt: eine Figur durch die Öffnung einer anderen gesteckt.
E
Ecksparren: Sparren links oder rechts im Wappenschild eingebogen: Heroldsbild mit nach innen gezogenen Linien, auch eingeschweift, s. Spitze. eingefasst: von einem Bord umgebenes Heroldsbild Einverleibung: beide Figuren der Wappen werden im neuen Schild zusammengesetzt Eisenhutschnitt: Zinnen oben oder unten zugespitzt en face gestellt: Visier, so viel wie hersehend erhöht: Heroldsbild geht über die übliche Höhe hinaus erniedrigt: Heroldsbild geht nicht bis zur übliche Höhe hinaus. Beispiel ist eine erniedrigte Spitze.
F
Faden: Balken, Schrägbalken oder Pfahl von nur halber Breite. Die Stelle des Balkens nimmt der Querfaden, die des Schrägbalkens der Schrägfaden, die des Pfahles der Pfahlfaden oder Stab ein. An Stelle des Kreuzes tritt der Kreuzfaden. Feh: Pelzwerk, bevorzugt in blau-silber. Feldgeschrei (frz. Cri): siehe Kriegsgeschrei Fensterrauten: ausgebrochene Rauten Fersenstelle: auch Fußort oder Punkt: Schildfläche an der Schildspitze gegenüber dem Ort. feuerspeiend: Wappentiere mit Flammen aus dem Maul und Vulkandarstellungen mit Flammen aus der Vulkanspitze. Feuerstahl: Synonym für Mond Fischgeschwänzt: Darstellung der Wappenfigur geht ab der Hüfte in einen Fischschwanz über. Flachzinnenschnitt: Wappenschnitte Flanchis: schmales schräggelegtes gemeines Kreuz Flankiert: Darstellung am Schildrand Flug: in der Heraldik die beiden halbkreisförmig auseinandergezogenen Federn dargestellter Vogelflügel, gewöhnlich des Adlers; alle Arten des Fluges auch als Helmzier. geschlossener Flug: die Flügel deckend übereinander (aufeinander) liegend halber Flug: ein Flügel offener Flug: beide Flügel mit den Sachsen (inneren Seiten) einander zugewandt, die Schwungfedern nach außen gestellt flugbereit: stehender Vogel mit ausgebreiteten Flügeln Frauenärmel: Arm mit daranhängener Tasche, siehe Arm (Heraldik) Freiviertel: kleines Feld im Wappen, das sich im rechten oder linken Obereck in einer besonderen Darstellung und Größe abhebt
G
Gabelkreuz, Schächerkreuz: Deichsel Gante: Pfau mit Frauenkopf geaugt: Wappentiere mit andersfarbigen Augen gebildet: Mond und Sonne haben eine menschliche Gesichtszeichnung, siehe gesichtet Gedächtniswappen: Wappen zur Erinnerung gedornt: mit Dornen versehen: gedorntes Kreuz gefähnelt: Fahne an einem Heroldsbild gefähnelte Lanze: Fahne an einer Lanze als Heroldsbild geflügelt: mit Flügeln versehen (Drache) gefüllt: heraldische Rose mit doppelter Reihe von Blütenblättern gefugt: Fugen mit vom Mauerwerk abweichender Tingierung Gegenhermelin: silberne Schwänzchen in schwarzem Fell, auf Wappenmänteln nicht stilisiert. gegittert: Strichbalken und Strichpfähle zum Gitter gegrifft: das Gefäß (Griff, Heft) einer Blankwaffe (Degen, Säbel, Schwert, Dolch) ist anders tingiertGert Oswald: Lexikon der Heraldik. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1984.