mini|hochkant=1.3|Blick von der Ordenskirche auf die Straße Sankt Georgen mit den Typenhäusern St. Georgen ist eine ehemalige Stadt und seit 1811 ein Stadtteil von Bayreuth. Im März 2021 betrug die Einwohnerzahl 1301.

Lage mini|Historische Darstellung des Brandenburger Weihers und der Stadt Sankt Georgen auf einem Kupferstich Sankt Georgen liegt nordöstlich der Innenstadt auf einer Anhöhe, deren südlicher Hang Stuckberg genannt wird. Nach Süden fällt sie zum Tal des Roten Mains hin ab, nach Westen zum Bahnhofsviertel und nach Nordosten zum Industriegebiet St. Georgen im Bereich des einstigen Brandenburger Weihers. Das sich in östlicher Richtung anschließende Plateau erstreckt sich bis zum Bindlacher Berg und zum Oschenberg. Im Osten grenzt Sankt Georgen an den Stadtteil Laineck. St. Georgen liegt fußläufig zum Richard-Wagner-Festspielhaus.

Geschichte mini|hochkant|Matrosengasse mit ehemaligen Matrosenhäusern Vor 1700 war die Fläche, auf der im 18. Jahrhundert Sankt Georgen und in der Gegenwart das Industriegebiet erbaut wurden, unbesiedelt. Von einer später als Brandenburger Tor bezeichneten Stelle in Höhe des Hauptbahnhofs führte eine Straße hart westlich der heutigen Markgrafenallee in Richtung Grüner Baum und von dort weiter nach Bindlach und Hof bzw. über Trebgast nach Kulmbach. Als Primärstraße war sie die Voraussetzung für die Anlage des Brandenburger Weihers und den Bau des Orts Sankt Georgen.

Die Anfänge der späteren Stadt Sankt Georgen am See lassen sich auf die Anlage des Brandenberger Weihers zwischen Bayreuth und Bindlach zurückführen. Das Landbuch von 1499 erwähnt an der Stelle bereits einen kleinen Weiher. Im Jahr 1508 sind der „Weiher uffm Brand“ (auf dem Brand) und ein dazugehörendes „Weiherhaus“ urkundlich nachweisbar. Brand und Brandberg bezeichneten das durch Brandrodung urbar gemachte Gebiet unterhalb des Höhenzugs Hohe Warte. Markgraf Friedrich II. ließ den Weiher ab 1509 in Fronarbeit vergrößern. Dessen Nachfolger Kasimir und Georg erhielten 1516 weitere Anteile an dem – gemäß Vermessung im Jahr 1530 – 565 Tagwerk großen Gewässer. Dessen Füllung erfolgte aus der Steinach durch einen bei Döhlau abgehenden Kanal und durch die Trebgast. Durch zwei Wehre im Damm konnte das Wasser in Richtung Bindlach abgelassen werden.

Der Fischweiher unterstand als Domäne der markgräflichen Hofhaltung. Aus einer Urkunde von 1515 geht hervor, dass das Franziskanerkloster Sankt Jobst auf dem nahen Oschenberg von durchschnittlich 200 Zentnern pro Jahr dort gefangener Fische Anspruch auf drei Zentner Karpfen hatte. Noch im 16. Jahrhundert setzte sich offiziell die Bezeichnung Brandenburger Weiher durch, da er den Markgrafen von Brandenburg gehörte.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Weiher 1652 trockengelegt und das Gelände besät, im Jahr darauf aber wieder gefüllt. Der Erbprinz und spätere Markgraf Georg Wilhelm hatte auf seiner KavalierstourKarl Müssel: St. Georgen am See. Die Planstadt zum Erbprinzenschloss in: 300 Jahre St. Georgen. 1702–2002, S. 9 ff. nach England und Holland eine Leidenschaft für die Marine entwickelt, die Sankt Georgen nachhaltig prägte. 1695 ließ er am Seeufer ein bescheidenes Schlösschen aus Holz errichten, das in den Jahren 1701 bis etwa 1707 durch einen steinernen Bau ersetzt wurde. Ebenfalls 1695 hatte er von einem Münchberger Schreiner ein erstes Schiff bauen lassen. Später folgten vier prächtige, mit kleinen Kanonen bestückte Fregatten, mit denen auf dem Weiher Seeschlachten inszeniert wurden. Am südwestlichen Ufer wurden sechs einstöckige Häuser für die Matrosen und ein zweistöckiges Kapitänshaus errichtet. 1704 wurden des Erbprinzen „drei Häuser zu St. Georg am See“ erwähnt, häufig erschien auch die Ortsbezeichnung „St. Georg am Teich“. mini|Straße Sankt Georgen (ehemalige Bayreuther Gaß), Blickrichtung Süden mini|Straße Sankt Georgen, Blick nach Norden mini|hochkant|Ordenskirche mini|Bernecker Straße und Ordensschloss

In einem Dekret vom 28. März 1702 an den Bayreuther Stadtrat erwähnte Markgraf Christian Ernst, sein Sohn wolle „verschiedene Gebäude“ am Brandenburger Weiher errichten. In das Bauvorhaben müsse städtischer Grund und Boden einbezogen werden, für abgegebenes Weideland werde Ersatz bereitgestellt. Am 2. September 1702 legte Georg Wilhelms Frau, Erbprinzessin Sophia, den Grundstein für die Vorstadt Sankt Georgen. Da Georg Wilhelm in jenem Jahr längere Zeit als General in kaiserlichen Diensten im Feldlager in der Rheinpfalz weilte, kümmerte sich seine Mutter Sophie Luise zunächst persönlich um den Baufortschritt, starb jedoch bereits im Oktober 1702.Karl Müssel: St. Georgen „auf dem Brandenburger“ in: Heimatkurier 1/2002 des Nordbayerischen Kuriers, S. 14 ff.

Dank fürstlicher Privilegien entstand bis 1709 unter strengen Bauauflagen ein planmäßig und im barocken Stil streng symmetrisch angelegter Ort. Wie in Versailles sollte das Schloss im Mittelpunkt stehen. Geplant waren in „schönster Regularität“ zwei parallele Straßenzüge beiderseits des Schlossgartens mit jeweils 24 gleichartigen Häusern; tatsächlich gebaut wurden nur die Häuser des östlichen Bauabschnitts. Auf eine Anbindung oder vorbereitende Einbindung in Bezug auf die Stadt Bayreuth wurde verzichtet.

Dominiert wurde das Straßenbild von der 1711 eingeweihten Ordenskirche. Bauherrin des ersten Hauses (St. Georgen Nr. 29) war die Erbprinzessin, sechs weitere ließen Adelige erbauen. Fast alle übrigen Häuser gehörten Bürgerlichen, die in einem Dienst- oder Abhängigkeitsverhältnis zu Georg Wilhelm standen. Zu diesen 24 „Typenhäusern“ entlang der 1709 als Bayreuther GaßKarl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 86 f. bezeichneten Hauptstraße (seit 1889 Straße Sankt Georgen) kamen am Rand bald mehrere kleinere Trüpfhäuser, die dem strengen Gebot der Regularität nicht unterlagen. 1708 wurde der Grundstein für die Kaserne der Grenadiergarde gelegt, der 1709 belegte Plan eines Rathauses gegenüber der Kirche dagegen nie verwirklicht. Als Rathaus dienten stattdessen später die (vermutlich um 1745) zusammengebauten und mit einem Dachreiter versehenen Gebäude St. Georgen 27 und 29,Was ein 250 Jahre alter Kupferstich erzählt in: Heimatkurier 3/1997 des Nordbayerischen Kuriers, S. 15. die zunächst als Lagerräume für die Fayencenmanufaktur dienten. Es handelt sich um die beiden ältesten Häuser Sankt Georgens: Das eine wurde 1702 für Sophie Luise, die in jenem Jahr verstorbene zweite Ehefrau des Markgrafen Christian Ernst, errichtet, das andere ließ 1703 der Kammerjunker und Rittmeister von Löwenberg bauen.Christoph Rabenstein, Ronald Werner: St. Georgen Bilder und Geschichte(n), S. 96. mini|Ehemaliges Rathaus mini|„Saubrunnen“ an der Brandenburger Straße

Georg Wilhelm, obwohl protestantisch, benannte seine neue Siedlung nach dem von ihm verehrten Namens- und Schutzpatron, dem Ritterheiligen und Drachentöter Sankt Georg. In den Statuten des markgräflichen Ordre de la sincéritéDie Gründungsgeschichte von St. Georgen ist eng verbunden mit diesem Orden. Eine einzigartige Sammlung von Aufschwörschildern (Beispiele sind zu sehen bei den Geschlechtern Dobeneck oder Zedtwitz) befindet sich an den Emporen der Ordenskirche. Gründungsmitglieder und somit Ordensritter waren zum Teil auch die ersten Bewohner der Typenhäuser. Repräsentative Versammlungen wurden im Ordensschloss abgehalten. wurde 1705 zum ersten Mal von der „Neuen Stadt zu St. Georgen“ gesprochen. Eine eigentliche Stadterhebung gab es aber nicht.

Der Erbprinz hatte 1699 die damals fünfzehnjährige Sophie geheiratet, mit der er keine glückliche Ehe führte. Als Markgraf von 1712 bis 1726 herrschte er, dem Beispiel Ludwigs XIV. nacheifernd, in absolutistischer Manier. Er versuchte, wie der Sonnenkönig Hof zu halten und hinterließ, wie sein Vater, erhebliche Schulden.Christoph Rabenstein, Ronald Werner: St. Georgen Bilder und Geschichte(n), S. 18 ff. 1706 ließ er westlich des Schlosses ein Opernhaus errichten, 1708 am Südrand der Siedlung die Infanteriekaserne. 1722 entstand das Prinzessinnenhaus als Anfang einer zweiten Häuserzeile in barocker Symmetrie. Dieses Vorhaben wurde nach dem Tod des Markgrafen im Jahr 1726 aber nicht fortgeführt. Mit dem Bau des „Zucht- und Arbeitshauses“ (der heutigen Justizvollzugsanstalt) wurde 1724 begonnen, der Gebäudekomplex aber erst 1735 fertiggestellt.Christoph Rabenstein, Ronald Werner: St. Georgen Bilder und Geschichte(n), S. 17. Das während Alexanders Herrschaft (1769–1791) auch als „Tollhaus“ genutzte Prinzessinnenhaus bzw. Sankt-Georgen-Hospital wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer „modernen Irrenanstalt“Magdalena Frühinsfeld: Kurzer Abriß der Psychiatrie. In: Anton Müller. Erster Irrenarzt am Juliusspital zu Würzburg: Leben und Werk. Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie bis Anton Müller. Medizinische Dissertation Würzburg 1991, S. 9–80 (Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie) und 81–96 (Geschichte der Psychiatrie in Würzburg bis Anton Müller), S. 51 f. und 79 f. umgebaut.Heike Götschel, Ekkehard Hübschmann: Auf den Spuren der Psychiatrie in Bayreuth – Historische Materialien. Geschichtswerkstatt Bayreuth 1994.

Sein Nachfolger Georg Friedrich Karl (1727–1735) zeigte kein Interesse an einer Vergrößerung des Ortes. Friedrich III. veranlasste 1741 den Bau des Gravenreuther Stifts, eines ersten Altersheims mit einer eigenen Kirche, der 1744 vollendet wurde. Er gewährte 1745 durch ein Privileg die selbstständige Verwaltung der Stadt Sankt Georgen. Bei der ersten Stadtratswahl wurde der 28-jährige Bäckermeister Adolph Fränkel von den 40 Hausbesitzern, die als Wähler fungierten, zum Bürgermeister gewählt. Dem Bürgermeister und dem aus sechs Mitgliedern bestehenden Rat wurde die Niedere Gerichtsbarkeit übertragen. Da sich durch die übergeordneten Behörden in Bayreuth der Rathausbau zu verzögern drohte, wurde kurzerhand durch den Erwerb und die Verbindung der beiden „Knöllerschen“ Häuser ein Rathaus geschaffen. Dort wurde auch ein Ratskeller eingerichtet und ein Ratswirt bestellt. Weil sich das Gebäude aber bald als zu groß für diesen Zweck erwies, wurden schon 1755 zwei Drittel des Komplexes an die evangelische Kirchenverwaltung verkauft.

Im Jahr 1733 bat Sankt Georgen, dem bis dahin pro Jahr zwei Ross- und Viehmärkte gestattet waren, um die Genehmigung von monatlichen Viehmärkten. Zugleich sprachen sich der Bürgermeister und der Rat der Stadt für eine spürbare Zollentlastung der jüdischen Händler aus, die auf allen Märkten das „Commercium nicht wenig vermehrten“. Ein jüdischer Viehhändler musste bei der Ankunft am Markttag zu Fuß sechsdreiviertel Kreuzer, zu Pferd sogar zehneinhalb Kreuzer entrichten. Traf er bereits am Vortag ein, konnte sich diese Sonderbesteuerung bis auf 31½ Kreuzer verdreifachen. Der Markgraf ließ die Zölle daraufhin um die Hälfte senken und die Anzahl der Märkte – allerdings nicht im gewünschten Maß – erhöhen. Erst ab 1773 durften jeden zweiten Dienstag Viehmärkte abgehalten werden. Ins AuslandAusland waren z. B. das Kurfürstentum Bayern oder das Hochstift Bamberg. durfte Vieh damals erst verkauft werden, wenn es zuvor wenigstens einmal auf einem heimischen Markt erfolglos angeboten worden war. Um den Betriebsablauf der Viehmärkte besser kontrollieren zu können, wurde die Marktstraße mit Schlagbäumen versperrt.Albin Schwarz: Von Viehmärkten und jüdischen Viehhändlern in: Heimatkurier 3/1997 des Nordbayerischen Kuriers, S. 10 f.