Jules Greenbaum (* 15. Januar 1867 in Berlin; † 1. November 1924 ebenda; gebürtig Julius Wilhelm Grünbaum) war ein deutscher Filmproduzent und Pionier des deutschen Films.

Leben und Wirken Grünbaum absolvierte eine Lehre in einem Textilgeschäft am Molkenmarkt in seiner Heimatstadt Berlin und wanderte im Oktober 1883 in die USA aus; im April 1894 wurde amerikanischer Staatsbürger.Passport application (Reisepassantrag), Berlin vom 23. Juli 1904 Im April 1892 heiratete er in Hamilton (Ohio) Emma Henriette Kerstein (* 1868 in Witten; † 1938 in Berlin).State of Ohio, Hamilton County, Heiratsurkunde Nr. 608 vom 30. April 1892 Ihr vorehelicher Sohn George wurde am 11. Januar 1889 in Chicago geboren. 1895 kehrte Greenbaum nach Berlin zurück und wurde dort am 3. Februar 1896 Vater seines zweiten Sohnes Max. Beide Söhne betätigten sich später als Kameraleute, Max wurde als Mutz Greenbaum ein bedeutender Kameramann beim deutschen und anschließend als Max Greene beim britischen Film. Seine beiden Töchter Lilli (* 1897) und Margarethe (* 1903) wurden ebenfalls in Berlin geboren.

Jules Greenbaum eröffnete 1897 ein Geschäft und vertrieb ausländische Filme. Er begann auch selbst zu produzieren. Dazu holte er den Kameramann Georg Furkel, den er in Amsterdam kennengelernt hatte, zu sich in sein Unternehmen. Der Film einer Frühjahrsparade im Jahr 1899 mit Kaiser Wilhelm II. war sein Erstling, dem zahlreiche weitere Dokumentationen folgten. Neben Oskar Messter wurde Greenbaum der wichtigste deutsche Filmproduzent in der Zeit nach der Jahrhundertwende.

Im Juni 1902 gründete er mit seinem Bruder Max Grünbaum die Deutsche Bioscope GmbH für den Vertrieb von Kinematographen.Berliner Handelsregister HRB Nr. 1855 In Wien war Greenbaum an der Gründung der Filmzeitschrift Das Kino-Journal beteiligt, die am 15. September 1902 das erste Mal erschien.Nachruf auf Jules Greenbaum, in: Das Kino-Journal Nr. 745 vom 8. November 1924, S. 10

Häufig ließ er Stapelläufe und Flottenparaden in Wilhelmshaven und Danzig aufnehmen. 1907 entstanden Berichte aus den deutschen Kolonialgebieten in Afrika. 1908 nannte er seine Firma in Bioscope-Theater GmbH um, die er bis 1914 betrieb.HRB Nr. 1855, Eintrag im Berliner Handelsregister am 23. September 1914 Greenbaum eröffnete 1906 in der Friedrichstraße 10 mit den Vitascope-Lichtspielen sein erstes Kino. 1907 gründete er die Vitascope Theater Betriebs-GmbH, die 1909 in Deutsche Vitascope GmbH umbenannt wurde und ab Oktober 1910 als Vitascope GmbH firmierte.Berliner Handelsregister HRB Nr. 4258 Als weitere Neugründung entstand im Februar 1908 die Deutsche Bioscop GmbH.Berliner Handelsregister HRB Nr. 5093 Zweck des Unternehmens war laut Handelsregistereintrag die „Herstellung und der Verkauf von Projektionsapparaten, Apparaten zum Synchronisieren von Kinematograph und Phonograph, Kino-Films und Zubehörteilen für Kinematographie sowie die Beteiligung an Unternehmungen, welche mit dem Zweck der Gesellschaft in Beziehung stehen“.

1910 ließ er unter der Regie von Viggo Larsen mit Arsène Lupin contra Sherlock Holmes seinen ersten Spielfilm drehen. Zu seinem Repertoire gehörten Detektiv-, Sensations-, Abenteuerfilme und Western, mehrmals mit Albert Bassermann als Hauptdarsteller. 1913 begann der Bau eines Doppel-Ateliers in Weißensee mit dem damals größten Kopierwerk Deutschlands.

Im Januar 1914 fusionierte Greenbaums Firma mit der Filmfirma PAGU. Die Brüder Jules Greenbaum und Max Grünbaum traten als Prokuristen in die neue Großfirma ein.HRB Nr. 11756, Eintrag im Berliner Handelsregister am 29. Januar 1914 Durch Beschluss der Generalversammlung vom 27. Juni 1914 wurde Jules Greenbaum Vorstandsmitglied der Aktiengesellschaft.Eintrag im Berliner Handelsregister am 5. August 1914 Im Mai gründete Greenbaum die Fantasia Film GmbH (1914–1921).Berliner Handelsregister HRB Nr. 13402 Das Vitascope-Atelier wurde im Juli an Pathé Frères verkauft, nach Kriegsausbruch aber beschlagnahmt und Greenbaum zurückgegeben. Im November beendete Greenbaum die Zusammenarbeit mit der PAGU und gründete im Januar 1915 die Greenbaum-Film GmbH.Berliner Handelsregister HRB Nr. 13578 1916 schloss Greenbaum erneut mit Bassermann einen Vertrag, der bis 1920 in 17 Greenbaum-Produktionen mitwirkte.

1922 begann ein Rechtsstreit zwischen der Auslandsabteilung der UFA und der Greenbaum-Film GmbH, der 1924 eingestellt wurde. Greenbaum selbst war zu dieser Zeit bereits schwer erkrankt. Er wurde nach seinem Tod auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee bestattet. Die Greenbaum-Film bestand noch bis 1933.

Produktionen (Auswahl) 1910: Arsène Lupin contra Sherlock Holmes 1910: Es wär’ so schön gewesen 1911: Die weiße Sklavin, 3. Teil 1911: Der Sieg des Hosenrocks 1912: Die Papierspur 1913: Der Andere 1913: Das silberne Kreuz 1913: Menschen und Masken (2 Teile) 1913: Die Berliner Range 1913: Die blaue Maus 1913: Die blaue Maus, 2. Teil 1913: Endlich allein 1913: Frau Hanni 1913: Das Recht auf Glück 1913: Der letzte Tag 1913: Wo ist Coletti? 1913: Das goldene Bett 1913: Seelenadel 1913: Die Tango-Königin 1914: Die braune Bestie 1914: Die Millionenmine 1914: Ein seltsamer Fall 1914: Ivan Koschula 1914: Nelly 1914: Die Welt ohne Männer 1914: Die Perle 1914: Hans und Hanni 1914: Die Toten leben 1914: Der Hund von Baskerville, 1. Teil 1914: Der Hund von Baskerville, 2. Teil: Das einsame Haus 1915: Lache, Bajazzo! 1915: Abgründe 1915: Hampels Abenteuer 1915: Das Laster 1915: Schlemihl 1915: Der Erbförster 1915: Marionetten 1915: Dämon und Mensch 1915: Die bösen Buben 1915: Eine Lausbubengeschichte 1915: Teufelchen 1915: Der Fund im Neubau 1916: Das Wiegenlied 1916: Das Phantom der Oper 1916: Schloss Phantom 1916: Fritzis toller Einfall 1916: Der Sumpf 1916: Diebe – und Liebe 1916: Das Geständnis der grünen Maske 1916: Der Fakir im Frack 1916: Elses letzter Hauslehrer 1916: Ramara 1916: Komtess Else 1917: Else und ihr Vetter 1917: Der Erbe von Het Steen 1917: Das Nachtgespräch 1917: Zimmer Nummer sieben 1917: Am Hochzeitsabend 1917: Die schwarze Loo 1917: Ein Tropfen Gift 1917: Du sollst keine anderen Götter haben 1917: Herr und Diener 1917: Der eiserne Wille 1917: Ein scharfer Schuss 1917: Die Nichte des Herzogs 1918: Dr. Schotte 1918: Das Tagebuch des Apothekers Warren 1919: Der letzte Zeuge 1920: Der Mann im Nebel 1920: Die Söhne des Grafen Dossy 1920: Masken

Literatur Evelyn Hampicke, Ingrun Spazier: Jules Greenbaum – Produzent. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 29, 1997.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Darstellender Künstler (Berlin) Kategorie:Person (Stummfilm) Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben 1924 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann