mini|Das Pantheon in Rom. Über 1700 Jahre lang die größte Kuppel der Welt mini|Opaion des Pantheon mini|Georgsrotunde in Thessaloniki mini|Die spätantike Pendentifkuppel der Hagia Sophia wurde 537 vollendet und setzte für Jahrhunderte Maßstäbe. Sie blieb bis heute die größte Kuppel, die auf nur vier Stützen steht.
Die Liste römischer Kuppeln führt Kuppelbauten der römischen Antike auf. Die Römer waren die ersten Baumeister in der Architekturgeschichte, die das Potential der Kuppel zur Raumeinwölbung erkannten und zur schöpferischen Gestaltung des Baukörpers ausnutzten. Sie führten die Kuppelüberdachung bei einer Vielzahl von Gebäudetypen ein, darunter in Tempeln, Thermen, Palästen, Mausoleen und seit der Spätantike auch in Kirchen. Halbkuppeln bildeten in den Kaiserthermen beliebte Strukturelemente und fanden als Apsis Eingang in den christlichen Sakralbau.
Der Bau monumentaler Kuppelbauten setzte in Rom und den Provinzen rings um das Mittelmeer im 1. Jahrhundert v. Chr. ein. Ihre gewaltigen Dimensionen blieben bis zur Einführung der Stahlskelettbauweise im späten 19. Jahrhundert unübertroffen (siehe Liste der größten Kuppeln der Welt).Jürgen Rasch (1985), S. 117 Die neue Gewölbearchitektur, die durch die Erfindung des Betons entscheidend begünstigt wurde, löste in der Kaiserzeit allmählich die traditionelle Säulenbauweise ab.
In der Spätantike setzte die Kuppel der Hagia Sophia neue Maßstäbe. Sie war die erste große freistehende Kuppel auf vier Tragpunkten, indem die Kuppel über einem quadratischen Zentralraum mit Pendentifs verbunden wird. Über diese architektonische Idee der unter Kaiser Justinian I. in Konstantinopel errichteten Zentralkirche des oströmischen Reiches bekam die sakrale christliche Architektur ihr wegweisendes Vorbild (siehe auch: Orthodoxe Kirchenbauten).Helge Svenshon: Das Bauwerk als „aistheton soma“. Eine Neuinterpretation der Hagia Sophia im Spiegel antiker Vermessungslehre und angewandter Mathematik. In: Falko Daim, Jörg Drauschke (Hrsg.): Byzanz – Das Römerreich im Mittelalter (= Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Band 84, Teil 2, 1 Schauplätze). Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2010, ISBN 978-3-88467-154-2, S. 59–95 (PDF auf tu-darmstadt.de). Die freistehende Kuppel der Hagia Sophia blieb nicht nur für die nächsten 900 Jahre die größte der Welt, ihre komplexe Geometrie, die sich nur im Grundriss, jedoch nicht aus der Betrachtung der einzelnen Bauglieder erschließt, erlaubte jedoch keine Wiederholung und blieb auch ohne Nachahmung.Jörg Lauster: Warum gibt es Kirchen? Rom – Jerusalem – Konstantinopel. In: Thomas Erne (Hrsg.): Kirchenbau. Vanderoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-56852-1, S. 23–33, hier S. 30–31. Das rein numerisch orientierte Vermessungswesen der Antike (geodaisia), dem ein umfassendes, von der griechischen Mathematik (logistike) entwickeltes System rationaler Zahlen zur Verfügung stand, bildete die Grundvoraussetzung zum Bau dieser Kuppel und stand späteren Generationen von Architekten nicht mehr zur Verfügung.Helge Svenshon 2010, S. 63.
Kuppeln Alle Durchmesser sind lichte Maße, bei polygonalen Kuppeln gilt der zwischen den Seiten gemessene Inkreisdurchmesser; Größenangaben sind in Metern (m). Hauptquelle bildet Jürgen Raschs Studie des römischen Kuppelbaus.Alle Angaben in den einzelnen Spalten stammen von Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion. In: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139, sofern nicht andere Quellen aufgeführt sind. Die Spalte „Durchmesser“ enthält zusätzlich Einzelnachweise, bei „Bemerkungen / Sonstige Merkmale“ beschränken sich die Belege auf Aussagen größerer Tragweite.
Durchmesser ø Name,Bauteil Ort Erbaut Kuppelform,Grundriss Material,Dachkonstruktion Schalen-dicke (SD)SD zu ø Ringmauer-dicke (RD)RD zu ø Durchmesser Opaion (DO)DO zu ø Bemerkungen /Sonstige MerkmaleJürgen Rasch (1985), S. 119PantheonRom 2. Jh.RotundeBeton,Bleiplattenabdeckung≈ 1,351:32≈ 5,931:7,3 8,951:4,9größte Kuppel der Welt bis 1881; größte nicht-bewehrte Betonkuppel bis in die Gegenwart;Romanconcrete.com Vorbildcharakter für westliche Kuppelbaukunst bis ins 20. Jh.Robert Mark, Paul Hutchinson (1986), S. 24Werner Müller (2005), S. 253John Bishop (1977), S. 92'Apollotempel'Averner See 1. Jh.Erwin Heinle, Jörg Schlaich (1996), S. 27Caracallathermen,CaldariumRom 3. Jh.ineinandergestellte Amphorenacht Stützpfeiler; größte Kuppel der Welt aus Tonhohlkörpern.Hagia Sophia,kuppelgewölbter ZentralraumKonstantinopel 6. Jh.Ziegelsteinvier Stützpfeiler; bis heute die größte freistehende Kuppel auf vier TragpunktenSlobodan Ćurčić: Architecture in the Balkans. From Diocletian to Süleyman the Magnificent. Yale University Press, New Haven und London 2010, S. 195ff.Jürgen Rasch (1985), S. 129'Dianatempel'Baiae 2. Jh. 1,201:25≈ 5,70Ecken1:5,2VenustempelBaiae 2. Jh. -≈ 2,90Pfeiler1:9,1AußenwandpfeilerJürgen Rasch (1985), S. 123MaxentiusmausoleumRom 4. Jh.Werner Heinz (1983), S. 60–64Agrippathermen,'Arco della Ciambella'RomRotundeerste Thermen in Rom mit überkuppeltem Zentralbau; größte Kuppel der WeltGeorgsrotundeThessaloniki 4. Jh.Ziegel≈ 11:24 6,001:4größte Ziegelkuppel der WeltZeus-Asklepios-TempelPergamon 2. Jh.Ziegel - 3,351:7,1erste Großkuppel aus Ziegeln; größte Ziegelkuppel der Welt zu≈ 19,80Jürgen Rasch (1985), S. 126St. GereonKöln 4. Jh.Oval mit acht Nischen und einer Apsismittelalterlicher Nachfolgebau mit römischer Bausubstanz größter okzidentaler Kuppelbau zwischen Hagia Sophia und Florentiner DomWerner Schäfke: Kölns romanische Kirchen. Architektur, Ausstattung, Geschichte. 5. Auflage. Köln 1985, ISBN 3-7701-1360-8, S. 100 und 118. 'Tempel der Minerva Medica'Rom 4. Jh.ZehneckBeton mit Ziegelrippen 0,561:42≈ 2,601:9,1AußenwandpfeilerJürgen Rasch (1985), S. 124AntoninusthermenKarthago 2. Jh.Polygonsieben Kuppeln mit Durchmessern von 17 bis 22 mJürgen Rasch (1985), S. 127Rotunde am HippodromKonstantinopel 5. Jh.Rotunde mit zehn NischenJürgen Rasch (1985), S. 138Diokletiansthermen,San Bernardo alle TermeRom≈ 300Beton mit Ziegelrippen oder21,25Jürgen Rasch (1985), S. 130Jürgen Rasch (1985), S. 136Diokletiansthermen,'Planetarium'Rom≈ 300Schirmkuppel,OktogonBeton mit Ziegelverschalung innen 4,201:5,1 'Merkurtempel'BaiaeBetonRobert Mark, Paul Hutchinson (1986), S. 333,651:5,9erste Großkuppel; größte Kuppel der WeltHelenamausoleumRom 4. Jh.Tonamphoren im Kuppelfuß 0,901:22 2,401:8,4Caracallathermen,FlankenbautenRom 3. Jh.OktogonVorstufe der PendentifkuppelBacuccothermen 4. Jh.Schirmkuppel,OktogonDiokletiansthermen,TepidariumRom≈ 300 3,681:5,2 'Pantheon'Ostia 3. Jh. - 1,981:9,3EuphemiakircheKonstantinopel 5. Jh.SechseckJürgen Rasch (1985), S. 133Villa Adriana,'Serapeum'Tivoli 2. Jh.Schirmkuppel mit StichkappenBetonHohlraumsystemKaiserthermen,TepidariumTrier 4. Jh.BetonSan VitaleRavenna 6. Jh.Tonröhren,hölzerne DachkonstruktionNymphäum in Albano Laziale? 1. Jh.Beton 2,081:7,6erstmals Hohlräume am Kuppelfuß zwecks Gewichtsminderung zu≈ 13,00Jürgen Rasch (1985), S. 125SüdthermenBostra 3.–4. Jh.OktogonBetonWestthermenGerasa 2. Jh.QuadratKeilsteineiner der ersten Keilsteinkuppeln über quadratischem Grundriss; größte Steinkuppel der Welt'Romulusheroon' am Forum RomanumRom 4. Jh.Bleiplattenabdeckung 0,901:16≈ 1,801:8,2 3,701:4,0'Portunustempel'Porto≈ 3. Jh.Beton mit Ziegelverschalung innen -≈ 2,201:6,6Mausoleum bei Tor de'SchiaviVia Prenestina 4. Jh. 0,601:23 2,601:5,3vier Oculi am KuppelfußJürgen Rasch (1985), S. 118Domus AureaRom 1. Jh.Klostergewölbe,OktogonBeton 5,991:2,3erste Kuppel über achteckigem Grundriss; früheste in PalastarchitekturDiokletiansmausoleumSplit≈ 300Ziegel,Ziegeldach mit leichter Aufmauerung 0,681:20 3,401:3,9zweischalige KuppelSan Aquilino an San Lorenzo MaggioreMailand 4. Jh.ZiegelJürgen Rasch (1985), S. 128'Tempio della Tosse'Tivoli 4. Jh.Beton mit Ziegelrippen 1,301:9 2,081:5,9 2,101:5,9Villa Adriana,Sommer-Triclinium (Exedra)Tivoli 2. Jh.Beton mit Ziegelverschalung innenTherme von Aquae FlavianaeEl Hammam 3. Jh.Tonröhrengrößte Kuppel der Welt aus TonhohlkörpernHodegetriakircheKonstantinopel 5. Jh.SechseckSkeuophylakionKonstantinopel≈ 5. Jh.ZwölfeckBaptisteriumNocera Superiore,Kampanien 6. Jh.acht rechteckige KuppelfensterJürgen Rasch (1985), S. 139Villa Adriana,'Heliocaminus'Tivoli 2. Jh.zweischalige Kuppel mit Zwischenraum für Fortsetzung der WandheizungJürgen Rasch (1985), S. 137'Rote Halle'Pergamon≈ 2. Jh.Ziegelzwei Rotunden; größte Ziegelkuppel der WeltSanta Costanza Rom 4. Jh.Beton mit Ziegelrippen,Ziegeldach unmittelbar auf Kuppelschale aufliegend≈ 0,701:16 1,451:7,9TambourJürgen Rasch (1985), S. 120Kloster Mor GabrielTur Abdin 6. Jh.Ziegel jaPrätoriumKöln 4. Jh.Oktogon - 2,001:5,7GordiansvillaRom,Via Prenestina 3. Jh.Oktogon -≈ 1,351:8,2Vorstufe der Pendentifkuppel; acht Oculi am KuppelfußTherme d’Allance? ?GalliensmausoleumRom,Via Appia 3. Jh.Rotunde mit sechs Nischen -≈ 1,601:6,8Mausoleum von CentcellesCentcelles (Constantí)bei Tarragona 4. Jh.Ziegel und Stein≈ 0,401:27≈ 1,901:5,6 zu≈ 9,40Villa Adriana,kleine ThermenTivoli 2. Jh.Ellipsenförmige 'Wellrandkuppel'Gordiansvilla,SaalVia Prenestina≈ 2. Jh.Kuppel mit StichkappenJürgen Rasch (1985), S. 135'Villa delle Vignacce'Via Latina 2. Jh.früheste bekannte Verwendung von Tonamphoren im KuppelfußKathedrale,BaptisteriumRavenna 5. Jh.Villa Adriana,Piazza d'Oro (Vestibül)Tivoli 2. Jh.Schirmkuppel≈ 1,901:5,0Praetextatkatakombe,'Calventiergrab'Rom 3. Jh.Rotunde mit sechs NischenCapitothermen,LaconicumMilet 1. Jh.BetonKleiner RundtempelBaalbek 3. Jh.Domus AugustanaRom 1. Jh.Klostergewölbe,Oktogoneiner der frühesten Klostergewölbe über achteckigen Unterbau'Torraccio del Palombaro'Rom,Via Appia≈ 4. Jh.≈ 0,901:9 2,301:3,5≈ 1,501:5,4MaxentiusthermenRom 4. Jh.Schirmkuppel,OktogonDomus FlaviaRom 1. Jh. zu≈ 6,20Villa Adriana,'Heliocaminus'? 2. Jh.Klostergewölbe,unregelmäßiges OktogonNymphäumRiza,Epirus~ 250–350Zwölfeck'Venustempel',AnnexbauBaiae 2. Jh.flache Schirmkuppel,OktogonThermensaal Pisa?≈ 2. Jh.Klostergewölbe mit acht Fenstern,Oktogon 2,001:3,3Stabianer Thermen,LaconicumPompejiKonusgewölbe (Frühform der Kuppel)Beton jaälteste bekannte BetonkuppelnJagdthermenLeptis Magna≈ 200Klostergewölbe mit acht FensternMarc-Aurel-BogenTripolis ?KlostergewölbeKeilsteineWasserkastellPompeji30 v. Chr.-14 n. Chr.FlachkuppelAchteckraum in Nähe des 'Merkurtempels'Baiae 2. Jh.Schirmkuppel,OktogonSan Vitale,TreppentürmeRavenna 6. Jh.Ziegel'Sedia del Diavolo',GrabbauRom,Via Nomentana 2. Jh.QuadratTabulariumRomKlostergewölbe,Quadraterstes Klostergewölbe'Venustempel',AnnexBaiae 2. Jh.Schirmkuppel über rundem Grundriss 0,591:7,5Jürgen Rasch (1985), S. 134'Mausoleum der Galla Placidia'Ravenna 5. Jh.ZiegeldachGrabbau bei Casal de' PazziRom,Via Nomentana 2. Jh.Inkreiskuppel,QuadratBetonVorstufe der Pendentifkuppel; Hohlraumsystem'Mysterienvilla',LaconicumPompejiKonusgewölbe (Frühform der Kuppel)Ziegel und Ton (obere Kalotte)Mauerschale aus BetonJürgen Rasch (1985), S. 122Konstantinsmausoleum an der ApostelkircheKonstantinopel 4. Jh.vermutlich Rotunde mit zwölf Nischen
Halbkuppeln Durchmesser ø Name,Bauteil Ort Erbaut Kuppelform,Grundriss Material,Dachkonstruktion Schalen-dicke (SD)SD zu ø Ringmauer-dicke (RD)RD zu ø Bemerkungen /Sonstige MerkmaleTrajansthermenRom?Größte Kuppel(n) der WeltDiokletiansthermen,ZweiapsidensäleRom≈ 300TrajansforumRom?Santi Cosma e Damiano,ApsisRom6. Jh.NymphäumGerasa2. Jh.BetonBasilika,ApsisBostra≈ 3. Jh.Beton mit Quaderverschalung innenKathedrale,AnnexräumeBostra6. Jh.BetonPantheon,FrontnischenRom2. Jh.
Siehe auch Römische Architektur Römische Bautechnik Liste der größten Kuppeln der Welt
Literatur Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, In: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139. John Bishop: The Pantheon: Design, Meaning, and Progeny (Rezension). In: Art Journal, Bd. 37, Nr. 1 (1977), S. 92.