mini|Der Kunstverein in Hamburg hat seit 1993 seinen Sitz im südlichen Anbau der Markthalle am Klosterwall (Foto: 2025) Der Kunstverein in Hamburg ist ein gemeinnütziger und eingetragener Verein, der sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet. Er wurde 1817 in Hamburg gegründet und ist damit nach dem 1792 gegründeten heutigen Kunstverein Nürnberg der zweitälteste Kunstverein Deutschlands.

Geschichte Gründung (1817–1825) Ab 1817 trafen sich im Haus des Hamburger Bleideckermeisters David Christopher Mettlerkamp allwöchentlich im Winter neunzehn „kunstliebende“ Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft, die alle Veteranen der Befreiungskriege waren, zu Konversationsabenden und zum Austausch über private Sammlungen von Zeichnungen und Druckgrafiken. Nachdem der Teilnehmerkreis immer weiter wuchs, entschloss man sich 1821/1822, in die Kunsthandlung Georg Ernst Harzens in der Johannisstraße 48 nahe der Börse umzuziehen. Im Zuge dieser räumlichen Veränderung hatte man auch den Wunsch, dem Zusammenschluss eine institutionelle Form zu geben, und schrieb nun die erste Satzung am 24. Januar 1822 nieder. Mit dem damaligen „Hamburgischen Kunst-Verein“ gründete sich so nach der Schaffung der „Kunst-Societät“ in Nürnberg im Herbst 1792 der zweite Kunstverein in Deutschland, hier mit folgendem Programm:

Mit „mehrseitige Mittheilung“ war die periodische Verbreitung von Neuigkeiten über Kunst gemeint.

Zu den neunzehn Gründungsmitgliedern gehörten neben Mettlerkamp und dem nun zum ehrenamtlichen Geschäftsführer ernannten Harzen der Jurist und spätere Präses am Hamburger Handelsgericht, Adolph Halle, der Maler Siegfried Bendixen, der Malakologe und Kaufmann Peter Friedrich Röding, Gründer des Museums für Gegenstände der Natur und Kunst, der Maler Heinrich Joachim Herterich und der Lithograf Johannes Michael Speckter, die später zusammen die erste lithografische Anstalt in Norddeutschland gründeten, der Historiker und Redakteur des „Hamburgischen Correspondenten“ Carl Friedrich August Hartmann, der Senator Joachim Nicolaus Schaffhausen, der Maler Leo Lehmann, der Assekuranzmakler Nicolaus Hudtwalcker, der Arzt Nikolaus Heinrich Julius, späterer Reformer des Gefängniswesens, der frühere Konditor Christian Wilhelm Lüdert, mittlerweile zum Maler ausgebildet, die Architekten Alexis de Chateauneuf und Carl Ludwig Wimmel, der Kunstsammler und Privatier Aardt de Beurs-Stiermans mit seinem Sohn, dem Maler André Paul de Beurs-Stiermans, der Schriftsteller und Diplomat Johann Georg Rist und der Maler Gerdt Hardorff. Der Beitritt war bis zur Satzungsänderung im Jahr 1848 nur durch eine Zuwahl mit einer Zweidrittelmehrheit der bereits aufgenommenen Mitglieder möglich.

Erste Aktivitäten, Zusammenschluss und Märzrevolution (1826–1849) Nach der offiziellen Gründung widmete man sich weiterhin intensiv dem Austausch und der Diskussion über die eigenen Sammlungen. 1824 wurde der inzwischen dazugestoßene Sammler, Kunsthistoriker und Mäzen Carl Friedrich von Rumohr zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Vom 13. April bis 18. Mai 1826 fand unter der Verantwortung von Bendixen, Chateauneuf, Hardorff, Harzen, Herterich und Friedrich Sieveking, dem späteren Ersten Bürgermeister von Hamburg, die erste öffentliche Ausstellung des Kunstvereins und damit auch die erste öffentliche Kunstausstellung in Hamburg überhaupt statt. Ausstellungsort war das von Chateauneuf erbaute Haus Ecke ABC-Straße / Neustädter Fuhlentwiete. Zu sehen waren laut Einladung Gemälde „vaterländische[r] Künstler“, also vorrangig deutsche Maler, die meisten aus Hamburg und oftmals nicht älter als zwanzig Jahre. Darunter waren Louis Asher, Johann Joachim Faber, die Brüder Günther und Jacob Gensler, Victor Emil Janssen, Carl Julius Milde, Christian Morgenstern und Friedrich Nerly, aber auch Johan Christian Dahl aus Dresden mit sechs Bildern und ein „Professor Friedrich in Dresden“, nämlich Caspar David Friedrich mit drei Gemälden, darunter Der Watzmann von 1824–1825 und Das Eismeer von 1823–1824. Aber auch Kopien alter Meister, Entwürfe von dem Kunstverein angehörenden Architekten sowie Arbeiten von „Kunstfreunden“, das heißt künstlerischen Laien, gehörten, wie zur damaligen Zeit üblich, zur Ausstellung. Ebenfalls im Jahr 1826 wurde ein Gemälde-Verloosung-Verein in Hamburg gegründet und an den Kunstverein angeschlossen. Von diesem wurden mittels Mitgliedsbeiträge Künstler gefördert und jährlich originale Kunstwerke verlost, so 1827 eine Mondscheinlandschaft von Caspar David Friedrich. 1829 wurde im Konzertsaal des Theaters am Gänsemarkt die 2. Öffentliche Kunstausstellung mit Werken der wichtigsten deutschen und niederländischen Schulen ausgerichtet. Bis zum Hamburger Brand 1842 fanden solche großen Verkaufsausstellungen für zeitgenössische Kunst alle zwei bis drei Jahre statt. Ab 1834 stellte auch der Hamburger Künstlerverein von 1832 im Ausstellungshaus des Kunstvereins aus. 1836 fassten die Vereinsmitglieder den Entschluss, eine vereinseigene Grafiksammlung aufzubauen, wozu aus Vereinsmitteln ältere Kunst angekauft wurde, selbst wenn die Sammlung hauptsächlich durch Schenkungen und Vermächtnisse wuchs. So kam auch das Gemälde Die Hülsenbeckschen Kinder von Philipp Otto Runge in die Sammlung. In den 1837 erweiterten Vereinsstatuten wird nun auch die „allgemeine Entwicklung des Kunstsinnes“, das heißt die öffentliche Bildungsaufgabe des Kunstvereins festgehalten, was in der Fortsetzung und dem Ausbau von großen Kunstausstellungen resultierte. Auch wenn 1842 eine Ausstellung mit Gemälden älterer Meister aus Hamburger Privatbesitz stattfand, stand die zeitgenössische Kunst im Mittelpunkt und wurde in teilweise sehr großen Ausstellungen gezeigt, oftmals allerdings ohne Ordnung oder Struktur, wie das im 20. Jahrhundert für Ausstellungen üblich wurde. Der Rezeption der Hamburger Presse nach zu schließen, wurde dennoch das Ziel erreicht, Menschen mit Bildender Kunst in Berührung zu bringen, die dieser bisher eher fern blieben.

1848 wurde der Kunstverein mit dem Gemälde-Verloosung-Verein unter dem neuen Namen Kunstverein in Hamburg verschmolzen. Nach der Zusammenlegung hatte der Verein 467 Mitglieder, 30 davon weiblich, wobei der Kunstverein 1847 nur 59 Mitglieder hatte. Beeinflusst von den Ideen der Märzrevolution wurde die Satzung im Jahr 1848 außerdem überarbeitet. So stand der Beitritt nun bei Zahlung eines Jahresbeitrags jedem frei und Beschlüsse wurden demokratisch von einer Deliberations-Versammlung gefasst, die von einem ersten Wortführer geleitet wurde. Der erste solche erste Wortführer des Vereins nach dem Zusammenschluss war ab 1849 Christian Petersen, Professor für klassische Philologie am Akademischen Gymnasium.

Restauration, Kaiserreich und Weimarer Republik (1850–1932) mini|Ausstellungsplakat des Kunstvereins Hamburg, 1907

1850 fand die 819 Werke umfassende 11. Kunstausstellung in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft statt und verzeichnete in sieben Wochen fast 10.000 Besucher. So hatte sich der Kunstverein mittlerweile zur zentralen Kunstinstitution in Hamburg entwickelt. Im gleichen Jahr wird am 13. März die öffentliche Gemälde-Gallerie in den Börsenarkaden am Adolphsplatz eröffnet. Diese von der Stadt gestellten Räume wurden vom Kunstverein für seine inzwischen gewachsene Sammlung gefordert. 1851 wurde in diesen Räumlichkeiten die Permanente Ausstellung mit Werken auswärtiger wie auch Hamburger Künstler eröffnet. Bereits 1852 werden die Räume in den Börsenarkaden erweitert, da sie für Gemälde-Gallerie und Permanente Ausstellung nicht mehr ausreichten. Im Jahr 1856 waren diese Räume wiederum zu klein geworden und so verfügte Harzen testamentarisch, dass sein Vermögen und seine Sammlung der Stadt vermacht wird, sofern diese ein eigenes Kunstmuseum schaffen würde.

So formierte sich zwei Jahre später ein Comité für den Bau eines öffentlichen Museums in Hamburg und trieb Spenden in einer solchen Höhe ein, dass sich auch die Stadt zu einem Baukostenzuschuss genötigt sah. Daraufhin wurde am 30. August 1869 die Hamburger Kunsthalle mit einer Sammlung von 412 Gemälden und zahlreichen plastischen Werken eröffnet. Die Grundlage für das Kupferstichkabinett bildeten 30.000 Zeichnungen und Druckgrafiken aus Harzens Vermächtnis. Im gleichen Jahr zog der Kunstverein in die Kunsthalle ein und eröffnete im Folgejahr mit der 21. Kunstausstellung seine erste Ausstellung an diesem Platz. Mit Eduard Unger wurde im Jahr 1884 erstmals ein Geschäftsführer eingestellt. In diesem Jahr wurde die Permanente Ausstellung aufgrund von Umbauarbeiten in der Kunsthalle in den neu entstandenen Börsenanbau verlegt. Im Jahr 1886 wurde Alfred Lichtwark mit Unterstützung des Kunstvereins zum ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle gewählt. Bis zu Lichtwarks Tod im Jahr 1914 erwarb der Kunstverein immer wieder Werke für die Kunsthalle. 1887 wurden im Kunstverein erstmals Fotografien in einer Ausstellung gezeigt und 1888 zählte der Kunstverein bereits 2.105 Mitglieder.

Im Jahr 1896 wurde die Grafiksammlung des Kunstvereins der Kunsthalle übergeben und drei Jahre später, 1899, bezog der Verein neue Ausstellungsräume am Neuen Wall 14, in denen zusammen mit der Kunstgewerbesammlung, dem späteren Museum für Kunst und Gewerbe, ausgestellt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Ausstellungen lokaler, überregionaler und ausländischer Künstler stetig zu. So sind allein im Jahr 1906 über ein Dutzend Ausstellungen von heute meist weniger bekannten Künstlern zu verzeichnen. 1914 mussten die Räume am Neuen Wall verlassen werden, weil das Haus abgerissen werden sollte. Von 1915 bis 1916 war der Kunstverein im Ostflügel des alten Johanneums am Speersort, bis er 1916 wieder in die Kunsthalle zurückkehrte, aus Platzmangel aber die kunstgewerbliche Sammlung einstellen musste. Ab 1922 fanden jährliche Ausstellungen der 1919 gegründeten Künstlergruppe Hamburgische Secession statt. 1921 zog der Kunstverein wieder um, diesmal vom Altbau der Kunsthalle in die Kabinette im Sockelgeschoss des Neubaus. Im Jahr 1925 zählte der Kunstverein nur noch 1000 Mitglieder. Die Mitgliederzahl ist auch in den darauffolgenden Jahren weiter gesunken, so zählte der Verein im Jahr 1930 899 Mitglieder, im Jahr 1932 631 Mitglieder und im Jahr 1936 nur noch 337 Mitglieder. Zum irrtümlich im Jahr 1927 angenommenen 100. Geburtstag des Kunstvereins zeigte dieser die gesamte europäische Moderne in der Schau Europäische Kunst der Gegenwart und erreichte damit etwa 40.000 Besucher.

Dank der Erlöse dieser Ausstellung konnte der Kunstverein eine Villa an der Neuen Rabenstraße 25 als erstes eigenes Domizil erwerben, das 1930 nach Umbauten und einem Anbau von Karl Schneider eröffnet wurde. Durch Überdachung des Gartenhofs mit einer Oberlichthalle wurde im Erdgeschoss eine Ausstellungsfläche von 12 × 28 Metern geschaffen. In den drei Obergeschossen fanden sich weitere kleinere Ausstellungsflächen und Platz für eine Bibliothek, Geschäftsräume des Vereins und eine Hauswartwohnung. Die Baukosten von 120.000 Mark trug zu einem Drittel der Kunstverein, zwei Drittel steuerte die Stadt Hamburg bei. Mit diesen neuen Ausstellungsräumen konnte der Kunstverein sein Ausstellungsprofil weiter schärfen und, wie schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, zunehmend thematische Einzel- und Gruppenausstellungen statt kleinteiliger Überblicksschauen in den Mittelpunkt zu stellen. Hierbei konzentrierte man sich unter anderem auf die Hamburgische Secession und avantgardistische Tendenzen der damaligen Zeit wie Expressionismus, Kubismus oder russischen Konstruktivismus. Am 1. Mai 1931 wurde der vom König-Albert-Museum Zwickau wegen seiner modernen Kunstauffassung entlassene Hildebrand Gurlitt auf Vermittlung von Ludwig Justi zum ersten Direktor des Kunstvereins ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)