mini|hochkant=1.3|Erosionsschutzmatten auf neuem Brückendamm

Technische Textilien ist ein Sammelbegriff für textile Materialien (linienförmige textile Gebilde wie z. B. Reifencord und textile Flächengebilde wie z. B. Gewebe, Gestricke, Gewirke, Vliesstoffe, Filze) und daraus gefertigter textiler Fertigerzeugnisse (wie z. B. Schutzanzüge oder Zelte), die vorrangig hinsichtlich ihrer technischen und funktionellen Eigenschaften und nicht wegen ihres ästhetischen und dekorativen Charakters verwendet werden. Diese Definition dient damit zur Abgrenzung zu den traditionellen Textilien, die von Konsumenten als Bekleidung und Heimtextilien genutzt werden.A. Richard Horrocks, Subhash C. Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Volume 1: Technical Textile Processes. 2. Auflage. Woodhead Publishing, Cambridge 2016, ISBN 978-1-78242-458-1, S. 2.M. J. Denton, P. N. Daniels (Hrsg.): Textile Terms and Definitions. 11. Auflage. The Textile Institute, Manchester 2002, ISBN 1-870372-44-1, S. 345.

Begriff Über viele Jahre hinweg (in den USA z. T. noch heute) existierte auch der Sammelbegriff „Industrielle Textilien“ insbesondere für solche Erzeugnisse, die als Komponente eines anderen Produkts dienen und dort zur Verbesserung der Festigkeit und anderer Eigenschaften beitragen (wie z. B. Cord in Reifen), die als Prozesshilfsmittel bei der Herstellung anderer Produkte genutzt werden (wie z. B. textile Filtermedien oder Papiermaschinenbespannungen) oder die direkt zur Erfüllung wichtiger Funktionen dienen können (wie z. B: als Stadionüberdachungen).Sabit Adanur (Hrsg.): Wellington Sears Handbook of Industrial Textiles. Technomic Publishing, Lancaster/Basel 1995, ISBN 1-56676-340-1, S. 3. Mit der zunehmenden Anzahl von Textilien für Medikal-, Hygiene-, Sport-, Transport-, Bau- und Agraranwendungen ging entsprechend der Anteil derer mit industrielle Nutzung am Gesamtanwendungsbereich zurück. Die industriellen Textilien entwickelten sich somit zu einer Untergruppe der technischen Textilien. Bis heute existiert aber keine universell akzeptierte Definition und Unterteilung für technische Textilien. Letztlich haben sich aber der Begriff „technische Textilien“ und die angeführte Definition weitgehend durchgesetzt; denn diese ermöglicht am ehesten die Einordnung neuer Produkte eines der sich am dynamischsten entwickelnden Teilgebiete der Textilindustrie. Trotzdem tauchen auch immer wieder neue Oberbegriffe auf, die für diese Art von Erzeugnissen oder nur einen Teil diese Erzeugnisse angewendet werden, wie z. B. Funktionstextilien, Hochleistungstextilien.Chris Bryne: Technical textiles Market – an overview. In A. Richard Horrocks, Subhash C. Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Woodhead Publishing, Cambridge 2000, ISBN 1-85573-385-4, S. 3.

In der staatlich organisierten Wirtschaft der DDR trug zur frühzeitigen Etablierung des Sammelbegriffes „Technische Textilien“ wesentlich die Gründung der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Technische Textilien (später Kombinat Technische Textilien) im Jahr 1965 bei, in dem erstmals international ein konzentriertes Produktionspotential für technische Textilien produzierende Unternehmen geschaffen wurde. Die Forschung und Entwicklung wurde 1967 im WTZ (Wissenschaftlich-Technischen Zentrum) konzentriert.Manfred Schädel: Die Entwicklung der VVB Technische Textilien im ökonomischen System des Sozialismus. In: Jahrbuch der Wirtschaftsgeschichte, Teil IV. Akademie Verlag, Berlin 1969, S. 41–43, siehe digitalis.uni-koeln.de Bereits seit 1958 erscheint die Zeitschrift Technische Textilien. Sie wurde in Dresden von Ulrich Liebscher (Herausgeber) als Mitteilungsblatt der damaligen Zentralen Forschungs- und Entwicklungsstelle der Bastfaserindustrie gegründet.Hilmar Fuchs: Technische Textilien – Basis des Strukturwandels der Textilindustrie. In: Technische Textilien. Heft 4, September 2017, , S. 218.

Fasern für technische Textilprodukte Für technische Textilien müssen die Fasern spezielle Anforderungen in den physikalischen oder chemischen Eigenschaften erfüllen (z. B. erhöhte Festigkeit, erhöhten E-Modul, schwer entflammbar, chemikalienbeständig, verrottungsbeständig u. a. m.), weshalb sie meist aus Spezialtypen von konventionellen Chemiefasern oder Fasern aus Spezialpolymeren hergestellt werden.Petra Knecht (Hrsg.): Technische Textilien. Deutscher Fachverlag. Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-87150-892-6, S. 57.

Die letzteren werden unter der Gruppe der Hochleistungsfasern (engl. High Performance Fibres/High-Tech Fibres; sowohl Spinnfasern als auch Filamente) zusammengefasstTatsuya Hongu, Glyn O. Phillips, Machiko Takigami: New millennium fibers. Woodhead Publishing, Cambridge 2005, ISBN 1-85573-601-2, S. 4.Hans-J. Koslowski: Chemiefaser – Lexikon. 12., erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-87150-876-9, S. 104. und gewöhnlich nach dem Kriterium der chemischen Struktur in Polyaromatische Faserstoffe (z. B. PPTA, PEEK, PPS), Polyheterocyclische Faserstoffe (z. B. PEI, PBI und PI), Homoaliphatische Faserstoffe (z. B. HPPE, PTFE, hochfestes PAN) eingeteilt. Zu den Hochleistungsfasern zählen auch Kohlenstoff-, mineralische (Glas) bzw. keramische und metallische Faserstoffe auf anorganischer Basis. Aus praktischer Sicht der Hersteller und Entwickler von technischen Textilien erfolgt aber üblicherweise eine Einteilung in Hochfest- bzw. Hochmodulfasern und Hochtemperatur- bzw. flammbeständige Fasern mit begrenzter Festigkeit.Walter Loy: Chemiefasern für technische Textilprodukte. 2., grundlegende überarbeitet und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86641-197-5, S. 73. Dabei werden auch chemische, hydrolytische und elektrische Eigenschaften berücksichtigt. Zu den Hochfest- bzw. Hochmodulfasern werden gerechnet:Walter Loy: Chemiefasern für technische Textilprodukte. 2., grundlegende überarbeitet und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86641-197-5, S. 74–107. hochfeste Synthesfasern mit niedriger Temperaturbeständigkeit wie hochfeste Polyethylenfasern (z. B. Dyneema) und hochfeste Polyvinylalkoholfasern (PVA): hochfeste Synthesefasern mit erhöhter Temperaturbeständigkeit wie p-Aramidfasern (PPTA), schmelzspinnbare Polyaromatfasern (LPC), Polybenzoxazolfasern (PBO) und Homopolyacrylnitrilfasern (Rein-PAN); Hochfest-Filamentgarne herkömmlicher Chemiefasern mit begrenzter thermischer Belastbarkeit wie Hochfest-Viskosefilamentgarne (CV), Hochfest-Polyesterfilamentgarne (PET und PEN), Hochfest-Polyamidfilamentgarne(PA) hochfeste anorganische Faserstoffe mit hoher thermischer Beständigkeit wie Kohlenstoff- bzw. Graphitfasern, Glasfasern, Basaltfasern, Keramfasern und Metallfasern. Zu den Hochtemperatur (HT)- bzw. flammbeständigen Fasern mit begrenzter Festigkeit werden gezählt:Walter Loy: Chemiefasern für technische Textilprodukte. 2., grundlegende überarbeitet und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86641-197-5, S. 107–119. unschmelzbare HT- bzw. flammbeständige Fasern mit begrenzter Festigkeit wie m-Aramidfasern, aromatische Polyimidfasern (PI), aromatische Polyamidimidfasern, Polybenzimidazolfasern (PBI), Melamin/Formaldehydharz-Fasern, Phenol/Formaldehydharz-Fasern, preoxidierte PAN-Fasern (Prerox-Fasern) und Cellulose/Kieselsäure-Hybridfasern: Schmelzbare hochtemperatur- bzw. flammbestänige Fasern mit begrenzter Festigkeit wie Polyetheretherketon-Fasern (PEEK), Polyetherimid-Fasern (PEI), Polyphenylensulfid-Fasern (PPS) sowie Polytetrafluorehylen-Fasern (PTFE). Weitere wichtige Entwicklungen im Bereich der Fasern für technische Textilien sind z. B.:A. Richard Horrocks, Subhash C. Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Volume 1: Technical Textile Processes. 2. Auflage. Woodhead Publishing, Cambridge 2016, ISBN 978-1-78242-458-1, S. 21–32. Nanofasern für Medizinanwendungen (z. B. Tissue Engineering), technische Anwendungen in der Filtration, Photovoltaikzellen, Membranbrennstoffzellen sowie Sportbekleidung, Schuhen oder Windeln.A. Richard Horrocks, Subhash C. Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Volume 1: Technical Textile Processes. 2. Auflage. Woodhead Publishing, Cambridge 2016, ISBN 978-1-78242-458-1, S. 26. auxetische Fasern besonders im Schutzbekleidungsbereich Piezoelektrische Fasern Photovoltaik-Fasern Formgedächtnisfasern.

Anwendungsgebiete mini|Dämmstoffvlies aus Hanffasern

Für die Unterteilung der Anwendungsgebiete der Technischen Textilien wird heute häufig die der TECHTEXTIL, der Internationalen Fachmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe, genutzt:Techtextil-Offizieller Katalog. Messe Frankfurt Medien und Service GmbH, Frankfurt am Main 2011, S. 597–600. Agrotech: u. a. Textilien für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft, wie z: B. Abdecktextilien zur Ernteverfrühung und zum Insektenschutz, Schattierungsgewebe und -gewirke, textile Bewässerungssysteme Buildtech: u. a. Textilien für den Hochbau wie z. B. Armierungsgewebe, textile Fassaden, Membranen für leichte Flächentragwerke, Gewebe für Windschutz (Fassaden- und Unterspannbahnen), Rieselschutz und Sonnenschutz-Textilien Clothtech: u. a. Komponenten für Bekleidung und Schuhe, wie z. B. Einlagevliesstoffe, Schulterpolster für Bekleidung, Schuhversteifungsmaterialen, Wind- und Wetterschutzliner Geotech: vor allem Geotextilien für den Tiefbau (Erdbau, Straßenbau, Eisenbahnbau, Wasserbau) und Garten- und Landschaftsbau, wie z. B: Drainagevliesstoffe, Erosionsschutzmatten, Trennschichten, Anpflanzungshilfen Hometech: u. a. Textilien für den Innenausbau und die Innenausstattung, Decken- und Wandbespannungen, Sonnenschutz-Textilien, wie z. B. Markisen, Deckenabhängungen, Möbelkomponenten Indutech: u. a. Textilien für die (Chemie-)Industrie und Elektrotechnik, z. B. textillaminierte Formteile und Rohre, Filtervliesstoffe- und -gewebe, Elektroisolationsmaterialien, Oberflächenvliesstoffe, Transportbänder Medtech: u. a. Verbandmaterialien, Krankenhausausstattung wie z. B. Wundpflaster, Operationstücher, Ärzte- und Schwesternkleidung Mobiltech: u. a. Textilien für den Automobilbau, den Schienenfahrzeugbau, den Schiffbau wie z. B. Sicherheitsgurt, Airbag, Planen, Wandauskleidungen, Komponenten für verstärkte Kunststoffteile zum Schiff- und Bootsbau Oekotech: Textilien für den Umweltschutz wie z. B. Bodenabdichtungen in Deponien, Textilien für Abwasser- und Luftfilter Packtech: u. a. Verpackungen wie z. B. Teebeutel oder Trockenmittelbeutel, Säcke, mobile Behälter, Schutzhüllen Protech: u. a. Arbeitsschutzkleidung, Chemieschutzanzug, Personenschutzausrüstungen, wie z. B. Schusswesten, Militärbekleidung wie z. B. ABC-Schutzanzüge Sporttech: u. a. Sportausrüstungen, Sportbekleidung wie z. B. Kletterseil, Segel, Fallschirm, Tauchanzug.

Vergleichbare Unterteilungen nach Anwendungsbereichen sind auch in Standardwerken über technische Textilien enthalten.A. Richard Horrocks, Subhash Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Woodhead Publishing, Cambridge 2000, ISBN 1-85573-385-4, S. 20–22.Sabit Adanur (Hrsg.): Wellington Sears Handbook of Industrial Textiles. Technomic Publishing, Lancaster/Basel 1995, ISBN 1-56676-340-1, S. 8–11.

Über diese Anwendungsgebiete hinweg kann auch eine Unterteilung nach den verschiedenen Funktionen der technischen Textilien vorgenommen werden: Schützen Separieren Stabilisieren Leiten Dichten und Abweisen Speichern Isolieren.

Historische Entwicklung Erzeugnisse, die wir heute als Technische Textilien bezeichnen und darunter in Wirtschaftsstatistiken erfassen, wurden schon vor tausenden von Jahren hergestellt. Eine genaue Angabe zu der frühesten Nutzung ist schwierig, da ihre Herstellung mittels Naturfasern erfolgte und sie deshalb der Verrottung unterlagen. Manchmal sind es nur Zeichnungen oder Gravuren in Steinen, die uns auf die Herstellung oder Nutzung hinweisen.