Das George C. Marshall Europäisches Zentrum für Sicherheitsstudien ist ein deutsch-amerikanisches sicherheits- und verteidigungspolitisches Studienzentrum auf Universitätsniveau mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen. Träger sind das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und das deutsche Bundesministerium der Verteidigung. Der deutsche Anteil ist truppendienstlich dem Streitkräfteamt unterstellt.

Namensgeber Das Zentrum wurde nach dem Friedensnobelpreisträger George C. Marshall benannt, dessen visionärer Marshallplan (European Recovery Program) nach dem Zweiten Weltkrieg die wirtschaftlichen Grundlagen für die friedliche Entwicklung Europas schuf.

Aufgabe Aufgabe des Marshall Centers ist die Schaffung eines stabilen Sicherheitsumfelds durch die Förderung demokratisch verankerter Institutionen und Beziehungen insbesondere im Bereich der Verteidigungspolitik, durch die Unterstützung der aktiven, friedlichen Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit und die Festigung dauerhafter Partnerschaften unter den Nationen Nordamerikas, Europas und Eurasiens. Zur Verwirklichung dieses Ziels bietet das Zentrum Lehrgänge sowie Konferenzen und auswärtige Programme (sogenannte „outreach programs“) für Militärangehörige und zivile Regierungsvertreter aus Europa, Eurasien, Nordamerika und anderen Regionen an. Die circa 35 Angehörigen seines Lehrkörpers kommen aus 10 Partnerländern – aus den Vereinigten Staaten und Deutschland, aus Österreich, Kanada, Litauen, Frankreich, Italien, Albanien, Australien und Großbritannien.

Geschichte mini|US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld 2003 im George C. Marshall European Center for Security Studies (DOD photo) Die Notwendigkeit einer Einrichtung wie des Marshall Centers wurde von Verteidigungsexperten im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putsch in Russland vom August 1991 erkannt. Das United States European Command (EUCOM) begann mit der Ausarbeitung von Vorschlägen zur Ausweitung der Kontakte in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit zu den jungen Demokratien in Mittel- und Osteuropa. Ziel war es, einen positiven Einfluss auf die Entwicklung demokratischer Sicherheitsstrukturen zu nehmen. Im Februar 1992 wurde dem damaligen Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Colin Powell, der Vorschlag unterbreitet, die Räumlichkeiten des ehemaligen Russischen Instituts der US-Army zu nutzen und dort ein Europäisches Zentrum für Sicherheitsstudien einzurichten, an dem rasch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Organisationen des Verteidigungssektors europäischer und eurasischer Staaten geschaffen werden sollten. Der Plan wurde am 17. März 1992 genehmigt. Der Stellvertretende Verteidigungsminister für politische Angelegenheiten, Paul Wolfowitz, billigte den EUCOM-Vorschlag noch im Sommer, und die Stäbe begannen mit der Entwicklung einer Satzung für das geplante Zentrum.

Im November 1992 unterzeichnete US-Verteidigungsminister Dick Cheney die Direktive 5200.34 des Verteidigungsministeriums, die die Grundlage für die Schaffung des Europäischen George C. Marshall Zentrums für Sicherheitsstudien als einer Einrichtung des Kommandos Europa der US-Streitkräfte bildete. Durch die Unterzeichnung der Regierungsvereinbarung am 2. Dezember 1994 zwischen dem Hauptquartier EUCOM und dem Bundesministerium der Verteidigung wurde das Marshall Center ein deutsch-amerikanisches Partnerschaftsprojekt.

Am 5. Juni 1993 wurde das Marshall Center durch den Oberkommandierenden von EUCOM, General John M. Shalikashvili, feierlich eingeweiht. Das Zentrum erhielt den Auftrag zur Stabilisierung und damit Stärkung Europas nach dem Ende des Kalten Krieges. Der deutsche Verteidigungsminister Volker Rühe und sein amerikanischer Amtskollege Les Aspin hielten die Festreden.

1997 wurde hier eine nach Manfred Wörner, NATO-Generalsekretär und Bundesverteidigungsminister, benannte Wörner Hall eingeweiht.

Am 11. Juni 2003 feierte das Marshall Center seinen 10. Geburtstag. Der US-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein deutscher Amtskollege Peter Struck hielten die Festreden. Neun weitere Verteidigungsminister der Region nahmen an den Feierlichkeiten teil.

Seit seiner Gründung setzt sich das Marshall Center im Rahmen seines festen Kursangebots und seiner Outreach-Programme mit den wichtigsten Sicherheitsfragen Europas, Eurasiens und Nordamerikas auseinander. Das Marshall Center stellt sich den neuen Sicherheitsherausforderungen des 21. Jahrhunderts und hat dafür das Kursangebot mit drei neuen festen Kursen seit 2004 kontinuierlich ausgebaut. Beim Umgang mit diesen Fragen liegt der Schwerpunkt auf der internationalen, institutionsübergreifenden und interdisziplinären Kooperation.

Liegenschaften

mini|Blick auf die Wörner Hall, Gebäude 109 des Marshall Centers (DOD photo) mini|Programmteilnehmer am Marshall Center bei einer Video-Telekonferenz mit Brigadegeneral John Nicholson, Jr. am 11. März 2009 (DOD photo)

Das Marshall Center befindet sich in Garmisch-Partenkirchen, genau wie das im September 2004 eröffnete Erholungszentrum Edelweiss Lodge and Resort im Eigentum des US-Verteidigungsministeriums. Sowohl das Marshall Center als auch das Edelweiss-Hotel werden von der Garnison der US-Army in Garmisch bewacht, die vom Kommando Standortmanagement EuropaU.S. Army Installation Management Command - Europe: verwaltet wird.

Das Marshall Center ist in den Sheridan- und Artillery Kasernen (früher: Krafft-von-Dellmensingen-Kaserne) untergebracht. Die Sheridan-Kaserne, ursprünglich Jäger-Kaserne, wurde 1937 für die Wehrmacht gebaut. 1945 nutzte das US-Heer die Kaserne zum ersten Mal als ein Kriegsgefangenenlager für Offiziere. Von 1960 bis 1992 hatte die 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr hier ihr Hauptquartier. Die Kaserne beherbergte später Angehörige der in Garmisch stationierten US-Streitkräfte, das Hauptquartier des Armed Forces Recreation Center und ab Mai 1964 das spätere United States Russian Institute. Im Juni 1992 wurden die Räumlichkeiten dem neu gegründeten George C. Marshall Center übergeben.

Lehrgänge Das Marshall Center College of International and Security Studies (College für Internationale Studien und Sicherheitsstudien) bietet zum Themenbereich grenzüberschreitende, regionale und internationale Sicherheit zwölf Programme vor Ort sowie auswärtige Programme und Veranstaltungen für Absolventen an. Aufgrund der COVID-19-Pandemie werden inzwischen auch virtuelle Veranstaltungen durchgeführt. Auf der Marshall Center Website sind alle Präsenzprogramme, auswärtigen Veranstaltungen und Veranstaltungen für ehemalige Teilnehmer aufgelistet:US DoD

Das Forum für Angewandte Sicherheitsstudien - Fähigkeitsaufbau (englisch Program on Advanced Security Studies – Capacity Building oder kurz PASS-CB) ist das Aushängeschild unter den Lehrgängen am Marshall Center. Dieser zehnwöchige Intensivlehrgang für zivile Regierungsvertreter und Militärangehörige vermittelt Studieninhalte auf universitärem Niveau in den Bereichen Sicherheitspolitik, Verteidigungsangelegenheiten, internationale Beziehungen sowie zu anderen verwandten Themen wie Völkerrecht und Bekämpfung des Terrorismus. Das Forum umfasst Kernseminare und vertiefende Wahlpflichtseminare (Advanced Seminars) mit Pflichtlektüre, Seminar- und Podiumsdiskussionen, Rollenspielen und einer einwöchigen Studienreise, in deren Verlauf die Teilnehmern erfahren, wie das theoretische Wissen in der Politik angewandt wird. Das Forum Terrorismus und Sicherheit (PTSS) behandelt zahlreiche Aspekte einer Bedrohung, mit der die Staaten auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Der fünfwöchige Lehrgang richtet sich an Regierungsvertreter, Polizeikräfte und Militärangehörige, die gegenwärtig auf mittlerer oder gehobener Ebene weltweit im Bereich Terrorbekämpfung tätig sind. Der Lehrgang konzentriert sich auf Ansätze und Maßnahmen, die Staaten eine effektive Bekämpfung des Terrorismus ermöglichen, zugleich aber auch im Einklang mit den grundlegenden Werten einer demokratischen Gesellschaft stehen. Die Teilnehmer erarbeiten eine gemeinsame Definition von Terrorismus und knüpfen Kontakte, die ihnen helfen, dieses komplexe Problem in einem internationalen Umfeld zu bewältigen. Das Seminar für Höhere Führungskräfte (SES) ist ein achttägiger Intensivlehrgang, in dem sich hochrangige politische Entscheidungsträger intensiv mit hochaktuellen Themen der internationalen Sicherheit auseinandersetzen. Zu den Teilnehmern zählen Generäle, hochrangige Diplomaten, Botschafter, Minister, stellvertretende Minister und Parlamentarier. Jedes SES ist einem spezifischen Thema gewidmet und umfasst Vorträge von hochrangigen Regierungsvertretern und anerkannten Experten, gefolgt von Diskussionen in Seminargruppen. Das Forum für Zivile Sicherheit im Transatlantischen Raum (STACS) vermittelt nationalen Sicherheitsexperten aus Europa, Eurasien und Nordamerika einen detaillierten Einblick, wie Länder effektiv innerstaatliche Sicherheitsprobleme mit regionalen und internationalen Auswirkungen bewältigen können. Der dreiwöchige Lehrgang befasst sich mit der Praxis der Gewährleistung von Innerer Sicherheit sowie der Vermeidung von, Vorbereitung auf – und der Bewältigung von Folgen innerstaatlicher Krisen und Katastrophen auch im regionalen Kontext. Der STACS-Kurs richtet sich an Militärangehörige und Regierungsvertreter, die für Programme und Maßnahmen zur Inneren Sicherheit verantwortlich sind, sowie an Vertreter von zwischenstaatlichen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Bereich Innere Sicherheit befassen. Das Forum für Stabilität und Wiederaufbau (SSTaR) behandelt die Fragen, warum und wann Stabilisierungs- und Wiederaufbaueinsätze (SSTR) im globalen Sicherheitsumfeld notwendig sind und wie sich ein Land produktiv daran beteiligen kann. Dieser dreiwöchige Lehrgang richtet sich an Militärangehörige der gehobenen Führungsebene sowie an Beamte (Oberstleutnant, Oberst bzw. zivile entsprechend), die in Ministerien und Einrichtungen für die Planung und Durchführung von solchen Operationen verantwortlich sind. Der Lehrgang soll den Wissensstand und das Fähigkeitsprofil der Teilnehmer erweitern, damit sie bei gegenwärtigen und zukünftigen Operationen dieser Art in ihrem Land beratend tätig sein können.

Das Marshall Center bietet außerdem fachbezogene Sprachkurse sowie einen Sprachkurs zur Thematik Sicherheitsstudien und einen Sprachkurs zur Thematik Bekämpfung des Terrorismus in Verbindung mit dem PASS und dem PTSS an.

Alumni Das Absolventennetzwerk des Marshall Centers unterstützt Veranstaltungen in Partnerländern, den Austausch mit Fachleuten per Internet und besondere Angebote für ausgewählte Absolventen. Viele dieser Aktivitäten werden in Zusammenarbeit mit den Alumniverbänden des Marshall Centers durchgeführt.

Über das Marshall Center Alumni-Portal können die Absolventen Artikel und Berichte aus Fachzeitschriften aus dem Bestand der Bibliothek einsehen, ihre eigenen Aufsätze und Arbeiten veröffentlichen, aktuelle sicherheitspolitische Themen diskutieren und über Links zu anderen Seiten von aktuellem Interesse gelangen. Das Portal enthält auch ein suchbares Absolventenverzeichnis, das vom Alumni-Büro gepflegt wird.

Als besonderes Angebot für ausgewählte Absolventen können Experten für Sicherheitsfragen als Angehörige einer Interessensgemeinschaft nach Garmisch zurückkehren, um sich mit anderen Ehemaligen auszutauschen und mit ihnen in ihrem jeweiligen Fachbereich zusammenzuarbeiten. Absolventen, die sich in Wissenschaft und Forschung besonders ausgezeichnet haben, können zudem als Stipendiaten an das Marshall Center zurückkehren und unter der Anleitung von dortigen Dozenten Forschungsarbeit betreiben.