|} Die Talgangbahn war eine 8,24 Kilometer lange normalspurige private Eisenbahnstrecke auf der Schwäbischen Alb auf dem Gebiet der heutigen Stadt Albstadt im Zollernalbkreis im Süden Baden-Württembergs. Sie befand sich im Besitz der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), seit 2012 gehört die Strecke dem Zollernalbkreis. Sie wurde 1998 für den Personenverkehr und 1999 für den Güterverkehr stillgelegt, soll aber reaktiviert werden.
Name „Talgang“ bezeichnet das Tal des Oberlaufs des Donaunebenflusses Schmiecha, in dem die heutigen Albstadter Stadtteile Onstmettingen, Tailfingen, Truchtelfingen und Ebingen liegen. Im Volksmund wurde die Strecke auch TriebelRalph Conzelmann: Moderne Zugzeiten im Talgang: Aus dem „Triebel“ soll die S1 werden. Zollern-Alb-Kurier vom 4. Februar 2021, online auf zak.de, abgerufen am 22. Oktober 2022 genannt.
Geschichte
Errichtung und Inbetriebnahme
mini|links|Häringsteinviadukt 1907 mini|links|Häringsteinviadukt 2005 Die Talgangbahn wurde durch die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft gebaut und am 14. Juli 1901 eröffnet. Bereits 1902 wurden 100.000 Personen und 15.000 Tonnen Güter transportiert.Zollern-Alb-Kurier am 1. August 2008 Ein bemerkenswertes Bauwerk der Talgangbahn ist der Steinbogenviadukt in Ebingen, der in einem Bogen durch die Innenstadt führt. Diese ungünstige Führung der Trasse und die Tatsache, dass die Lage des Ebinger Bahnhofs und der Gleisanlagen die weitere wirtschaftliche Entwicklung Ebingens behindern würde, führte im Jahr 1911 zu einer Planstudie für die Verlegung des Bahnhofs in Richtung Friedhof. Der damalige Ebinger Stadtbaumeister Leo Schrein verband mit seiner Planung eines neuen Bahnhofs im Gebiet „In den untern Wiesen“ gleichzeitig auch eine neue, die Innenstadt umfahrende Einfädelung der Talgangbahn in die Zollernalbbahn in südöstlicher Richtung nach Sigmaringen. Zugleich würde Platz für einen vergrößerten Güterbahnhof und das Einfädeln einer damals geplanten HeubergbahnWilfried Groh: In: Zollern-Alb-Kurier vom 3. Juni 2014. nach Nusplingen geschaffen.
Verkehrsrückgang und Stilllegung
Nach Einrichtung einer eigenen Omnibuslinie durch die WEG-KVG auf der parallel zur Bahn verlaufenden Hauptverkehrsstraße verblieb der Personenbeförderung auf der Bahn fast ausschließlich Schülerverkehr; die Fahrzeiten der Züge waren deshalb auf die Schulzeiten abgestimmt. An schulfreien Tagen ruhte der Fahrbetrieb. Der Personenverkehr wurde am 31. Juli 1998 eingestellt. Der Güterverkehr der ansässigen Textilindustrie nahm immer mehr ab und wurde zunehmend auf Lastkraftwagen umgestellt und am 31. Dezember 1999 ganz eingestellt, die Strecke anschließend stillgelegt, aber nicht entwidmet.Karina Eyrich: Höchste Zeit für Talgangbahn. In: Schwarzwälder Bote vom 22. Januar 2012.
Reaktivierung mini|Erde-Säcke auf dem Gleis Mitte Oktober 2002 lehnte der Albstädter Gemeinderat noch mit 22 zu 17 Stimmen Verhandlungen mit der Hohenzollerischen Landesbahn über eine Reaktivierung ab.Meldung Aus für Talgang-Bahn. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2003, , S. 8. Grund dafür waren hohe Kosten, da die Gemeinde die Anlagen von der WEG hätte erwerben und insbesondere die Bahnübergänge modernisieren müssen. In der Diskussion ist die Reaktivierung nach wie vor, die Strecke ist auch im Konzept einer Regional-Stadtbahn Neckar-Alb enthalten.RegioStadtbahn Albstadt
Am 22. Oktober 2012 beschloss der Kreistag, die Strecke für 13.000 Euro zu erwerben. In Vorbereitung auf das Regional-Stadtbahn-Konzept fanden im Oktober 2013 Vermessungsarbeiten an der Strecke statt.Roth: Kreis bemüht sich um Talgangbahn. In: Schwarzwälder Bote vom 17. Oktober 2013. Am 21. Juli 2014 wurden weitere Verträglichkeitsprüfungen vom Kreistag des Zollernalbkreises in Auftrag gegeben.. In: Zollern-Alb-Kurier vom 23. Juli 2014. 2014 wurde ein kurzes Stück symbolisch freigeschnitten.Müller: Erstmals seit 16 Jahren gibt es wieder Zugverkehr. In: Schwarzwälder Bote vom 22. Oktober 2014. Auch der Betrieb von autonomen Elektrobussen wurde geprüft.Kleinbusse 2020 wurde die Strecke erneut begutachtet. 2022 wurde eine 100-prozentige Kostenübernahme durch den Zollernalbkreis für den Inselbetrieb auf der Talgangbahn vereinbart. Am 21. Juli 2022 beschloss der Gemeinderat der Stadt Albstadt mit 25 zu 5 Stimmen die Reaktivierung der Talgangbahn.jh: Albstadt stimmt für Reaktivierung der Talgangbahn. In: Eisenbahn-Revue International 11/2022, S. 558. Im Mai 2023 sagte das Land Baden-Württemberg die Übernahme der Betriebskosten eines Stundentakts nach dem Landesstandard verbindlich zu.
Im Mai 2024 ging der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb vom Beginn der Entwurfs- und Genehmigungsplanung 2026, der Planfeststellung 2028 und der Inbetriebnahme frühestens 2030 aus. Im Oktober 2024 wurde die SWEG Schienenwege zum neuen Eisenbahninfrastrukturunternehmen bestimmt. Die SWEG Schienenwege plant die Einführung von ETCS Level 1 in der Betriebsart Full Supervision.
Fahrzeugeinsatz mini|In Onstmettingen abgestellte Dampflok (1960) Zunächst standen zwei bei Borsig in Berlin gebaute dreiachsige Dampflokomotiven und vier Personenwagen zur Verfügung. In den 1920er Jahren wurden diese Lokomotiven von stärkeren Nassdampf-Lokomotiven abgelöst. Obwohl die Strecke in erster Linie für den Güterverkehr vorgesehen war, verkehrten von Anfang an auch fünf Personenzüge mit bis zu sieben Personenwagen.RegioStadtbahn Albstadt Zuletzt betrieb die WEG die Strecke mit ihren eigenen Dieseltriebwagen. Diesen stand am Endbahnhof Onstmettingen ein Lokschuppen zur Verfügung.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Baden-Württemberg Kategorie:Bauwerk in Albstadt Kategorie:Verkehrsbauwerk im Zollernalbkreis