Das Kernkraftwerk Hinkley Point nahe Bridgwater im Südwesten von England am Bristolkanal besteht aus den beiden stillgelegten Anlagenteilen Hinkley Point A und Hinkley Point B mit den Reaktoren A1, A2, B1 und B2 und dem in Bau befindlichen Hinkley Point C mit den Reaktoren C1 und C2.
Im März 2013 wurde die Erweiterung von Hinkley Point um zwei weitere Reaktoren (Hinkley Point C1 und C2) mit zusammen 3260 MW genehmigt. Beim Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Großbritannien im Oktober 2015 wurde ein Vertrag unterzeichnet, laut dem sich der chinesische Staatskonzern China General Nuclear Power Group mit einer Summe von 6 Milliarden britischen Pfund ( Mrd. Euro) an den damals mit ca. 18 Milliarden britischen Pfund ( Mrd. Euro) kalkulierten Baukosten beteiligte. Die übrigen Kosten trägt der französische Konzern EDF. auf Tagesschau.de, 21. Oktober 2015, abgerufen am 22. Oktober 2015 Nach mehreren Kostensteigerungen und Verzögerungen beim Bau ging EDF im Februar 2026 von Baukosten in Höhe von ca. 49 Mrd. Pfund ( Mrd. Euro) und einer Inbetriebnahme des ersten Blockes frühestens 2030 aus.EDF pushes back Hinkley Point C start-up by another year. In: Financial Times, 20. Februar 2026. Abgerufen am 21. Februar 2026.
Nach der ökonomisch motivierten Aufgabe der Kernkraftwerksprojekte Wylfa und Cumbria durch Toshiba und Hitachi ist es der einzig verbliebene Kernkraftwerksneubau in Großbritannien.UK signals shift from nuclear to renewables. In: The Week, 18. Januar 2019. Abgerufen am 19. Januar 2019.
Hinkley Point A mini|Kernkraftwerk Hinkley Point mini|Hinkley Point A, gesehen vom Eingang zu Hinkley Point B Die beiden Blöcke von Hinkley Point A waren Magnox-Reaktoren mit einer Nettoleistung von je 235 MWe (Bruttoleistung je 267 MWe).
Der Bau beider Meiler wurde am 1. November 1957 begonnen. Am 16. Februar 1965 wurde Hinkley Point-A1 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert und am 19. März 1965 Hinkley Point-A2. Am 30. März 1965 nahm Block A1 erstmals den kommerziellen Leistungsbetrieb auf, am 5. Mai 1965 Block A2.
Am 23. Mai 2000 wurde Hinkley Point A stillgelegt,Power Reactor Information System der IAEA: „United Kingdom: Nuclear Power Reactors“ (englisch) während der Betriebszeit wurden dort etwa 103 TWh Strom produziert.
Die Anlage steht auf einem 19,4 Hektar großen Gelände. Von 1965 bis 1989 gehörte die Anlage dem „Central Electricity Generating Board“ (CEGB). Von 1989 bis 1994 war sie im Besitz der Nuclear Electric plc. Von 1994 bis 1998 gehörten die Reaktoren der Magnox Electric plc, von 1998 bis 2004 der British Nuclear Fuels plc. Seit 2004 gehört die Anlage im Zuge der Stilllegung der Nuclear Decommissioning Authority.ENERGY ACT 2004
Die Reaktordruckbehälter waren die größten aller britischen Magnox-Reaktoren. Nach der Abschaltung wurden 71.828 Brennelemente nach Sellafield gebracht.
Hinkley Point B mini|Hinkley Point B Die beiden Reaktoren der Anlage Hinkley Point B sind vom Typ Advanced Gas-cooled Reactor (AGR). Beide haben eine Bruttoleistung von 655 MWe. Block B1 besitzt eine Nettoleistung von 410 MW, Block B2 eine Nettoleistung von 430 MW.
Der Bau beider Blöcke wurde am 1. September 1967 begonnen. Am 5. Februar 1976 wurde Hinkley Point-B2 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert, am 30. Oktober 1976 Block B1. Am 27. September 1976 ging Block B2 in den kommerziellen Leistungsbetrieb, am 2. Oktober Block B1. Die beiden Reaktoren benötigen 40 bis 45 Kubikmeter Wasser pro Stunde.Hinkley Point B Nuclear Power Station Water Treatment Plant, Bridgwater, United Kingdom Die Abschaltung der beiden Blöcke war laut Betreiber für 2016 vorgesehen; im März 2013 berichtete BBC, die Stilllegung sei erst im Jahr 2023 geplant.New nuclear power plant at Hinkley Point C is approved, BBC News, 19. März 2013
2003 fiel ein Arbeiter von einem acht Meter hohen Gerüst in der Turbinenhalle und brach sich das Becken. Er musste 20 Minuten warten, bis er nach Taunton ins Krankenhaus gebracht wurde. Daraufhin traten 350 Arbeiter aus dem vorübergehend geschlossenen Reaktor in Streik, blockierten die Einfahrt zum Kraftwerk und forderten bessere Ambulanzdienste in der Anlage.350 strike at Hinkley Point Nuclear Power Station, UK Indymedia
Im Oktober 2006 wurden die Reaktoren Hinkley Point-B1 und B2 sowie die Reaktoren Hunterston-B1 und B2 vorläufig heruntergefahren, um die Rissbildung innerhalb der Reaktoren zu überprüfen. So konnte die bis dahin für 2011 vorgesehene Abschaltung auf 2017 verschoben werden. Im Mai 2007 fuhren die Reaktoren wieder an.Nuclear plant gets nod to restart, BBC NewsSafety approved at nuclear plants, BBC News British Energy ging davon aus, für die Laufzeitverlängerung 90 Millionen Pfund ausgeben zu müssen. Die ungeplanten Ausfälle in Hinkley Point B und Hunterston B führten zu einem Verlust von 9,4 Mrd. kWh und waren der Hauptgrund für die geringe im Geschäftsjahr 2006/2007 produzierte Menge elektrischer Energie. Im November 2020 kündigte EDF an, die beiden Blöcke von Hinkley Point B bis spätestens am 15. Juli 2022 stillzulegen,https://www.energylivenews.com/2020/11/20/edf-to-start-defuelling-phase-of-45-year-old-nuclear-power-station-by-july-2022/ am 6. Juli 2022 wurde Reaktor B2 abgeschaltet und ging in die Defueling-Phase. B1 produzierte am 31. Juli noch 476 MW Bruttoleistunghttps://www.edfenergy.com/energy/power-station/daily-statuses und wurde am 1. August 2022 abgeschaltet.
Hinkley Point C
Planung und Finanzierung In Bau sind zwei weitere Reaktoren vom Typ EPR. Im März 2013 erhielt Électricité de France (EDF) die Genehmigung für den Bau eines neuen Kraftwerks. Da der Bau wegen der hohen Investitionskosten wirtschaftlich nicht rentabel ist, hatte EDF als Bedingung für einen Bau staatliche Subventionen in Form eines garantierten Stromabnahmepreises verlangt, über den bis Oktober 2013 mit der Regierung Cameron I verhandelt wurde. Laut BBC würde ein garantierter Mindestpreis unterhalb von 90 Pfund/MWh dazu führen, dass das Kernkraftwerk Verluste schreibt.Britische Regierung genehmigt Kernkraftwerk – Bau aber ungewiss, iwr.de, abgerufen am 20. März 2013.Hinkley Point C: deal or no deal for UK nuclear?. In: telegraph.co.uk, 19. März 2013, abgerufen am 20. März 2013.What price nuclear power? The final hurdle for Hinkley. In: BBC, 20. März 2013. Insgesamt wird das Kraftwerk mit 100 Milliarden € durch Großbritannien subventioniert.. In: Tagesschau.de, 15. Juli 2015, abgerufen am 12. November 2015.
Am 21. Oktober 2013 gab EDF Energy, eine britische Tochtergesellschaft der Électricité de France, bekannt, ihr französisch-chinesisches Konsortium habe mit der britischen Regierung vertraglich vereinbart, für 16 Milliarden Pfund Sterling (GBP; zu dieser Zeit ca. 19 Milliarden Euro) zwei Druckwasserreaktoren mit einer gemeinsamen Nettoleistung von 3200 MW (Bruttoleistung 3260 MW) bauen zu lassen.Accord de principe sur les termes commerciaux des contrats relatifs au projet de centrale nucléaire Hinkley Point C mit Link zur PressekonferenzWechselkurs am 21. Oktober 2013: 1,181 Euro für 1 GBP. Die Zahl 16 Mrd. Euro wird auf Seite 3 der Presseerklärung genannt; kurz zuvor hatte The Guardian noch die veraltete Zahl 14 Mrd. GBP genannt. (PDF-Datei) Der letzte Kernreaktor in Großbritannien wurde 1995 in Sizewell in Betrieb genommen. Dem Konsortium gehörten neben der französischen EDF mit 40 bis 50 % und dem Kraftwerksbauer Areva mit 10 %, die chinesischen Unternehmen CGN (Guangdong Nuclear Power Corporation Holding) und CNNC (China National Nuclear Corporation) mit einem Anteil von zusammen 30–40 % an.Frankreich und China bauen Atomkraftwerk in Großbritannien In: Süddeutsche Zeitung, 21. Oktober 2013 Areva wurde 2017 wegen hoher Verluste umstrukturiert und vom französischen Staat rekapitalisiert.
Um das Projekt für das Konsortium rentabel zu machen, sagte die Regierung Cameron I ihm für 35 Jahre ab Inbetriebnahme eine garantierte Einspeisevergütung in Höhe von 92,5 Pfund/MWh plus einem jährlichen Inflationsausgleich auf Preisbasis 2012 zu (derzeit Euro/MWhWechselkurs vom .). Dies war vor Indexierung das Doppelte des durchschnittlichen englischen Strompreises 2013EDF, UK Govt Strike Deal on Nuclear Reactor Build – Sources. DowJones, 17 Okt 2013. und lag damals unterhalb der Einspeisevergütung für große Photovoltaik- und Offshore-Windkraftanlagen, jedoch oberhalb der von Onshore-Windkraftanlagen. Mit Stand Oktober 2025 würde die Einspeisevergütung bereits 134,29 Pfund/MWh bzw. 152,94 Euro/MWh (0,153 Euro/kWh) betragen. Zusätzlich wurde eine staatliche Kreditgarantie in Höhe von 10 Mrd. Pfund (11,8 Mrd. Euro) gewährt, um die Finanzierungskosten zu senken. Die Kernreaktoren sollten (laut damaliger Planung) 2023 ans Netz gehen und voraussichtlich 60 Jahre laufen.David Cameron hails nuclear power plant deal as big day for Britain, The GuardianEnglands neuer Atomstrom ist teuer als Solarenergie. In: Wirtschaftswoche, 21. Oktober 2013. Abgerufen am 22. Oktober 2013. Sollten die Kernreaktoren aufgrund ausschließlich politischer Umstände abgeschaltet werden müssen, werden die Betreiber für die entgangenen Einnahmen von der Regierung finanziell entschädigt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger bezeichnete die Vergütungszusagen als „sowjetisch“.
Da die britische Regierung eine Förderung durch drei Maßnahmen – in Form einer garantierten Einspeisevergütung (einschließlich Inflationsausgleich) mittels Contract for Difference (CfD), durch Kreditgarantien und eine Absicherung vor politisch motivierten Abschaltungen durch ein Secretary of State Agreement – eine als Beihilfe zu qualifizierende Subvention gewährt,Schriftliche Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie von Thorsten Müller und Markus Kahles, Stiftung Umweltenergierecht (15. Juni 2015). mussten diese von der EU genehmigt werden.Kooperation mit China: Großbritannien baut erstes Atomkraftwerk seit Jahrzehnten. In: Spiegel Online, 21. Oktober 2013.
Laut einem Bericht der University of Sussex (2016) zielt die britische Regierung mit der Förderung des Projekts auch auf die Aufrechterhaltung des kerntechnischen Know-hows des Landes ab und betreibt damit indirekt eine Quersubventionierung von militärischen Projekten wie der Erneuerung der britischen Trident Atom-U-Boot-Flotte.
Bau Der erste sicherheitsrelevante Beton für die Versorgungsstollen des Blocks C-1 wurde am 31. März 2017 gegossen. Am 11. Dezember 2018 wurde der erste Beton für das Fundament des nuklearen Kraftwerkteils vom Block C-1 gegossen. Dies gilt üblicherweise als offizieller Beginn des Kraftwerksbaus (engl. First Concrete).
Für die beiden in Bau befindlichen Reaktoren müssen auch neue Stromleitungen gebaut werden. auf infrastructure.planningportal.gov.uk (englisch) Am 1. Juni 2026 hob der Kran "Big Carl" den 500 Tonnen schweren Reaktordruckbehälter von Block C-2 ein.https://www.edfenergy.com/media-centre/big-carl-lifts-hinkley-point-cs-second-nuclear-reactor-place
Verzögerungen und Kostensteigerung Im September 2015 teilte EDF mit, es werde im Oktober 2015 eine endgültige Investitionsentscheidung geben. Im Falle einer positiven Entscheidung sei die Inbetriebnahme erst nach 2023 möglich.EDF admits Hinkley Point won't be ready by 2023, The Telegraph vom 3. September 2015, abgerufen am 1. Oktober 2015 Anfang März 2016 trat der EDF-Finanzvorstand Thomas Piquemal zurück. Grund dafür waren offenbar Zweifel an der Finanzierbarkeit von Hinkley Point C.EDF finance chief quits over decision to push on with Hinkley Point, ft.com, 7. März 2016Brexit gefährdet britische Atomkraft-Pläne, FAZ.net, 30. Juni 2016 EDF teilte in diesem Zusammenhang mit, die endgültige Investitionsentscheidung solle in „naher Zukunft“ fallen.EdF-Finanzchef scheut Risiko für AKW Hinkley Point, diepresse.com vom 7. März 2016, abgerufen am 7. März 2016 vom 7. März 2016, abgerufen am 7. März 2016