mini|Carl Wedl Carl Wedl (* 14. Oktober 1815 in Wien; † 21. September 1891 ebenda; auch Karl Wedl) war ein österreichischer Pathologe.

Leben und Wirken Nach seinem Studium und 1841 erfolgter Promotion in Wien war Wedl zunächst praktisch tätig. Im Anschluss an eine Wissenschaftszwecken dienende Reise nach Frankreich und England nahm er 1844 in Wien histologische Untersuchungen auf und wurde als Schüler von Carl von Rokitansky 1849 habilitiert.

Am 7. Dezember 1853 wurde er zum außerordentlichen, am 3. August 1871 zum ordentlichen Professor für Histologie an der Universität Wien ernannt. Damit war er erster Lehrstuhlinhaber für Histologie im deutschsprachigen Raum. Ab dem Studienjahr 1873/74 hatte er darüber hinaus das Amt des Prodekans der medizinischen Fakultät inne. Für das Studienjahr 1883/84 wurde er zum Rektor der Wiener Universität ernannt. Anfang August 1884 wurde Carl Wedl auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt und erhielt „in Anerkennung seiner verdienstvollen Wirksamkeit den Titel eines Hofrathes“.

Am 21. September 1891 „fühlte er sich morgens unwohl, wurde bald darauf bewusstlos und starb unter den Erscheinungen einer Hemiplegie“.

Nachwirkungen und Ehrungen Carl Wedl hinterließ sein gesamtes Vermögen testamentarisch der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften „in Würdigung der Bestrebungen dieser Classe, welche er seit dem Jahre 1849 als correspondirendes Mitglied angehörte“. Hieraus waren „zunächst drei Leibrenten an Verwandte“ zu zahlen, „welche etwas mehr als die Hälfte des Erträgnisses in Anspruch nehmen, während der Rest zur Verfügung der Classe für Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten verbleibt. Nach Erlöschen der Leibrenten steht das ganze Erträgniss zu gleichem Zwecke zur Verfügung der Classe.“ Aus diesem Legat erhielt Leopold Langstein eine finanzielle Förderung zur „Ausführung von chemischen und experimentellen Studien über die Zucker-Eiweissfrage“.

Die von Carl Wedl im Jahr 1864 erstmals im Detail beschriebenen postmortalen Veränderungen an Knochengewebe werden heute in Paläontologie, Archäologie und Forensik als Wedl-Tunnel bezeichnet.

Im September 1910 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) die Wedlgasse nach ihm benannt.

Schriften

Beiträge zur Lehre von den Hämatozoen, 1850 Beiträge zur Anatomie des zweibuckeligen Kameeles (Camelus bactrianus), 1852 (mit Franz Müller) Grundzüge der pathologischen Histologie, 1854 Über das Nervensystem der Nematoden 1855 Über einige Nematoden, 1856 Charakteristik mehrerer grössentheils neuer Tänien, 1856 Über ein in den Mägen des Rindes vorkommendes Epiphyt 1858 Anatomische Beobachtungen über Trematoden, 1858 Über die Bedeutung der in den Schalen von manchen Acephalen und Gasteropoden vorkommenden Canäle, 1859 Beiträge zur Pathologie der Blutgefässe, 1859 Über einen im Zahnbein und Knochen keimenden Pilz, 1864 Atlas zur Pathologie der Zähne, 1869 (mit Moritz Heider) Über die Haut-Sensibilitätsbezirke der einzelnen Rückenmarksnervenpaare, 1869 (mit Ludwig Türck) Pathologie der Zähne, mit besonderer Rücksicht auf Anatomie und Physiologie, 1870 Histologische Mittheilungen. Zur Anatomie der Milz, 1871 Zur pathologischen Anatomie des Glaukoms, 1882 Der Aberglaube und die Naturwissenschaften, 1883 Pathologische Anatomie des Auges, 1886

Literatur

Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Saur, München u. a., 1996, S. 1542.

Einzelnachweise C. J. Hackett: Microscopical focal destruction (tunnels) in exhumed human bones. In: Medicine, Science and the Law, Band 21, Nummer 4, 1981, S. 243–265.

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