Skandal () bezeichnet ein Aufsehen erregendes Ärgernis und die damit zusammenhängenden Ereignisse oder Verhaltensweisen. Das Wort ist im Deutschen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts belegt. Das abgeleitete Adjektiv skandalös mit der Bedeutung „ärgerniserregend, anstößig“ sowie „unerhört, unglaublich“ findet sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts.Bedeutungen von skandalös nach Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.

Skandal wird häufig synonym zum Begriff Affäre verwendet. Affäre bezeichnet – neben der Liebesaffäre – heute vor allem als skandalös beurteilte Angelegenheiten in Politik und Wirtschaft.vgl. Lemma Affäre in Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002 [...] heute vorwiegend für "skandalöse Angelegenheit" (vor allem in Politik und Wirtschaft). Der Begriff des Skandals kann demgegenüber ein breiteres Spektrum der öffentlichen Wahrnehmung ansprechen, beispielsweise auch einen Skandal innerhalb der Kunst.

Wortherkunft Skandal wurde aus gleichbedeutend entlehnt, das auf das kirchenlateinische zurückgeht. Dieses wiederum leitet sich ab von („Fallstrick, Anstoß, Ärgernis“).Etymologie nach Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.

Skandal und Gesellschaft Bei einem Skandal handelt es sich um eine (allgemeine) Entrüstung oder Empörung im Sinne eines moralischen Gefühls. Zu wissen, worüber sich eine Gesellschaft empört, lässt ablesen, wo und wie die überschrittenen Grenzen liegen. Insofern lassen sich über Skandale Rückschlüsse auf die jeweiligen Norm- und Wertvorstellungen bzw. Konventionen einer Gesellschaft ziehen.

Ein Vorgang, der in einer bestimmten Region oder einer bestimmten Gesellschaft einen Skandal hervorruft, muss dies nicht zwangsläufig auch in einer anderen bewirken. Was früher einen Skandal hervorgerufen hat, muss heute nicht wieder zu einem führen. Ein häufig genanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der damalige „Skandal“ um den Film Die Sünderin in der Bundesrepublik Deutschland der frühen 1950er Jahre. Die beiden schwedischen Skandalfilme Das Schweigen und 491 riefen in den 1960er Jahren die „Aktion Saubere Leinwand“ auf den Plan und erlangten so kulturhistorische Bedeutung.

Skandal und Medien Skandale sind Ausdruck einer funktionierenden Öffentlichkeit und haben damit auch einen positiven Aspekt. Das weitgehende Verschweigen möglicher Skandale in der DDR gilt als Zeichen der Unterdrückung.Martin Sabrow (Hrsg.): Skandal und Diktatur. Formen öffentlicher Empörung im NS-Staat und in der DDR, Wallstein Verlag, Göttingen 2004; Frank Bösch: Politische Skandale in Deutschland und Großbritannien in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7/2006 zum Thema „Inszenierte Politik“. Skandalartige öffentliche Auseinandersetzungen, etwa um Theateraufführungen der 1950er und 1960er Jahre,Adolf Dresen: Der Fall Faust (1968) – Der letzte öffentliche Theater-Skandal in der DDR, in: Freitag, 19. November 1999. die Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz 1976, die Ausbürgerung Biermanns oder die Kaffeekrise in der DDR ab 1977 blieben Ausnahmen, die in engem Zusammenhang mit der DDR-Bürgern zugänglichen Berichterstattung in Westmedien stehen. Bei der Ausstellung Skandale in Deutschland nach 1945 wurden daher kaum DDR-Skandale betrachtet, was seinerzeit umstritten war.„Skandale in Deutschland nach 1945“ Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig (siehe Abschnitt Literatur).

In der Regel bedingt ein Skandal eine allgemeine gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die heute überwiegend durch die Massenmedien erreicht wird. Bei der Aufdeckung von Skandalen und Vorgängen wie Korruption, Bestechung und persönlicher Vorteilsnahme von Amtsträgern in Politik und Wirtschaft spielen Medien und Journalismus, insbesondere als Investigativer Journalismus, eine bedeutende Rolle. Nicht zuletzt hieraus leitet sich die Rolle von Medien und Presse als Korrektiv und sogenannte „Vierte Gewalt“ ab., pr-on-air.de, 11. Mai 2009.

Da Medien und Presse auch an hohen Zuschauer-, Hörer- und Leserzahlen interessiert sind, kann es dazu kommen, dass einzelne Vorgänge über ihre Bedeutung hinaus „skandalisiert“ werden. Wo die Grenze zwischen „legitimer Empörung“ und „künstlicher Aufgeregtheit“ liegt, ist vom Betrachter und dessen sozialen, religiösen und politischen Hintergrund abhängig.

Skandalisierung geht oft einher mit Kommerzialisierung, Boulevardisierung bzw. Entertainisierung von Medieninhalten (siehe auch Popkultur).

Akteure und Rollen Grundsätzlich nehmen die Akteure im Rahmen eines Skandals drei grundlegende Rollen ein die nach Sighard Neckel zusammengefasst als Skandal-Triade bezeichnet werden:Ute Nawratil: Glaubwürdigkeit in der sozialen Kommunikation. 1997, VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-531-13101-6, S. 212Andreas Gelz, Dietmar Hüser, Sabine Ruß-Sattar: Skandale zwischen Moderne und Postmoderne. Interdisziplinäre Perspektiven auf Formen gesellschaftlicher Transgression. 2014, De Gruyter, ISBN 978-3-11-034572-8, S. 309Sighard Neckel: Das Stellhölzchen der Macht. Zur Soziologie des politischen Skandals. 1986, Leviathan, S. 581–605

Skandalisierte, der öffentlich als Verursacher einer gesellschaftlichen Verfehlung bezichtigt wird, Skandalisierer, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den (vermeintlichen) Missstand lenken, Publikum bzw. Beobachter.

Darüber hinaus haben die Autoren Hans Mathias Kepplinger, Simone Ehmig und Uwe Hartung im Rahmen einer Studie fünf weitere Rollen identifiziert:Maike Hoheisel: Uli Hoeneß und die Steuern. Reaktionen im Skandalfall. 2015, Tectum Wissenschaftsverlag, ISBN 978-3-8288-6286-9, S. 16Frederik Weinert: Nazi-Vergleiche und Political Correctness. Eine sprach- und kommunikationswissenschaftliche Analyse. Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-5468-7, S. 96Hans Mathias Kepplinger, Simone Ehmig, Uwe Hartung: Alltägliche Skandale. Eine repräsentative Analyse regionaler Fälle. 2002, UVK Medien, ISBN 978-3-89669-379-2, S. 97f

Verursacher haben den skandalisierten Missstand vermeintlich oder tatsächlich ausgelöst, Nutznießer profitieren vom Missstand, ohne ihn selbst herbeigeführt zu haben, Betroffene bzw. Geschädigte leiden unter dem Missstand, Trittbrettfahrer profitieren von einem Skandal, ohne selbst beteiligt zu sein, Informanten führen den Skandalisierern Informationen zu.Hans Mathias Kepplinger: Publizistische Konflikte und Skandale . 2009, VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-531-91720-7, S. 185

Ablauf Medienskandale beruhen auf einem tatsächlichen oder vermuteten Missstand. Sie verlaufen meist ähnlich: In der Latenzphase wird ein Missstand bekannt; die Anzahl der Medienberichte zum Thema nimmt schlagartig zu. Die Protagonisten des Skandals werden vorgestellt. Die Phase endet mit einem Schlüsselereignis. Dieses führt dazu, dass der Konflikt zu einem Skandal eskaliert. In der darauf folgenden Aufschwungphase werden weitere Fakten bekannt, die in eine Verbindung zum ersten Missstand gesetzt werden. Ist diese Ausweitung geglückt, beginnt die Etablierungsphase. In dieser Phase erreicht der Skandal den Höhepunkt. Nun wird über die Schuld oder Unschuld der Protagonisten gerichtet; Konsequenzen werden gefordert. Zu Beginn der Abschwungphase knickt die skandalierte Person oder Organisation unter dem öffentlichen Druck ein und zieht Konsequenzen aus den Vorkommnissen (z. B. Rücktritt) In der medialen Wahrnehmung ist der Konflikt damit gelöst. Die Intensität der Berichterstattung nimmt schnell ab. In der Rehabilitationsphase wird die Ordnung des Gesellschaftssystems wiederhergestellt. Die Medien berichten nur noch vereinzelt. Mit den fünf Phasen entspricht der Aufbau eines Medienskandals weitgehend demjenigen eines antiken Dramas.

Skandale und Affären Einige Skandale und Affären wurden zu feststehenden Begrifflichkeiten. Bezogen auf Wirtschaft und Politik können beide Begriffe als Wortbestandteil in diesbezüglichen Zusammensetzungen (Komposita) auftreten. So ist beispielsweise der Watergate-Skandal auch als Watergate-Affäre bekannt. Außerhalb von Wirtschaft und Politik wird in der Regel nur von „Skandal“, nicht aber von „Affäre“ gesprochen („Theaterskandal“, „Kunstskandal“, „Medikamentenskandal“, „Pflegeskandal“).

=== Deutschland === Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Zeit Eulenburg-Affäre, 1907–09. Gerichtsverfahren wegen homosexuellen Verhaltens und Verleumdungen. Daily-Telegraph-Affäre, 1908. Ein Interview Wilhelms II. stürzt das Kaiserreich in eine tiefe Krise. Zabern-Affäre, 1913–14. Unruhen im elsässischen Zabern, einem Truppenstandort, nachdem ein Soldat die elsässische Bevölkerung beleidigt hatte. Wittorf-Affäre, 1928. Unterschlagungen durch einen Vertrauten des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Osthilfeskandal, 1932/1933. Skandal um wirtschaftliche Unterstützungen für ostdeutsche (heute polnische) Agrarregionen und ihre Veruntreuungen. Blomberg-Fritsch-Affäre, 1938. Von der NS-Führung inszeniert, um Oberkommando und Oberbefehl über die Wehrmacht zu übernehmen.

1960er Jahre Contergan-Skandal, 1961–62. Nebenwirkungen des Medikaments Contergan an Ungeborenen schädigten eine große Zahl von Kindern. Fibag-Affäre, 1961–62. Die Fibag (Finanzbau Aktiengesellschaft) sollte mit politischer Rückendeckung mehrere Tausend Wohnungen für die US-Armee bauen. Starfighter-Affäre, ab 1962. Die Umstände der Beschaffung und die technischen Probleme mit dem Kampfflugzeug Lockheed F-104 „Starfighter“. Spiegel-Affäre, 1962. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel war aufgrund eines kritischen Artikels der Strafverfolgung wegen angeblichen Landesverrats ausgesetzt.

1970er Jahre Bundesliga-Skandal, 1971. Aufgrund von manipulierten Punktspielen war es den Fußballklubs Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld gelungen, in der 1. Bundesliga zu verbleiben. Guillaume-Affäre, 1974. Ein engster Mitarbeiter des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt wird als DDR-Spion enttarnt. Lauschaffäre Traube, 1977. Eine illegale Abhöraktion des Bundesamtes für Verfassungsschutz, die sich gegen den Atomphysiker Klaus Traube richtete.

1980er Jahre Flick-Spendenaffäre, 1982. Verdeckte Parteispenden des Flick-Konzerns im Zusammenhang mit einem Entscheid des Bundeswirtschaftsministeriums. Hitler-Tagebücher, 1984. Affäre um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher die vom Nachrichtenmagazin Stern veröffentlichten Fälschungen, die von Konrad Kujau erstellt wurden. Kießling-Affäre, 1984. Einem Bundeswehr-General wurde Homosexualität vorgeworfen, er wurde als Sicherheitsrisiko eingestuft und vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Barschel-Affäre, 1987. Vorkommnisse im Wahlkampf von Uwe Barschel vor der Landtagswahl, nach der er erneut zum schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten gewählt wurde.

1990er Jahre Infektionen durch HIV-kontaminierte Blutprodukte. Schon in den 1980er Jahren traten in vielen Staaten der Erde Infektionen durch HIV-kontaminierte Blutprodukte auf; nach 1990 wurden deren für Bluter oft tödliche Folgen auch in Deutschland öffentlich bekannt. Schubladenaffäre, 1993. Zahlungen an Reiner Pfeiffer, den Auslöser der Barschel-Affäre von 1987. Amigo-Affäre, 1993. Bestechungsvorwürfe gegen den damaligen Ministerpräsidenten von Bayern Max Streibl und andere bayerische Politiker. GWG-Skandal, 1998. Ermittlungen gegen 1.300 Korruptionsverdächtige, davon 600 Amtsträger in Wuppertal, rund um Immobiliengeschäfte. CDU-Spendenaffäre, 1999. Illegale Spendenpraxis der Partei in den 1990er-Jahren unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl.

2000er Jahre Visa-Affäre, ab 2000. Missbrauchsfälle bei der Vergabe von Visa in verschiedenen deutschen Botschaften und Konsulaten. Berliner Bankenskandal, 2001. Vorgänge um die landeseigene Bankgesellschaft Berlin. Bonusmeilen-Affäre, 2002. Einzelne Bundestagsabgeordnete nutzten gewohnheitsmäßig ihre dienstlich angesammelten Bonusmeilen für Privatreisen.