mini|Kirche in Goldberg (2012) mini|Behauene Feldsteine am Kirchturm (2012) Die Stadtkirche Goldberg ist eine gotische Kirche im Stadtkern von Goldberg in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde gehört zur Propstei Parchim im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Geschichte Im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Dobbertin wurde Goldberg als Dorf Goltz 1227 erstmals erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 343. Am 9. Juli 1231 verlieh Fürst Johann von Mecklenburg dem Mönchskloster zu Dobbertin das Patronat über die Kirche zu Goldberg.MUB I. (1863) Nr. 386. Pribislaw I. von Parchim-Richenberg verlieh 1248 dem slawischen Dorf Goltz das Parchimer Stadtrecht mit dem Namen Goldberg (Goltberch).MUB I. (1863) Nr. 599. Doch die Siedlung Goldberg kam nie über den Status einer Landstadt hinaus, verfügte auch über keinen Marktplatz und lag abseits der wichtigsten Verkehrsverbindungen. Neben seiner Pfarrkirche besaß Goldberg eine Heilig-Kreuz-Kapelle vor den Toren der Stadt 1310 wurde der aus einer Lübecker Ratsfamilie stammende Ludolf von Dale unter den Zeugen einer das Dorf Gerdshagen betreffenden Urkunde als Pfarrer der Kirche zu Goldberg genannt.MUB V. (1869) Nr. 3420. Er war seit 1309 über 20 Jahre Pfarrer in Goldberg und hatte sehr enge Verbindungen zur Priorin Gertrudis und den Dobbertiner Nonnen. 1311 kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Goldberger Rat und dem Pastor Ludolf von Dale zu geistlichen Angelegenheiten und Bauten. Gottfried I. von Bülow als Bischof zu Schwerin versuchte zu schlichten. In der Urkunde vom 28. Juni 1311 ist zu lesen: „… darin er dem Probste (Tietmar) zu Dobbertin befelet, das er den Ratt und Vorsteher der Kirche zu Goldtberge dahin halten und weisen solle, das sie dem Pastore doselbst, den sie an seinen Hebungen vorkurtzung gethan, befridigen.“MUB V. (1869) Nr. 3478. Ludolf von Dale muss ein wohlhabender Mann gewesen sein, denn in seinem Testament vom 24. November 1331MUB VIII. (1873) Nr. 5291 vermachte er seine wertvollsten Bücher dem Dobbertiner Konvent als dortige erste Klosterbibliothek. Das Krankenhaus in Dobbertin erhielt seine zwei Kühe und seine Schwester Adelheid als Nonne in Dobbertin sein gesamtes Bettzeug mit Matratze, Kissen, Decken und dem Bett. Von 1316 bis 1374 unterhielt die Landesherrschaft in Goldberg eine Nebenresidenz. Der Schweriner Bischof Ludolf von Bülow bestätigte am 8. Mai 1332 dem Kloster Dobbertin die Goldberger Pfarre mit allen Einkünften.MUB VI. (1872) Nr. 5332. Am 22. Mai 1406 vidimiert Bischof Rudolf von Mecklenburg-Stargard zu Schwerin die Urkunde seines Vorgängers Ludolf für die Kirche zu Goldberg mit Siegel.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 89.

Nach der Reformation war in der Superintendenten-Ordnung von 1571 die Stadt Goldberg mit dem Amt und der Kirche der Superintendentur in Parchim zugeordnet worden, während die Dobbertiner Pfarre und Kirche unter die Verwaltung von Güstrow kam. Ab 12. März 1670 wurde dann auch Goldberg von Güstrow aus verwaltet. Die städtische Pfarre in Goldberg blieb noch bis 1649 dem Kloster Dobbertin zugeordnet. Nach der Zerstörung der Kirche durch einen Brand nutzt man ab 1643 das Rathaus zeitweilig als Kirche.

Ein Jahr nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war in dem Visitationsprotokoll des Dobbertiner Klosterhauptmanns Paschen von der Lühe auf Thelkow vom 7. und 8. Oktober 1649 vermerkt: „Die Goldberger Gemeinde bestand nur noch aus 18 Kindern, 54 Männern und 67 Frauen und Mägden. Die Schule ist niedergefallen und die Pfarrhausscheune ist ohne Dach.“ Nach dem Kontrakt vom 22. Dezember 1649 zwischen Herzog Adolph Friedrich und dem Klosterhauptmann Paschen von der Lühe mit der Domina Catharina von Sperling a. d. H. Leisten bei Quetzin überließ der Herzog auf dem Tauschwege dem Kloster Dobbertin das Kirchenpatronat in Kuppentin für die Kirche in Goldberg mit der Filialkirche in Zidderich.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3271. Da die Goldberger Kirche nun keine klösterliche Pfarre mehr war, für deren Baulast das Kloster aufkam, begannen die Streitigkeiten über die kirchlichen Bauten zwischen der Stadt und der Kirche von neuem und sollten nicht nur Jahrzehnte andauern. Seit 1649 gehört die Stadtkirche zur Landesherrschaft. So wurden nach 1649 alle inwendigen Arbeiten am Turm, den Fenstern, Öfen und Bänken von der Kirche bezahlt.

Bis 1748 bestanden zwei Pfarrstellen. Die 1786 in Zidderich abgebrochene Kirche war bis 1557 Filiale von Goldberg. Ab 1748 wurde in Zidderich kein regelmäßiger Gottesdienst mehr gehalten. Zidderich kam dann zu Techentin, der Hof mit allen Hebungen blieb bei der Goldberger Pfarre. Ihrem Präpositus Friedrich Samuel Hermes verdankt die Goldberger Kirche ihre ab 1782 durchgeführte innere Verschönerung mit einer neuen Einrichtung, drei Emporen, der neuen Orgel und Kanzel sowie der Sakristei. Die Kosten dafür brachte Hermes durch milde Beiträge zusammen.Gustav Willgeroth: Goldberg. 1925. Auch das heutige Predigerhaus wurde 1782 und das Predigerwitwenhaus 1796 erbaut. Die Predigerscheune beim neuen Kirchhof auf dem Krähenkamp kam 1826 hinzu.

In der sogenannten Franzosenzeit war die Kirche vom 14. bis 27. November 1806 zum Heu-, Stroh-, Korn-, Mehl-, Fleisch-, Brot-, Wein- und Branntwein-Magazin für Kaiserliches französisches Militär eingerichtet gewesen. Die Kriegsleiden in diesen Tagen durch die Franzosen mit über 140 Offizieren, 3534 Soldaten und 389 Pferden kosteten der Stadt 8729 Thaler.Ernst Duge: Urkundliche Nachrichten über Goldberg und Umgebung. 1883, S. 179–181. Am 12. Mai 1809 sollen in der Kirche 300 gefangene Soldaten von Schills Freikorps durch holländische Truppen eingesperrt worden sein.Horst Alsleben: Die vertauschte Kirche. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 10. Mai 2019.

Baugeschichte

Der bestehende Backsteinbau geht auf das späte 13. Jahrhundert zurück.Horst Ende: Goldberg (Krs. Lübz). 1984, S. 160. Als die Kirche nach einem Brand 1643 bis auf die Umfassungsmauern zerstört wurde, dauerte der Wiederaufbau bis 1650. Der Turmaufbau fand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts statt. 1782 kam dann der Einbau der heute noch vorhandenen zweigeschossigen dreiseitig umlaufenden Emporen hinzu. Von 1840 bis 1844 folgte eine weitere umfassende äußere und innere Restaurierung unter Theodor Krüger, dem späteren Kirchenbaumeister von Mecklenburg. Nach dem Umbau in der unteren Turmhalle von 1955 bis 1956 wurde der Hauptzugang von der Südseite der Kirche in das Westportal des Turmes verlegt. Die letzten großen Werterhaltungsmaßnahmen an und in der Kirche erfolgten von 2011 bis 2019. Die Neueinweihung nahmen am 14. April 2019 der Propst Dirk Sauermann mit dem Goldberger Pastor Christian Hasenpusch vor.Michael-G. Bölsche: Alte Kirche im neuen Gewand. Goldberger Stadtkirche nach der Sanierung eingeweiht. SVZ Lübz-Goldberg-Plau, 15. April 2019.

Äußeres Der einfache, einschiffige Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss wurde vermutlich zwischen 1290 und 1310 aus Backstein errichtet.Eine genaue Beurteilung des Baus ist bisher nicht erfolgt. Die Datierungen siehe bei Lisch, Schlie, Schmaltz, Dehio und Schöfbeck. Zwischen dem Bau des Chorjoches, das auf einem Feldsteinsockel gegründet ist, und dem des Langhauses besteht eine zeitliche Differenz. Letzteres wird auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert. Der quadratische Turm wurde als letzter Bauabschnitt wohl erst im 15. Jahrhundert auf der Westseite vorgesetzt. Das im Äußeren durch Strebepfeiler verstärkte Kirchenschiff war eingewölbt. Im Innern zeugen noch die Schildbögen und halbrunden Vorlagenbündel von den massiven Gewölben, die mutmaßlich beim Brand 1643 verloren gingen.Ulrich Hermanns: Goldberg, St. Marien. 1996, S. 140.

Am 23. Januar 1643 war abends die Kirche nach einem Blitzschlag in Brand geraten und bis auf die Umfassungsmauern zerstört worden.Georg Dehio: Goldberg, Lkr. Parchim. 2000. S. 158. Ab 1650 wurde begonnen, das Kirchenschiff unter Verwendung alter Steine wieder aufzubauen. Am 1. Juli 1653 bat der Goldberger Bürgermeister mit seinen Ratsherren den Herzog Adolph Friedrich in Güstrow um Hilfe bei der Beschaffung von Holz, Blocksteinen und Kalk. Schon vier Tage später kam die Antwort: „die Goldberger Ambts Unterthanen mögen fuhren verrichten, um 9000 Ziegel aus Ulrichshusen zu holen.“ Der Herzog zu Mecklenburg mahnt am 18. November 1655 den Goldberger Bürgermeister und Rat, mit Hilfe des Dobbertiner Klosters Steine und Kalk anzufahren, damit noch „vor Winters die Kirche in völligen fertigen stand gebracht werden möge.“ Doch 1656 war der Turm so baufällig, dass man das Klosteramt in Dobbertin wieder um Hilfe bat.Bericht des Superintendenten Janus vom 24. November 1656. Der leicht eingezogene dreigeschossige Westturm aus Backsteinen mit eingeschlossenen Findlingen erhielt ein niedriges Pyramidendach mit Wetterfahne.

1784 erfolgte vor dem südöstlichen Joch ein zweigeschossiger Fachwerkanbau mit Spitzgiebel. 1793 wurden an der Süd- und Nordseite des Turmes die zwei verfallenen Anbauten aus Ziegel zur Nutzung als Leichen- und Bahrenhäuser ohne Fenster und Türen umgebaut. Der Zugang erfolgte durch einen rundbogigen Durchgang im Innern und wurde 1844 zu einem Fenster umgearbeitet. Zu einer umfassenden Restaurierung des Kirchengebäudes kam es zwischen 1840 und 1844, wobei sich baulich besonders die 1844 erfolgte Ersetzung der Fachwerkanbauten durch Ziegelbauten an der Südseite, der Nordseite und der östlichen Sakristei auf die äußere Gestalt positiv auswirkte. Dabei wurde das äußere Mauerwerk ausgebessert und die Dächer vom Turm, Kirchenschiff und den Anbauten mit Dachziegeln in Kronendeckung neu eingedeckt. Die langgezogenen spitzbogigen Fenster haben eine rautenförmige Bleiverglasung und wurden nach 1842 erneuert. Der ursprüngliche spitzbogige Haupteingang mit seiner zweiflügligen Tür auf der Südseite neben dem Turm wird heute nicht mehr benutzt.

Um 1883 muss am Kirchturm auch eine Turmuhr gehangen haben. Diese befand sich 1853 auf dem Rathausturm und wurde 1849 aus den „zur Herstellung der deutschen Flotte“ von Goldberger Bürgern gesammelten Spenden hergestellt. Diese Uhr wurde 1864 der Kirche unentgeltlich zur freien Verfügung unter der Bedingung, dass die Stadt von den Reparaturkosten befreit bleibe, überlassen. Jahre später hatte man sie wieder zum Rathaus zurückgebracht, dort musste sie alle vier Stunden aufgezogen werden. Da das zu mühselig war, hatte man sie wieder zum Kirchturm geschafft. Die Reparatur wurden mit der Begründung „weil die nur von dem geringsten Teil der Einwohner gehört werde“ bald danach aufgegeben.Ernst Duge: Urkundliche Nachrichten über Goldberg und Umgebung. 1883, S. 203.

1908 erfolgte eine weitere Sanierung der Turmfassade. Dabei wurden im oberen Teil zwei übereinander stehende Fenster mit je zwei spitzbogigen Öffnungen in spitzbogiger Blende in Angleichung an die bestehenden Schallöffnungen eingebaut.

Nach größeren Sturmschäden wurde der Turm 1970 vom Dachdecker Meier aus Lübz neu eingedeckt. Im Oktober 2002 knickte ein heftiger Sturm den Wetterhahn mit der Kugel auf der Turmspitze um, dieser wurde durch Bergsteiger abgenommen. Nach Spenden des Kirchenältesten und Tischlermeisters Harry Kurt Nast aus Goldberg erfolgte die Reparatur und die Vergoldung. Die Erneuerung des Turmdaches konnte 2006 abgeschlossen werden.