mini|Das Gipfelplateau des Uetlibergs, vom Zürichhorn (von Osten) aus gesehen Das Oppidum Uetliberg befand sich auf dem Gipfelplateau des Zürcher Hausbergs Uetliberg, auf dem Gebiet der Schweizer Gemeinde Stallikon. Anstelle des Begriffs Oppidum wird in der allgemeinen Literatur zuweilen die Umschreibung ein keltischer Fürstensitz mit dorfartiger Siedlung und Befestigungsanlage,Keltischer Fürstensitz ist ein Begriff aus der wissenschaftlichen Diskussion über die Sozialstruktur in der keltischen Hallstattzeit. Refugium oder befestigte späthallstattzeitliche Höhensiedlung benutzt.Website Fürstensitz Kelten–Info–BankWebsite GISpunkt HSR: Schreibweise Uetliberg: Uetliberg und Üetliberg sind verbreitet und gebräuchlich. Offiziell wird auf der Landeskarte Uetliberg verwendet.

Topographie Der befestigte Siedlungsbereich erstreckte sich vermutlich vom südöstlichen Ende des Gipfelplateaus, Uto KulmDer Name Uto Kulm wird zumeist zur Bezeichnung des höchsten Punktes des Üetlibergs verwendet. Die Namensgebung geht vermutlich auf das Jahr 1830 zurück, in Anlehnung an die erfolgreiche touristische Erschliessung der Rigi (Rigi Kulm).Die Flurbezeichnungen des Uetlibergs sind dem zu verdanken. () genannt, bis zum westlich gelegenen Höhenplateau AegertenÄgerten ist ein Plateau nördlich des Uto Kulm, das ursprünglich als Weide und Ackerland genutzt wurde. () und dem Vorgelände der westlich angrenzenden heutigen SZU–Bergstation () Uetliberg. Die grösste Ausdehnung des am Westhang des Uetlibergs gelegenen, von einem rund 2 Kilometer breiten Wallsystem befestigten Gebiets, beträgt rund 1,5 Kilometer in Richtung Nordwest–Südost.

Zu den heute noch deutlich sichtbaren Zeugen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. gehören der in der frühen La-Tène-Zeit angelegte Fürstengrabhügel Sonnenbühl () und die imposanten Reste eines ausgedehnten Wallsystems () aus der Älteren Eisen- oder Hallstattzeit.

Besiedlungsgeschichte Frühgeschichte Ob das keltische Wort Udt für Frau namensgebend für die heutige Bezeichnung Uetliberg ist,John Wolf Brennan: Die Kelten — das rätselhafte Erbe einer Kultur bedarf der Klärung; der sogenannte Fürstengrabhügel Sonnenbühl war zumindest die letzte Ruhestätte einer Frau. mini|Uetliberg, Plateau Uto Kulm Gesamtansicht mini|Uetliberg, Plateau Uto Kulm mini|Uetliberg, Aegerten, im Hintergrund Uto Kulm mini|Uto Kulm: Überreste des Halsgrabens und (dritten) Walls

Durch unsachgemässe Fundsicherung im 19. Jahrhundert, aufgrund von Erosion und reger Bautätigkeit auf dem Gipfelplateau liegen nur wenige zusammenhängende Fund- und Kulturschichten vor. Hingegen belegen rund 60000 Fundstücke aus archäologischen Grabungen, dass das Gipfelplateau des Uetlibergs spätestens seit der Jungsteinzeit überregionale Bedeutung gehabt haben muss. Die ältesten bekannten Einzelfunde dürften 6000 Jahre alt sein und stammen aus der Jungsteinzeit; erste dauerhafte Besiedlungsspuren werden in die späte Bronzezeit (11. Jh. v. Chr.) und frühe Eisenzeit datiert.

La–Tène–Zeit Die Wallanlagen lassen auf eine erste Befestigung des Gipfelplateaus Uto Kulm und des Vorgeländes (SZU–Bergstation und Aegerten) im 5.. Jahrhundert v. Chr. durch keltische Helvetier schliessen. Insbesondere die erkennbaren Reste und ursprünglichen Ausmasse des Wallsystems sind beeindruckend: Beginnend ab der heutigen SZU–Bahnstation Ringlikon () wurden hangaufwärts drei Befestigungswälle erstellt, von denen dem Bahntrassee und Wanderweg entlang Reste von 14 Metern Höhe und 35 Metern Tiefe zu erkennen sind. Das Wallsystem sicherte die ganze Breite des im Westen vergleichsweise flach ansteigenden Uetlibergs und war fast 2000 Meter breit. Der zweite Wall befestigte das dem Gipfelbereich westlich vorgelagerte Aegerten–Plateau, den Standort des Fernsehturms Uetliberg der Swisscom, der dritte Wall sicherte das Gipfelplateau Uto Kulm. Dieses imposante, tief gestaffelte Wallsystem schützte wohl bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert das keltische Oppidum im oberen Bereich des Uetlibergs. Im Osten und Westen und vermutlich auch im Süden des Gipfelplateaus sind aufgrund des teilweise steil abfallenden Geländes weitere Wallsysteme eher unwahrscheinlich. So weit es die weitgehend zerstörten Kulturschichten zuliessen, konnten bislang zwei eher kleinere dorfähnliche Siedlungsplätze auf dem Gipfelplateau archäologisch erfasst werden.

Römische Epoche und Mittelalter Um 15 v. Chr., nach der Eroberung durch Drusus und seinen Bruder Tiberius, beide Stiefsöhne des Augustus, lag das Gebiet am linken Ufer des Zürichsees im Grenzbereich der römischen Provinzen Raetia und Germania superior. Ein Wachturm mit Refugium am höchsten Punkt des Uetlibergs – zur Sicherung des Zollpunkts und späteren auf dem Lindenhof gelegenen Kastells beim vicus Turicum (Zürich) – hatte wohl bis zum Vordringen der Alamannen in die römische Provinz Germania superior respektive Gallia Belgica strategische Bedeutung. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass das Gipfelplateau, nach dem Abzug der Römer aus den Gebieten nördlich der Alpen, für die sich im Gebiet der nördlichen Schweiz niederlassenden Alamannen, Karolinger und Ottonen (Pfalz auf dem Lindenhof) eine ähnlich wichtige Bedeutung gehabt haben dürfte.Zeittafel zur Geschichte der Alemannen

Unterhalb des Hotels Uto Kulm, auf dem Gipfelplateau des Uetlibergs, wo die mittelalterliche Uetliburg stand, sind Reste des inneren Wallsystems zu erkennen. Beim Bau des Hotels wurden die letzten Reste der einstigen Burg zerstört. In der frühen Neuzeit stand auf dem Uto Kulm eine Hochwacht (ca. 1620–1812) und die noch vorhandenen Überreste der mittelalterlichen Uetliburg verschwanden oder wurden abgetragen.

Archäologische Erforschung Erste Grabungen und Sondierungen im Bereich des Gipfelplateaus wurden 1836 bis 1839 beim Bau des Gast- und Kurhauses Uetliberg und nochmals 1866 durch Ferdinand Keller vorgenommen. Ein Gräberfeld aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurde 1874 beim Bau der SZU–Bergstation zerstört. Danach kamen, beispielsweise 1874 beim Bau der Uetlibergbahn und 1901 bei der Verbreiterung des Bahntrassees wiederholt eine Vielzahl von Einzelfunden sowie die Mauerreste und der bereits erwähnte, vorgelagerte Schutzwall der mittelalterlichen Uetliburg zutage. Weitere Grabungen erfolgten 1958/59.

Als 1978 auf dem Uetliberg eine neue Phase der Ausgrabungstätigkeit begann, wurde das Gipfelplateau bis 1989 von der Kantonsarchäologie Zürich aufgrund umfangreicher Bauarbeiten – 1990 Eröffnung des neuen Aussichtsturms, des erweiterten Restaurants und Hotels Uto Kulm – systematisch neu erforscht und die verbliebene Wehrmauer der mittelalterlichen Uetliburg ausgegraben und konserviert.

Befunde Einzelfunde mini|Goldscheiben aus dem Fürstengrabhügel Sonnenbühl Zu den rund 60000 archäologischen Fundstücken gehören zwei Steinbeile und eine Hirschhornaxt aus der Jungsteinzeit sowie Meissel, der Kopf einer Dreiknotennadel, ein Rasiermessergriff, broncene Collier–Röhrchen und ein Henkelfragment eines aus dem griechischen Raum stammenden Weinmischgefässes (Uto Kulm) aus dem 10. Jahrhundert. v. Chr. Zu den weiteren Einzelfunden zählt eine keltische Potinmünze, die vermutlich im Oppidum geprägt worden ist,Eine im Oppidum Uetliberg bei Zürich hergestellte Potinmünze der Helvetier zeigt eine geometrische Figur mit vier symmetrisch angeordneten Bögen an einer Geraden und einer einzelnen Kugel dazwischen. Zwei Bögen verbinden jeweils drei Kugeln zu einer Triëteris, entsprechend drei Jahren zu zwölf Mondmonaten und einer Kugel als Schaltmonat dazwischen. Die Gerade koppelt die beiden dreijährigen Perioden zu einem ewigen Kalender. Von Martin Kerner in «Geomatik Schweiz» 2/2004. und Fragmente attisch-schwarzfiguriger Keramik. Im Schutt des Fürstengrabhügels fanden sich kunstvoll gefertigte Goldscheiben–Fibeln und eine Goldrosette, die als Exponate im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Aus der Frühphase der Spätbronze- oder Urnenfelderzeit stammende Keramiküberreste wurden im Rahmen der 1983 durchgeführten Untersuchung des Burggrabenareals nördlich des Uto–Kulms gefunden, darunter die Fragmente des Oberteils eines rund 80 Zentimeter hohen und reich mit Rillen und Zickzacklinien dekorierten Zylinderhalsgefässes aus dem 11. Jahrhundert v. Chr. (Hallstattzeit Stufe A2). Bereits 1916 wurde von einem Waldarbeiter ein sogenanntes mittelständiges Schaftlappenbeil am gleichen Fundort entdeckt.

Siedlungsgebiet Am Westhang des Uetlibergs, wo die Freiherren von Sellenbüren vermutlich im 10. Jahrhundert auf dem Ofengüpf ihre Holzburg errichteten, wurden in den Jahren 1950/51 die Überreste einer bronzezeitlichen Siedlung entdeckt.Ofengüpf ist eine Seitenrippe des Üetliberg von Sellenbüren zum Chindlistein, mit Ruine der Burg Sellenbüren.Chindlistein ist ein Nagelfluhfelsen westlich des Uto Kulm, oberhalb des Ofengüpf. Eine zweite Siedlung lag weiter westlich, auf dem Gipfelplateau, die auch als Fluchtburg für die Bevölkerung des umliegenden Gebiets gedient haben könnte.

Funde und Fundumstände belegen, dass die Siedlungsfläche des Gipfelplateaus Uto Kulm vom südöstlichsten Sporn gemessen rund 150 Meter lang, also 40 Meter länger als heute, und rund 60 Meter breit war. Eine zusammenhänge Kulturschicht lässt sich nur annähernd bestimmen, insbesondere infolge der regen Bautätigkeit seit Beginn des 19. Jahrhunderts und vermutlich einiger Felsstürze – der letzte grössere war am 8. Mai 2004 bei der Fallätsche – die das Gipfelplateau des aus Molasse und Nagelfluh bestehenden Uetlibergs seit seiner ersten Besiedlung deutlich verkleinert haben.

In der dritten Phase der Spätbronzezeit oder Urnenfelderkultur dürfte hier eine dorfähnliche Siedlung bestanden haben. Die Hausbauten wurden vermutlich den Plateaurändern entlang errichtet. Erfasst wurden bei den Grabungen (1980) am steilen Nordosthang ein etwa sechs Meter langes und bis vier Meter breites Haus sowie nördlich und südlich davon Randpartien von zwei weiteren Häusern. Der Baugrund war rund 30 Zentimeter tief ausgehoben, vermutlich um genügend Platz für eine hölzerne Bodenkonstruktion zu gewinnen. Einzelne Bodenvertiefungen scheinen von Postenkonstruktionen zu zeugen, kleinere dicht beieinander liegende Pfahllöcher lassen auf Innenwände aus lehmbestrichenem Rutengeflecht schliessen. Der eingetiefte Baugrund von zwei der Häuser waren je mit einer bis 30 Zentimeter starken, humosen, schwarzen Kulturschicht aufgefüllt und stellenweise dicht mit Keramikscherben und Tierknochenresten durchsetzt. Der Grossteil der Keramik gehört in die sogenannte Stufe Hallstatt B1 (10. Jh. v. Chr.), mit Bruchstücken von grossen Vorratsgefässen, Kochtöpfen, Trinkbechern, aber auch von Schüsseln, Schalen und Tellern. Einstiche und Rillen sowie Einritzungen und Knochenweiss–Einlagen verzierten einen Grossteil des Geschirrs.

Da ähnliche Fundstücke nach den Berichten Ferdinand Kellers 1836 auf dem Uto Kulm und im Spätherbst 1866 auch auf dem nördlichsten Sporn des Ägerten–Plateaus gefunden wurden, darf angenommen werden, dass die Siedlung durch eine Wall–Graben–Befestigung unterhalb des Gipfelplateaus und sehr wahrscheinlich noch durch eine zweite, weit vorgeschobene Verteidigungsanlage gesichert war, an deren Stelle später der westliche Hauptwall (ca. 5. Jh. v. Chr.) hangaufwärts des heutigen Bahnhofs Ringlikon entstand.Website Uetliberg–Verein: Die Erforschung der Ur- und Frühgeschichte Bei den Grabungen von 1981/82 wurde, rund 35 Meter nördlich dieser Fundstelle, die bergseitige Böschung eines tiefen Grabens sondiert, von dem über dem östlichen Berghang noch Spuren vorhanden sind. Es dürfte sich hierbei um den zur spätbronzezeitlichen Befestigung gehörenden Halsgraben gehandelt haben, dessen Aushub als Baumaterial für die bergseitige, südlich davon erstellte Wallmauer respektive für die mittelalterliche Uetliburg auf dem Gipfelplateau verwendet worden scheint.

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