Die Wahlen der nicht-adligen Mitglieder zur 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen erfolgten in Ein-Personen-Wahlbezirken.
1820 bis 1849 Die ursprüngliche Einteilung der Wahlbezirke richtete sich nach den Grenzen der Ämter im Großherzogtum. Hierbei wurde in Kauf genommen, dass die Größe der einzelnen Wahlkreise recht unterschiedlich ausfiel.
Nach der Verfassung des Großherzogtums Hessen entfielen 10 Abgeordnete auf die Städte (je 2 für Darmstadt und Mainz, jeweils einer für Gießen, Offenbach, Friedberg, Alsfeld, Worms und Bingen) und 34 Abgeordnete im restlichen Land.
Die Abgeordneten in Darmstadt und Mainz wurden (abweichend von übrigen Land) in 2 Personenwahlkreisen gewählt. Erst 1911 wird diese Praxis aufgegeben und diese Stadtwahlkreise tatsächlich geteilt.
Die Aufteilung der Wahlbezirke wurde in der „Bekanntmachung über die Wahlbezirke“ vom 29. März 1820 durch den Großherzog festgelegt.Bekanntmachung (vom 29. März 1820) über die Wahlbezirke, Reg. Bl. 1820, S. 169–172.
Die 10 Abgeordneten der Städte wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen Darmstadt I Darmstadt II Offenbach Alsfeld Friedberg Gießen Bingen Mainz I Mainz II Worms
Die 34 Abgeordneten des restlichen Landes wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Nr. Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen 1 Heusenstamm Battenberg Alzey 2 Groß-Gerau Gladenbach Ober-Ingelheim/Gau-Algesheim 3 Langen Heuchelheim Wöllstein 4 Seligenstadt/Babenhausen Lauterbach Wörrstadt 5 Pfungstadt Romrod Nieder-Olm/Bretzenheim 6 Lorsch Homberg Oppenheim 7 Heppenheim/Fürth Schotten Pfeddersheim 8 Waldmichelbach Grünberg Osthofen 9 Erbach Okarben-Vilbel 10 Breuberg/Höchst Butzbach 11 Umstadt Hungen 12 Groß-Bieberau Bingenheim-Nidda 13 Gedern-Ortenberg 14 Büdingen
1849 bis 1856 (Zweite Kammer) Im Rahmen der Märzrevolution kam es zu einer gravierenden Wahlrechtsänderung. Das Wahlgesetz von 1849Gesetz, die Zusammensetzung der beiden landständischen Kammern und die Wahl der Abgeordneten betreffend. Reg.Bl. 1849, S. 435–450. sah eine direkte und allgemeinere Wahl der Abgeordneten der zweiten Kammer vor. Auch die erste Kammer sollte gewählt werden. Hier war jedoch weiter ein Zensuswahlrecht vorgesehen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Wahlbezirke neu geregelt.Anlage A zum Gesetz, die Zusammensetzung der beiden landständischen Kammern und die Wahl der Abgeordneten betreffend. Reg.Bl. 1849, S. 435–450. Hierbei wurde auf die Trennung zwischen Land und Stadt verzichtet. Diese Wahlbezirkseinteilung war für die 12. 13. und 14. Landtagsperiode relevant.
Nr. Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen 1 Darmstadt I Gießen Mainz I 2 Darmstadt II Battenberg Mainz II 3 Zwingenberg Biedenkopf Ober-Ingelheim 4 Bensheim Gladenbach Ober-Olm 5 Heppenheim Homberg Bingen 6 Fürth Alsfeld Wörrstadt 7 Waldmichelbach Lauterbach Wöllstein 8 Beerfelden Herbstein Alzey 9 Michelstadt Schotten Westhofen/Pfeddersheim 10 König Grünberg Worms 11 Groß-Bieberau Hungen Osthofen 12 Reinheim Lich Odernheim 13 Umstadt Butzbach Oppenheim 14 Babenhausen Friedberg 15 Seligenstadt Vilbel 16 Offenbach Nidda 17 Langen Ortenberg 18 Groß-Gerau Büdingen 19 Gernsheim
1849 bis 1856 (Erste Kammer) Auch die 25 Mitglieder der Ersten Kammer wurden in dieser Zeit in 25 Ein-Personen-Wahlbezirken direkt gewählt.Anlage B zum Gesetz, die Zusammensetzung der beiden landständischen Kammern und die Wahl der Abgeordneten betreffend. Reg.Bl. 1849, S. 435–450, Digitalisat.
Provinz Oberhessen Provinz Starkenburg Provinz Rheinhessen Battenberg und Biedenkopf Darmstadt Mainz Gladenbach und Gießen Bensheim und ZwingenbergBingen und Oberingelheim Homberg und Alsfeld Gernsheim und Groß-GerauOberolm und Wörrstadt Lauterbach und Herbstein Langen und OffenbachWöllstein und Alzey Schotten und Grünberg Seligenstadt und BabenhausenOsthofen und Westhofen Butzbach und Lich Umstadt und ReinheimOppenheim und Odernheim Hungen und Nidda Großbieberau und Fürth Ortenberg und Büdingen Michelstadt und König Vilbel und Friedberg Waldmichelbach und Beerfelden
1856 bis 1872 Mit dem Sieg der Reaktion wurden das alte Wahlrecht und auch die ursprüngliche Einteilung der Wahlbezirke weitgehend wiederhergestellt. Aufgrund demographischer Veränderungen gewann die Provinz Starkenburg ein Mandat zu Lasten der Provinz Oberhessen hinzu.
Die Aufteilung der Wahlbezirke wurde in der „Bekanntmachung über die Wahlbezirke“ vom 20. Oktober 1856 durch den Großherzog festgelegt.Bekanntmachung (vom 20. Oktober 1856) die Bildung der Wahlbezirke zur Wahl der Abgeordneten der 2. Kammer der Stände des bevorstehenden Landtags betreffend, Reg. Bl. 1856, S. 377–384.
Die 10 Abgeordneten der Städte wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen Darmstadt I Darmstadt II Offenbach Alsfeld Friedberg Gießen Bingen Mainz I Mainz II Worms
Die 34 Abgeordneten des restlichen Landes wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Nr. Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen 1 Bessungen/Arheilgen Battenberg/Biedenkopf Alzey 2 Groß-Gerau Gladenbach Sprendlingen/Wöllstein 3 Langen Wieseck Ober-Ingelheim 4 Seligenstadt Grünberg Nieder-Olm 5 Dieburg Homberg Oppenheim 6 Reinheim Lauterbach Wörrstadt 7 Höchst Herbstein Osthofen 8 Erbach Laubach Pfeddersheim 9 Fürth Büdingen 10 Waldmichelbach Nidda 11 Heppenheim Butzbach 12 Bensheim Assenheim 13 Gernsheim Vilbel
1872 bis 1911 Die Wahlrechtsreform von 1872 erweiterte die Zahl der Abgeordneten des restlichen Landes von 34 auf 40. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf die Einteilung der Wahlbezirke.
Die Aufteilung der Wahlbezirke wurde in der „Bekanntmachung über die Wahlbezirke“ vom 8. November 1872 durch den Großherzog festgelegt.Bekanntmachung (vom 8. November 1872) die Bildung der Wahlbezirke zur Wahl der Abgeordneten zur 2. Kammer der Stände des bevorstehenden Landtags betreffend, Reg. Bl. 1872, S. 398.
Die 10 Abgeordneten der Städte wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen Darmstadt I Darmstadt II Offenbach Alsfeld Friedberg Gießen Bingen Mainz I Mainz II Worms
Die 40 Abgeordneten des restlichen Landes wurden in folgenden Wahlbezirken gewählt:
Nr. Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen 1 Beerfelden/Hirschhorn/Wimpfen Vilbel Pfeddersheim 2 Michelbach Nauheim Alzey 3 Höchst Butzbach Wöllstein 4 Waldmichelbach Hungen/Lich Osthofen 5 Fürth Gießen-Land Wörrstadt 6 Reinheim Grünberg Oppenheim 7 Groß-Umstadt Homberg Nieder-Olm 8 Lorsch/Heppenheim Alsfeld-Land Ober-Olm 9 Lampertheim Lauterbach Ober-Ingelheim 10 Gernsheim Herbstein Bingen-Land 11 Bensheim Laubach 12 Darmstadt-Land Nidda 13 Griesheim (Groß-Gerau II) Büdingen 14 Groß-Gerau I 15 Langen/Neu-Isenburg 16 Offenbach-Land 17 Seligenstadt
1911–1918 Die Wahlrechtsreform von 1911 führte im Wesentlichen nur zu einer Neubenennung und Nummerierung der Wahlbezirke. Die Trennung von Stadt- und Landwahlkreisen wurde aufgegeben.
Die Aufteilung der Wahlbezirke wurde im Landeswahlgesetz vom 3. Juni 1911 durch den Landtag festgelegt.Gesetz (vom 3. Juni 1911), die Zusammensetzung der 2. Kammer der Stände, insbesondere die Bildung der Wahlbezirke betreffend, Reg. Bl. 1872, S. 113–122.
Nr. Provinz Starkenburg Provinz Oberhessen Provinz Rheinhessen 1 Beerfelden/Hirschhorn/Wimpfen Rodheim/Ober-Rosbach Pfeddersheim 2 Michelbach Echzell/Reichelsheim Alzey 3 Höchst Nauheim/Butzbach Wöllstein 4 Waldmichelbach Lich Osthofen 5 Fürth/Reichelsheim Großen-Linden/Heuchelheim (Gießen-Land) Wörrstadt 6 Ober-Ramstadt/Reinheim Grünberg Oppenheim 7 Babenhausen/Groß-Umstadt Homberg Gonsenheim/Nieder-Olm 8 Dieburg Alsfeld-Land Nierstein 9 Lampertheim Lauterbach Weisenau 10 Heppenheim/Viernheim Herbstein Ingelheim 11 Bensheim/Zwingenberg Schotten Bingen-Land (Gau-Algesheim) 12 Gernsheim/Pfungstadt Nidda Mainz I 13 Eberstadt/Griesheim (Darmstadt-Land) Büdingen Mainz II 14 Groß-Gerau II Vilbel Mainz III 15 Bischhofsheim/Rüsselsheim (Groß-Gerau I) Gießen I Worms I 16 Langen/Neu-Isenburg Gießen II Worms II 17 Bieber/Mühlheim (Offenbach-Land) Friedberg Bingen 18 Seligenstadt Alsfeld 19 Darmstadt I 20 Darmstadt II 21 Darmstadt III 22 Offenbach I 23 Offenbach II
Einzelnachweise
Quellen Hans Georg Ruppel, Birgit Groß: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biographische Nachweise für die Landstände des Großherzogtums Hessen (2. Kammer) und den Landtag des Volksstaates Hessen (= Darmstädter Archivschriften. Bd. 5). Verlag des Historischen Vereins für Hessen, Darmstadt 1980, ISBN 3-922316-14-X, S. 18–21.
Wahlbezirke Hessen, Grossherzogtum