mini|Haus Nr. 12: Ehemaliges Hopfenbauernhaus

Retzendorf (fränkisch: RetsndorfE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 158.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Windsbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und eine Gemarkung.

Geografie Lage Durch das Dorf fließt der Schwalbenbach, der 0,5 km südlich in die Fränkische Rezat mündet. 0,5 km nordöstlich erhebt sich der Petersberg (), 0,75 km östlich erhebt sich der Adenberg (), dahinter im Wald befindet sich ein Burgstall. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Windsbach (1 km nordwestlich) und Elpersdorf (0,7 km südlich) jeweils zur Staatsstraße 2223.

Gemarkung Die Gemarkung Retzendorf hat eine Fläche von 3,552 km². Sie ist in 520 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 6829,99 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hölzleinsmühle und Wolfsau.

Geschichte Der Ort wurde 1278 als „Rezenstorff“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Rezo, Razo oder Razi, der als Gründer des Ortes anzunehmen ist.

Im burggräflichen Urbar von 1361/64 wurde für Retzendorf eine Untertansfamilie verzeichnet, die dem Amt Windsbach unterstand.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 501. 1529 unterstanden der Hauptmannschaft Hergersbach der Reichsstadt Nürnberg 3 Untertansfamilien im Ort.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Retzendorf 11 Mannschaften verzeichnet: 2 Köblergüter gehörten dem Kastenamt Windsbach, 1 Köblergut dem Rat zu Windsbach, 3 Höfe und 3 Köblergüter der Reichsstadt Nürnberg, 1 Hof dem Spital Schwabach und 1 Köblergut dem Rittergut Sommersdorf. Außerdem gab es ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 13. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 732.

In den Oberamtsbeschreibungen des Fürstentums Ansbach von Johann Georg Vetter aus dem Jahr 1732 wurde der Ort folgendermaßen beschrieben:

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Retzendorf 12 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (Kastenamt Windsbach: 2 Güter, 1 Gütlein; Spitalstiftung Schwabach: 1 Hof, 1 Halbhof), die Reichsstadt Nürnberg (Pflegamt Lichtenau: 1 Gut; Landesalmosenamt: 2 Höfe, 2 Gütlein), die Deutschordenskommende Nürnberg (1 Hof) und das Rittergut Sommersdorf der Herren von Crailsheim (1 Gütlein).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 901f.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 292. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.

1806 kam Retzendorf an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Retzendorf dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Mitteleschenbach und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Mitteleschenbach zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Retzendorf, zu der Hölzleinsmühle und Wolfsau gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Wenig später reichte Wolfsau ein Gesuch ein, mit der Hölzleinsmühle eine eigene Gemeinde bilden zu dürfen. Dies wurde jedoch nicht genehmigt.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. Von 1862 bis 1879 gehörte Retzendorf zum Bezirksamt Heilsbronn, seit 1880 zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt) und zum Rentamt Heilsbronn (1919–1929: Finanzamt Heilsbronn, seit 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Heilsbronn (1879 in Amtsgericht Heilsbronn umbenannt), seit 1956 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1006f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 3,652 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam die Gemeinde am 1. Januar 1972 nach Windsbach.

Baudenkmäler Haus Nr. 12: ehemaliges Hopfenbauernhaus mit Scheune Städtisches Freibad

Bodendenkmäler Unmittelbar neben dem Dorf finden sich Überreste von Hügelgräbern aus der Bronzezeit. Des Weiteren finden sich Keramik-, Rand- und Wandscherben aus der Urnenfelderzeit und einige Silices aus vorgeschichtlicher Zeit.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 22f.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Retzendorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 101 112 114 119 129 126 111 111 108 104 101 109 103 94 81 88 102 94 80 155 135 133 110 95HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 18 18 20 19 17 19 18 17 19 Quelle Für die Gemeinde Retzendorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hölzleinsmühle (S. 42) und Wolfsau (S. 105).

Ort Retzendorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 74 71 92 79 77 71 65 93 84 71 59Häuser 13 13 14 14 13 12 14 17Quelle

Religion Retzendorf ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Margareta (Windsbach) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Bonifatius (Windsbach) gepfarrt.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ortsteil von Windsbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1278 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach