mini|Basilika Sant’Eufemia in Grado, Innenraum mini|hochkant|Grados ehemalige Patriarchenkathedrale von außen mini|Verbaute Reste der Ca' del Papà auf der Fondamenta de la Pasina in San Polo, Venedig
Das Patriarchat von Grado (lat. Patriarchatus Gradensis) war eine Diözese der katholischen Kirche mit Sitz in Grado, Friaul.
Geschichte Im Zuge des so genannten Dreikapitelstreites 567 nahmen die Bischöfe von Aquileia den Titel Patriarch an und trennten sich von Rom. Als 568 die Langobarden im Friaul einfielen, floh Patriarch Paulus nach Grado. 606 suchte Patriarch Candidianus, der in Grado residierte, wieder die Gemeinschaft mit Byzanz. Sein in Aquileia verbliebenes Domkapitel schloss sich diesem Vorhaben nicht an und wählte Johannes I. zum Patriarchen. Seither gab es zwei Patriarchate, eines in Grado (Aquileia nova), das für Istrien und die Lagunen zuständig war und dessen Mutterkirche Sant’Eufemia war, und eines in Aquileia, welches Metropolitansitz für die Bistümer des Hinterlandes blieb. 1180 erkannte auch Grado Aquileias Metropolitanrechte über die folgenden Kirchen an: Como, Mantua, Verona, Vicenza, Padua, Treviso, Trient, Belluno, Feltre, Concordia, Ceneda, Triest, Capodistria, Parenzo, Pola, Pedena und Emona (Cittanova).Tavano 1972, S. 127.
Das Patriarchat von Grado war jahrhundertelang von Venezianern besetzt worden, gleichzeitig versuchte Venedig die Bedeutung Grados zu schmälern, etwa in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts mit der Translation der Reliquien des heiligen Markus aus Alexandria. Schließlich wurde 1105 durch Giovanni Gradenigo auch die Residenz des Patriarchats von Grado nach Venedig verlegt. San Silvestro wurde Mutterkirche und in der Amtszeit des Patriarchen Enrico Dandolo (ca. 1134–1184) wurde auf der Insel südlich Rialto 1156 ein Patriarchenpalast (Ca’ del Papà) errichtet. Im Jahr 1200 bekam San Silvestro durch Papst Innozenz’ III. vier nahegelegene Kirchen zugewiesen: San Mattio, San Giacomo dall’Orio, San Canzian und San Martino. Die Ausweitung des Territoriums und damit der Gerichtsbarkeit stieß seitens des Bischofs von Castello, dessen Rechte damit gemindert wurden, auf Widerstand und führte in der Folgezeit immer wieder zu Auseinandersetzungen. Nach dem Tod des letzten Patriarchen 1451 wurde das Patriarchat von Grado durch Papst Nikolaus V. aufgelöst und zusammen mit den Bistümern Castello und Venedig zum Patriarchat von Venedig verschmolzen.
Siehe auch Liste der Patriarchen von Grado Lagune von Grado
Literatur Giovanni Battista Brusin: Aquileia e Grado – Guida storico-artistica. Antoniana, Padova 1952, 5. überarbeitete und ergänzte Auflage 1964 (italienisch). Werner Goez: Bemerkungen zu einem Bischofsgrab im Dom von Grado. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte Bd. 70 (1959) S. 121–140. Paul Fridolin Kehr: Rom und Venedig bis in 12. Jahrhundert. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 19 (1927), S. 1–180. Guido Rossi, Gianna Sitran: L’insula realtina sede dei patriarchi di Grado, Regione del Veneto, 2010. Sergio Tavano: Aquileia cristiana e patriarcale. In: Antichità altoadriatiche (1972), S. 103–139, (online [PDF], italienisch).
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Einzelnachweise
Grado Kategorie:Historisches Territorium (Italien) Kategorie:Geschichte (Friaul-Julisch Venetien) Kategorie:Christentum (Friaul-Julisch Venetien) Kategorie:Aufgelöst 1451 Kategorie:Grado (Friaul-Julisch Venetien) Grado