mini|Rathaus Aschaffenburg, erbaut 1956–58 (Aufnahme 2013) Paul Dietrich „Diez“ Brandi (* 30. März 1901 in Marburg; † 5. Mai 1985 in Göttingen) war ein deutscher Architekt.
Leben und Wirken Diez Brandi ist der Sohn des Historikers Karl Brandi und Vater des Architekten Jochen Brandi.
Nach einer MöbeltischlerlehreChristian Freigang: Diez Brandi – Die Lehre vom Gartenhaus. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 7–14, hier S. 8. in Göttingen und einem Praktikum im Baubüro von Georg Metzendorf in EssenThomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 229. studierte Diez Brandi von 1922 bis 1926 Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart, unter anderem bei Paul Bonatz und Paul Schmitthenner, bei Letzterem legte er 1926 sein Diplom ab. Kurzzeitig war er auch in den Büros von Heinrich Straumer, Paul Mebes und Georg Steinmetz in Berlin sowie German Bestelmeyer in München tätig.Christian Freigang: Diez Brandi – Die Lehre vom Gartenhaus. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 7–14, hier S. 9. 1930 folgte die Gründung eines Architekturbüros in Berlin. Sein erstes als Architekt verantwortetes Projekt war die 1930–35 erbaute evangelische Emmaus-Kirche in Berlin-Zehlendorf. mini|Brandis Wohn- und Atelierhaus in Göttingen, Rohnsweg 52, erbaut 1937 (Aufnahme 2009) mini|hochkant|Grabplatte Diez Brandi auf dem Stadtfriedhof Göttingen 1933 übersiedelte Brandi nach Göttingen und nahm noch im selben Jahr an einer Architekturausstellung der „Vereinigung Göttinger Kunstfreunde“ teil. In Göttingen errichtete er, inzwischen SA-Mitglied (1933–34), ab 1933 eine Kleinsiedlung für den örtlichen Spar- und Bauverein auf dem Egelsberg125 Jahre Wohnungsgenossenschaft Göttingen eG 1891–2016. Text: Michael Römling, Hrsg. Wohnungsgenossenschaft eG, Göttingen 2016, S. 34 (Digitalisat im Internet Archive (PDF; 14 MB), Memo vom 6. Juli 2019, abgerufen am 29. Januar 2025) eine „weitgehend dem Stil des Massenwohnbaus im ‚Dritten Reich‘ verpflichtete“ (Reinhard Müller) Fliegerhorstsiedlung sowie „relativ komfortable, aber bezeichnenderweise keineswegs luxuriöse Professorenhäuser“ im vornehmen Göttinger Ostviertel. Es sollte noch vier Jahre dauern, bis Brandi dort 1937 sein eigenes Wohn- und Atelierhaus (Rohnsweg 52) errichten konnte. Am 22. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.890.338).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4170262 Diez Brandi war von 1933 bis 1945 in unterschiedlichen Funktionen Mitglied nationalsozialistischer Organisationen, u. a. der Reichskammer der bildenden Künste, und als Bauplaner bei der Reichsstelle für Hochfrequenzforschung tätig.
Mit der Berufung auf den Lehrstuhl für Architekturentwurf an der „Deutschen Technischen Hochschule Prag“ erreichte Brandis Karriere 1940 ihren Höhepunkt. Bereits 1943 gab er diese Position jedoch unter ungeklärten Umständen wieder auf. Während eine Quelle Streitigkeiten mit der lokalen Parteiführung nennt,Christian Freigang: Diez Brandi – Die Lehre vom Gartenhaus. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 7–14, hier S. 11. verweist eine weitere Quelle auf die unklare Herkunft dieser Information und deutet an, Brandis unmittelbar folgende Tätigkeit für Abraham Esau, Professor für Militärtechnik und Bevollmächtigter für Hochfrequenzforschung könnte ursächlich gewesen sein.
Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kehrte Brandi 1946 nach Göttingen zurück, wo er sein Architekturbüro fortführte, das sich durch gewonnene ArchitektenwettbewerbeLindau: Hannover, 2001, S. 321. und Kirchenneubauten (vgl. Werkverzeichnis) einen Namen machte. Neben den Kirchen gelten als Hauptwerke Brandis das 1946–1949 erbaute Studentenwohnheim „Akademische Burse“ in Göttingen und das 1956–1958 erbaute Rathaus Aschaffenburg.
In Diez Brandis Büro war von 1959 bis 1963 auch sein Sohn Jochen tätig, der dann ein eigenes Architekturbüro in Göttingen gründete. Bei den Gartenplanungen Brandis war teilweise seine Frau Antje beteiligt.Mutters Garten. Ein Rundgang durch den Garten von Antje Brandi nachgezeichnet von ihren Söhnen. Hrsg. Jochen Brandi, Uwe Brandi, Hinnerk Brandi, Selbstverlag o. O. (Göttingen) 1989, 2. Auflage 1994, S. 5 f.
Ab 1965 zog sich Diez Brandi aus dem Berufsleben zurück und fertigte Zeichnungen und Aquarelle mit Architekturmotiven seiner Auslandsreisen, insbesondere nach Italien.Hans-Christian Winters: Diez Brandi (1901–1985). Charakteristik aus feinen Strichen. Der Architekt als bildender Künstler. In: Göttinger Jahresblätter, Jg. 1986, S. 71–78.Christian Freigang: Diez Brandi – Die Lehre vom Gartenhaus. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 7–14, hier S. 14. (Vgl. auch Aquarell „Italienisches Panorama“ auf dem Rückumschlag des Katalogheftes)
Titel, Ehrungen, Ausstellungen Nach seinem Rückzug vom Lehrstuhl in Prag 1943 führte Diez Brandi lebenslang weiter den von Adolf Hitler persönlich verliehenen Professorentitel. Weitere Hochschultätigkeiten waren 1952 eine Gastprofessur an der Teknik Üniversitesi in Istanbul und 1952–54 ein Lehrauftrag am Kunsthistorischen Institut der Universität Göttingen (zweistündige Vorlesung „Einführung in die Aufgaben der modernen Architektur“).Auskunft des Universitätsarchivs Göttingen vom 15. April 2021; eine Personalakte existiert dort nicht mehr. Zur angezeigten Lehrveranstaltung siehe das „Personal- und Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 1953/54“ (Digitalisat, abgerufen am 17. April 2021), S. 30.
Brandi war seit 1951 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.Karl-Heinz Fix (Hrsg.): Die Protokolle des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Band 3: 1949. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-55762-4, S. 507 (dort Angaben zur Biographie im Personenregister); eingeschränkte Verlagsvorschau – Google Books
Zu Leben und Werken von Diez Brandi gab es Ausstellungen im Städtischen Museum Göttingen (1991) und in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (2002).
Werkliste Das im Folgenden aufgelistete, architektonische Werk von Diez Brandi ist bisher nicht monographisch erforscht und daher eine vorläufige Übersicht im weiteren Aufbau. 1930–1935: evang. Emmaus-Kirche in Berlin-Zehlendorf, Onkel-Tom-Straße 80 um 1933: Wohnsiedlung Egelsberg (Bau- und Sparverein) in Göttingen 1933–1935: mehrere Professorenhäuser in Göttingen-OstviertelReinhard Müller: Wohnhausgruppe in der Albrechtstraße 2–6. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 20–22.Reinhard Müller: Das Wohnhaus Tornau in Göttingen (Am Goldgraben 8a). In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 15–17.Nina Braun: Haus Engelke (Planckstraße 12a). In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 18–19. 1936/37: Entwurf zu einem „Festhaus Göttingen“ in Göttingen, Albaniplatz, früher „Adolf-Hitler-Platz“ (nicht ausgeführt)Matthias Winter: Vor 50 Jahren. Neubau des Völkerkundemuseums. Noch ein Filetstück ... In: Göttinger Jahresblätter, Jg. 9, 1986, S. 57–69, hier S. 63. (Mit Abbildung des Diez-Entwurfs „Stadthalle Göttingen“)Jens-Uwe Brinkmann: Öffentliches Bauwesen 1933–1945. In: Göttingen unterm Hakenkreuz. Erich Goltze, Göttingen 1983, S. 125–141, hier S. 135 f.Tina Lüers: Die Festliche Halle. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 27–29.Christian Freigang: Diez Brandi – Die Lehre vom Gartenhaus. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 7–14, hier S. 10. 1936–1937: Fliegerhorstsiedlung in Göttingen (Pfalz-Grona-Breite usw.)Reinhard Müller: Fliegerhorstsiedlung in Göttingen. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 30–32. 1937: Hölzerne Festhalle zum 200. Gründungsjubiläum der Universität Göttingen, Albaniplatz, früher „Adolf-Hitler-Platz“, danach abgebaut und nach Kassel verkauftJens-Uwe Brinkmann: Öffentliches Bauwesen 1933–1945. In: Göttingen unterm Hakenkreuz. Erich Goltze, Göttingen 1983, S. 125–141, hier S. 137. 1937: Eigenes Wohn- und Atelierhaus in Göttingen-Ostviertel, Rohnsweg 52 (mit Anbauten bis 1952)Friederike Marth: Wohn- und Atelierhaus Brandi. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 23–24.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 230.Zum von Brandis Frau Antje gestalteten Hausgarten: Mutters Garten. Ein Rundgang durch den Garten von Antje Brandi nachgezeichnet von ihren Söhnen. Hrsg. Jochen Brandi, Uwe Brandi, Hinnerk Brandi, Selbstverlag o. O. (Göttingen) 1989, 2. Auflage 1994. 1946–1953: Akademische Burse (Studentenwohnheim) in Göttingen, Goßlerstraße 13, sechs BauabschnitteMarc-André Fischer, Dörte Helling: Studentenwohnheim ‚Akademische Burse‘. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 37–42.Hans-Geert Falkenberg: Studenten auf neuen Wegen. In: Merian, Jg. 6, 1953, Heft 1: Göttingen, S. 34–40, hier S. 36 f. mit Abbildungen aus dem Innern. 1947: Wettbewerbsentwurf für den Wiederaufbau der Innenstadt von Kassel (2. Preis)Folckert Lüken-Isberner: Große Pläne für Kassel 1919–1949, Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau. Hrsg. Deutscher Werkbund Hessen und Freunde des Stadtmuseums Kassel, Schüren Verlag, Marburg 2017, ISBN 978-3-89472-297-5. 1950: Sparkassenneubau anstelle des kriegszerstörten Wedekindhauses in Hildesheim, Marktplatz,Thomas Kellmann: Die konservative Moderne in Architektur und Städtebau nach 1945. Diez Brandi in Hildesheim und Aschaffenburg. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi. Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Göttingen 2002. S. 63–70.Andrew MacNeille: Zwischen Tradition und Innovation. Historische Plätze in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945. Dissertation, Universität Köln, 2005, S. 91 f., 248 ff.; ub.uni-koeln.de (PDF; 3,1 MB) abgerufen am 27. März 2021. 1983 abgebrochen 1950: Haus Martius (Heinrich Martius) in Göttingen-Ostviertel, Bismarckstraße 4Wohnhaus Professor M. in Göttingen. Architekt: Prof. Diez Brandi, Göttingen. In: Baumeister, Jg. 1953, Heft 6, S. 398–399.Christian Freigang: Haus Martius. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 33–34. 1951–1952: evang. Friedenskirche in Göttingen-Weststadt, Auf dem Hagen 21, Glockenturm 1958 ergänzt 1953: evang. Christuskirche mit Gemeindehaus in Göttingen, Friedrich-Naumann-Straße 68Sophia Bornhagen: Christuskirche. In: Christian Freigang (Hrsg.): Diez Brandi – Ein Göttinger Architekt zwischen Tradition und Moderne. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, S. 55–57.