Die finnische Vaterländische Volksbewegung (finn.: Isänmaallinen kansanliike, IKL, schwed.: Fosterländska folkrörelsen) war die Nachfolgerin der faschistisch-nationalistischen und antikommunistischen Lapua-Bewegung. Sie wurde am 5. Juni 1932 von Vihtori Kosola gegründet und nach Ende des „Fortsetzungskrieges“ am 23. September 1944 aufgelöst. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin nahm die IKL auch an Wahlen teil, in der Ideologie gab es aber keine großen Unterschiede.

Geschichte Parteigeschichte mini|hochkant|Vihtori Kosola, Gründer und erster Vorsitzender der Vaterländischen Volksbewegung (IKL) mini|Parlamentsfraktion der IKL 1938 vor dem Reichstag. 1933 nahm die Vaterländische Volksbewegung (IKL) erstmals an Parlamentswahlen teil und bildete mit der konservativen Nationalen Sammlungspartei (Kokoomus) ein Wahlbündnis. Die IKL errang 14 von insgesamt 200 Sitzen, Kokoomus hingegen büßte von ihren bisherigen 42 Sitzen 24 ein. Nach dieser Wahlschlappe wurde Juho Kusti Paasikivi zum neuen Kokoomus-Vorsitzenden bestimmt, der dann die größten IKL-Sympathisanten aus der Partei drängte.

Zeitgenössische Erhebungen der finnischen Staatspolizei (Etsivä keskuspoliisi) ergaben im Mai 1934 im Bezirk Kuopio allein etwas über 2.000 Mitglieder der Bewegung, übergreifende Schätzungen gehen in den Dreißigern sogar von einer Gesamtmitgliederzahl von bis zu rund 100.000 Mitgliedern aus. Regionale Studien zeigen zugleich einen merklichen Mitgliederschwund im Laufe des Jahrzehnts: So sank zum Beispiel die Mitgliederzahl der lokalen Vereinigung Kuopio von 705 im Jahr 1933 auf 483 im Jahr 1936 und auf nur noch 309 im Jahr 1938.

Bei den Wahlen von 1936 konnte die IKL ihre 14 Sitze erneut behaupten, 1939 kam sie jedoch nur noch auf 8 Sitze. Am 22. November 1938 verhängte der Innenminister Urho Kekkonen ein Parteiverbot gegen die IKL, welches aber eine Woche später vom Ratsgericht Helsinki aufgehoben wurde. Dieser Verbotsversuch scheiterte letztlich daran, dass die IKL als Bewegung stets innerhalb der Grenzen der Legalität blieb. Radikale Aktivitäten Einzelner innerhalb des Umfelds der IKL fanden überwiegend im Rahmen anderer, eigenständiger Organisationen statt, etwa der bereits 1936 verbotenen Sinimustat, der Jugendorganisation der IKL.

Der „Winterkrieg“ und insbesondere der Friedensschluss mit der Sowjetunion wurden von der IKL und ihren Anhängern als der entscheidende Beweis für eine gescheiterte Außenpolitik der Regierung angesehen. Nach dem „Winterkrieg“ wurde die finnische Außenpolitik drastisch geändert und entsprach dann im Großen und Ganzen den Vorstellungen der Vaterländischen Volksbewegung, die im Dezember 1940 sogar Teil des Allparteienkabinetts wurde. Nachdem im „Fortsetzungskrieg“ 1941 während des ersten Kriegswinters die anfängliche öffentliche Euphorie abnahm, wurde die IKL im Frühjahr 1943 nicht mehr in das Kabinett Linkomies einberufen. Nach dem „Fortsetzungskrieg“ wurde die IKL auf Forderung der Sowjetunion schließlich am 23. September 1944 verboten, vier Tage nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Finnland und der Sowjetunion.

Im 2015 von Oula Silvennoinen im Fachjournal Fascism veröffentlichten Aufsatz ‘Home, Religion, Fatherland’ wird die Lapua-Bewegung und ihre Nachfolgerin IKL mit dem europäischen Faschismus der Zwischenkriegszeit in Zusammenhang gebracht. Die radikalisierende Wirkung des finnischen Bürgerkriegs von 1918 und anschließender freikorpsartiger Grenzexpansionsversuche werden hervorgehoben. So hätten sich aus einer Generation frustrierter, radikalisierter Nationalisten die Kader der finnischen faschistischen Bewegungen rekrutiert.

Neugründung 1993 Von 1993 bis 2010 bestand eine neugegründete Partei unter demselben Namen. Die Organisation wurde am 17. April 1993 in Seinäjoki zunächst unter dem Namen Isänmaallinen Kansallis-Liitto (IKL) von Matti Järviharju gegründet, der zuvor stellvertretender Vorsitzender der antikommunistischen Konstitutionellen Rechtspartei (POP) gewesen war. Die Umbenennung in Isänmaallinen Kansanliike () erfolgte erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ende der 1990er Jahre engagierte sich die Organisation im nordischen Netzwerk NordNat, das auf Initiative der schwedischen Sverigedemokraterna (SD) gegründet worden war. Politisch positionierte sich die Neugründung gegen die EU-Mitgliedschaft Finnlands und einen möglichen NATO-Beitritt und setzte sich für eine finnische Rückgewinnung Kareliens ein. Nach der Parlamentswahl 2007 wurde die Partei aus dem offiziellen Parteienregister gestrichen, blieb jedoch als Verein noch einige Jahre aktiv.

Ideologie mini|Die Führung der IKL empfängt eine italienische Delegation vor einer Büste Mussolinis. Etliche der stark vom Faschismus und vom skandinavischen Nationalistischen Aktivismus beeinflussten Parteioberen waren Geistliche oder Mitglieder der überwiegend ostbottnischen Pietistenbewegung Herännäisyys, die die Partei ideologisch strikt nationalistisch und antikommunistisch ausrichteten. Die tatsächliche Führung der Bewegung lag der Forschung zufolge nicht bei dem nominellen Anführer Vihtori Kosola, sondern in akademischen Zirkeln Helsinkis. Zahlreiche einflussreiche Geistliche der Vaterländischen Volksbewegung (IKL) waren zugleich Mitglieder der Akademischen Karelien-Gesellschaft (Akateeminen Karjala-Seura, AKS) und vertraten sowohl die Idee der Unterstützung „karelischer Brüder“ jenseits der Ostgrenze als auch das Großfinnland-Konzept.

Eine 2025 an der Universität Helsinki vorgelegte Dissertation unterscheidet innerhalb der Bewegung zwei ideologische Strömungen: eine nationalkonservative, aus dem Fennomanismus hervorgegangene Linie sowie eine „postaktivistische“ Linie, die eine neuartige, starke Staatsordnung nach paneuropäisch-faschistischem Vorbild anstrebte. Namentlich werden neben Elias Simojoki weitere einflussreiche Geistliche der Bewegung genannt, darunter Kaarlo R. Kares, Arvi Malmivaara, Pekka Tapaninen, Kalervo Kurkiala und Kaarlo Salovaara. Während der ersten Legislaturperiode stellten Geistliche bis zu 6 der 15 Abgeordneten der IKL-Fraktion und damit rund 40 Prozent. Nach dem Tod von Kares im Frühjahr 1942 saß kein Geistlicher mehr in der Fraktion.

Zunächst befürworteten die IKL-Priester die faschistischen Staatsideen. Bei fortwährender Umsetzung in den 1930er Jahren traten sie aber aus theologischen Gründen zurück, namentlich in der Zeit der bedenklichen Religionspolitik des Führerstaates, die schon vor dem Krieg ernste Sorgen unter den finnischen Geistlichen auslöste. Die Beziehungen zwischen den IKL-Geistlichen und den deutschen Nationalsozialisten waren nicht sehr groß. Man sah in Hitlerdeutschland vor allem eine starke außenpolitische Macht gegen die Sowjetunion, und die Waffenbrüderschaft im „Fortsetzungskrieg“ wurde unter der Geistlichkeit vornehmlich außenpolitisch und nicht ideologisch begründet. Eine Ausnahme bildet Kalervo Kurkiala, der im nationalsozialistischen Deutschland eine steile Laufbahn machte, als Kaplan eines finnischen SS-Bataillons diente und dem das nationalsozialistische System im Zentrum seines Wirkens stand. Die Beziehungen zur Deutschen Reichskirche wurden von den finnischen Bischöfen und kirchlichen Führern und nicht von der IKL-Führung gepflegt. Die IKL sah sich als „christlich-moralisches Gewissen“ des Parlaments. Sie stand der Sowjetunion und schwedischsprachigen Finnen und ihrem Status feindselig gegenüber.

Die Jugendorganisation Sinimustat unter Priester Elias Simojoki zählte etwa 5.500 vereidigte Mitglieder und war nach dem Vorbild der mitteleuropäischen faschistischen Jugendorganisationen geschaffen. Sie ging aus einer von der Lapua-Bewegung geförderten Gruppierung hervor und wurde im Januar 1933 als Jugendflügel der IKL konstituiert. Im Dezember 1935 beteiligten sich Mitglieder der Sinimustat unter der Führung Simojokis an einem gescheiterten Putschversuch der estnischen rechtsradikalen Vaps-Bewegung gegen Präsident Konstantin Päts. Die estnischen Behörden verhafteten die Verschwörer am 8. Dezember 1935. Bei Hausdurchsuchungen bei Simojoki fand sich belastendes Material, ein Brief von ihm sprach von der Verschickung politischer Gegner in ein Konzentrationslager in Petsamo. Der Skandal führte zu erheblicher Rufschädigung sowohl Simojokis als auch der Organisation und mündete am 23. Januar 1936 in ein Verbot der Sinimustat durch das finnische Innenministerium. Die Uniform der IKL bestand aus schwarzem Hemd mit blauer Krawatte.

Wahlergebnisse Parlamentswahlen Jahr Abgeordnete Stimmen Prozent 1933 14 1936 14 97.891 8,34 % 1939 8 86.219 6,65 %

Präsidentschaftswahlen Jahr Wahlmänner Stimmen Prozent Kandidat 1937 23 90.378 8,12 (Unterstützung des Kandidaten Svinhufvud)

Parteivorsitzende Vihtori Kosola (1932–1936†) Vilho Annala (1937–1944) Matti Järviharju (ab 1993)

Siehe auch Geschichte Finnlands

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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