Basisdaten Verwaltungssitz Zwickau Fläche 2.548 km² (1900) Einwohner 727.529 (1900) Bevölkerungsdichte 285 Einw./km² (1900) Königreich Sachsen um 1914 250px|zentriert Die Kreishauptmannschaft Zwickau war eine staatliche Oberbehörde im Königreich bzw. Freistaat Sachsen. Sie wurde auf der Grundlage des Gesetzes über die Organisation der Behörden für die innere Verwaltung vom 21. April 1873 und der Durchführungsverordnung vom 20. August 1874 eingerichtet.

Hintergrund mini|hochkant=1|Karte der Kreis- und Amtshauptmannschaften 1900 bis 1932 Zwickau war bis 1806 durchgängig kurfürstliche Stadt. Seit dem Ausgang des Mittelalters war die Stadt gleichzeitig das Verwaltungszentrum des erzgebirgischen Kreises. Mit der Verwaltungsreform von 1834/1835 sind im Königreich Sachsen staatliche Oberbehörden in Bautzen, Dresden, Leipzig und Zwickau, die sogenannten Kreisdirektionen, eingeführt worden. Fünfzig Jahre später erfolgte mit der Verwaltungsreform von 1874 die Umbenennung der vier Bezirke nach österreichischem Vorbild in Kreishauptmannschaften. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts kam in Sachsen durch Teilung der Kreishauptmannschaft Zwickau noch die Kreishauptmannschaft Chemnitz hinzu, in der die Amtshauptmannschaften Annaberg, Chemnitz, Flöha, Glauchau und Marienberg sowie der Stadtkreis Chemnitz aufgingen. Ab 1906 führten Kraftfahrzeuge aus der Kreishauptmannschaft Zwickau die römische Ziffer fünf (V) im Kraftfahrzeugkennzeichen.

Aufgaben Die Kreishauptmannschaft Zwickau war zuständig für: die Aufsicht über sämtliche Verwaltungsbehörden des Innenministeriums die Aufsicht über Städte mit revidierter Städteordnung die Aufgaben der Kreisdirektionen aus der Zuständigkeit des Finanz- und Kriegsministeriums, die juristische erste Instanz gemäß Reichs- und Landesgesetzgebung und ausgewählten administrativen Justizangelegenheiten die juristische zweite Instanz bei Rekursen und Beschwerden gegen Entscheidungen der Amtshauptmannschaften und der Stadträte den Betrieb und die Unterhaltung des Appellationsgerichts (Landgericht) und der Staatsanwaltschaft

Kreishauptmann Die Leitung der Behörde wurde vom Kreishauptmann übernommen:

1874–1875: Léonçe von Könneritzterritorial.de 1876: Otto Georg zu Münster-Langelage 1876–1883: Gustav Friedrich Hübel 1883–1890: Bernhard von Hausenstadtwikidd.de 1891–1894: Johann Theodor Schmiedel 1894–1900: Johann Georg von Welck 1900–1907: Maximilian Forker-Schubauer 1907–1919: Friedrich August Fraustadt 1919–1924: Kurt Morgenstern 1924–1935: Heinrich JaniAndreas Wagner: „Machtergreifung“ in Sachsen. NSDAP und staatliche Verwaltung 1930–1935. Böhlau Verlag, Köln 2004, ISBN 978-3-412-14404-3, S. 141 (Fn. 113) unter Berufung auf die Personalakte von Jani im Sächsischen Hauptstaatsarchiv. 1937–1944: Richard Oesterhelt

Gliederung Der Kreishauptmannschaft Zwickau waren bis 1900 die folgende Amtshauptmannschaften angegliedert: Amtshauptmannschaft Annaberg Amtshauptmannschaft Auerbach Amtshauptmannschaft Chemnitz Amtshauptmannschaft Flöha Amtshauptmannschaft Glauchau (bis 1878 Schönburgische Rezessherrschaften) Amtshauptmannschaft Marienberg Amtshauptmannschaft Oelsnitz Amtshauptmannschaft Plauen Amtshauptmannschaft Schwarzenberg Amtshauptmannschaft Werdau (1920–1933) Amtshauptmannschaft Zwickau

Nach der Teilung von 1900 verblieben in der Kreishauptmannschaft Zwickau die Amtshauptmannschaften Auerbach/V., Oelsnitz/V., Plauen, Schwarzenberg und Zwickau, sowie ab 1907 die bezirksfreien Städte Zwickau und Plauen.

1920 wurde aus Teilen der Amtshauptmannschaften Zwickau und Plauen die neue Amtshauptmannschaft Werdau gebildet. 1924 wurden die Städte Aue, Crimmitschau, Reichenbach und Werdau kreisfrei. Mit Plauen und Zwickau bestand die Kreishauptmannschaft aus sechs kreisfreien Städten und den sechs Amtshauptmannschaften: Auerbach/V., Oelsnitz/V., Plauen, Schwarzenberg, Werdau und Zwickau. Durch einen Gebietsaustausch mit Thüringen wurden 1928 die Grenzen der Kreishauptmannschaft geringfügig verändert. 1933 wurde die Amtshauptmannschaft Werdau aufgelöst und in die Amtshauptmannschaft Zwickau eingegliedert.

Einwohnerverzeichnis 1910 Am 1. Dezember 1910 bestand die Kreishauptmannschaften aus folgenden Verwaltungseinheiten: VerwaltungseinheitKommunenFläche (in km²)Einwohnerzur GemeindeauflistungStadt Plauen131,35121.272keineStadt Zwickau128,0373.542keineAmtshauptmannschaft Auerbach69436,36127.250siehe: Gemeindeverzeichnis Amtshauptmannschaft Auerbach 1910Amtshauptmannschaft Ölsnitz93457,2474.679siehe: Gemeindeverzeichnis Amtshauptmannschaft Ölsnitz 1910Amtshauptmannschaft Plauen118511,18100.405siehe: Gemeindeverzeichnis Amtshauptmannschaft Plauen 1910Amtshauptmannschaft Schwarzenberg61510,29142.976siehe: Gemeindeverzeichnis Amtshauptmannschaft Schwarzenberg 1910Amtshauptmannschaft Zwickau115582,36217.535siehe: Gemeindeverzeichnis Amtshauptmannschaft Zwickau 1910KREISHAUPTMANNSCHAFT4582.546,81857.659 +15 größte Städte und weitere Gemeinden 1910 (kursiv: keine Stadt) sowie 10 einwohnerstärkste GutsbezirkePlatzKommuneAmtshauptmannschaftEinwohnerPlatzselbständiger GutsbezirkAmtshauptmannschaftEinwohner–Plauen–121.2721Staatsgut UntergöltzschAuerbach717Zwickau73.5422Landesstrafanstalt VoigtsbergÖlsnitz3271Reichenbach im VogtlandPlauen29.6853Hammergut SchönheiderhammerSchwarzenberg2642CrimmitschauZwickau28.8184Hammergut ErlaSchwarzenberg2483WerdauZwickau20.8305Rittergut WiesenburgZwickau1834AueSchwarzenberg19.3636Hammergut RautenkranzAuerbach1715Falkenstein/Vogtl.Auerbach15.7447Hammergut BreitenhofSchwarzenberg1706Ölnsitz Ölsnitz13.9518Hammergut BlauenthalSchwarzenberg1687Auerbach/Vogtl.Auerbach12.7219Weiters GlashütteSchwarzenberg1228NiederplanitzZwickau12.36310Hammergut RittersgrünSchwarzenberg1099OberplanitzZwickau12.29610EibenstockSchwarzenberg9.52811RodewischAuerbach9.49412SchneebergSchwarzenberg9.38213MarkneukirchenÖlsnitz8.95914TreuenAuerbach8.24015WilkauZwickau8.122Summe (ohne Plauen und Zwickau):219.496

Umbenennung Das Reichsgesetz zur Neubezeichnung der Verwaltungen vom 23. Dezember 1938 ordnete die Umbenennung der Kreishauptmannschaften in Regierungsbezirke und der Amtshauptmannschaften in Landkreise an, das zum 1. Januar 1939 in Kraft trat. Aus der Kreishauptmannschaft Zwickau wurde der Regierungsbezirk Zwickau.

Untergang Nach der Gründung der DDR wurde 1952 das Land Sachsen in die Bezirke Dresden, Leipzig, und Karl-Marx-Stadt aufgeteilt. Zwickau verlor dabei seinen über Jahrhunderte gewachsenen Rang als Verwaltungssitz der Region Südwestsachsen, wodurch auch die Grenzen des Landkreises Zwickau mehrfach verändert wurden. Mit dem Beitritt der neuen Bundesländer zur Bundesrepublik entstand Sachsen als neues Bundesland mit drei Regierungsbezirken, die aus den alten DDR-Bezirken hervorgingen. Zwickau erhielt seinen ursprünglichen Rang nicht wieder zurück. Mit der vom damaligen Ministerpräsidenten Milbradt (CDU) initiierten Verwaltungsreform Sachsens verlor Zwickau 2008 auch den Rang als kreisfreie Stadt und wurde in den neu gegründeten Landkreis Zwickau eingegliedert.

Literatur Inhaber höchster und hoher sächsischer Staatsämter in der Zeit vom Jahre 1831 bis zur Gegenwart. In: Kalender für den Sächsischen Staatsbeamten auf das Jahr 1906, S. 108–109, sowie Kalender für den Sächsischen Staatsbeamten auf das Jahr 1911, S. 107. Thomas Klein (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe B: Mitteldeutschland. Band 14: Sachsen. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn 1982, ISBN 3-87969-129-0, S. 387–389.

Weblinks Geschichte der Kreishauptmannschaft Zwickau in der Online-Datenbank des Staatsarchivs Chemnitz.

Einzelnachweise

Zwickau Zwickau Zwickau Zwickau Kategorie:Aufgelöst 1943