Burghausen ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Alt-West von Leipzig. Er gehört zum Ortsteil Burghausen-Rückmarsdorf.
Lage Burghausen liegt im Westen Leipzigs am Elster-Saale-Kanal, ist etwa 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und wird von folgenden Ortsteilen umschlossen: im Norden von Gundorf, im Osten von Böhlitz-Ehrenberg, im Süden von Rückmarsdorf, und im Westen grenzt Burghausen an Dölzig. Innerhalb Burghausens befindet sich der bewaldete und etwa 30 Hektar großeJochen Deweß, Rolf Hauschild, Erika Mißbach 1998, S. 7. Hügel Bienitz.
Geschichte Bis 1945 mini|Schießplatz am Bienitz (vor 1914)
Die erste indirekte urkundliche Benennung des Ortes stammt aus dem Jahr 1091, der damalige Bischof von Merseburg erwähnte als Lehnsherr "Gundtorff [Gundorf] nebst aller Zubehörung", wozu wohl auch Burghausen zählte. 1269 und 1285 wurde Burghausen als Barchawssen bzw. Barchhusen direkt urkundlich aufgeführt.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 4 f. Die Lehen des Dorfes Burghausen wurden an das Peterskloster Merseburg weitergegeben, welches um 1250 am Bienitz einen Weinberg unterhielt. Burghausen zählte zu dieser Zeit zu den Kammergütern des Klosters.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 10. Nach der Auflösung des Petersklosters gehörte der Ort als eines von vier Abteidörfern von 1562 bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 dem Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg angehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f. 1671 hatte das Dorf 28 grundbesitzende Personen auf etwa 220 Hektar GrundflächeBurghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 5 f., um 1814 umfasste das Dorf 28 Gebäude.August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. [...]. Band 1: A - Drebach. Schumann, Zwickau 1814, S. 554. (Digitalisat Google Books, zuletzt abgerufen am 10. August 2018)
Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Burghausen verblieb mit dem Ostteil beim Königreich Sachsen und wurde dem Kreisamt Leipzig angegliedert.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 7. Durch 21 stimmberechtigte Bewohner wurde am 25. März 1839 erstmals ein Gemeinderat der neu gegründeten politischen Gemeinde gewählt.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 13. Am 25. Mai 1845 wurde das erste Ortsstatut (1885 erneuert) beschlossen, im Flurbuch von 1851 waren 254 Flurstücke verzeichnet.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 8. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. 1860 wurde die Privatbrauerei Liebscher am Sandberg errichtet, die 1900 zur Genossenschaftsbrauerei Burghausen-Leipzig umgewandelt wurde und bis 1920 bestand.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 10. Der Industriepionier Carl Erdmann Heine besaß seit 1885 unter anderem zwei Gutshöfe im Ort, die er 1888 an die von ihm selbst mitgegründete Leipziger Westend-Baugesellschaft weitergab.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 18. Etwa zu diesem Zeitpunkt waren in Burghausen 34 Gebäude vorzufinden.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 9. 1891 entstanden an Teilen des Bienitz Schießstände der Königlich Sächsischen Armee, die bis 1990 durch Wehrmacht, Sowjetarmee, NVA, Volkspolizei und Kampfgruppen weitergenutzt wurden und militärisches Sperrgelände waren.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 17.
Die Leipziger Westend Baugesellschaft konzentrierte sich außerhalb Leipzigs ländlich bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf Burghausen, umfangreicher Grundbesitz innerhalb des Ortes war in ihrem Besitz. Neben dem in Entstehung befindlichen Elster-Saale-Kanal erhoffte sich die Baugesellschaft durch den Bienitz als Naherholungsgebiet und die Auslagerung von Wohnraum in Leipziger Vororte neue Einnahmequellen.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 18–22. Ab den 1920er Jahren entstanden nach einem Bebauungsplan in Burghausen in den Randgebieten des Dorfes zahlreiche Mehrfamilienhäuser und Eigenheime.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 11.
Ab 1945 mini|Gedenktafel für Arthur Heidrich
Am 17. April 1945 zogen Truppen der US-Armee in Burghausen ein, von ihnen teilweise zerstörte Teile des Schießplatzes wurden später wieder aufgebaut. 1958 wurde die LPG Voran im Ort gegründet, die Mitglieder schlossen sich wenig später landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften in Gundorf bzw. Rückmarsdorf an. Bei der Kreisreform in der DDR wurde Burghausen sechs Jahre zuvor dem Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig zugeteilt, der 1994 zum Landkreis Leipziger Land kam. Burghausen war von 1839 bis 1993 eine selbstständige Gemeinde. Im Jahr 1994 schloss sie sich mit den benachbarten Gemeinden Rückmarsdorf und Dölzig (einschließlich Ortsteil Priesteblich) zur neuen Gemeinde Bienitz zusammen, die ihren Namen nach der bewaldeten Erhebung ungefähr in der Mitte der drei ehemaligen Orte führte.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 18.
Das Gelände des ehemaligen Schießplatzes erwarb Burghausen 1997, anschließend wurde das Areal im Rahmen der Einrichtung eines Naturlehrpfads rückgebaut und rekultiviert.Burghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 19.
Gegen den Beschluss der sächsischen Staatsregierung, diese Gemeinde zum 1. Januar 1999 wieder aufzulösen und die Orte in die umliegenden Städte einzugemeinden, klagte diese vor dem sächsischen Verfassungsgericht. Die Klage wurde letztlich zurückgewiesen, so dass zum 1. Januar 2000 (mit einem Jahr Verzögerung) die Ortschaft Dölzig in die Stadt Schkeuditz, die Ortschaft Priesteblich in die Stadt Markranstädt sowie die Ortschaften Burghausen und Rückmarsdorf in die Stadt Leipzig eingemeindet wurden.
Eine Gedenktafel am Haus Dorfplatz 21 erinnert an den kommunistischen Gemeindeverordneten Arthur Heidrich, der 1936 im Zuchthaus Waldheim seinen erlittenen Misshandlungen erlag. Ein Platz in Burghausen wurde nach ihm benannt, ein 1985 eingeweihter Stein auf dem Platz gedenkt aller antifaschistischer Widerstandskämpfer. Ein Gedenkstein am Fuße des Bienitz erinnert seit 2001 an Wehrmachtangehörige, die wegen Wehrkraftzersetzung, Fahnenflucht oder Selbstverstümmelung zum Tode verurteilt und auf dem Schießplatz hingerichtet wurden.
Bevölkerung JahrBurghausen. Eine historische und städtebauliche Studie 2002, S. 8–19. Burghausen Jahr Burghausen Jahr Burghausen-Rückmarsdorf 1840 183 1910 569 2000 4.411 1890 274 1926 714 2005 4.707 1897 350 1936 1.260 2010 4.716 1905 459 1965 1.200 2015 4.802 1990 998 2020 4.767 2025 4.841
Politik Ortschaftsrat Zusammen mit der Wahl des Leipziger Stadtrates findet in den Ortschaften die Wahl der Mitglieder des Ortschaftsrates statt.
Die Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze CDU 35,1 % 2 AfD 32,2 % 1 Die Linke 12,1 % 1 SPD 11,1 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 9,6 % – Insgesamt 100 % 5
Ortsvorsteher Der Ortschaftsrat wählte 2024 sein Mitglied Markus Heidrich (CDU) zum Ortsvorsteher.
Landtags- und Bundestagswahlen Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Burghausen-Rückmarsdorf zum Wahlkreis Leipzig 7, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig I (Wahlkreis 152).
Die Bundestagswahl 2025 führte bei einer Wahlbeteiligung von 88,2 % zu folgendem Zweitstimmenergebnis:
Partei Burghausen-Rückmarsdorf2021 Burghausen-Rückmarsdorf2025 Stadt Leipzig2025 AfD 20,7 % 33,4 % 21,9 % CDU 22,9 % 26,5 % 16,6 % SPD 21,1 % 10,8 % 10,7 % Die Linke 6,4 % 8,9 % 22,5 % BSW – 7,5 % 7,4 % Bündnis 90/Die Grünen 6,5 % 4,8 % 13,6 % FDP 14,4 % 4,4 % 3,2 % Sonstige 7,9 % 3,6 % 4,1 %
Wirtschaft und Infrastruktur Handel und Gewerbe mini|links|Löwen-Center mini|Café und Laden Ochsenstall
1650 ist in Burghausen erstmals eine Schänke nachweisbar, 1688 erhielt der Burghausener Abraham Beßler eine Konzession für einen Bierausschank auf seinem im Dorfzentrum gelegenen Gut. 1774 wurde diese auf ein Haus an einer Durchfahrtsstraße (Gundorfer Straße) am südlichen Ortsende übertragen. Im Jahr 1830 wurde die sogenannte Burghäuser Schenke auf dem Nachbargrundstück als Alter Gasthof neu errichtet. 1913 wurde auf dem Gelände die heute nicht mehr existierende Restauration Alt Heidelberg erbaut. Mit zwei Tanzsälen, einem weiteren kleineren Saal für Veranstaltungen, einer Gaststube und einer Stehbierhalle entwickelte sich das später als Tanzpalast Alt Heidelberg bekannte Haus in den 1920er und 1930er Jahren zu einem beliebten Vergnügungsetablissement der Leipziger Bevölkerung. Weitere Gaststätten waren der am Dorfplatz gelegene Gasthof zum Bienitz (bestehend von 1880 bis vor 1980) sowie das Kaffeehaus Leipziger Rodelbahn am Bienitz.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 41–46.
1876 gab es das erste Geschäft in Burghausen, eine am Dorfplatz gelegene Materialwarenhandlung mit angeschlossener Schlachterei, 1886 kam eine Handlung für Waren des alltäglichen Bedarfs dazu. Die erste im Ort nachweisbare Bäckerei bestand von 1888 bis 1987.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 31 f. In den Folgejahrzehnten siedelten sich zahlreiche weitere Geschäfte aller Art in Burghausen an, so dass bis etwa 1960 die Versorgung der Einwohner mit Konsumgütern und Dienstleistungen weitestgehend sichergestellt war. Die meisten Geschäfte waren kleinerer Größe und befanden sich in den Erdgeschossen von Wohnhäusern.Rolf Hauschild, Jochen Deweß 2012, S. 36.
Das 1993 eröffnete Löwen-Center, mit etwa 41.500 Quadratmetern Mietfläche Leipzigs zweitgrößtes Einkaufszentrum, liegt nördlich der B 181. Das Einkaufszentrum südlich der Straße zählt zu Rückmarsdorf.
Neben den Schnellimbissen und dem Café im Löwen-Center gibt es in Burghausen eine Gaststube am örtlichen Sportplatz sowie das Café Ochsenstall am Dorfplatz.
Verkehr mini|Burghausen und umliegende Orte (1828)
Der historische Ortskern besteht seit der frühesten detaillierten Ansicht aus einem Dorfplatz und darum angeordneten Gebäuden und Grundstücken. Die ersten Zufahrtswege waren östlich und südlich des Angers zu finden.
Burghausen ist in der Gegenwart (Stand 2018) durch die Buslinie 62 mit Böhlitz-Ehrenberg bzw. Grünau verbunden. Die Straßenbahnendstelle der Linie 7 befindet sich in Gundorf. An der Nebenbahn Leipzig–Merseburg verfügte Burghausen bis zu deren Stilllegung 1998 über einen Haltepunkt. Dieser lag unmittelbar an der Grenze zu Böhlitz-Ehrenberg. Für den Individualverkehr ist Burghausen über die A 9, Ausfahrt Leipzig-West, und von dort die B 181 (Leipzig–Merseburg) zu erreichen.
Wasser- und Energieversorgung, Telefonnetz Bis nach 1900 wurde ein Ziehbrunnen am Dorfplatz als Wasserquelle genutzt. 1913 erfolgte der Verbraucheranschluss an das 1911/12 am Bienitz errichtete Wasserwerk für Böhlitz-Ehrenberg, Gundorf und Burghausen. Das Wasserwerk wurde 1995 stillgelegt, seitdem erfolgt die Wasserversorgung Burghausens über das Leipziger Fernwassernetz. Mit dem Bau eines Abwassernetzes wurde 1910 begonnen, bis 1927 waren die meisten Straßen darin integriert. Die Abwasser gingen ungeklärt zunächst in das Flößgen, einen ehemaliger Bach an der Grenze zu Gundorf, und später für lange Zeit in die Alte Luppe.Rolf Hauschild: Burghausen. Eine Zeitreise ... 2000, S. 45 f. Verantwortlich für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Burghausens ist der 1991 gegründete Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Leipzig-Land (ZV WALL).