mini|Girolamo Lucchesini

Girolamo Lucchesini (* 7. Mai 1751 in Lucca; † 20. Oktober 1825 in Florenz) war ein preußischer Diplomat und der letzte Vorleser und Vertraute Friedrichs des Großen.

Leben Der Marquis erhielt eine Ausbildung bei Lazzaro Spallanzani in Modena und Pavia und wurde, nachdem Henri de Catt, der diese Stelle mehr als zwei Jahrzehnte innegehabt hatte, entlassen worden und ein Intermezzo mit dem Abbé Duval de Peyrau schnell beendigt worden war, auf Empfehlung d’Alemberts 1780 Friedrichs Vorleser, Bibliothekar und Kammerherr.

Nach dem Tod des Königs betätigte Lucchesini sich unter Friedrich Wilhelm II. verstärkt politisch. 1787 war er in politischer Mission in Italien, wo er Goethes Bekanntschaft machte,textlog.de 1790 kam das Bündnis zwischen Preußen und Polen unter seiner Mitwirkung zustande, 1791 nahm er am Kongress von Reichenbach teil, der zu einer Abschwächung der gegen Österreich und Russland gerichteten Politik führte. Im gleichen Jahr erhielt er den Schwarzen Adlerorden. 1792 wurde er in diplomatischer Mission nach Warschau geschickt. Von 1793 bis 1797 war er Botschafter in Wien, wobei er ab 1793 den Rang eines wirklichen Staats- und Kriegsministers bekleidete. Diese Zeit endete wegen eines Zerwürfnisses mit dem österreichischen Politiker Baron Thugut. 1802 war er außerordentlicher Gesandter in Paris. Über seine Rolle im Krieg zwischen Preußen und Frankreich 1806 gibt es unterschiedliche Angaben. Es kam zu einem Zerwürfnis mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., als dieser einen von Lucchesini geschlossenen Waffenstillstand nach der Schlacht von Jena und Auerstedt nicht ratifizierte.

Lucchesini kehrte daraufhin nach Italien zurück und nahm, empfohlen von Duroc und Talleyrand, eine Stelle als Kammerherr bei Elisa von Lucca und Piombino, einer Schwester Napoleons, an. In ihrem Auftrag reiste er 1811 nach Paris und informierte sich über die Zustände am französischen Hof. Nach dem Ende der französischen Herrschaft in seinem Vaterland stand er in Kontakt mit Luisa Stolberg, Herzogin von Albany. Seinen Lebensabend verbrachte er in Florenz.

Im Jahr 1773 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Familie 1786 heiratete er Charlotte von Tarrach (1759–1833). Aus dieser Verbindung gingen zwei Söhne hervor, von denen der eine, Franz (1787–1867), Hofmarschall des Prinzen Carl von Preußen wurde.

Schriften Lucchesini betätigte sich auch als Schriftsteller. Sein Hauptwerk über den Rheinbund Sulle cause e gli effeti della confederatione renana etc. erschien 1819; eine Übersetzung ins Deutsche kam 1821–1825 unter dem Titel Historische Entwickelung der Ursachen und Wirkungen des Rheinbundes in Leipzig heraus.

1885 erschienen seine Gespräche mit Friedrich dem Großen in deutscher Übersetzung in Leipzig.

Lucchesini führte außerdem ein Tagebuch, das ein lebendiges Bild des tierlieben Königs Friedrich zeichnete, und verfasste den Text zu einer Trauer-Cantate bey dem Leichenbegängnis Friedrichs des Großen, die von J. F. Reichardt vertont wurde.zs.thulb.uni-jena.de

Girolamo Lucchesinis jüngerer Bruder Cesare Lucchesini war Staatsrat in Lucca und ebenfalls schriftstellerisch tätig.

Goethes Urteil Goethe schrieb in seiner Italienischen Reise unter dem 1. Juni 1787 über Lucchesini:

Werke Sulle cause e gli effeti della confederatione renana. 1819 (deutsche Ausgabe: Leipzig 1821–1825); Teil 1: – Teil 2/1: books.google.de – Teil 2/2: books.google.de Das Tagebuch des Marchese (Girolamo) Lucchesini <1780–1782>. Gespräche mit Friedrich d. Großen. Hrsg. v. F. v. Oppeln-Bronikowski u. G. B. Volz. M. Hueber, München, 104 S., M. 4. Gespräche Friedrich’s des Grossen mit H. De Catt und dem marchese Lucchesini. books.google.de

Literatur

Lucchesini. In: Joseph Fr. Michaud, Louis Gabriel Michaud (Hrsg.): Biographie universelle. Band 25: Vingt–Cinquième. Paris / Leipzig 1862, S. 417 ff. (französisch); .

Willy Höhm: Der Einfluß des Marquis von Lucchesini auf die preußische Politik 1787–1792. Kiel 1925. Joachim von Kürenberg: Der letzte Vertraute Friedrichs des Großen, Marchese Girolamo Lucchesini. Berlin 1933.

Lothar Kittstein: Politik im Zeitalter der Revolution. Franz Steiner Verlag 2003, ISBN 3-515-08275-1.

Weblinks

Nachlass. In: Landesarchiv NRW. Abteilung Westfalen.

Einzelnachweise

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