Die Taciturn-Klasse war die dritte Baugruppe der britischen T-Klasse. Die 31 U-Boote wurden zwischen 1941 und 1946 gebaut und von der Royal Navy sowie der niederländischen Marine im Zweiten Weltkrieg und danach eingesetzt. Nach dem Krieg wurden mehrere Boote von der australischen und der israelischen Marine genutzt. Das letzte Boot der Klasse wurde 1975 in Israel stillgelegt.

Baugeschichte und konstruktive Merkmale siehe auch: Baugeschichte der T-Klasse und konstruktive Merkmale der T-Klasse

Der Bau des dritten Bauloses der T-Klasse begann 1941. Die Neubauten wurden gegenüber ihren Vorgängern leistungsgesteigert und modernisiert. Die U-Boote besaßen eine erhöhte Seeausdauer und durch die Nutzung eines Teiles der Tauchzellen als zusätzliche Treibölbunker auch eine wesentlich erhöhte Reichweite. Im Gegensatz zu den älteren Baulosen waren die Boote der Taciturn-Klasse serienmäßig mit Radargeräten ausgestattet. Auch die Torpedobewaffnung wurde überarbeitet. Die beiden mittleren externen Torpedorohre wurden hinter den Kommandoturm verlegt und nach achtern ausgerichtet, um dem Bootskörper eine strömungsgünstigere Form zu geben. Außerdem wurde im Heck ein zusätzliches externes Torpedorohr eingebaut.

Die wichtigste Modernisierung in der Fertigung war mit der Tiptoe die Einführung eines vollgeschweißten Druckkörpers, wodurch eine bessere Druckfestigkeit der Hülle und eine effizientere Produktion gegenüber der bisher genutzten Niettechnik erreicht wurde. Einige grundsätzliche Probleme der Vorgängerversionen wurden aber nicht beseitigt. Die Boote besaßen weiterhin den strömungsungünstigen Bugwulst, den schweren bronzenen Turm und eine unzureichende Sehrohrtiefe.

Nach dem Krieg wurden viele Boote ähnlich dem US-amerikanischen „Greater Underwater Propulsion Power Program“ modernisiert. Nach dem Vorbild der deutschen Typ-XXI-Boote wurde die Batteriekapazität und die elektrische Antriebsleistung extrem erhöht. Die Form des Bootskörpers und des Turmes wurden komplett überarbeitet und stromlinienförmiger gestaltet. Um die vergrößerten Batterien aufnehmen zu können, wurde der Druckkörper verlängert. Alle verzichtbaren Decksaufbauten wie das Deckgeschütz und die Flak wurden demontiert. Die Umbauten führten zu einer gesteigerten Unterwassergeschwindigkeit. Eine weitere Neuerung war der Einsatz eines Schnorchels, wodurch die Dieselmaschinen auch unter Wasser genutzt werden konnten. Ursprünglich wurde eine Kopie des deutschen Faltschnorchels eingesetzt. Nachdem 1951 ein ebenfalls modernisiertes A-Klasse-Boot durch Bruch dieses Schnorcheltypes verloren gegangen war, wurde der von der US-Navy entwickelte Teleskopschnorchel eingeführt.Anthony Preston: Die Geschichte der U-Boote. S. 66.

Vergleich mit älteren Baulosen siehe auch: Technische Daten der Baugruppen der T-Klasse im Vergleich

Tempest-KlasseTaciturn-KlasseBesatzung:61 Mann63 MannLänge über alles:Das uboat.net gibt für die Länge aller Baugruppen 275 Fuß (83,82 m) an. Hutchinson nennt für die 1. Baugruppe 83,97 m, für die 2. Baugruppe 83,36 m und für die 3. Baugruppe 83,30 m. Bagnasco gibt für den Prototyp Triton 84,20 m, für die 1. und die 2. Gruppe 83,60 m und für die 3. Baugruppe 83,10 m an.83,36 m83,30 mTiefgang:Bagnasco gibt für die ersten beiden Baugruppen 3,60 m und für das 3. Baulos 4,80 m an.3,60 m4,80 mFahrbereich (aufgetaucht bei 10 kn):Hutchinson gibt für die erste und zweite Baugruppe 8.000 Seemeilen und für die dritte 11.000 Seemeilen an. Außerdem erwähnt er, dass die U-Boote der ersten Baugruppe Torbay und Trident ebenfalls eine Reichweite von 11.000 Seemeilen gehabt hätten. Bagnasco gibt für die erste und zweite Baugruppe 8.000 Seemeilen an. Für die dritte Baugruppe gibt er 8.000 bis 11.000 Seemeilen an.8000 sm11000 smBrennstoffvorrat:Bagnasco, der nur zwischen zwei Baugruppen und dem Protyp Triton unterscheidet, schreibt, dass viele Boote der zweiten Baugruppe umgebaut und ihre Treibölbunker von 132 auf 230 tn.l. vergrößert wurden. Hutchinsons 2. Baugruppe entspricht der hier beschriebenen 3. Baugruppe.130 tn.l.230 tn.l.Tauchtiefe:90 m90 bis 110 mTorpedorohre:1011Torpedos:1617

Bauwerften siehe auch: Bauwerften der T-Klasse

Die U-Boote wurden auf fünf verschiedenen Werften in England und Schottland gebaut. BauwerftEinheitenChatham Dockyard (Marinewerft Chatham) in Chatham (England)Das uboat.net und Bagnasco geben als Bauwerft der Turpin (3. Baugruppe) die Marinewerft Chatham an, Hutchinson hingegen die Marinewerft Portsmouth. Nach Hutchinsons Angaben würde die Anzahl der gebauten Einheiten bei der Marinewerft Chatham auf drei sinken und die Anzahl der bei der Marinewerft Portsmouth gebauten Einheiten auf drei ansteigen.4Devonport Dockyard (Marinewerft Devonport) in Plymouth (England)4Portsmouth Dockyard (Marinewerft Portsmouth) in Portsmouth (England)2Scotts Shipbuilding and Engineering Company in Greenock (Schottland)1Vickers-Armstrongs in Barrow-in-Furness (England)2031

Einheiten siehe auch: Aktive Einheiten der T-Klasse

Die ersten 11 Einheiten wurden 1941 auf Kiel gelegt. Die Anstrengungen der britischen Kriegswirtschaft zeigten Erfolg, so dass mit der P311 das erste U-Boot des neuen Bauloses schon im August 1942 in Dienst gestellt wurde. Im Laufe des Jahres wurden vier weitere Einheiten der Marine zugeführt. Im Folgejahr gab es sieben weitere Zuläufe, aber auch den ersten Verlust. 1944 gab es keine Verluste, aber 10 weitere Indienststellungen. Im letzten Kriegsjahr kam es zu einem Verlust und sieben Zugängen. Die letzten drei Einheiten wurden 1946 in Dienst gestellt. 1950 wurden die ersten Einheiten verschrottet. In den 1960er-Jahren wurden fast alle U-Boote der Klasse abgewrackt. Die letzte britische Einheit wurde 1969 außer Dienst gestellt. Die weltweit letzte aktive Einheit der Klasse war die 1975 in Israel stillgelegte Dolphin (ex Truncheon). Die Übersicht stellt lediglich das Verhältnis zwischen Abgängen durch Unfall oder Feindeinwirkung und den Zugängen durch Neubauten dar. Werftaufenthalte zur Überholung oder Modernisierung werden nicht betrachtet. Demzufolge war die Anzahl der real einsatzfähigen U-Booten geringer. Außerdem ist bei den Nachkriegseinheiten zumeist nur das Datum der Verschrottung bekannt.

links|380px ▪1. Januar1939:0   ▪8. November1942:3   ▪1. Januar1947:29▪1. Juli1939:0▪1. Januar1943:5▪1. Januar1952:26▪1. September1939:0▪1. Juli1943:8▪1. Januar1955:25▪1. Januar1940:0▪10. Juli1943:8▪1. Januar1957:24▪9. April1940:0▪1. Januar1944:11▪1. Januar1961:22▪1. Juli1940:0▪6. Juni1944:16▪1. Januar1962:21▪1. Januar1941:0▪1. Juli1944:17▪1. Januar1963:18▪22. Juni1941:0▪1. Januar1945:21▪1. Januar1964:15▪1. Juli1941:0▪8. Mai1945:24▪1. Januar1967:11▪7. Dezember1941:0▪1. Juli1945:24▪1. Januar1942:0▪15. August1945:25▪1. Juli1942:0▪1. Januar1946:27

Einsatzgeschichte siehe auch: Einsatzgeschichte der T-Klasse und detaillierte Geschichte der T-Klasse

Die ersten Einheiten der Klasse wurden 1942 der Marine zugeführt. Die U-Boote wurden sowohl in der Nordsee, dem Mittelmeer als auch im Pazifikkrieg erfolgreich eingesetzt.

1943 waren Boote der Klasse an zwei Spezialoperationen der Royal Navy beteiligt. Im Januar sollte die P311 im Rahmen der Operation Principle gemeinsam mit den älteren U-Booten Trooper und Thunderbolt mehrere bemannte Torpedos vom Typ Chariot vor den Hafen von Palermo transportieren, wo der neugebaute italienische Leichte Kreuzer Ulpio Traiano vermint werden sollte. Die P311 ging beim Anmarsch verloren. Trotzdem wurde der Kreuzer von den verbliebenen Einheiten am 3. Januar versenkt.Die Literaturangaben zur Versenkung der Ulpio Traiano sind widersprüchlich. Robert Hutchinson, www.wlb-stuttgart.de, und geben den 2./3. Januar 1943 an. www.marinearchiv.de gibt den 2./3. Juni 1943 an, was aber unwahrscheinlich ist, da die Thunderbolt schon im März verlorenging. Im September schleppte die Truculent gemeinsam mit dem Tempest-Klasse-Boot Thrasher und vier S-Klasse-Booten insgesamt sechs Kleinst-U-Boote der X-Klasse vor den norwegischen Altafjord. Ziel der als Operation Source bezeichneten Aktion waren die deutschen Großkampfschiffe Tirpitz und Scharnhorst. Die Tirpitz wurde bei dem Angriff schwer beschädigt. auf www.schlachtschiff.com.

Ab 1944 verlagerte sich der Einsatzschwerpunkt immer mehr auf den asiatischen Kriegsschauplatz, wo die Boote aufgrund ihrer geringen Periskoptiefe in Küstennähe operierten und den japanischen Nachschublinien mit Bordartillerie, Seeminen und Torpedoangriffen schwere Verluste beibrachten. Die verbliebenen U-Boote wurden nach dem Kriegsende im aktiven Dienst behalten und modernisiert. Ab Mitte der 1950er-Jahre wurde begonnen, die Boote der Klasse außer Dienst zu nehmen. Die letzte britische Einheit war die Tiptoe, die 1969 außer Dienst gestellt wurde.

Kampferfolge (Auswahl)