mini|hochkant=1.3|Rathaus
Lüdenscheid () ist die Kreisstadt und eine große kreisangehörige Stadt des Märkischen Kreises. Sie liegt im Nordwesten des Sauerlandes im Regierungsbezirk Arnsberg von Nordrhein-Westfalen. Die Stadt zählt Einwohner (Stand: ).
Seit Jahrzehnten wird häufig der Beiname „Bergstadt“ verwendet, auf den unter anderem offiziell bei der Benennung des dritten städtischen Gymnasiums zurückgegriffen wurde. „Stadt des Lichts“ ist ein der Stadtwerbung dienendes Attribut aus dem 20. Jahrhundert und nimmt Bezug auf die Lüdenscheider Lampen- und Leuchtenindustrie. Lüdenscheid bildet das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des südlichen Märkischen Kreises und hat Ausstrahlung darüber hinaus. Lüdenscheid ist ein Mittelzentrumhttps://landesplanung.nrw.de/system/files/media/document/file/Anlage%201%20LEP%20Zentrale%20Orte%20in%20NRW.pdf. Vor den Gebietsreformen der 1970er Jahre war die Stadt die einwohnerstärkste des Sauerlandes und Südwestfalens.
Geographie mini|Blick vom Berg Höh () über den Staberg auf die Innenstadt mini|Winterlicher Blick von der Höh nach Norden über das Stadtgebiet mini|Statistische Bezirke von Lüdenscheid
Lage Lüdenscheid liegt im nordwestlichen Sauerland auf einer Höhe von 232–539 Metern, geographisch gesehen in der flachen, westsüdwest-ostnordost-gerichteten Lüdenscheider Mulde.Bundesamt für Naturschutz: Sie besitzt ihren Kernbereich in der Quellmulde der Rahmede und stellt einen Sattel der Wasserscheide zwischen Lenne und Volme dar, welcher die Stadt von Nordwest nach Südost quert. Die Mulde oder Senke wird ersichtlich, wenn man Lüdenscheid von der Homert () im Süden oder im Norden vom ehemaligen Radargelände () bei Großendrescheid betrachtet.
Als Bergstadt wird Lüdenscheid wahrgenommen, wenn sich der Besucher ihr aus Richtung der umliegenden Täler – beispielsweise aus Richtung Altena (Rahmedetal), Werdohl (Versetal) oder auch Brügge (Volmetal) – nähert. Der Ortskern von Lüdenscheid liegt auf einer Höhe von etwa . Der höchste Berg in der näheren Umgebung von Lüdenscheid ist die Nordhelle im Ebbegebirge mit . Höhere Berge als um Lüdenscheid gibt es nordöstlich erst wieder im Harz, östlich im Hochsauerland, westlich in der Eifel und südlich im Taunus.
Geologie Der Untergrund Lüdenscheids ist devonischen Ursprungs und somit über 350 Millionen Jahre alt. In Grauwacke und Tonschichten findet man häufig versteinerte Abdrücke von Muscheln und Seelilien, denn das Sauerland war damals Meeresboden. Im jüngeren Erdaltertum (Paläozoikum) faltete sich dann das Variszische Gebirge auf, das von Zentralfrankreich bis Oberschlesien reichte. Das Lüdenscheider Gebiet ist der Rest einer Hochfläche dieses Gebirges und lag infolge von Abtragungen vor 225 Millionen Jahren etwa 400 Meter tiefer als heute. Erst in jüngerer erdgeschichtlicher Zeit, vor 65–1,6 Millionen Jahren im Tertiär, entstand bei einem Hebungsprozess die heutige Höhe. Das reichhaltige Relief formen seither Bäche, Flüsse und mehrere Eiszeiten.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet von Lüdenscheid erstreckt sich über 13 km in Nord-Süd-Richtung und 11,7 km in West-Ost-Richtung. Die Länge der Stadtgrenze beträgt 54,6 km.
Das 86,73 km² große Stadtgebiet verteilt sich auf 47,4 % Waldfläche, 22,4 % Landwirtschaftsfläche, 18,1 % Gebäude- und Freifläche, 7,3 % Verkehrsfläche, 2,3 % Wasserfläche und 2,5 % übrige Nutzfläche.
Nachbargemeinden Lüdenscheid grenzt im Norden an Altena, im Nordosten an Werdohl, im Südosten an Herscheid, im Süden an Meinerzhagen, im Südwesten an Kierspe, im Westen an Halver und im Nordwesten an Schalksmühle. Alle Nachbargemeinden liegen im Märkischen Kreis.Landesvermessungsamt NRW
Stadtgliederung
Die Stadt gegliedert sich in 16 statistische Bezirke. In der nachfolgenden Tabelle finden sich die Einwohnerzahlen der Bezirke mit der jeweiligen Bevölkerungsdichte (Stand 2010 + 2011).
Nummer Name desstatistischenBezirks Flächekm² Einwohner 2010(einschl. Zweitwohnsitz) Einwohnerje km² 2010 Einwohner 2011(einschl. Zweitwohnsitz) Einwohnerje km² 2011 Vor kommunalerNeugliederung 1969 01 Innenstadt / Staberg / Knapp 0,99 6.793 6.861,62 6.416 6.480,81 Lüdenscheid 02 Ramsberg / Hasley / Baukloh 3,40 8.327 2.449,12 8.368 2.461,18 Lüdenscheid, Baukloh verm. Lüdenscheid-Land 03 Grünewald 1,22 4.689 3.843,44 4.958 4.063,93 Lüdenscheid 04 Tinsberg / Kluse 0,98 7.001 7.143,88 7.454 7.606,12 Lüdenscheid 05 Honsel / Eichholz 1,42 6.609 4.654,23 6.533 4.600,70 Lüdenscheid 06 Vogelberg 2,80 3.767 1.345,36 3.567 1.273,93 Lüdenscheid-Land 07 Wettringhof 2,73 1.142 418,32 972 356,04 Lüdenscheid-Land 08 Kalve / Wefelshohl 3,09 5.099 1.650,16 5.061 1.637,86 Wefelshohl: Lüdenscheid, Kalve: Lüdenscheid-Land 09 Brüninghausen / Augustenthal 11,95 1.430 119,67 1.409 117,91 Lüdenscheid-Land 10 Bierbaum / Höh / Hellersen 21,90 4.640 211,87 4.749 216,85 Höh: Lüdenscheid, Bierbaum und Hellersen: Lüdenscheid-Land 11 Brügge 15,38 3.082 200,39 3.069 199,54 Lüdenscheid-Land 12 Oeneking / Stüttinghausen 2,78 6.862 2.468,35 6.920 2.489,21 Lüdenscheid 13 Buckesfeld / Othlinghausen 3,98 6.595 1.657,04 6.439 1.617,84 Buckesfeld: Lüdenscheid, Othlinghausen: Lüdenscheid-Land 14 Wehberg 2,76 5.116 1.853,64 5.113 1.852,54 Lüdenscheid, bis 1935 Lüdenscheid-Land 15 Gevelndorf / Freisenberg 7,14 3.997 559,80 4.058 568,35 Lüdenscheid-Land 16 Dickenberg / Eggenscheid 4,20 3.154 750,95 3.034 722,38 Lüdenscheid-Land nicht zugeordnet 0,01 62 x 50 x x insgesamt 86,73 78.365 903,55 77.905 898,25 x
Klima Das Lüdenscheider Klima ist atlantisch geprägt. Verantwortlich dafür sind die vorherrschenden westlichen Winde. Charakteristisch sind die verhältnismäßig großen Niederschlagsmengen und die für die Höhenlage gemäßigten Temperaturen. Der Juli ist mit durchschnittlich rund 22 °C der wärmste und der Januar mit ca. 0 °C der kälteste Monat. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei knapp 8 °C. Durch die Stauwirkung des Reliefs und den dadurch bei westlichen Winden entstehenden Steigungsregen sind die jährlichen Niederschlagsmengen mit mehr als 1200 l/m² überdurchschnittlich groß.
Eine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes befindet sich in Lüdenscheid-Oberhunscheid. Die Wetterstation ist seit 2010 unbemannt und automatisiert.Artikel aus den Lüdenscheider Nachrichten vom 28. April 2010: Sensoren ersetzen Mitarbeiter: Wetterstation in Oberhunscheid läuft vollautomatisch.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Erste Spuren der Anwesenheit von Menschen im Lüdenscheider Gebiet stammen aus der Mittelsteinzeit. Größte Fundstelle ist die Station Brockhausen, von der 2500 Artefakte (Mikrolithen, Klingen, Kernsteine, Abschläge aus Flint und Kieselschiefer) stammen. Weitere Stationen mit über 500 Artefakten sind Bellmerei und Rittinghausen (Homert). Außerdem sind aus dieser Zeit in Lüdenscheid sieben Lagerplätze (50 bis 500 Artefakte), zwölf Rastplätze (5 bis 50 Artefakte) und 24 Streufunde (ein bis fünf Artefakte) bekannt.Manfred Sönnecken: Funde aus der Mittel-Steinzeit im Märkischen Sauerland, Balve 1985. Ein mittelsteinzeitlicher Lagerplatz bei Oedenthal diente in dieser Funktion auch Menschen aus der Jungsteinzeit.Manfred Sönnecken: Neufunde von mittel- und jungsteinzeitlichen Lagerplätzen bei Oedenthal in Lüdenscheid. In: Der Reidemeister, Nr. 140. Lüdenscheid 1998, S. 1105–1112. Siedlungs- und Grabspuren aus der Jungsteinzeit auf Lüdenscheider Gebiet sind unbekannt. Einzelfunde dieser Zeit gab es an folgenden Orten: Augustenthal, Haus Schöneck, Hulsberg, Römerweg, Brockhausen, Tweer, Stilleking und Brunscheid.Manfred Sönnecken: Vor- und Frühgeschichte im Kreis Lüdenscheid. In: Heimatchronik des Kreises Lüdenscheid. Köln 1971, S. 25 f. Artefakte aus der Bronzezeit sind bislang nicht gefunden worden. Zur Anwesenheit von Menschen in der frühen Eisenzeit heißt es: „Nur ein eisernes Tüllenbeil, das in der Umgebung von Lüdenscheid gefunden worden sein soll, bildet den einzigen, allerdings sehr unsicheren Anhaltspunkt.“Manfred Sönnecken, 1971, S. 26. Erste Siedlungsfunde aus der Zeit von 800 bis 1000 n. Chr. sind aus Brockhausen, Stilleking, Rittinghausen, Ellinghausen, Springe bei Vogelberg, der Woeste, Brunscheid und vom Grünen Siepen bei Ellinghausen bekannt. Für diese Zeit konnten auch Eisenverhüttungen und Schmieden in der Normecke bei Ellinghausen und in Eggenscheid nachgewiesen werden.Manfred Sönnecken, 1971, S. 34. Ob Sugambrer, die im Sauerland siedelten, sich auch im Raum Lüdenscheid dauerhaft niederließen, dürfte kaum noch belegbar sein. Im Gegensatz zu den ab etwa 700 n. Chr. das Sauerland durchdringenden Sachsen zählten sie zu den Franken. Das ursprüngliche örtliche Idiom soll neben den dominierenden sächsisch-niederdeutschen auch niederfränkische Einflüsse besitzen.Vgl. Manfred Sönnecken: Ur- und Frühgeschichte. In: Buch der Bergstadt Lüdenscheid. 1951, S. 60–69. Da zuerst die ertragreichen Gebiete des Sauerlandes und nicht die kargen Böden und die klimatisch, insbesondere wegen ihrer Höhenlage, weniger begünstigten Lagen besiedelt wurden, wird heute davon ausgegangen, dass die kontinuierliche Besiedelung des Lüdenscheider Raumes erst nach dem siebten Jahrhundert begonnen hat. Wann sie genau erfolgte, liegt wegen fehlender Belege im Dunkeln.Sauerländer, Deitenbeck, 1989, S. 4.
mini|hochkant|Reliefdarstellung von Graf Engelbert I., Brunnen auf dem Graf-Engelbert-Platz von K. T. Neumann mini|hochkant=1.1|Ältester erhaltener Stadtplan von 1723
Mittelalter Vermutlich im 9. Jahrhundert entstand Lüdenscheid als sächsische Siedlung an einem Heerweg, der von Köln über die Gebiete der heutigen Städte Wipperfürth, Halver, Werdohl und Arnsberg nach Soest führte. Es handelte sich zunächst um eine Bauerschaft, eventuell mit einer Zollstätte der Erzbischöfe von Köln, den seinerzeitigen Landesherren. Der Ort markierte die Stelle, an der der Weg die Wasserscheide zwischen Lenne und Volme passierte. Bis heute ist der Verlauf der alten Fernverbindung an der Folge von Knapper-, Wilhelm- und Werdohler Straße ablesbar. Ebenfalls bereits im 9. Jahrhundert soll ein erster Vorgänger der heutigen Erlöserkirche errichtet worden sein. Nach der Theorie des Historikers Albert K. Hömberg gehörte Lüdenscheid zu den angenommenen sogenannten Stammpfarreien des Kölner Erzbistums. Faktisch war es bald das Zentrum eines Dekanates mit 15 Kirchspielen, zu welchen im Westen Radevormwald und im Norden auch Schwelm, Hagen und Ergste gehörten. Das Patrozinium für die Kirche bezog sich auf den Heiligen Medardus, den in der gleichnamigen Kirche in Soissons begrabenen Bischof von Noyon und Tournai. Nordfranzösische Einflüsse sind nicht belegt. Bedenkt man die klimatischen Verhältnisse Lüdenscheids, ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass er gewählt wurde, weil er als „Wetterheiliger“ gilt. 1067 wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Erzbischof Anno II. übertrug einen Teil der Zehnteinnahmen aus dem Dorf (villa) Luidolvessceith dem neugegründeten Stift St. Georg in Köln. 1072 stattete er das nun gegründete Kloster Grafschaft im Hochsauerland mit weiteren Einnahmen aus Luidolfessceide aus.Hömberg S. 52. Dem Abt des Klosters oblag dann auch die Kollatur (Berufung) des Lüdenscheider Pfarrers bis in nachreformatorische Zeit. Im Jahr 1114 wurde in Lüdenscheid der Bau einer Burg (castrum munitissimum imperatoris) durch Kaiser Heinrich V. begonnen. Sie sollte als Stützpunkt gegenüber dem Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg und den Grafen von Arnsberg dienen. Bereits im Jahr darauf, 1115, wurde sie durch Friedrich von Arnsberg erstmals zerstört. Der Standort der kleinen Anlage wird im Bereich des heutigen Alten Rathauses angenommen. In der Folgezeit wurde Lüdenscheid eines von sieben Archidiakonaten des Erzbistums Köln. Leiter dieser bedeutenden mittleren Verwaltungseinheit (Archidiakon) war jeweils der Dekan des Kölner Stiftes St. Georg, welches ja bereits seit 1067 Einnahmen aus Lüdenscheid bezog.
Stadtwerdung