mini|Schömberger Fransennarren auf dem Narrentreffen in Weingarten 2006

Die Narrenzunft Schömberg e. V. ist eine Narrenzunft, deren Aufgaben als gemeinnütziger eingetragener Verein die Bewahrung der Traditionen der schwäbisch-alemannischen Fasnet und die Ausrichtung der Narrensprünge in Schömberg ist.

Schömberg im Zollernalbkreis gilt als eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die seit 2014 ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde. Die Narrenzunft Schömberg ist seit 1929 Mitglied in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e. V. (VSAN) und in dieser der Landschaft Neckar-Alb zugeordnet.

Die Schömberger Fasnet ist überregional für den Narrentanz „dr Bolanes“ (schwäbisch „Polonaise“) und die farbenfrohen, mit Wollfransen verzierten und namensgebenden Fransennarren bekannt.

Ziel und Struktur Das Ziel der Narrenzunft Schömberg ist Bewahrung der Fasnetstradition sowie die Veranstaltung und Organisation der Fasnet in Schömberg. Die Narrenzunft Schömberg ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein.

Organe und Mitglieder Organe des Vereins sind der Vorstand und die Generalversammlung. Die Generalversammlung wählt den Vorstand. Stimmberechtigt ist jedes Mitglied der Narrenzunft ab vollendetem 18. Lebensjahr.

Anders als bei vielen Vereinen üblich wird der Beitrag nicht überwiesen oder per Lastschrift eingezogen. Die Vorstandsmitglieder – Narrenräte genannt – ziehen die Mitgliedsbeiträge während einer Haussammlung ein. Jeder Narrenrat hat ein zugewiesenes Gebiet, welches er in der Zeit zwischen Dreikönig und dem Fasnetssamstag (Samstag vor Aschermittwoch) abarbeitet. Mitglied ist jeder, der mindestens 1 Euro (früher 2 DM) pro Jahr spendet. Im Zuge dessen werden auch Mitgliedsabzeichen mit jährlich wechselndem Motiv verkauft.

Narrenrat Der gesamte Vorstand wird Narrenrat genannt. Dieser bildet unter sich Ausschüsse wie z. B. den Häsausschuss, der die Erfassung der Häser und die Häsordnung koordiniert oder den Zunftballausschuss, der die Saalveranstaltungen organisiert.

Neben dem Zunftmeister (1. Vorsitzender) und seinem stellvertretenden Zunftmeister (2. Vorsitzender) kennt die Satzung den Säckelmeister (Kassier), den Kämmerer (Geräteverwalter) und den Schriftführer. Alle weiteren Narrenräte fungieren als Beisitzer. Der Narrenrat kann satzungsgemäß bis zu zwanzig Mitglieder umfassen und ist nicht, wie in vielen anderen Narrenzünften auf elf Mitglieder (Elferrat) begrenzt.

Der Narrenrat trifft sich in der Regel einmal monatlich – außer im August – zu einer Vorstandssitzung. Dazu sind jeweils eine Abordnung der 20er und 19er in beratender Funktion eingeladen. Ab und zu werden auch andere Beteiligte wie z. B. die Husaren oder Vertreter der Musikvereine eingeladen, sollte es ein gemeinsames Thema geben. Letztere sind ebenfalls nicht stimmberechtigt.

Bekleidung Die Narrenräte tragen eine, an den Fransennarr angelehnte Jacke aus weißem Stoff mit den aufgenähten Wollfransen. Wie bei den Fransennarren ist die Farbgebung der Wollfransen jedem Narrenrat selbst überlassen, solange sich die Farben an die Häsordnung halten.

Zur Jacke tragen die Narrenräte eine schwarze Stoffhose, schwarze Schuhe und weiße Handschuhe sowie einen schwarzen Filzhut mit aufgenähten Wollbollen und einem Federnwisch. Darunter wird eine Weste aus dunkelrotem Samt mit einem Muster im Reißverschlussbereich, das ebenfalls an den Fransennarr angelehnt ist, getragen. Um den Hals wird ein goldener Hausorden in Sternform getragen, an der Weste befindet sich ein kleiner Hausorden ggf. mit einer, nach Dienstzeit abhängigen gefärbten Umrandung (siehe Ehrungen).

Im Unterschied zu vielen anderen Narrenzünften kennt die Narrenzunft Schömberg verschiedene Häser für den Narrenrat. So gibt es neben dem erwähnten „Großen Dienstanzug“ einen „Kleinen Dienstanzug“, der ohne die Jacke und anstatt dem großen Filzhut mit einer reinen Bollenkappe getragen wird. In Ergänzung kann eine schwarze Jacke über der Weste getragen werden.

Bei den Haussammlungen trägt der Narrenrat nur die Bollenkappe zu ziviler Kleidung.

Ehrennarrenräte Nach 25 Jahren Tätigkeit im Narrenrat wird das jeweilige Vorstandsmitglied Ehrennarrenrat. Ehrennarrenräte dürfen ihr Narrenratshäs auch beim Ausscheiden als aktiver Narrenrat behalten und bei offiziellen Anlässen der Narrenzunft tragen. Häufig helfen sie im Hintergrund noch mit und unterstützen den aktiven Narrenrat bei seiner Arbeit. Des Weiteren ist ihnen erlaubt, bei offiziellen Veranstaltungen der Narrenzunft, der VSAN und der Landschaft im Narrenratshäs aufzutreten und die aktiven Narrenräte zu ergänzen. Stimmberechtigt sind die Ehrennarrenräte, sofern sie nicht mehr aktiv sind, nicht mehr.

Ehrungen Verdiente Mitglieder können zu Ehrenmitgliedern ernannt werden.

Aktive Narrenräte werden nach zehn (bronzener Hausorden) und 20 Jahren (silberner Hausorden) sowie nach 25 Jahren (goldener Hausorden und Ernennung zum Ehrennarrenrat) geehrt.

Des Weiteren gibt es Ehrungen von der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) und der Landschaft Neckar-Alb nach den dort geltenden Ehrenordnungen.

Geschichte

Bis 1921 Die Entstehung der Schömberger Fasnet lässt sich bis zum Jahre 1796 belegbar zurückverfolgen. Durch einen großen Stadtbrand im Jahr 1750, bei dem bis auf zwei Gebäude alle Häuser niederbrannten, ist es jedoch möglich, dass die Fasnet bereits vorher stattgefunden hat. Das erste noch erhaltene Narrenkleid stammt aus dem Jahre 1812, welches sich heute noch im Privatbesitz eines Schömberger Einwohners befindet. Bei gutem Wetter ist die Figur des Alten Harzers auch heute noch am Fasnetssonntag zu sehen.

1922 bis nach dem Krieg Erst im Jahre 1922 wurde die Narrenzunft Schömberg als eingetragener Verein offiziell gegründet. Davor wurde die Fasnet von den Handwerkerzünften organisiert und durchgeführt. Durch Verordnungen und Verbote seitens der Regierungsbehörden konnte die Fasnet nicht mehr ohne einen offiziellen Verein veranstaltet werden.

Während des Ersten (1915–1918) wie auch während des Zweiten Weltkriegs (1940–1945) und dessen Nachkriegszeit (1946–1948) fand keine bzw. fast keine Fasnet in Schömberg statt. 1946 haben die damaligen 20er (Jahrgang 1926), wenn auch unter sehr schlechten Umständen, ihre 20er-Fasnet gefeiert. Dies war von der französischen Besatzungsmacht nicht genehmigt. Gleiches wiederholte sich im Jahre 1948. Erst ein Jahr später akzeptierte die Militärregierung die Wahl eines neuen Narrenrates.

1960er–1970er Im Jahre 1963 fand zum ersten Mal ein Narrentreffen in Schömberg statt, welches von der Narrenzunft organisiert wurde. Aus dem Erlös wurde ein Jahr später der von dem Künstler Alfred Sessler gestaltete Narrenbrunnen am Schömberger Marktplatz eingeweiht (→ siehe Narrenbrunnen). Bei der offiziellen Einweihung floss Rotwein aus dem Brunnen. Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Schömberg fand bereits 1967 ein weiteres Narrentreffen in Schömberg statt.

In den 1970er Jahren begannen einige Narren gegen Mitternacht des Fasnetsdienstag mit dem heute genannten Mitternachtsbolanes. 1977 wurde diese Idee von den damaligen 20ern mit einem Fackelverkauf für den letzten Umzug allen Fasnetsgängern zugänglich gemacht. Heute ist die Mitternachtspolonaise nicht mehr aus der Schömberger Fasnet wegzudenken, gehört jedoch nicht zum offiziellen Programm der Schömberger Fasnet.

Zwei Jahre später bat das europäische Maskenmuseum in Binche (Belgien) um ein Schömberger Fransenkleidle, welches der Narrenrat bei einem Ausflug dorthin überreichte.

1980er 1981 fand das erste Mal ein Zunftball statt, der bei einer längeren Fasnetssaison bis heute stattfindet. 1982 fand das Landschaftstreffen Neckar-Alb in Schömberg statt.

Im Jahre 1988 konnte die Schömberger Narrenzunft dank einer großzügigen Spende die eigene Zunftstube sowie das Narrenmuseum verwirklichen (→ siehe Narrenmuseum).

1990er Während des Zweiten Golfkriegs (1991) sah sich die VSAN, durch den enormen Mediendruck gezwungen, den Mitgliedszünften zu empfehlen, ihre Fasnetsveranstaltungen abzusagen. Auch der Schömberger Narrenrat sagte daraufhin die Fasnet nach längeren Diskussionen ab, was den 20ern verständlicherweise nicht zusagte. So wagten die 20er am Fasnetssonntag den Verkauf der Narrenblättle sowie den Narrensprung am Fasnetsmontag, bei dem sie von weiteren mutigen Schömberger Narren begleitet wurden.

1992 fand ein weiteres Landschaftstreffen der Landschaft Neckar-Alb in Schömberg statt.

Mit der Fasnet 1997 begann die systematische Erfassung und Nummerierung aller Schömberger Narrenkleider. Diese werden mit einem Aufnäher, auf dem das Schömberger Wappen, der Schriftzug „Narrenzunft Schömberg“ sowie eine laufende Nummer eingestickt sind, ausgestattet. Aktuell sind 1.773 Häser registriert (→ siehe Figuren der Schömberger Fasnet).

Am 17. Oktober 1998 wurden nach dem Narrenbrunnen die zweiten fastnächtliche Figuren im Städtle errichtet und eingeweiht (→ siehe Narrenskulpturen).

2000er Zur Fasnet 2001 wurde der sog. Maschgera-Tag eingeführt, welcher am Samstag vor dem Schmotziga, dem 17. Februar 2001 erstmals stattgefunden hat. Seither findet der Maschgera-Tag jedes Jahr an diesem letzten Samstag vor der Hauptfasnet statt. Die Narrenzunft Schömberg hat sich dazu verpflichtet, an diesem Wochenende keinerlei Auswärtstermine mehr wahrzunehmen.

Vom 2. bis 3. Februar 2002 feierte die Narrenzunft ihr 80-jähriges Bestehen mit dem Landschaftstreffen Neckar-Alb. Im Rahmen dessen wurde das erste Buch speziell über die Schömberger Fasnet „Fasnet in Schömberg“ von Wulf Wager erstellt und veröffentlicht (→ siehe Literatur).

Über die Fasnet 2005, speziell über den 20er-Jahrgang 1984, wurde eine halbstündige Dokumentation im Rahmen der Sendung „Treffpunkt“ des SWR mit dem Motto „Fasnet Ade“ gedreht und kurz danach ausgestrahlt (→ siehe Medien).

2010er Am 4. und 5. Februar 2012 fanden anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Narrenzunft und dem 200-jährigen Bestehen des Alten Harzers die Schömberger Narrentage statt.

Am Pfingstmontag, 21. Mai 2018 wurde das 30-jährige Bestehen des Narrenmuseums mit einem Festakt gefeiert. Parallel dazu banden die 20er den Allebär ein und trieben ihn, wie jedes Jahr am Pfingstmontag, durch die Gasthäuser und Gassen.

2020er 2021 und 2022 sagte die Narrenzunft Schömberg alle offiziellen Veranstaltungen im Rahmen der Fasnet aufgrund der COVID-19-Pandemie ab.

Vom 28. bis 30. Januar 2022 sollte anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Narrenzunft das Landschaftstreffen Neckar-Alb in Schömberg stattfinden, wurde jedoch coronabedingt abgesagt. Im Rahmen des Jubiläumsjahres fanden verschiedene Veranstaltungen wie eine umfangreiche Ausstellung über die Geschichte der Schömberger Fasnet und ein Vortrag des Fasnetsexperten Prof. Dr. Werner Mezger sowie eine Fahnenweihe als zweitägiges Fest im Sommer statt.

Ablauf der Schömberger Fasnet Vor der Hauptfasnet

Generalversammlung der Narrenzunft Die Fasnet in Schömberg beginnt nicht wie beispielsweise beim Rheinischen Karneval am 11. November, sondern am 5. Januar, dem Tag vor Dreikönig mit der Generalversammlung der Narrenzunft in der Stauseehalle in Schömberg. Neben den üblichen Abläufen einer Hauptversammlung wird hier das erste Mal, beim Einlauf der 20er, die mit einem Fransenkleidle oder Fuchswadel bekleidet sind, der Narrenmarsch von der Stadtkapelle Schömberg gespielt. Die restliche Versammlung unterscheidet sich nur kaum von denen eines Sport- oder Musikvereins. Die Versammlung endet mit dem gemeinsamen Singen des Schömberger Narrenliedes.

Abstauben Am Dreikönigstag dem 6. Januar findet das in schwäbisch-alemannischen Fasnet weit verbreitete Abstauben statt. Die 20er besuchen dabei die wichtigen Narrenhäuser und stauben mit einem sog. „Feadrawisch“ (Staubwedel aus Hahnenfedern) die bereitgelegten Narrenkleidle und Larven symbolisch ab.

Maschgera