miniatur|hochkant|Ho Xuan Huong mini|Hồ Xuân Hương Hồ Xuân Hương (Hán tự: 胡春香; * 1772; † 1822) war eine vietnamesische Dichterin. Sie wurde zum Ende der Späteren Lê-Dynastie geboren, erlebte den Aufstieg und den Fall der Tây Sơn-Dynastie und starb zum Anfang der Nguyễn-Dynastie. Sie schrieb ihre Gedichte in chữ Nôm, wird oft als die größte Dichterin Vietnams bezeichnet. Ihr Lebenslauf weist viele Lücken auf und war seit jeher ein Streitthema der Literatur- und Geschichtswissenschaft. Die Inhalte und Gedanken ihrer Gedichte waren ebenfalls sehr stark umstritten, dementsprechend auch das Urteil. Dennoch war es unbestritten, dass sie in Form und Kunstfertigkeit einen bis dahin unerreichten Gipfel der vietnamesischen Literatur schuf. Der zeitgenössische vietnamesische Dichter Xuân Diệu bezeichnet sie als „Königin der chữ Nôm-Dichtung“ (chinesisch; PDF; 1,3 MB). Die meisten ihrer Gedichte sind mittlerweile verloren gegangen, überliefert sind nur fünfzig davon. Diese wurden in einem Gedichtband zusammengetragen (Chinesisch), der große Verbreitung erfuhr (Chinesisch).

Leben Abstammung Hồs Leben wurde durch zeitgenössische Berichte nur sehr lückenhaft dokumentiert, deswegen gibt es sehr viele Lücken in ihrem Lebenslauf. Viele ihrer Erfahrungen kann man nur aus ihren Werken herleiten. Ihre Familie stammte aus einem Dorf in der Provinz Nghệ An. Zur Zeit ihrer Geburt befand sich die Le-Dynastie bereits im Verfall und das Land war geteilt. Sie wurde im heutigen Hanoi in einer konfuzianischen Familie geboren.Hồ Xuân Hương (Chinesisch) Nach dem Familienstammbuch hieß ihr Vater Hồ Piyan (胡丕演, aus dem Stammbuch: 胡丕訓生從,一名演,生女春香於看春坊). Einige Forscher wiesen jedoch darauf hin, dass nach den zeitgenössischen Berichten über Hồs zweiter Ehemann Trần Phúc Hiến (陳福顯) Hồ im Jahr 1818 zur Konkubine von Trần wurde, zu dieser Zeit war Hồ noch jünger als 50. Nach dem Stammbuch jedoch wurde ihr vermutlicher Vater Hồ Piyan im Jahr 1703 geboren, was bedeuten würde, dass, als sie geboren wurde, ihr Vater bereits über 70 Jahre alt war. Deswegen wurde von diesen Forschern angezweifelt, ob Hồ Piyan tatsächlich ihr Vater war. Der Forscher Hoàng Xuân Hãn (黃春罕) wies jedoch unter Hinzunahme anderer Stammbücher nach, dass sie sehr wahrscheinlich die Tochter von Hồ Piyan und einer seiner Konkubinen war.

Lebenslauf Als Hồ Xuân Hương geboren wurde, zerfiel ihre Familie. Ihr Vater starb bereits, als sie noch jung war, und sie wurde von ihrer verwitweten Mutter aufgezogen und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Jedoch war sie sehr klug und erhielt eine gute Ausbildung. Mit 13 schrieb sie ihr erstes Gedicht. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte sie in ihrem Geburtsort. Sie nannte ihr Haus „Guyuetang“ (古月堂, Halle des Antiken Mondes), wo sie arbeitete, lehrte und Freunde empfing. In ihren jungen Jahren hatte sie umfangreiche Bekanntschaften und war mit vielen Literaten ihrer Zeit befreundet. In dieser Periode schrieb sie auch viele chinesische Gedichte, die in einem Gedichtband (琉香記) zusammengefasst sind. Wegen ihrer umfangreichen Bekanntschaften vermuteten einige Forscher, dass sie zu dieser Zeit eine Kurtisane war.

Über ihr Aussehen gab es keine zeitgenössische Überlieferung. Der französische Autor Maurice Durand zitierte ihr Gedicht Jackfrucht (菠蘿蜜), in dem sie sich mit der äußerlich unattraktiven Jackfrucht verglich, dass ihr Äußeres keiner besonderen Schönheit entsprach. Durand bescheinigte in seinem 1968 veröffentlichten Buch Works of Vietnamese poetess Hồ Xuân Hương auch einen Sexhunger in Hồs Werken. Auf der anderen Seite war Hồ zwei Mal verheiratet und wurde von vielen besungen, von daher müsste sie gewisse Anziehungskraft besessen haben. Hồs Liebesleben und Heirat war von Unglück verfolgt. In ihren jungen Jahren war sie mit einigen berühmten Literaten wie Nguyễn Du liiert, aus unterschiedlichen Gründen konnte sie diese jedoch nicht heiraten. Sie heiratete zwei Mal als Nebenfrau, wurde zwei Mal Witwe. Das erste Mal wurde sie Konkubine des Kreisvorstehers. Sie wurde von der Hauptfrau misshandelt. Nach dem Tod des Kreisvorstehers heiratete sie den Beamten Trần Phúc Hiến, der auch kurz darauf verstarb. In ihrem Gedicht Von einer Nebenfrau (妾婦吟) erzählte sie die Trauer und den Schmerz ihrer Ehe.

Hồs zweiter Ehemann war ein Beamter und Berater des Provinzgouverneurs. Nach der Heirat zog sie mit ihrem Mann zu seinem Amtssitz am Halong-Bucht. Zu dieser Zeit änderte sich ihr Stil. In den sechs überlieferten chinesischen Gedichten beschrieb sie die Landschaft der Halong-Bucht. In der offiziellen Geschichtsaufzeichnung Đại Nam thực lục (大南實錄) wurde berichtet, dass Hồ Xuân Hương während dieser Zeit auch tatkräftig ihren Mann bei dem Regierungsgeschäft unterstützte und deswegen von anderen Beamten gehasst wurde.Đại Nam thực lục: 其小妾春香能文、政事,時稱才女,參協常使干預外事,守容素忌之。 1818 wurde Trần Phúc Hiến wegen Unterschlagung und Bestechlichkeit verurteiltĐại Nam thực lục: 安廣參協陳福顯私收民錢,贓至七百緡,事發。帝曰:『貪黑不誅,何以勸廉?』命城臣治其罪,顯坐死。 (Trần Phúc Hiến hatte Geld vom Volk verlangt, bis zu 700 Geldmünzen. Die Sache wurde bekannt. Der Kaiser sagte: „Wenn Bestechung nicht zum Tode verurteilt wird, wie können wir Korruption bekämpfen?“ Dem Stadtminister wurde befohlen, Trần zu verurteilen. Er wurde hingerichtet.). Er wurde ins Gefängnis geworfen und im nächsten Jahr (1819) hingerichtet.

Nach Trầns Tod kehrte Hồ nach Hanoi zurück und nahm ein kleines Haus neben dem Westsee. Gelegentlich wurde sie von Freunden besucht, unter anderen auch von einem früheren Geliebten, von dem sie ein Vorwort für ihr Gedichtband erbat. Sie lebte von Lehrtätigkeiten. Aus den Gedichten dieser Zeit war auch zu ersehen, dass sie Vietnam sowohl im Norden wie auch im Süden bereist hatte. Le Yu (黎瑜) schrieb in seinem Artikel Frauen (女流), dass Hồ wenige Jahre nach Trần starb, aber dieser Vermutung fehlte es an Beweisen. Der Dichter Miên Thẩm erwähnte in seinem Gedicht von 1842, dass Hồ Xuân Hương bereits tot sei. Dies ist die späteste bekannte Jahreszahl, zu der Hồ starb.

Literarischer Stil Frauenbewusstsein Als eine in einer konfuzianischen Umgebung lebende Frau zeigte Hồs Werke bemerkenswerte Frauenbewusstsein und Rebellengeist. Die Stellung der Frauen war damals in Vietnam zu einem erneuten Tiefpunkt gesunken. Durch patriarchalische Regeln wie „Drei Folgen und Vier Tugenden“ (三從四德, Drei Folgen sind: Vor dem Heirat folgt den Vater, nach dem Heirat folgt den Mann, nach der Verwitwung folgt den Sohn. Vier Tugenden sind Frauentugend, Sprachtugend, Aussehentugend und Hausarbeittugend) und Chilgeojiak (七出) wurde die Freiheit der Frauen dramatisch eingeschränkt. Hồ hinterfragte diese Gesellschaftsordnung, in der Männer die absolute Macht besaßen. Hồs Frauenbild war nicht nur das eines Rebellen, sondern beinhaltet auch konstruktive Selbstpositionierung. In ihren Werken besang sie weniger die traditionelle Frauentugend wie Sanftheit, Gehorsamkeit oder Haushalt, sondern viel mehr ein hohes Lebensziel und Talente, also Tugenden, die traditionell als männlich gelten. Für Hồ bestand der Sinn eines Frauenlebens in den folgenden Seiten: ein hohes Ziel als Wert des Lebens und die Achtung vor dem Leben als Inhalt des Lebens. In ihren Gedichten klagte sie die Männerdominanz an und schockierte damit die damalige vietnamesische Gesellschaft.

Weibliche Tugenden Hồs Tugendbild weicht radikal von der damaligen „Frauen ohne Talent ist tugendhaft“ oder „sanft und gehorsam“ ab. In ihren Werken sprach eine selbstbewusste Frau, die für sich selbst hohe Ziele gesteckt hatte. In dem Gedicht An Graf Trần (和陳侯) berichtete sie wortgewaltig ihre eigenen Ambitionen, zeigte ihre eigenen Erwartungen und Anforderungen. Sie war ihr eigenes Talent voll bewusst und fühlte sich wegen des Frauseins nicht minderwertig. Im Herzensworte (抒懷) wurde sie in der Sprache noch deutlicher. Allerdings musste sie als Frau in der damaligen Gesellschaft trotz ihrer Ambition viele Rückschläge erleiden, viele ihre Wünsche konnten nicht erfüllt werden. Viele ihrer Gedichte drückten ihren Kampf gegen die traditionelle Geschlechterrolle aus, verdeutlichten die weibliche Sicht über das Leben und die Welt. Sie waren voller Bewunderung über das weibliche Geschlecht und pries Tugenden, die von den traditionellen weiblichen Tugenden abweichen. Sie zeichneten den Wert des weiblichen Lebens nach und gaben dem Leben einen neuen Sinn. Sie wurde als „der erste Mensch in der vietnamesischen Geschichte, der für Feminismus kämpfte“ bezeichnet余富兆 (Yu Futao), 《越南古代女性文學》(Antike vietnamesische weibliche Literatur), 《东南亚纵横》, Feb. 1999, Seite 18–24.

miniatur|links|Mit Sumpfdeckelschnecken verglich Hồ die Stellung der Frauen in der Gesellschaft und drückte zugleich ihre Verachtung gegen die männlichen Dominanz Weibliche Psyche Hồ analysierte und reflektierte nicht nur die Stellung der Frauen in der Gesellschaft, sie beschrieb auch die weibliche Psyche, besonders die Sehnsucht nach einer romantischen Liebe. In Herzensworte wob Hồ die Beschreibung der Landschaft mit den Gedanken der Protagonistin zusammen und erzählte die Trauer der Trennung und den Wunsch nach der Liebe. In Betelpalme (請檳榔) drückte sie direkt den Wunsch aus, vom Partner mit wahrhafter Liebe begegnet zu werden. In Jackfrucht und Sumpfdeckelschnecken (餡螺) dagegen benutzte sie Vergleiche, um die weibliche Sehnsucht nach Achtung und Respekt des Geliebten und Ablehnung gegen männliche Missachtung und Unehrlichkeit darzustellen. Ihr Gedichtband verdeutlicht die weibliche Wahrnehmung, während sie mit Geliebten über Gedichte Dialoge führte, äußerte sie ihren Wunsch nach einer ehrlichen Liebe. In Gedanken an dem Tag, an dem wir schwören (誓曰有感) sagte sie, dass sie eine langanhaltende Liebe wünschte. In ihren Gedichten an ihren Geliebten drückte sie ihre Selbstachtung, ihr Selbstvertrauen, die vorsichtige Wahl eines Partners sowie falls sie ihre Wahl getroffen hatte, den Entschluss, ihr ganzes Herz in die Beziehung zu investieren, aus.

In einer chauvinistischen Gesellschaft blieb der Wunsch der Frau nach einer vollkommenen Liebe oft unerfüllt. Nach der romantischen Phase kamen allzu oft Enttäuschung und Schmerz. Hồs Gedichte beschreibt sowohl die Sehnsucht, aber auch die Furcht vor Enttäuschungen. Zum Beispiel im Lied über die Orchidee im Frühling im Hof (春庭蘭調) beschrieb die Sehnsucht der Dichterin nach dem Geliebten, und zugleich die Sorge um die Liebe. In Seufze (自嘆) benutzte sie eine sehr verdeckte Sprache, um den Schmerz einer unglücklichen Liebe zu betrauern. In ihrem Abschiedsgedicht an ihren zweiten Ehemann Trần ermahnte sie ihn, dass er sie wie Blumen pflegen sollte. In Von einer Nebenfrau beklagte sie die patriarchalische Gesellschaft und das Polygynie-System, das den Frauen viele Schmerzen brachte.

Hồ benutzte oft Vergleiche, um die weibliche Psyche zu verdeutlichen, zum Beispiel benutzte sie Entengrütze, um ihr eigenes Schicksal zu beschreiben. Gedichte wie Süße Klöße (湯圓), Jackfrucht, Sumpfdeckelschnecken oder Fächer (詠扇) beschreiben oberflächlich gesehen nur Gegenstände, jedoch werden sie nur benutzt, um den weiblichen Körper und Leben zu beschreiben. Das Frauenbild in diesen Gedichten weicht von den traditionellen weiblichen Tugenden stark ab und beschreibt die innere Schönheit einer Frau. So zum Beispiel bei Süße Klöße wird die innere Treue der Frau trotz Widrigkeiten und Dominiertwerden besungen. Jackfrucht und Sumpfdeckelschnecken drücken auch den Kampf gegen männliche Missachtung und das Festhalten an eigenem Leben aus.

Weiblicher Körper und Sexualleben