mini|Die Quadriga (hier das 2008 an Wikipedia verliehene Exemplar mit entsprechender Gravur im Sockel) „Die Quadriga“ war ein von 2003 bis 2010 jährlich in Berlin von der inzwischen insolventen „Netzwerk Quadriga gGmbH“ auf Initiative des Vereins „Werkstatt Deutschland e. V.“ verliehener Preis.Amtsgericht Charlottenburg, HRB 123138 Ausgezeichnet wurden Persönlichkeiten oder Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die durch ihr Engagement ein Zeichen für Aufbruch, Erneuerung und Pioniergeist gesetzt haben sollen. Bis 2007 war der Preis mit 100.000 Euro dotiert, die auf vier Teilpreise aufgeteilt wurden. Nach dem Rückzug des Sponsors Vattenfall im Jahr 2008 war er undotiert.taz.de: Die Quadriga-Blase, 18. Juli 2011
2011 rief die Absicht, den Preis an Wladimir Putin zu vergeben, massive Proteste hervor. Daraufhin wurde die Preisvergabe zunächst ausgesetzt; dann wurde der Preis nie wieder vergeben. Der Verein wurde am 14. März 2017 aus dem Register gelöscht.Amtsgericht Berlin-Charlottenburg VR 14373, Eintrag vom 14. März 2017. Gegen die Netzwerk Quadriga gGmbH wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, und am 18. April 2018 wurde die Gesellschaft aufgelöst.Handelsregisterauszug HRB 123138 B vom 18. April 2018: „Netzwerk Quadriga gGmbH, Berlin, Unter den Linden 80/3c, 10117 Berlin. Rechtsverhaeltnis: Die Gesellschaft ist auf Grund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gemäß § 60 Abs. 1 Nr. 4 GmbHG aufgelöst.“
Dem Vorstand von Werkstatt Deutschland e. V. bzw. der Netzwerks Quadriga gGmbH gehörten unter anderem der Politiker Lothar de Maizière, der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes, Franz-Reinhard Habbel, und die Publizistin Marie-Luise Weinberger an; erster Vorsitzender war der 2009 verstorbene Politiker Klaus Riebschläger.Claudia von Salzen: Kritik an Putin-Auszeichnung. Gibt Wikipedia Quadriga-Preis zurück? In: Der Tagesspiegel vom 11. Juli 2011; abgerufen am 12. Juli 2011.
Verleihung Der Preis bestand aus einer Miniaturnachbildung der Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin.Deutscher Einheitspreis für Putin stark umstritten Die Verleihung fand jährlich am Tag der Deutschen Einheit in Berlin statt: in den ersten beiden Jahren im Konzerthaus Berlin (Schauspielhaus) und von 2005 bis 2008 in der Komischen Oper. 2009 wurde die Quadriga im Weltsaal des Auswärtigen Amts verliehen und 2010 erneut im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt.
Aussetzung der Preisvergabe 2011 Für 2011 war geplant, einen Preis an Wladimir Putin zu vergeben, was zu Kritik in der Öffentlichkeit führte.spiegel.de 11. Juli: Preis für Putin irritiert Politiker und Menschenrechtlerfaz.net: Prinzipienlos (Kommentar von Kerstin Holm) Kritisiert wurde die Entscheidung unter anderem von dem früheren SED-Gegner und Bürgerrechtler Roland Jahn sowie von Markus Löning, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir trat mit der Begründung, er halte Putin für den „falschen Preisträger“, aus dem Preiskomitee aus.Özdemir tritt aus Komitee aus: Wirbel um Quadriga-Auszeichnung für Putin bei rp-online.de, 13. Juli 2011 (abgerufen am 13. Juli 2011). Auch der Historiker Edgar Wolfrum sowie die Gründerin der Berliner Bela-Stiftung, Barbara-Maria Monheim, traten aus Protest zurück. in: tagesschau.de vom 16. Juli 2011; Václav Havel drohte mit der Rückgabe des Preises und Ólafur Elíasson gab aus Protest seine Auszeichnung von 2010 am 15. Juli 2011 zurück. Ruprecht Polenz (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, kritisierte, Putin habe Russland nur wirtschaftlich entwickelt, nicht aber die Rechtsstaatlichkeit und die Verwirklichung der Menschenrechte in Russland vorangebracht.zeit.de: Özdemir verlässt Quadriga-Kuratorium Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion Erika Steinbach sagte, „der Wert des Preises könne nur gerettet werden, wenn die Entscheidung revidiert werde“.faz.net, 12. Juli 2011: Querelen um „Quadriga“: Putin soll trotz Kritik Preis erhalten
Als Konsequenz aus der Kritik entschloss sich das Kuratorium Mitte Juli 2011, die Preisvergabe für 2011 komplett abzusagen.welt.de: Kritik an Putin-Ehrung: Quadriga-Kuratorium setzt Preisverleihung aus Nominiert waren neben Putin eigentlich: die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa, die türkischstämmige Autorin und Lehrerin Betül Durmaz und der palästinensische Premierminister Salam Fayyad.spiegel.de 16. Juli 2011: Kreml redet Preis-Blamage klein
Preisträger 2003
Armin Mueller-Stahl, deutscher Schauspieler, in der Kategorie Charisma des Weltbürgers Norman Foster, britischer Architekt, in der Kategorie Symbol der Republik Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premierminister, und Einars Repše, lettischer Premierminister, in der Kategorie Motoren des Zusammenwachsens Amal Rifai, Odelia Ainbinder und Sylke Tempel, Autorinnen von Wir wollen beide hier leben: Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem, in der Kategorie Projekt der Versöhnung
2004
Recep Tayyip Erdoğan, türkischer Premierminister, in der Kategorie Brücken des Respekts Éric-Emmanuel Schmitt, französischer Schriftsteller, in der Kategorie Weisheit des Lächelns Thomas Quasthoff, deutscher Bassbariton, in der Kategorie Aura der Meisterschaft Šimon Pánek, tschechischer Bürgerrechtler, in der Kategorie Caritas der Civil Society Hamid Karzai, Präsident des Islamischen Staates Afghanistan, in der Kategorie United we Care
2005
Helmut Kohl, deutscher Altbundeskanzler, in der Kategorie Kairos der Geschichte Timothy Berners-Lee, britischer Wissenschaftler, Schöpfer des World Wide Web, in der Kategorie Netzwerk des Wissens Catherine McCartney, Claire McCartney, Donna McCartney, Gemma McMahon, Paula Arnold und Bridgeen, Hagans, Angehörige des von der IRA ermordeten Robert McCartney, die in Nordirland die Bestrafung der Täter fordern, in der Kategorie Macht der Zivilcourage S.H. der Aga Khan, Oberhaupt der Ismailiten, in der Kategorie United we Care
2006 Schimon Peres, israelischer Vize-Premier, in der Kategorie Standpunkt der Verständigung Riccardo Illy, italienischer Politiker, in der Kategorie Glaubwürdigkeit des Europäischen Florian Henckel von Donnersmarck, Ulrich Mühe und Sebastian Koch, deutsche Filmkünstler (für den Film Das Leben der Anderen), in der Kategorie Dialektik des Ambivalenten Wiktor Juschtschenko, ukrainischer Präsident, in der Kategorie United we Care
2007 mini|Preisträger und Laudatoren 2007 Gerhard Schröder, deutscher Altbundeskanzler, in der Kategorie Wagnis der Zäsur Aicha El-Wafi und Phyllis Rodriguez, Mütter eines Täters und eines Opfers der Terroranschläge am 11. September 2001, die sich für Versöhnung einsetzen, in der Kategorie Vorbild der Versöhnung Der Spiegel, vertreten durch Stefan Aust, Chefredakteur, in der Kategorie Institution der Republik Silvia, Königin von Schweden, in der Kategorie United we Care
2008Wikipedia erhält Preis für Verdienste um die Aufklärung, Spiegel Online, 20. August 2008 mini|Preisträger und Laudatoren 2008 Boris Tadić, serbischer Präsident, in der Kategorie Mut der Beharrlichkeit Eckart Höfling, Franziskanerpater und Leiter des Sozialwerkes Venerável Ordem Terceira de São Franciso de Peniténcia in Rio de Janeiro, in der Kategorie Heimat der Nächstenliebe Wikipedia, vertreten durch Jimmy Wales, in der Kategorie Mission der Aufklärung Peter Gabriel, englischer Musiker und Menschenrechtsaktivist, in der Kategorie United we Care
2009 José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, in der Kategorie United for the better Change for Equality, iranische Frauenrechtsorganisation, vertreten durch Rezvan Moghaddam und Farbia Davoodi, in der Kategorie Netz der Zivilcourage Marius Müller-Westernhagen, Künstler, in der Kategorie Klang der Freiheit Bärbel Bohley, Bürgerrechtlerin und Initiatorin Neues Forum, und Václav Havel, Schriftsteller und ehemaliger Staatspräsident der Tschechischen Republik, in der Kategorie Macht des aufrechten Ganges Michail Gorbatschow, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Staatspräsident der UdSSR, in der Kategorie Dynamik der Hoffnung
2010Peter Ramsauer Karl-Theodor zu Guttenberg, George Papandreou, Olafur Eliasson, Sigmar Gabriel – The Associated PressOctober 3, 2010 mini|Preisverleihung 2010 im Schauspielhaus in Berlin Olafur Eliasson, Künstler in Berlin, in der Kategorie Kunst der Interaktion (Eliasson gab am 15. Juli 2011 aus Protest über die geplante Preisverleihung 2011 an Wladimir Putin seinen Preis zurück.)Olafur Eliasson gibt Quadriga-Preis zurück. faz.net vom 15. Juli 2011 Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister, für die Neustrukturierung der Finanzpolitik und die Abwendung eines Staatsbankrotts, in der Kategorie Kraft der Wahrhaftigkeit Die Bundeswehr, vertreten durch Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister der Verteidigung, und Generalleutnant Günter Weiler, Stellvertreter des Generalinspekteurs, in der Kategorie Dienst der Verantwortung Albrecht und Kristina Hennig, Gründer des Sagarmatha Choudhary Eye Hospital, Lahan (Nepal), in der Kategorie Licht der Empathie Lothar de Maizière, Rechtsanwalt, und Wolfgang Schäuble (vertreten durch Frau Ingeborg und Tochter Juliane), Bundesminister der Finanzen, in der Kategorie Architektur der Einheit.
Laudatoren 2003 Peter Ustinov Friedrich-Christian Flick Kjell Magne Bondevik Sayed Kashua Avi Primor 2004 Gerhard Schröder Obiora Ike Mario Adorf Armin Rohde Lech Wałęsa Michael Rogowski 2005 Michail Gorbatschow Klaus Kleinfeld Maria Furtwängler Hamid Karzai Benjamin William Mkapa 2006 Wolfgang Schäuble Lilli Gruber Nico Hofmann Karim Aga Khan IV. 2007 Wiktor Juschtschenko Bernard Kouchner, José Ramos-Horta Kurt Beck Joschka Fischer 2008 Heinz Fischer Frank-Walter Steinmeier David Weinberger Jean Asselborn 2009 Donald Tusk Jaleh Lackner-Gohari Astrid Kirchherr Jens Reich György Konrád 2010 Daniel Birnbaum Josef Ackermann Sigmar Gabriel Iris Berben Richard Schröder
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Auszeichnung (Berlin) Kategorie:Auszeichnung (Politik, Deutschland) Kategorie:Ehemalige Auszeichnung Kategorie:Erstverleihung 2003