Das 1. Großherzoglich Mecklenburgische Dragoner-Regiment Nr. 17 war ein Kavallerieverband des mecklenburgischen Militärs innerhalb der preußischen Armee.
Geschichte und Aufstellung Vorgeschichte Bereits vor 1700 bestand eine Leibgarde zu Pferde, die allerdings im Jahr 1702 abgedankt wurde. Nebenher begann man 1701 mit der Aufstellung von sechs Kompanien Dragonern. Aus diesen Kompanien bildete sich dann im Herbst 1702 ein Regiment zu Pferde. Das Regiment wurde von Oberstleutnant Helmuth Joachim von Meerheimb befehligt und zählte am 1. September 1702 einen Mannschaftsbestand von 373 Dragonern.Klaus-Ulrich Keubke, Ralf Mumm: Mecklenburgische Militärgeschichte 1701–1918, Schriftenreihe zur Geschichte Mecklenburgs. (Hrsg.) APH, Schwerin 2000, S. 11. Dieses Regiment ist als Stammeinheit der Kavallerie im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin in neuerer Zeit anzusehen.
Die Mecklenburger Kavallerie sollte erst 1715 eine weitere Vermehrung erfahren. In diesem Jahr wurden das Dragoner-Regiment „von Vietinghoff“ und das Dragoner-Regiment „von Liliestreng“ errichtet, die aber jeweils nur zur Hälfte beritten waren. Letzteres Regiment sollte sich bald darauf im „Treffen von Walsmühlen“ am 5. und 6. März 1719Klaus-Ulrich Keubke: Das Gefecht bei Walsmühlen: Curd Christoph v. Schwerin tritt ins Rampenlicht. Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverlags- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1995, Nr. 3, S. 4. bewähren. Nachfolgend wurde die Mecklenburger Kavallerie nach Russland entsandt, eine Entscheidung, die sich als tragisch erweisen sollte. Lediglich in Dömitz verblieben einige Reiter unter dem Kommando von Major von Wenckstein.Klaus-Ulrich Keubke: Ein Vierteljahrhundert in der Ukraine: mehrere Tausend zogen los – 88 kehrten zurück. Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverlags- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1992, Nr. 4, S. 4. Im Gebiet der Ukraine verweilten die mecklenburgischen Truppen bis 1746. Der Mannschaftsbestand reduzierte sich während des langjährigen Einsatzes erheblich.Klaus-Ulrich Keubke, Ralf Mumm: Mecklenburgische Militärgeschichte 1701–1918. Schriftenreihe zur Geschichte Mecklenburgs (Hrsg.) APH, Schwerin 2000, S. 14 f. Nur wenige Soldaten kehrten zurück, von der Kavallerie kehrte niemand zurück nach Mecklenburg. Erst mit der Errichtung der Leibgarde zu Pferde im Jahr 1760 trat wieder eine berittene Truppe in Erscheinung. Diese war in vier Halb-Eskadrons gegliedert und wurde von Oberst Otto von Barsse befehligt. Eine Schwadron Husaren mit 113 Reitern wurde in selbiger Zeit aufgestellt, welche anfangs unter dem Befehl von Major Thomas von Baader stand. In den Befreiungskriegen wurden schließlich Graf von der Osten-Sacken und der Rittmeister von Müller – ehemalige Angehörige der preußischen Usedom-Husaren – mit der Gründung eines berittenen Korps beauftragt.
Geschichte und Aufstellung mini|hochkant|Chevaulegersregiment im Jahr 1835 Am 1. August 1819 befahl Großherzog Friedrich Franz I. die Errichtung eines Chevaulegersregiments. Die nachfolgend aufgestellte Stamm-Eskadron trat jedoch erst am 1. Juni 1821 in Grabow zusammen.R. von Haber: Cavallerie des Deutschen Reiches. Derselben Entstehung, Entwicklung und Geschichte. Hellwing Verlagsbuchhandlung, Hannover 1877, 134 f. Diese Stamm-Eskadron hatte anfangs eine Stärke von 6 Offizieren, 15 Unteroffizieren, 1 Arzt, 8 Trompetern, 1 Sattler, 1 Hufschmied und 98 Dragonern.Paul von Seeler: Geschichte des 1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 2. Rekrutierungen der Mannschaften wurden auf Grundlage der Rekrutierungs-Ordnung von 1821 vorgenommen. Die Formierung des Regiments wurde dem ehemaligen österreichischen Kürassier Oberst von Pentz übertragen.Paul von Seeler: Geschichte des 1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 1. Nach seinem Übertritt in den mecklenburgischen Militärdienst wurde er zum Generalmajor befördert und nachfolgend zum Chef des Regiments ernannt. Ebenfalls aus österreichischen Diensten, traten Rittmeister von Scheerer und Leutnant von der Lühe in den mecklenburgischen Dienst über. Aus dem hannoverischen und österreichischen Militär entstammten auch die ersten Wachtmeister des Regiments, welche der Regimentschef persönlich engagierte.
Die Ausbildung der Eskadron erfolgte zunächst zu Fuß, erst im Herbst 1821 wurden 121 Pferde an das Regiment übergeben.Paul von Seeler: Geschichte des 1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 5 f. Der erfahrene hannoverische Regimentsbereiter Sengebusch übernahm nachfolgend die Reit-Ausbildung der Stamm-Eskadron.
Im Jahr 1831 wurde das Regiment um eine 2. Eskadron erweitert.
Am 5. März 1837 erhielt das Chevaulegers-Regiment auf Weisung des Großherzoges die Bezeichnung Dragoner-Regiment.
Im Mai des Jahres 1838 wurde das Regiment nunmehr der Mecklenburgischen Brigade unterstellt, welche unter Befehl des Generalleutnants von Both stand.
1843 formierten sich die 3. und 4. Eskadron. Eine 5. Eskadron wurde zum 1. Juni 1867 aus Abgaben der vier bestehenden Eskadronen aufgestellt.
Nachdem Mecklenburg im Jahre 1867 dem Norddeutschen Bund beigetreten war, womit seine Armee künftig unter dem Oberbefehl des Königs von Preußen stand, und ein zweites Dragonerregiment aufgestellt hatte, erhielt das Regiment am 1. Oktober 1867 die Bezeichnung „1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17“.Paul von Seeler: Geschichte des 1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 61. Das neu errichtete Dragoner-Regiment Nr. 18 war zuvor aus Mannschafts- und Offiziersabgaben des Dragoner-Regiments Nr. 17 gebildet worden. 1872 wurde diese Bezeichnung kurzzeitig abgeändert, so wurde auf Grundlage der Weisung des Großherzoges vom 22. Oktober eine Umbenennung in „Großherzoglich 1. Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17“ veranlasst. Wenig später gelangte man aber zu der Entscheidung, dass die in der Verfügung des Generalkommandos vom 30. November 1867 gewählte Bezeichnung ihre Gültigkeit behalten sollte.
Auf Grundlage der 1872 geschlossenen Militärkonvention traten die mecklenburgischen Truppenverbände zum 1. Januar 1873 vollständig in den Etat der preußischen Armee. Besoldung und Versorgung der Soldaten gingen in die Verantwortung der preußischen Armee über, wie auch sämtliche Ausrüstung der Truppenverbände. Die Großherzöge gaben folgend ihre Befehlsgewalt ab. Eigentumsrechte an den Militärbauten und Liegenschaften blieben jedoch von der Konvention unberührt. Das Regiment war nunmehr in die preußische Armee eingegliedert worden. In Artikel 9 der Konvention wurde den mecklenburgischen Regimentern auch weiterhin der Namenszusatz „Großherzoglich Mecklenburgisch“ zugestanden.Paul von Schmidt: Der Werdegang des Preußischen Heeres. Verlag von Karl Hermann Düms, Berlin 1903, S. 301.Kurt von Unger: Geschichte des 2. Großherzoglich Mecklenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 18. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1892, S. 218.
Garnison 1819 bis 1838 – Garnison Grabow 1837 bis 1918 – Garnison Ludwigslust Das Regiment leichter Dragoner bzw. die Stamm-Eskadron war in den Anfangsjahren in Grabow garnisoniert, ab 1831 ebenso die 2. Eskadron. Die Mannschaften der Stamm-Eskadron waren zunächst in Bürgerhäusern einquartiert. Für die Überbringung der Pferde wurde ein Stall und das Reithaus im Norden von Grabow erbaut. Als Exerzierplatz nutzte man ein Gelände auf der Techentiner Feldmark.
Nach der Regierungsübernahme durch Großherzog Paul Friedrich vollzogen sich innerhalb des mecklenburgischen Militärs einige Umstrukturierungen. So wurde die Stamm-Eskadron 1837 nach Ludwigslust verlegt, während die zweite Eskadron erst am 13. Juli 1838 die Verlegung vollzog. Nach ihrer Verlegung bezogen die Dragoner die ehemaligen Quartiere des Grenadier-Garde-Bataillons. Die privilegierten Stabsoffiziere erhielten jeweils ein Haus aus Großherzoglichen Besitz zur Nutzung. Auch an die Unterbringung der niederen Offiziersränge wurde gedacht, sie erhielten Dienstwohnungen in den Kasernen. Die Wachtmeister und unverheirateten Unteroffiziere bezogen hingegen ein kleines Haus in der Nähe des Marstalles.
Für die Unterbringung der Pferde wurde anfangs der ehemalige Großherzogliche Marstall genutzt. Es folgten in der nächsten Zeit kleinere Umbaumaßnahmen.Wolfgang Neumann: Mecklenburger Militärbauten: Logis für des Herzogs Soldaten, Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverl- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1992, Nr. 21, S. 4.
Die 1867 aufgestellte 5. Eskadron sollte auf Wunsch des Großherzoges in Grabow garnisonieren. Wegen auftretender Probleme kam Grabow dann aber doch nicht in Frage. Daher wurde Neustadt in Betracht gezogen, dort stellte sich allerdings das Problem der Pferdeunterbringung.Paul von Seeler: Geschichte des 1. Großherzoglich Mecklenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 17. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 59. So wurde entschieden, dass auch die 5. Eskadron in Ludwigslust ihr Quartier bezieht.
Im Jahr 1873Sammlung sämtlicher Drucksachen des Deutschen Reichstages, I. Legislatur-Periode. IV. Session 1873. Band I, von Nr. 1. bis 51., Übersicht derjenigen im Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin vorhandenen Grundstücke, welche zu militärischen Zwecken benutzt und für Rechnung des Reichs-Militair-Fiskus unterhalten werden, Druck Julius Sittenfeld, Berlin 1873. nutzten die Dragoner die Kaserne Nr. I. in der Louisenstraße, die Kaserne Nr. II.Hierbei handelte es sich um das umgebaute Armen- und Ortskrankenhaus, nach Entwürfen des Architekten Johann Georg Barca errichtet. an der Ortsmauer und die Kaserne Nr. III. an der Kanalstraße.
Das Exerzierhaus war ein weiterer wichtiger Bestandteil des Ensembles der Ludwigsluster Regimentsgebäude. Im Exerzierhaus wurde die militärische Ausbildung der Dragoner auch bei schlechten Wetterbedingungen ermöglicht.
Der wichtigste Gefährte eines Dragoners war sein ihm anvertrautes Pferd. Zur Unterbringung der Pferde waren innerhalb des Kasernements mehrere Stallungen errichtet worden. Die beiden zugehörigen Reithäuser gewährleisteten die Ausbildung der Pferde bei jeglicher Witterung.
Zum Zwecke der Schießausbildung unterhielt das Regiment in den Laascher Tannen zwei Schießhäuser. Ein zugehöriges Pulver-Magazin hatte seinen Standort am Ludwigsluster Koppelweg.
Das 1. Großherzoglich Mecklenburgische Dragoner-Regiment Nr. 17 blieb bis zu seiner Auflösung 1919 in Ludwigslust garnisoniert. In den Folgejahren wurde das Kasernement von der Reichswehr und der Wehrmacht genutzt. Nach 1945 übernahmen die sowjetischen Besatzungstruppen die militärische Infrastruktur.
Belegungsübersicht 1837–1914 mini|Kaserne II. in Ludwigslust: 2. und 5. Eskadron. Kaserne I. (Prinzenstall) Zeitraum Einheit1837 bis 18751. Eskadron1875 bis 19144. Eskadron Kaserne II. (Marstallkaserne) Zeitraum Einheit1845 bis 19142. und 5. Eskadron Kaserne III. (Kanalkaserne) Zeitraum Einheit1867 bis 18753. und 4. Eskadron1875 bis 19141. und 3. Eskadron
Die Hauptwache Aus der Zeit der Bürgerquartiere stammt die Hauptwache, welche 1853 nach Plänen des Militärbaumeisters Ludwig Wachenhusen gestaltet wurde. Das Gebäude diente den Dragonern als Wach- und Arrestgebäude. Während im Erdgeschoss die Dragoner ihre Quartiere hatten, waren im Obergeschoss die Arrestzellen eingerichtet. Das den Dragonern als Hauptwache dienende Gebäude war gleichzeitig das Quartier der Schloßwache. Ihre Posten standen an den Hauptportalen des Schlosses, wo sie bei Ankunft und Abfahrt der Herrschaften präsentieren mussten. Die täglich um 13 Uhr stattfinde Wachablösung war ein besonderes Ereignis, von dem noch heute die Steine der Gewehrhalterungen am Haupteingang zeugen.
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