mini|150px|Stadtwappen Die Uhrenstadt Ruhla wurde erstmals um das Jahr 1355 in einem Erbbuch der Grafschaft Henneberg erwähnt und feierte 2005 das 650-jährige Jubiläum.
Frühgeschichte Erste Begehungen des Stadtgebietes kann es bereits zur Jungsteinzeit oder Bronzezeit gegeben haben, darauf lassen vereinzelte Bodenfunde schließen. Im Waldgebiet des Kissel und der Alten Warth bei Gumpelstadt befanden sich eine kleine Gruppe bronzezeitlicher Hügelgräber als Zeuge der frühen Besiedlung des Ruhlaer Gebietes. Unter dem Einfluss der nordalpinen Hallstattkultur der älteren vorrömischen Eisenzeit bestand im Werratal die Unterfränkische Gruppe mit einem Zentrum um die Gleichberge, wovon wiederum Grabhügel zwischen Hildburghausen und Meiningen zeugen. Zur benachbarten Thüringer Gruppe zählt ein dokumentierter Grabfund bei Ruhla.Karl Peschel Ur- und Frühgeschichte In: Thüringer Wald und Randgebiete Berlin 1977. ISBN 3-350-00263-3, S. 52. Dicht bei der Mündung der Emse in die Hörsel bei Sättelstädt wurde in den Jahren 2004 bis 2005 eine ausgedehnte frühgeschichtliche Siedlung mit gleichzeitig dort lebenden germanischen und keltischen Bewohnern untersucht.In: Ortschronik Sättelstädt Bd. 2005.
Mittelalter mini|links|Typische Bergbaulandschaft (nach Agricola) Während der Herrschaft der Merowinger entstanden weitere Siedlungsplätze am Rand des Thüringer Waldes, hierzu wird auch der Nachbarort Etterwinden gerechnet.Volker Schimpf. Die Heden-Orte in Thüringen. S. 30, Anmerkung 43. Online: http://cma.gbv.de/dr,cma,011,2008,a,02.pdf Demnach entstand der Ort Etterwinden wohl schon im 8. Jahrhundert, der Ortsname bedeutet: „umzäunte Waldwiese/Weide“.Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem. Berlin/New York; S. 277 f. Die topographischen Verhältnisse waren im Ruhlaer Tal für die Landwirtschaft eher ungünstig. Spätestens im 10. Jahrhundert drangen Wanderschmiede in die heutige Ruhlaer Gegend vor, um saisonal das vorhandene Eisenerz abzubauen. Die Waldschmiede verwendeten den Rennofen zur Gewinnung von Eisen und nutzten die in der Natur reichlich vorhandenen Rohstoffe Eisenerz und Holz (in Form von Holzkohle).Lotar Köllner: Rund um Ruhla. Erfurt 1993, ISBN 3-7301-0968-5, S. 9 ff. Die ersten Siedler wurden etwa drei Jahrhunderte später entlang des Gebirgskammes Rennsteig sesshaft, es waren Köhler und Waldarbeiter, welche die dauerhaften Siedlungen Glasbach und Alte Ruhl in der Nähe des Rennsteig anlegten. Die Landesherren förderten die Fertigung von Werkzeugen und Waffen. Der starke Holzverbrauch durch Bergbau und Köhlerei drängte den Wald zurück, die Flächen wurden von zuwandernden Bauern und Hirten für die Weidewirtschaft hergerichtet. Auch im Talgrund entstanden später entlang der wasserreichen Rolla zahlreiche Schmelzhütten, Hammerwerke und Schleifmühlen, zugleich entwickelten sich in der heutigen Ortslage Ruhlas ein erstes Straßennetz und die Siedlung.
Mit dem Landesausbau, von den Thüringer Landgrafen gefördert, entstanden zeitgleich auch nördlich von Ruhla zahlreichen Kleinsiedlungen und Höfe: Rehhof, Aschhof, Burbach, Deubach, Mosbach, Seebach, Schmerbach, Fischbach, Thal, Kittelsthal und die heutigen Wüstungen Hucheroda, Atterode, Berzigeroda. Dem Schutz der 26 Siedlungsstellen, Bergwerke und Straßen im Ruhlaer Gebiet dienten die Burgen Scharfenburg, Wittgenstein, die Wasserburg Farnroda, Wasserburg Winterstein sowie die Anlagen Alter Ringelstein und Neuer Ringelstein. Als besonderes Merkmal der Verbundenheit mit den südwestlichen Nachbargemeinden rechnen Historiker den fortdauernden Gebrauch der Stabgerechtigkeit – eine lokale Besonderheit der mittelalterlichen Rechtsgeschichte in Westthüringen.
Der sagenhafte Schmied von Ruhla mini|Der Ruhlaer Schmied (Skulptur am Pummpälzweg) Aus dieser Zeit stammt auch die weit über die Stadtgrenzen bekannte Sage vom Schmied von Ruhla: Landgraf Ludwig II. von Thüringen, der als schwach und milde gegenüber seinem Landadel bekannt war und nicht wusste, wie sehr die Landesfürsten die Bürger und Bauern knechteten, soll sich auf einem seiner Jagdritte im Ruhlaer Forst verirrt haben. Als er nach langer Suche endlich das Feuer eines Ruhlaer Waldschmiedes sah, habe er ihn aufgesucht und um Herberge gebeten. Auf die Frage des Schmiedes, wer er sei, leugnete der Fürst seine wahre Identität und gab sich für einen Jäger des Landgrafen aus. Der Schmied, auch verbittert über die verfehlte Milde Ludwigs und die damit verbundene Knechterei durch die Fürsten, gab darauf seinen Unmut über den Landgrafen preis, gewährte ihm jedoch seine Bitte um Unterkunft. Nachdem Ludwig sich, verwundert über die Worte des Mannes, zur Ruhe gelegt hatte, arbeitete der Schmied die ganze Nacht hindurch, so dass der Graf kein Auge zutun konnte. Der Schmied hämmerte auf das Eisen und rief immer und immer wieder: „Landgraf, werde hart! Landgraf, werde hart, so hart wie dieses Eisen!“ und „Du böser, unseliger Herr! Siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen?“ Als der Morgen kam und Graf Ludwig unausgeschlafen von dannen zog, besann er sich der Worte des Schmiedes und regierte fortan mit eiserner Hand. Daher pflegte man lange Zeit sprichwörtlich von einem strengen, unbeugsamen Mann zu sagen, er sei in Ruhla hart geschmiedet worden.
Frühe Neuzeit Um die Landesgrenzen der einzelnen Territorien, besonders aber um die Waldbestände entstand seit dem 15. Jahrhundert ein fortwährender Streit. In der Nähe von Ruhla, am Dreiherrenstein stießen drei Herrschaftsgebiete aufeinander. Am 17. September 1528 trafen sich daher erstmals Beauftragte des Kurfürsten Johann zu Sachsen, des Landgrafen Phillip zu Hessen und Wilhelms, Graf zu Henneberg, sie begingen...
Nach dem Verfall des Waffenschmiedehandwerks um 1530 verlegten sich viele Einwohner auf die Herstellung von Messerwaren.
Mit zahllosen Sagen wird an die Venetianer erinnert, dies waren Mineraliensucher, welche meist als Schatzsucher und Geisterbeschwörer angesehen wurden, ihr Interesse galt bestimmten, für die Glasmacher wichtigen Mineralien, welche auch in der Ruhlaer Flur häufig zu finden waren. Tatsache ist, dass hauptsächlich im 15. und 16. Jahrhundert in den Sommermonaten ausländische Landfahrer bis in unsere Mittelgebirge kamen, um besondere Minerale zu holen.Lotar Köllner: Vom Süden kamen Männlein, Venediger geheißen, und wo sie verweilten, standen Erze an … . In: EP Report 3. Heimatblätter’ 92. Marburg 1992, ISBN 3-924269-95-5, S. 112–114. Erstmals finden sich in dieser Zeit auch die Nachrichten über fahrendes Volk, welches sich in diesen unübersichtlichen Waldgebieten verbarg und nach dem ein Waldstück am Dreiherrenstein den Flurnamen „Zigeunerkopf“ erhielt.
Auch Holz- und Wilddiebe machten sich nun oft genug bemerkbar. Am tollsten müssen es die Tabarzer getrieben haben: 1736 wurden solche Holzfrevler vom Heisterbachskopf vertrieben. Dort hatten sie den Tannenbestand stark gelichtet und das Holz gleich an Ort und Stelle verkohlt. War das Gesindel an einer Stelle vertrieben, so tauchte es gewiss bald an einer andern auf. Dragoner und Schützen hatten allezeit Arbeit genug.Wilhelm Bickel Chronik von Brotteroda Brotterode 1925, S. 92.
Östlich von Ruhla entstanden in dieser Zeit an der Weinstraße, einem mittelalterlichen Fahrweg in Richtung Winterstein und Schmerbach, zwei Rasthäuser, sie lagen An der vorderen Schwarzbachswiese und An der hinteren Schwarzbachswiese und wurden später auch als herzogliche Jagdunterkünfte genutzt.
Ruhlaer Teilung mini|Gedenkstein zur Ruhlaer Teilung Die Ruhlaer Teilung gilt als ein Beispiel für die Kleinstaaterei in Thüringen. Die politische Geschichte der Stadt wurde über lange Zeit durch die Mehrstaatlichkeit des Ortes geprägt. Die durch das enge Tal stark begrenzte Siedlungszone führte trotz der trennenden politischen Grenzen zu einer gemeinsamen Identität als „Rühler“.
Ruhla im Hoch- und Spätmittelalter Bereits in frühmittelalterlicher Zeit bestimmten die Franken innerhalb des von ihnen eroberten Thüringer Königreiches bestimmte Orte zu Verwaltungszentren und teilten das Umland in Marken und Grafschaften. Hierbei wurde möglichst auf topographische Besonderheiten (auffällige Berge und Flussläufe, Bäume und Siedlungen) zur Grenzbeschreibung geachtet. Im Ruhlaer Gebiet trafen die Mark Lupnitz und die Breitunger Mark aufeinander.Michael Antoni Lupnitz. Mark und Wildbann des Klosters Fulda In: Fuldaer Geschichtsblätter. Zeitschrift des Fuldaer Geschichtsvereins. Bd. 66 Fulda 1990. S. 111–158. Ab dem 14. Jahrhundert trafen am Ruhlabach zwei Verwaltungsbezirke – die wettinischen Ämter Wartburg und Tenneberg aufeinander. Über diese Gegebenheit informiert eine Urkunde vom 5. Juni 1391. Sie handelt über den umfangreichen Verkauf von Zinseinkünften „in rula“. Der Ruhlabach galt zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Landesgrenze im späteren Sinne, die angedeutete „Trennung“ der Zuständigkeit für die einzelnen Grundstücke entsprach vielmehr einer Kreiseinteilung.Paul Lehfeld Bau und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft 11, Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Landratsamt Waltershausen. Amtsgerichtsbezirke Tenneberg, Thal und Wangenheim. Jena 1891.
Die Landesteilung von 1596 Eine erste Landesteilung mit Auswirkung auf die territoriale Zugehörigkeit fand 1596 zwischen den Söhnen des regierenden Herzogs Johann Friedrich II., dem Mittleren statt, hierbei fiel die Zuständigkeit für den östlichen Teil des Ruhlaer Tales an Johann Casimir von Sachsen-Coburg, den westlichen Teil erhielt Johann Ernst Herzog von Sachsen-Eisenach.
Die Ämterteilung von 1610 Schon 1610 erhielten die Herren von Uetterodt einen eigenen Verwaltungsbezirk zugesprochen (Uetterodtsches Gericht), seit diesem Jahr unterscheidet die Stadtchronik in „Ruhla Eisenacher Orts“ „Ruhla Tenneberger Orts“ und „Ruhla Uetterodtschen Orts“.Infotafel der Stadtverwaltung. Nach dem Tod Johann Casimirs († 1633) fand eine kurzzeitige Wiedervereinigung beider Herzogtümer unter dem Eisenacher Herzog Johann Ernst statt, die Grenzen der drei Ämter blieben dabei erhalten.
Weitere Teilungen 1640 und 1741 Schon 1640 erfolgte erneut eine Erbteilung des Landes in Sachsen-Eisenach und Sachsen-Gotha. Nach dem Tod des Eisenacher Herzogs Wilhelm Heinrich entstand 1741 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Landesgrenze innerhalb Ruhlas blieb dabei erhalten. Ein von Wilhelm Heinrich und seinen Vorgängern intensiv genutzter Jagdbezirk am Rennsteig lag beim Fortstort „Am Creuzberg“ nahe der Schlauchenwiese. Die dort bereits bestehende Waldarbeitersiedlung musste 1670 aufgegeben werden, da der damalige Landesherr Johann Georg die nahe einer Quelle gelegene Wiese für den Bau einer Blockhütte und mehrerer Nutzbauten benötigte, um dort seine Hofjagden veranstalten zu können. Schon um 1700 waren die Gebäude stark reparaturbedürftig, 1708 fand eine teilweise Erneuerung der Hauptgebäude statt und sie dienten weitere 30 Jahre als Jagdhaus. Nach dem Tod Herzog Wilhelm Heinrichs plante dessen Nachfolger Herzog Ernst August am gleichen Ort den Bau des Jagdschloss Rühler Häuschen.
Die Stadtgründungen 1833 Bei einer Verwaltungsreform fand 1833 die Vereinigung der Amtsbereiche „Ruhla Tenneberger Orts“ und „Ruhla Uetterodtschen Orts“ zu „Ruhla Gothaischer Anteil“ statt, entsprechend wurde für den verbliebenen Rest die Bezeichnung „Ruhla Weimarischen Anteils“ gebräuchlich, diese Bezeichnung unterschied auch weiterhin die beiden 1896 zur Stadt erhobenen Gemeinden. mini|Die Thüringer Staaten (1905)
Die Vereinigung der beiden Ruhla Als Geste des demokratischen Neuanfangs im Land Thüringen beschloss der Landtag am 29. Juli 1920 die Durchführung einer Volksabstimmung in Ruhla betreffs der bevorstehenden Vereinigung der beiden Teile. Als Ergebnis des Plebiszits wurde die vereinigte Stadtgemeinde im März 1921 in den Kreis Eisenach eingegliedert.Gerd Bergmann Wann wurde Ruhla geteilt? EP Report 2 – Heimatblätter des Eisenacher Landes, Marburg 1992, ISBN 3-924269-94-7, S. 41.