Dalai Lama 170px|zentriert|Tenzin Gyatso, der gegenwärtige 14. Dalai Lama (2012) Aktuelle Inkarnation des Dalai LamaTenzin Gyatsoseit dem 20. Februar 1940 Amtssitz Bis 1959: Potala-Palast, Tibet Seit 1959: Dharamsala, Indien Amtszeit auf Lebenszeit Oberhaupt von Bis 1959 de jure und de facto: Tibet Seit 1959 de jure: Tibet Seit 1959 de facto: Tibetische Exilregierung Letzte Inthronisierung einer Reinkarnation 22. Februar 1940 Webseite www.dalailama.com Dalai Lama (, Wylie: ta la'i bla ma; häufig mit „ozeangleicher Lehrer“ übersetzt)Der mongolische Begriff ta la'i bezeichnet etwas sehr Großes, Universelles und entspricht etwa dem tibetischen rgya mtsho und dem Sanskrit sagara. Im Gegensatz zu Mongolen des 16. Jahrhunderts, von denen die wenigsten jemals einen Ozean gesehen haben konnten, war Hindus Ozean sehr wohl ein Begriff, woraus offenbar auch die ungenaue Übersetzung entstand. Siehe z. B. Leonard W. J. van der Kuip, in: Lit. Brauen, S. 15, oder ebd. S. 8, Anmerkung zu Per Kjeld Sørensen. Dieser regt als Übersetzung Welt-Lama an. Wie aus der mongolischen Biografie des Altan Khan hervorgeht, war der ursprünglich verliehene Titel deutlich länger. Im Tibetischen wird der Träger dieses Amtes eher Gyelwa Rinpoche genannt (wylie: rgyal ba rin po che). ist der Titel des höchsten Trülku innerhalb der Hierarchie der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Er wurde erstmals 1578 als Ehrentitel vom mongolischen Fürsten Altan Khan an seinen spirituellen Lehrer Sönam Gyatsho verliehen. Die formelle Bezeichnung lautet Seine Heiligkeit, die direkte Anrede Eure Heiligkeit.

Der gegenwärtige 14. Dalai Lama ist der buddhistische Mönch Tenzin Gyatso.

Stellung Allgemeines Der Dalai Lama wird im tibetischen Buddhismus als Bodhisattva verstanden, als erleuchtetes Wesen, das aus Mitgefühl reinkarnierte, das heißt: bewusst wieder in – beispielsweise – die menschliche Existenz eintrat. Obwohl Erleuchtete den Kreislauf der Wiedergeburt verlassen können, geloben Bodhisattvas, ihre Wiedergeburt freiwillig auf sich zu nehmen, um das Leid anderer fühlender Wesen zu mindern (Bodhisattva-Gelübde).

Dalai Lamas gelten als Emanationen Avalokiteshvaras (tibetisch སྤྱན་རས་གཟིགས; spyan ras gzigs; Chenresig), des Bodhisattva des Mitgefühls, der auf der Erde als Mensch auftritt (siehe dazu auch: Nirmāṇakāya).

Der Dalai Lama ist – entgegen einem weitverbreiteten Missverständnis – nicht das spirituelle Oberhaupt der Gelug-Schule, diese Stellung hat der Ganden Thripa inne.

Auffindung Ein Dalai Lama gilt gemäß tibetischer Tradition als Trülku (tibetisch: སྤྲུལ་སྐུ; sprul sku, hochrangiger „Wiedergeborener“, konkret als Reinkarnation Avalokiteshvaras).

Von den Gläubigen wird angenommen, dass nach dem Tod eines Dalai Lama seine Wiedergeburt aufgefunden werden könne. Hierfür werden von der Ordensführung häufig mehrere Findungskommissionen autorisiert, die aus hochrangigen Mönchen bestehen. Der vierzehnte Dalai Lama wurde nach einer Vision des Regenten Jampel Yeshe Gyeltshen am Lhamo Lhatso und anderen Vorzeichen durch eine von drei Kommissionen gefunden und erkannt.

Nachdem die Entscheidung für einen der Kandidaten gefallen ist, wird das Kind offiziell zur Reinkarnation des vorherigen Dalai Lama erklärt. Es erhält traditionell eine klösterliche Ausbildung in tibetischem Buddhismus, in tibetischer Kultur, Sprache, Schrift, Kalligrafie und Allgemeinwissen. Bei dieser Ausbildung spielte auch der Penchen Lama eine Rolle, der seit der Zeit des Lobsang Chökyi Gyeltshen zum Dalai Lama in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis der Gelug-Schule stand.

Geschichte Mongolischer Ursprung mini|Bronzestatue von Sönam Gyatsho Der Ehrentitel Dalai Lama (, Dalai, für tibetisch རྒྱ་མཚོ Gyatso, beides „Ozean“) wurde erstmals im Jahre 1578 an Sönam Gyatsho verliehen, als er sich auf Einladung des Fürsten der Tümed-Mongolen Altan Khan zu einer Missionsreise für einige Monate an dessen Hof begab. Er revanchierte sich und verlieh seinerseits dem Mongolenfürsten einen Ehrentitel. Auf diese Weise unterstellte er das Reich Altan Khans seinem geistlichen Schutz und sicherte sich im Gegenzug dessen Unterstützung im Kampf seines Ordens um die Vorherrschaft gegen die rivalisierenden lamaistischen Schulen. Da die beiden Vorgänger Sönam Gyatshos nachträglich als Dalai Lama anerkannt wurden, zählt er selbst als der 3. Dalai Lama nach dem buddhistischen Abt Gendün Drub (1391–1475) und Gendün Gyatsho (1475–1542).

Ausüben staatlicher Hoheitsgewalt Als der westmongolische Fürst Gushri Khan, der sich als Schutzherr des Dalai Lama sah (damals Ngawang Lobsang Gyatsho, der 5. Dalai Lama), in einem mehrjährigen Krieg Zentraltibet eroberte und am 7. Februar 1642 nach Einnahme der Stadt Shigatse den letzten König von Tsang, Tenkyong Wangpo (1606–1642), gefangen nahm, proklamierte er sich zunächst selbst zum Herrscher über Tibet. Am 3. Mai 1642 erklärte er in einer feierlichen Zeremonie den Dalai Lama zur obersten Autorität ganz Tibets, „von Dajianlu (siehe auch Kardze) im Osten bis nach Ladakh im Westen“. Die politische Gewalt der Regierung Ganden Phodrang (tibetisch: དགའ་ལྡན་ཕོ་བྲང; dga' ldan pho brang) sollte von einem „Desi“ (tibetisch: སྡེ་སྲིད; sde srid; Regenten) ausgeübt werden, der mit den Befugnissen eines Premierministers ausgestattet war.

Folgen der ersten Vakanz Als der 5. Dalai Lama am 2. April 1682 starb, entstand für die Regierung Tibets eine schwierige Lage. Sie musste sich auf die Suche nach seiner Reinkarnation, einem neugeborenen Kind, machen, musste diesem Kind eine erstklassige Erziehung und Ausbildung angedeihen lassen und auf seine Volljährigkeit warten, bis es als 6. Dalai Lama seine Herrschaft über das Land antreten konnte. Bis dahin mussten Tibet und seine Regierung eine ganze Generation lang ohne Staatsoberhaupt auskommen. Man durfte annehmen, dass benachbarte Völker, aber auch Kräfte im Inneren diese Zeit eines gewissen Machtvakuums zu ihrem Vorteil und zum Nachteil Tibets nutzen würden. Um dem vorzubeugen, habe der 5. Dalai Lama den Desi Sanggye Gyatsho (1653–1705) noch auf dem Sterbelager instruiert, seinen Tod geheim zu halten, bis die Arbeiten am Potala-Palast vollendet waren. Das geschah offenbar mit Billigung und Unterstützung aller wichtigen Hofbeamten und Geistlichen. Um den Anschein aufrechtzuerhalten, musste von Zeit zu Zeit ein öffentlicher Auftritt oder eine Audienz für mongolische Würdenträger inszeniert werden. Je nachdem wurde mitunter seine Zeremonialrobe in der Audienzhalle auf den Thron gesetzt oder ein geeigneter Mönch musste den Souverän doubeln. Auch die Ausbildung des 6. Dalai Lama litt unter der Notwendigkeit zur Geheimhaltung. Nur Geheimnisträger durften wissen, wer er war. Erst 1696, ein Jahr nach der Vollendung des Potala-Palastes, gab der Desi bekannt, dass der Dalai Lama schon 1682 verstorben sei, und präsentierte einen 13-jährigen Jungen als seine Reinkarnation. Sowohl die verbündeten Mongolen als auch der chinesische Kaiser (Kangxi), der den Dalai Lama und seine Lehre zu schätzen wusste, die tibetische Politik der letzten Jahre aber als chinafeindlich erlebte, fühlten sich hintergangen. Das Vertrauen in die Institution des Dalai Lama wurde schwer erschüttert.

Der Versuch, den Tod eines Dalai Lama geheim zu halten, wurde nach diesen Erfahrungen nicht mehr unternommen. Allerdings wurde es in den folgenden zwei Jahrhunderten Normalzustand, wie ein Blick in die nachstehende Liste zeigt, dass in Tibet die Staatsgeschäfte von Regenten geführt wurden, solange der jeweilige Dalai Lama noch minderjährig war. Viele von ihnen starben in jungen Jahren.

Wirren um den 6. Dalai Lama Berichtenswert sind die Wirren, die zunächst zur Absetzung des 6. Dalai Lama Tshangyang Gyatsho führten und im weiteren Verlauf dazu, dass Tibet dauerhaft unter chinesischen Einfluss kam.

Seit dem geheim gehaltenen Tod des 5. Dalai Lama und auch nach der Inthronisierung von Tshangyang Gyatsho betrieb der Desi tibetische Machtpolitik, indem er verschiedene mongolische Stämme gegeneinander und gegen China ausspielte. Zu seinem Unglück wurde 1696 der mongolische Stamm der Dsungaren, auf den er sich stützte, von den Truppen des chinesischen Kaisers entscheidend besiegt. In der Folge spielten die Chinesen wiederum andere mongolische Stämme gegen den Desi aus. Angesichts der gerade eben enthüllten Täuschungsmanöver im Zusammenhang mit dem Tod des 5. Dalai Lama fiel das nicht schwer.

Der 6. Dalai Lama wurde den in ihn gesetzten religiösen Erwartungen nicht gerecht. Er pflegte einen sehr freizügigen Lebenswandel. Als der Desi versuchte, den Freund Tshangyang Gyatshos zu ermorden, der ihn bei seinen Ausschweifungen begleitete, führte dies zum Bruch mit dem Regenten und letztlich dazu, dass er sich im Kloster Trashilhünpo 1702 durch den 5. Penchen Lama Lobsang Yeshe von allen Gelübden entbinden und in den Laienstand zurückversetzen ließ. Die Würde des Dalai Lama verblieb ihm. Wenn auch die Geistlichkeit mit ihm unzufrieden war, so wurde er doch beim einfachen Volk mit jeder weiteren Eskapade nur noch populärer. Die Spannungen mit den religiös auf den Dalai Lama ausgerichteten Mongolen, die die Zustände an seinem Hof als unwürdig ansahen, wuchsen nach der Laisierung des Dalai Lama dramatisch. Sie führten zum Rücktritt des Desi und schließlich, als er im Hintergrund weiterhin die Fäden zog, zu seiner Enthauptung und zur Besetzung Tibets durch die mit dem Kaiser verbündeten mongolischen Stämme im Jahre 1705. Der Dalai Lama war sowohl für den Kaiser als auch die Mongolen unantastbar, und dennoch war er ihnen im Weg. Sie ließen verbreiten, er sei nicht die wirkliche Reinkarnation und habe die Stellung des Dalai Lama zu Unrecht usurpiert. Um ihn zu stürzen, setzte man den Hebel jedoch nicht bei seinem leichtfertigen Lebenswandel an, sondern bezichtigte ihn der Häresie. Er gefährde die Lehre der herrschenden Gelug-Schule. Im Juni 1706 ließ der Khan ihn aus dem Potala-Palast holen und erklärte ihn förmlich für abgesetzt. Mit einem Sondergesandten des Kaisers wurde er auf den Weg zum kaiserlichen Hof nach Peking gebracht. Er starb unterwegs am 14. November 1706.

Seit 1706 fungierte der Mongole Labsang Khan offiziell als Regent in Lhasa und erklärte, da der Dalai Lama nicht echt gewesen sei, müsse der echte erst noch gefunden werden. Im Jahr darauf präsentierte er einen 1686 geborenen Mönch, der vom 5. Penchen Lama unter dem Namen Yeshe Gyatsho als 7. Dalai Lama inthronisiert wurde. An dessen Echtheit kamen jedoch bald Zweifel auf. Dennoch wurde dieser Dalai Lama 1710 auch vom Kaiser offiziell anerkannt. Er befahl allen Tibetern, Labsang Khan und dem Dalai Lama zu gehorchen. Als Gegenleistung verpflichtete sich der Khan zu jährlichem Tribut.

Ein neuer Konflikt brach aus, als bekannt wurde, dass in Osttibet, in der Gegend von Lithang (Kham), eine Inkarnation Tshangyang Gyatshos gefunden wurde. Nach Anerkennung durch die Mönche von Lithang als 7. Dalai Lama wuchs der Zuspruch, den das Kind fand, weiter, so dass es 1714 vor dem Zugriff des Khans, der sich weiter auf Yeshe Gyatsho stützte, nach Osten in das Kloster Dêgê in Sicherheit gebracht wurde. Der Kaiser wurde mit der verworrenen Lage befasst. Er entschied schließlich, dass der Junge im August 1716 in das große Kloster Kumbum gebracht wurde.