Die 39. Internationale Friedensfahrt (Course de la paix) war ein Radrennen, das vom 6. bis 22. Mai 1986 ausgetragen wurde. Es bestand aus 14 Einzeletappen und führte auf einer Gesamtlänge von 2138 km erstmals von Kiew über Warschau und Berlin nach Prag. Die Fahrt gewann Olaf Ludwig aus der DDR.
Sieger der Mannschaftswertung wurde die Mannschaft der UdSSR. Der beste Bergfahrer war Petar Petrow aus Bulgarien. Der vielseitigste (Rosa Trikot), aktivste (Violettes Trikot) und punktbeste (Weißes Trikot) Fahrer war Olaf Ludwig aus der DDR.
Vorgeschichte Nach der 38. Ausgabe der Friedensfahrt, die wegen des 40. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus 1985 in Moskau startete, wurde im Herbst 1985 entschieden, die 39. Friedensfahrt erneut auf sowjetischem Territorium starten zu lassen. Als Ausgangspunkt des Rennens wurde diesmal Kiew, die Hauptstadt der damaligen Ukrainischen SSR, ausgewählt. Am 24. Januar 1986 wurde vom Friedensfahrtkomitee in Berlin sogar verkündet, dass die Sowjetunion zukünftig als Veranstaltungspartner in die Ausrichtung mit einbezogen wird.Berliner Zeitung. 25./26. Januar 1986, S. 6. Nach den Ereignissen um die 39. Friedensfahrt war davon allerdings nicht mehr die Rede. Zum Meldeschluss am 31. März 1986 hatte sich ein übliches Fahrerfeld aus 19 Mannschaften mit 114 Athleten angemeldet. Erstmals sollten Fahrer aus der Türkei und Syrien an dem Etappenrennen teilnehmen. Die Anmeldung einer Schweizer Mannschaft sollte noch geprüft werden. Folgende Startnummern wurden von der Rennleitung daraufhin vergeben: 11 - 16 21 - 26 31 - 36 41 - 46 51 - 56 61 - 66 71 - 76 81 - 86 91 - 96 101 - 106 111 - 116 121 - 126 131 - 136 141 - 146 151 - 156 161 - 166 171 - 176 181 - 186 191 - 196 Tschernobyl Zehn Tage vor dem Start der Friedensfahrt ereignete sich etwa 100 km nördlich von Kiew die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Daraufhin hagelte es Absagen von insgesamt neun Mannschaften, darunter auch Rumänien und Jugoslawien. Trotz erheblicher gesundheitlicher Risiken wurde der Ort des Starts nicht verlegt, die Informationen über das Ausmaß des Unglücks flossen generell spärlich. Fahrer aus damals sozialistischen Ländern wurde das Ende ihrer leistungssportlichen Karriere angedroht, wenn sie nicht teilnehmen würden, so zum Beispiel Olaf Ludwig. Letzten Endes traten sogar noch vier Fahrer aus Finnland an, die kurzfristig nachgemeldet wurden. Das Starterfeld war bei Rennbeginn somit auf 64 Fahrer zusammengeschrumpft, mit Frankreich und Finnland entsandten nur noch zwei nicht-sozialistische Staaten eine Mannschaft.
Alle Mannschaften und Fahrer + 11 – Zdzisław Wrona 12 – Zenon Jaskuła 13 – Marek Szerszyński 14 – Leszek Stępniewski 15 – Paweł Bartkowiak 16 – Sławomir Krawczyk + 21 – Radovan Fořt 22 – Milan Jurčo 23 – Roman Kreuziger 24 – Anton Novosad 25 – Jozef Regec 26 – Jiří Škoda + 61 – Uwe Ampler 62 – Thomas Barth 63 – Mario Kummer 64 – Olaf Ludwig 65 – Uwe Raab 66 – Dan Radtke + 71 – Wiktor Klimow 72 – Wolodymyr Pulnikow 73 – Sergej Uslamin 74 – Wassyl Schdanow 75 – Asjat Saitow 76 – Iwan Romanow + 111 – Daschdschamtsyn Mönchbat 112 – Dschamsrangiin Öldsii-Orschich 113 – Darzaagijn Ench-Od 114 – Agwanasshilijn Gansuch 115 – Tsedendambyn Ganbold 116 – Batsüchiin Chajanchjarwaa + 121 – Walentin Shiwkow 122 – Christo Saikow 123 – Boiko Angelow 124 – Petar Petrow 125 – Jordan Pentschew 126 – Nentscho Stajkow + 141 – Matti Pietilä 142 – Jouni Karhunen 143 – Jouni Hakala 144 – Markku Salmijärvi + 151 – Gyula Prommer 152 – György Zámbori 153 – Robert Jonet 154 – János Csikós 155 – József Hirth 156 - Sándor Végvári + 161 – Éric Chanton 162 – Patrick Hosotte 163 – Jean Luc Garnier 164 – Bernard Jousselin 165 – Richard Vivien 166 – Jean François Laffille + 171 – Juan Pérez 172 – Orijol Alonso 173 – Israel Torres 174 – Francisco Martínez Ortega 175 – Ricardo Salazar 176 – Tomás Prado + 191 – Ibrahim Safrani 192 – Djamal Mahrus 193 – Hassan Najar 194 – Abdo Naser Hnidih 195 – Heisam Darckshly 196 – Kaled Kokach
Etappenübersicht Etappe Start – Ziel Etappensieger Etappen-länge FahrzeitProlog Einzelzeitfahren in Kiew Uwe Ampler 7 km 8:36 min1. Etappe Rundkurs in Kiew Jozef Regec 138 km 3:22:02 h2. Etappe Mannschaftszeitfahren in Kiew Mannschaft 48 km 53:56 h3. Etappe Rund um Kiew Olaf Ludwig 152 km 3:56:06 h4. Etappe Kriterium in Warschau Olaf Ludwig 65 km 1:24:32 h5. Etappe Kutno – Poznań Olaf Ludwig 196 km 4:33:36 h6. Etappe Poznań – Gorzów Petar Petrow 174 km 4:21:15 h7. Etappe Gorzów – Szczecin Zdzisław Wrona 148 km 3:15:45 h8. Etappe Szczecin – Berlin Olaf Ludwig 205 km 4:42:19 h9. Etappe Berlin – Halle (Saale) Olaf Ludwig 200 km 5:21:19 h10. Etappe Einzelzeitfahren in Halle Wassili Schdanow 35 km 44:22 min11. Etappe Halle – K.-Marx-Stadt 176 km 4:35:39 h12. Etappe K.-Marx-Stadt – Karlovy Vary 130 km 4:12:43 h13. Etappe Karlovy Vary – Plzeň Olaf Ludwig 152 km 3:27:58 h14. Etappe Plzeň – Mladá Boleslav 181 km 4:22:12 h15. Etappe Mladá Boleslav – Prag Olaf Ludwig 145 km 3:19:05 h
Etappen im Detail Prolog: Einzelzeitfahren in Kiew, 7 km Das Eröffnungsrennen begann auf dem Kiewer Krestschatik und wurde vom DDR-Mannschaftskapitän Thomas Barth eröffnet. Dieser legte mit 8:41 min gleich eine starke Zeit hin, die am Ende für Platz vier reichte. Erst Wiktor Klimow konnte diese Zeit um fünf Sekunden unterbieten. Uwe Ampler kam mit der gleichen Zeit ein, so dass die Hundertstelsekunden bemüht werden mussten. Nach der Auswertung war Ampler um 22 Hundertstel schneller als Klimow. Spannend war das Rennen bis zum Schluss, der Bulgare Nentscho Stajkow kam mit nur einer Sekunde Rückstand noch auf Platz drei ein. Zur ersten Etappe startete Uwe Ampler in Gelb, die Mannschaft der DDR in den Blauen Trikots.Neues Deutschland. 7. Mai 1986, S. 7. Trikotwertung Trikot Fahrer20px Ampler20px Ludwig20px DDR + Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Uwe Ampler 8:36 min2. Wiktor Klimow 8:36 min3. Nentscho Stajkow 8:37 min4. Thomas Barth 8:41 min5. Olaf Ludwig 8:42 min6. Jiří Škoda 8:44 min
1. Etappe: Rund in Kiew, 138 km Die erste Etappe führte über eine 19,7 Kilometer lange Rundstrecke, die sieben Mal zu absolvieren war. Somit wurden vom Fahrerfeld insgesamt 138 Kilometer zurückgelegt im Kiewer Stadtgebiet. Die Strecke war dabei von drei Steigungen geprägt. Lange Zeit führte der Ungar Hirth in einer Alleinfahrt, der aber auch wieder eingefangen wurde. In der vierten Runde, kurz vor dem zweiten Prämienspurt setzte sich ein Trio mit dem Tschechoslowaken Regec, dem Bulgaren Saikow und dem Mongolen Ganbold ab und gewann schnell an Vorsprung. Da sich das Feld nicht wirklich einig war und die Mannschaften der Ausreißer Vorstöße immer wieder vereitelten, machte das Trio am Ende das Rennen mit reichlich zwei Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld unter sich aus. Schnellster war dabei Jozef Regec, der dadurch auch das Gelbe Trikot erringen konnte. Durch den herausgefahrenen Vorsprung führten die drei Ausreißer nun auch die Gesamtwertung an. In Blau fuhr erstmals seit sieben Jahren wieder die Mannschaft der ČSSR.Neues Deutschland. 8. Mai 1986, S. 7. Trikotwertung Trikot Fahrer20px Regec20px Regec20px Regec20px Ludwig20px ČSSR + Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Jozef Regec 3:22:02 h2. Christo Saikow 3:22:06 h3. Tsedendambyn Ganbold 3:22:09 h4. Olaf Ludwig ?5. Zdzisław Wrona ?6. Anton Novosad ?
2. Etappe: Mannschaftszeitfahren in Kiew, 48 km Die zweite Etappe war ein Mannschaftszeitfahren über 48 Kilometer in Kiew. Dabei waren mit Weltmeister UdSSR, Vizeweltmeister ČSSR, dem WM-Vierten DDR und dem WM-Fünften Polen allein fünf starke Mannschaften von der letztjährigen Straßen-Weltmeisterschaft dabei. Es war keine Überraschung, dass Weltmeister UdSSR schon nach dem ersten Viertel die Führung übernahm und diese bis ins Ziel auch nicht mehr abgab. Letztlich fuhr das sowjetische Sextett fast zwei Minuten Vorsprung auf die zweitplatzierte DDR-Mannschaft heraus. Durch diesen Rennausgang eroberte sich die sowjetische Mannschaft die Blauen Trikots.Neues Deutschland. 9. Mai 1986, S. 7. Trikotwertung Trikot Fahrer20px Regec20px Regec20px Regec20px Ludwig20px UdSSR + Etappeneinzelwertung Mannschaft Zeit1. 53:56 min2. 55:19 min3. 55:47 min4. 56:51 min5. 57:40 min6. 1:00:50 h
3. Etappe: Rund um Kiew, 152 km Der nunmehr schon vierte Renntag in Kiew bescherte den Fahrern die erste wirklich anspruchsvolle Strecke, die mit jeweils drei Bergwertungen und drei Prämienwertungen gespickt war. Insgesamt zwölfmal musste eine bergige und kurvenreiche Strecke von 12,7 Kilometern Länge durchfahren werden. Durch dieses Streckenprofil war das Fahrerfeld schon nach der Hälfte der Strecke weit auseinandergezogen. Bei Kilometer 124 in der zehnten Runde überraschte ein heftiger Regenschauer die Fahrer und sorgte für zahlreiche Stürze. Nach der letzten Bergwertung bei Kilometer 134 zog Wolodymyr Pulnikow aus der Sowjetunion unwiderstehlich an und brachte gemeinsam mit dem Tschechoslowaken Fořt schnell einen Abstand zwischen sich und das Feld. Speziell die DDR-Mannschaft mit Dan Radtke und Uwe Raab sorgte aber dafür, dass der Abstand nie mehr als 200 Meter betrug, um so ihren besten Sprinter, Olaf Ludwig, bei der Zielankunft noch in Szene setzen zu können. 2000 Meter vor dem Ziel setzte Ludwig zur Verfolgung an und hatte auf der Zielgeraden noch 40 Meter Abstand zum führenden Pulnikow. Mit einem fulminanten Schlussspurt konnte Ludwig am Ende noch die Etappe für sich entscheiden. Entwaffnend ehrlich gestand Ludwig nach der Zielankunft einem Radioreporter, dass er diese Strapazen nicht auf sich genommen hätte, wenn da vorn nicht ein blaues Trikot geleuchtet hätte.Neues Deutschland. 10. Mai 1986, S. 7. Trikotwertung Trikot Fahrer20px Regec20px Ludwig20px Regec20px Ludwig20px Pulnikow20px UdSSR
+ Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Olaf Ludwig 3:56:06 h2. Wolodymyr Pulnikow 3:56:10 h3. Radovan Fořt 3:56:13 h4. Iwan Romanow 3:56:16 h5. Nentscho Stajkow 3:56:29 h4. Wiktor Klimow 3:56:29 h
4. Etappe: Kriterium in Warschau, 65 km Am Morgen des 10. Mai verließ das Fahrerfeld mit einer Sondermaschine der Aeroflot die ukrainische Hauptstadt Kiew. Nach 75 Minuten landete man in Warschau, um dann nachmittags bei kühlem, regnerischem Wetter die fünfte Etappe in Angriff zu nehmen. Die Strecke bestand aus einem Rundkurs mit 6,5 Kilometern Länge, der zehnmal absolviert werden musste. Während der Fahrt gab es insgesamt vier Prämienwertungen. Die Etappe gewann am Ende erneut Olaf Ludwig, der sich mit Beginn der letzten Runde vorn im Feld positionierte und den Zielsprint von vorn anfuhr. Im klar distanzierten Verfolgerfeld entbrannte vor allem um Platz zwei noch ein Kampf, den am Ende Romanow vor Uwe Raab entschied. Dass die Friedensfahrt nun in Polen angekommen war, war auch an der Aktivität der polnischen Mannschaft zu spüren: Allein drei Fahrer belegten die Plätze vier bis sechs. Trotz zweier Siege in Folge durch Olaf Ludwig fuhr Regec weiterhin in Gelb, die UdSSR-Mannschaft in Blau.Neues Deutschland vom 12. Mai 1986, S. 7. Trikotwertung Trikot Fahrer20px Regec20px Ludwig20px Regec20px Ludwig20px Pulnikow20px UdSSR
+ Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Olaf Ludwig 1:24:32 h2. Iwan Romanow 1:24:36 h3. Uwe Raab 1:24:39 h4. Leszek Stępniewski 1:24:42 h5. Sławomir Krawczyk 1:24:42 h4. Zdzisław Wrona 1:24:42 h
5. Etappe: Kutno-Poznań, 196 km