Der Gutsbezirk Reinhardswald (auch Forstgutsbezirk Reinhardswald genannt) ist als Gutsbezirk ein gemeindefreies Gebiet im nordhessischen Landkreis Kassel. Es ist 184,16 km² groß; davon sind 180,81 km² Wald. Als größter der drei noch verbliebenen hessischen Gutsbezirke umfasst er fast die gesamte Fläche des rund 200 km² großen Reinhardswaldes. Es gibt ferner in Nordhessen den Gutsbezirk Kaufunger Wald und in Südhessen den Gutsbezirk Spessart.
Verwaltung Der Gutsbezirk Reinhardswald wurde zum 30. September 1929 aus Teilen der aufgelösten Forstgutsbezirke Carlshafen, Gahrenberg, Gottsbüren, Hofgeismar, Hombressen und Veckerhagen gebildet.Amtsblatt der Regierung zu Kassel, No. 38/1929, 548., S. 240 ff. Digitalisat
Gemäß § 153 Absatz 1 Buchstabe c der Hessischen Gemeindeordnung gilt die Verordnung über gemeindefreie Grundstücke und Gutsbezirke vom 15. November 1938 fort. Der Gutsbezirk Reinhardswald ist ein Forstgutsbezirk im Sinne des § 4 Absatz 2 der Verordnung; daher ist der zuständige staatliche Forstbeamte Gutsvorsteher. Der Bezirk wird deshalb vom Reinhardshagener Forstamtsleiter verwaltet. Dieser fungiert als Bürgermeister, wobei er nicht gewählt, sondern vom Landkreis ernannt wird. Wesentliche Aufgaben des Bürgermeisters sind unter anderem die Erhebung von Steuern, Müllbeseitigung, die Betreuung der Einwohner, Aufgaben der Ortspolizei, des Standesamtes sowie die Aufgaben als Träger öffentlicher Belange.
Gliederung Laut Hessischem Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation gliedert sich der Gutsbezirk in sieben Gemarkungen: Gemarkungs-schlüssel Gemarkung FlächeGeolytics.de 2019km² Bemerkungen061558 Oberförsterei Gahrenberg 44,04 Südteil061559 Oberförsterei Gottsbüren 24,48 Norden, mit Exklave im Westen061560 Oberförsterei Hofgeismar 13,08 Westen 061562 Oberförsterei Karlshafen 25,84 Nordteil061564 Oberförsterei Veckerhagen 35,92 Osten061619 Oberförsterei Hombressen 37,57 Westen 061627 Trendelburg 0,66 5 separate Gebietsteile im Westen Gutsbezirk Reinhardswald 184,16
Im Gutsbezirk Reinhardswald sind 38 Flurnamen dokumentiert,Flurnamen (Hessen) desgleichen neun Wüstungen.Historisches Ortslexikon
Einwohner Laut Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes ist der Gutsbezirk unbewohnt. Allerdings leben zwei Einwohner in dem Gebiet, wenige hundert Meter von der Altstadt Hann. Mündens entfernt, welche die Gaststätte Tillyschanze neben dem gleichnamigen Aussichtsturm bis 2020 betrieben haben. Zwischen der Gaststätte und dem Turm verläuft die Landesgrenze von Hessen und Niedersachsen. Beide Personen sind beim Forstamt in Reinhardshagen gemeldet, das für Verwaltungsangelegenheiten zuständig ist. In finanziellen Angelegenheiten müssen die beiden Bewohner das Finanzamt in Hofgeismar aufsuchen, in ordnungsrechtlichen Gaststättenangelegenheiten die Ordnungsbehörde in Kassel. Das Abwasser wird nach Niedersachsen abgeleitet. Das zuständige Wahllokal liegt in Reinhardshagen, Ortsteil Veckerhagen. Warum der Gutsbezirk dennoch weiterhin als unbewohnt geführt wird, ist unbekannt.
Zwischen 1950 und 1967 war der Bezirk bewohnt: 1950: 63 1956: 65 1961: 46 1967: 37
Da der Gutsbezirk bis Dezember 2015 keine Postleitzahl besaß, wurde er auch nicht mit Post beliefert. So richteten sich die beiden Einwohner ein Postfach in Hann. Münden ein. Insbesondere das Kuriosum der fehlenden Postleitzahl war bereits Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Hessischen Landtag. Im Dezember 2015 erhielt die Tillyschanze die Adresse Bierweg 1, 34346 Hann. Münden und wird seitdem auch mit Post beliefert.
Weblinks
Einzelnachweise Kleine Anfrage des Abgeordneten Schäfer-Gümbel (SPD) vom 7. September 2012 betreffend Zustellung von Post im Forstgutsbezirk Reinhardswald, auf starweb.hessen.de (PDF; 71,1 kB) Die Tillyschanze – Leben im Niemandsland, vom 5. August 2013, auf tagesspiegel.de , Stand von 1961, in Flächennutzungsstatistik Verordnung über gemeindefreie Grundstücke und Gutsbezirke, § 119, Nr. 2 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 (RGBl. I, S. 4), vom 15. November 1938, auf verfassungen.de Hessisches Statistisches Landesamt: , S. 45, auf statistik.hessen.de Keine Postleitzahl, aber 100 Prozent Wahlbeteiligung, in Göttinger Tageblatt, vom 26. August 2005
Kurioses: Der Forstgutsbezirk Reinhardswald – ein Kuriosum in Hessen!, auf tillyschanze.de
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Kategorie:Geographie (Landkreis Kassel)