mini|Kathedrale von Narbonne mini|Chor mini|hochkant|Grundriss Die Kathedrale von Narbonne () in der südfranzösischen Stadt Narbonne ist eine unvollendete römisch-katholische ehemalige Bischofskirche. Die heute als Basilica minor eingestufte Kirche hat seit dem Jahr 1840 den Status eines Monument historique. Mit ihren beinahe 41 m Gewölbehöhe gehört sie zu den höchsten Kirchen Frankreichs.Kathedrale von Narbonne – Fotos + InfosKathedrale von Narbonne – Grundriss + Infos

Lage Die ca. 15 bis hoch gelegene Stadt Narbonne ist nur etwa 10 km vom Mittelmeer entfernt. Die ehemalige Kathedrale befindet sich heute am Canal de la Robine im Zentrum der Altstadt; zur Zeit ihrer Erbauung lag sie nahe der Stadtmauer.

Geschichte Ungefähr an der gleichen Stelle wurde ursprünglich eine konstantinische Basilika gebaut, die kurz nach dem Edikt von 313, das die christliche Religion erlaubte, errichtet wurde. Im Jahr 441 wurde sie durch ein Feuer zerstört, und es dauerte 37 Tage, um die Reste zu beseitigen, welche das Feuer überstanden hatten. Es folgte eine frühchristliche Basilika, die der Bischof in vier Jahren erbaute, nachdem ihn der Präfekt Galliens, Marcellus, in seinem Vorhaben bestärkt hatte. Die Fertigstellung der Basilika erfolgte am 29. November 445.

Ein Gemälde, wahrscheinlich ostkirchlichen Ursprungs, der ursprünglich dem hl. Genesius von Arles geweihten Kirche, zeigt einen bartlosen Christus, der nur mit dem Subligaculum, dem typischen athletischen Lendenschurz der römischen Antike, bekleidet ist. Diese Figur des fast nackten gekreuzigten Christus hellenistischen Typs war im 6. Jahrhundert nicht mehr üblich. Gregor von Tours berichtet im Jahr 593 in seinem De-Gloria-Martyrium, dass Christus einem Priester namens Basilius dreimal in einer Traumvision erschien, seine Nacktheit anprangerte und ihm mit dem Tod drohte, wenn er sie nicht bedecken würdeFrançois Boespflug: La Crucifixion dans l’art : Un sujet planétaire, Montrouge, Bayard Editions, 2019, 559 S. (ISBN 978-2-227-49502-9), S. 74.

Im Atrium der Kirche von Saint-Rustique lässt das Vorhandensein von muslimischen Überresten darauf schließen, dass eine Moschee von den Umayyaden-Arabern zwischen 719 und 759, also während der Anwesenheit der Sarazenen im Süden Frankreichs, errichtet worden sein könnte.Mohammed Telhine: L'Islam et les musulmans en France. Une histoire de mosquées. Éditions L'Harmattan, 2010, S. 36.

Im Jahr 782 erhielt die Kirche das Patrozinium der jungen spanischen Märtyrer Justus und Pastor. Erhaltene Überreste sind zwei römische Säulen aus dem Forum, die im Kirchenschiff (nef) wiederverwendet wurden (sichtbar im Kreuzgang); der Türsturz mit Widmung; eine Ädikula aus weißem Marmor (zu sehen im Lapidarium).

Eine karolingische vorromanische Kathedrale wurde im Jahr 890 von Erzbischof Theodard erbaut, der am 1. Mai 893 starb. Es gibt noch den weitgehend restaurierten Glockenturm, bekannt als Theodards Glockenturm, der vom Kreuzgang aus sichtbar ist. Trotz der Hilfe von drei Päpsten verfiel diese Kirche.

Der Bau der heutigen Kathedrale begann im Jahr 1272. Bis ins 18. Jahrhundert war Narbonne erzbischöflicher Sitz, bis es dann durch das Konkordat von 1801 in der Diözese von Carcassonne aufging. Die Kirche Saint-Just-et-Saint-Pasteur erhielt den Rang einer Konkathedrale. Weiterhin wurde sie durch Papst Leo XIII. im Jahr 1886 in den Rang einer Basilica minor erhoben.Co-cathédrale Saint-Just et Saint-Pasteur auf gcatholic.org

Der Bau der gotischen Kathedrale war ein politischer Akt, der im Jahr 1268 von Papst Clemens IV., dem ehemaligen Erzbischof von Narbonne, beschlossen wurde. Der Papst sagte, dieses Werk werde nach dem Vorbild der prächtigen Kathedralen des Königreichs Frankreich geschaffen. Der Grundstein der heutigen Kirche wurde am 13. April 1272 von Erzbischof Maurin im Fundament der heutigen Herz-Jesu-Kapelle gelegt. Der Bau der Kathedrale von Saint-Just und Saint-Pasteur wurde bereits 1264 geplant, aber erst 1272 begonnen; der Chor wurde 1332 fertiggestellt.

Baumeister Dieses Gebäude, das nach dem gleichen Grundriss wie die Kathedralen von Clermont und Limoges errichtet wurde, scheint den gleichen Architekten, nämlich Jean Deschamps, gehabt zu haben. Dies ist jedoch nicht sicher, da es offenbar mehrere Architekten dieses Namens gab, die auf verschiedenen Baustellen arbeiteten.

Die meisten der Seitenkapellen wurden zwischen 1295 und 1309 von Dominique de Fauran erbaut. Sein Sohn Jacques de Fauran (1309–1336) errichtete das erste Stockwerk der Türme und vollendete den Bau des Chorhaupts. Danach wurden die Arbeiten von Raymond Aicard (1336–1349) langsam fortgesetzt, der die Fundamente des Querschiffs legen ließ und zwei Seitenportale an den Enden des Querschiffs begann. Pierre Daniel de Carcassonne und Louis Richecler (1349–1354) arbeiteten an dem Querschiff und den oberen Stockwerken der Türme. Später wurden diese restauriert, teilweise durch einen Brand im Jahr 1405 zerstört. Der Nordturm wurde von Erzbischof François de Conzié und dem Kapitel repariert.

Narbonne hat seit Beginn des 3. Jahrhunderts, der Zeit des ersten Bischofs, des Heiligen Paulus von Narbonne, einen Metropolitanbischof. Auf Bitten Karls des Großen erhob Papst Leo III. den Bischofssitz von Narbonne im Jahr 810 zum Erzbistum. Zwei Erzbischöfe, Guy Foulquoy im 13. Jahrhundert und Kardinal Giulio de Medici im 14. Jahrhundert, wurden unter den Namen Clemens IV. und Clemens VII. zu Päpsten. Das Erzbistum Narbonne blieb bis zum Konkordat von 1801 bestehen. In der neuen Organisation der Diözesen wurde die Stadt der Diözese Carcassonne angegliedert, deren Bischof erst seit 2004 an der Spitze der Diözese Carcassonne und Narbonne steht. Zwischen 1801 und diesem Datum war es der Erzbischof von Toulouse, der den erzbischöflichen Titel des Erzbischofs von Toulouse und Narbonne führte. Kardinal Saliège war der letzte Erzbischof von Toulouse, der dieses Amt führte.

Ursachen für die Einstellung der Bauarbeiten Die Kathedrale sollte die Form eines lateinischen Kreuzes haben. Es ist leicht zu erkennen, dass nur der Chor (der Kopf des Kreuzes) fertig ist und das Querschiff (die Arme des Kreuzes) gerade erst begonnen ist, ebenso wie das Hauptschiff (Füße des Kreuzes).

Die Gründe für diese Unvollständigkeit sind: Mangel an Geldmitteln, aber dies ist nicht der wichtigste Grund; Die Streitigkeiten im Stadtrat. Dieser zweite Grund war entscheidend, wie in der Folge dargelegt wird; Das Wiederaufflammen des Hundertjährigen Krieges. Im Jahr 1355 belagerte der Schwarze Prinz die Stadt, was zeigte, dass die Stadtmauern notwendig waren; Die Katastrophen, die im 14. Jahrhundert in der Stadt häufiger vorkamen, wie die Pest (1348 bis 1355), die die Stadt demoralisierte und Trümmer und Tod brachte, oder der Reiterangriff des Schwarzen Prinzen.

Diese Ereignisse hatten zu einer Neubewertung der Befestigungsanlagen geführt. Die Städte beeilten sich nun, ihre alten Mauern zu reparieren oder neue zu bauen. Bei dieser Gelegenheit brach mehr als ein Konflikt zwischen den verschiedenen Ansprüchen der Bischöfe, Herren und Stadträten aus, die sich die Gerichtsbarkeit und Autorität teilten. Die neuen Gebäude sollten an die Stadtmauer stoßen, und es war unmöglich, das geplante Querschiff zu bauen, ohne die alte vorgotische Stadtmauer aus dem 5. Jahrhundert niederzulegen. Aber auch die Stadträte, die behaupteten, die Eigentümer der Stadtmauern zu sein, versuchten, ihre Rechte geltend zu machen. Die Folge war ein Rechtsstreit.

Der Prozess zwischen dem Kapitel und den Stadträten Im Jahr 1925 veröffentlichte Abt Sigal eine detaillierte Studie über die Konfrontation zwischen den Stadträten der Stadt Narbonne und dem Kapitel bezüglich der Fertigstellung des Baus der Kathedrale von Narbonne.Sigal, L. (abbé): Études archéologiques narbonnaises, Imprimerie et librairie Édouard Privat, Toulouse, 1925 [Médiathèque de Narbonne : FL 24247 NAR] Die Stadträte von Narbonne, die sich bereits 1344 mit dem Erzbischof wegen des Abrisses des Kapitolsturms im Krieg befanden, widersetzten sich jedem Vorhaben des Kapitels, als dieses im Jahr 1345 die Mauern der Stadt niederlegen wollte. Trotz dieses Widerstands beschlossen die Kanoniker, mit der Fertigstellung der Kathedrale fortzufahren und appellierten an die Autorität des Königs. Dann begann 1345 dieser Prozess, der acht Jahre dauerte und 1354 ein plötzliches Ende fand. Der Abschluss fand erst 1361 statt. Daraufhin wurde Frieden zwischen dem Stadtrat und dem Kapitel geschlossen. Das Kapitel erhielt das Recht, einen Kreuzgang an die noch intakten Befestigungsanlagen zu bauen. Der Preis des Friedens war jedoch die unvollendete Kathedrale.

Eine Kathedrale der Nordgotik in südgotischer Form Nach Viviane PaulAutour des maitres d’œuvre de la Cathédrale de Narbonne, Kolloquium von 1992 sur über die mittelalterliche Kunst, Édition Ville de Narbonne. würde ein anderer Kompromiss die Gestaltung der Kathedrale von Narbonne erklären, die als vierte Kirche an diesem Ort gebaut wurde: „Die Kathedrale von Narbonne war nie ein Bauwerk, das direkt von Norden nach Süden verpflanzt wurde, sondern von Anfang an das Ergebnis eines Kompromisses, eines Ausgleichs zwischen Norden und Süden. Kam das Vorbild aus dem Norden, wurde der Geschmack der dortigen Geldgeber für die Architektur des Südens maßgeblich respektiert.“ Kimpel und Suckale vertreten demgegenüber die These, dass die Gotik der Île-de-France im Süden den sichtbaren Ausdruck für die Unterdrückung der häretischen Albigenserbewegung darstellte und betrachten sie als eine Form des KulturimperialismusDieter Kimpel, Robert Suckale: Die gotische Architektur in Frankreich 1130-1270. Hirmer Verlag, München 1995, ISBN 3-7774-6650-6, S. 227, S. 464..

Projekte zur Vollendung mini|Bauinschrift (1708) anlässlich der Grundsteinlegung von „Saint-Eutrope“ Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die Bauarbeiten allmählich eingestellt. In den folgenden Jahrhunderten wurden jedoch drei Versuche unternommen, den Bau zu vollenden:

Im Jahr 1514 ließ der Erzbischof Guillaume Briçonnet die alten Mauern abreißen, die zwischen den heute (seit 1708) Cour Saint Eutrope genannten Bauten und dem Gebäude verlaufen, das bis dahin noch die Kapelle der Blauen Büßer war, nachdem es die Templerkapelle außerhalb der Mauern gewesen war. Als die Anlage vergrößert wurde, ging das Gelände in den Besitz der Erzbischöfe von Narbonne über. Doch Briçonnet starb am 14. Dezember 1514.

Im Jahr 1708 griff Erzbischof Charles Le Goux de La Berchère die Pläne des Kapitels auf und ließ die Außenkapellen, die als Saint-Eutrope-Gebäude bekannt sind, im gotischen Stil, abgewandelt durch klassizistische Formen, errichten. Nach dem Tod des Erzbischofs am 2. Juni 1719 wurden die Arbeiten eingestellt. Sein Nachfolger, Erzbischof René de Beauvau, gab 1722 noch Mittel dafür aus, dann wurden sie wieder aufgegeben.

Schließlich unternahm Viollet-le-Duc 1840 den Versuch, das Werk aus dem 18. Jahrhundert mit einer befestigten Vorhalle zu versehen, doch Unstimmigkeiten mit der Bauhütte der Kathedrale führten nach wenigen Monaten zu seiner Abreise aus Narbonne, und die Arbeiten an der Kathedrale ruhen seitdem.

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