mini|hochkant|Johann Baptist Zwerger, Lithographie von Adolf Dauthage, s. a. mini|hochkant|Fürstbischof Johann Baptist Zwerger mini|hochkant|Bischofsstab Johann Baptist Zwergers (im Diözesanmuseum Graz) Johann Baptist Zwerger, auch Johannes Zwerger (* 23. Juni 1824 in Altrei (Südtirol); † 14. August 1893 in Graz), war ein römisch-katholischer Geistlicher und Fürstbischof von Seckau.
Leben Der Sohn einer seit alters in Altrei ansässigen Familie besuchte das Gymnasium der Franziskaner in Bozen und anschließend das der Jesuiten in Innsbruck. Er studierte in Brixen und Trient Philosophie und Theologie. Fürstbischof Johann Nepomuk von Tschiderer spendete ihm am 14. Dezember 1851 das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Trient.
Nach Tätigkeiten als Kaplan und Studienpräfekt am Priesterseminar sowie weiteren Studien in Wien lehrte er ab 1854 als Supplent und ab 1857 als ordentlicher Professor für Pastoraltheologie am Priesterseminar in Trient. Von 1858 bis 1862 war er Spiritual am Frintaneum in Wien, wo er auch als Prediger an der Kapelle der Hofburg wirkte. Nach der Rückkehr in das Bistum Trient wurde er 1863 Domherr sowie Provikar für den deutschen Anteil des Bistums Trient. Neben verschiedenen anderen diözesanen und kirchenrechtlichen Funktionen wurde er 1865 zudem zum Dompropst ernannt.
Auf Empfehlung seines Diözesanbischofs Benedikt Riccabona von Reichenfels nominierte ihn der Fürsterzbischof von Salzburg, Maximilian Joseph von Tarnóczy, am 14. August 1867 zum Fürstbischof von Seckau. Nach der Bestätigung der Wahl Zwergers am 12. Oktober desselben Jahres spendete ihm Fürsterzbischof von Tarnóczy am folgenden Tag im Salzburger Dom die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Trienter Fürstbischof Benedikt Riccabona von Reichenfels, der Bischof von Gurk, Valentin Wiery, der Bischof von Lavant, Jakob Ignaz Maximilian Stepischnegg, und der Salzburger Weihbischof Balthasar Schitter. Die Amtseinführung fand am 10. November desselben Jahres statt.
Zwerger kritisierte die Maigesetze von 1868, mit denen der im Konkordat von 1855 festgeschriebene Einfluss der Kirche im Bildungsbereich und im Personenstandswesen zurückgedrängt wurde. Der Innenminister von Cisleithanien, Carl Giskra, bezichtigte ihn deshalb der Friedensstörung, während er beim Diözesanklerus und den Gläubigen Zustimmung erhielt.
Er nahm als Konzilsvater an den Sitzungen des Ersten Vatikanischen Konzils teil und gehörte zur Majorität, die das Unfehlbarkeitsdogma annahm. Krankheitsbedingt reiste er schon vor der Schlussabstimmung im Juli 1870 ab, nahm das Dogma in seinem Bistum aber umgehend an. Er trat zudem für den Fortbestand des Kirchenstaats ein.
Die Herz-Jesu-Verehrung, die ihm aus seiner Heimat vertraut war, förderte er unter anderem durch die Weihe der Diözese an die Herzen Jau und Mariens im Juni 1869. Im großen Bauprojekt der Herz-Jesu-Kirche in Graz wollte er neben der Funktion als Pfarrkirche auch eine Wallfahrtskirche etablieren. Weitere Herz-Jesu-Kirchen entstanden während seiner Amtszeit in Selzthal und Grundlsee sowie nach seinem Tod in Zeltweg. Ebenso initiierte und unterstützte er den Bau der Vinzenzkirche in Graz. Er setzte sich für die Wiederbesiedlung der Abtei Seckau durch Benediktiner aus dem Prager Emmauskloster ein, die 1883 gelang. Das Grazer Knabenseminar ergänzte er um ein eigenes Gymnasium. Er förderte die Gründung karitativer Einrichtungen, initiierte die Steirischen Katholikentage 1869 und 1891 und visitierte alle Pfarren seiner Diözese wenigstens zweimal persönlich. Zwerger weihte in seiner 25-jährigen Amtszeit mehr als 800 Priester und publizierte eine Vielzahl allgemeinverständlicher Schriften zu religiösen und kirchenpolitischen Themen.
Das Grab Zwergers befindet sich in der Krypta der Grazer Herz-Jesu-Kirche; das dazugehörige Grabdenkmal wurde vom Gschiel-Schüler Hans Brandstetter geschaffen.
Schriften Neben ca. 60 Hirtenbriefen war Bischof Zwerger der Verfasser folgender Schriften: Was lehrt das allgemeine Vatikanische Concilium über die Unfehlbarkeit des Papstes? Für seine Diöcesanen beantwortet, 1870 Die Nothwendigkeit, die weltliche Herrschaft des Papstes wiederherzustellen, 1870 Die Lage der heiligen Kirche in den gegenwärtigen Bedrängnissen und die Pflichten der Katholiken, 1870 Die Volksschule in ihren Beziehungen zu Familie, Kirche und Staat, 1871 Die Reise in die Ewigkeit, 1872 Maria von den Engeln, 1872 Die gegenwärtige Empörung der Welt gegen Gott und unser Verhalten dabei, 1873 Die confessionellen Gesetzentwürfe, 1874 Die Schätze der römisch-katholischen Christen. Für seine Diöcesanen dargestellt, 1874 Ablaß und Jubiläum, 1875 Die schönste Tugend und das häßlichste Laster, 1876 Der Glaube als göttliche Tugend oder die Pflicht zu glauben in ihrer Begründung, Erfüllung und Übertretung, 1877 Die wahre Kirche Jesu Christi in ihrer Wesenheit und in ihren Beziehungen zur Menschheit, 1880
Nach seinem Tode wurden weitere Schriften publiziert, etwa: Johannes B. Zwerger: Apis ascetica. Eine Blumenlese aus ascetischen Werken. Zum eigenen Gebrauche gesammelt. Herausgegeben von Franz von Oer, Selbstverlag 1894
Ehrungen Zu den zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen, die Zwerger erhielt, gehören:
Ehrendoktor der Universität Wien (1864) Großkreuz des Franz Joseph-Ordens (1883) Titel Geheimer Rat (1889) Orden der Eisernen Krone I. Klasse (1891)
Literatur
Johann Baptist Zwerger, Fürstbischof von Seckau, Biografie, ohne Autor, Styria Verlag, Graz 1893 (107 Seiten)
Martin Kolozs: „Für seine Zeit der richtige Mann“. Lebensbild des Hirten Johannes Baptist Zwerger. Herausgegeben von der Johannes Zwerger Initiative Graz. Kyrene, Wien 2023, ISBN 978-3-902873-96-5., abgerufen am 25. Oktober 2023.
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