mini|hochkant|Georg Grimm (1879) Johann Georg Grimm, auch Johannes Georg Grimm oder kurz Georg Grimm, brasilianisch auch Jorge Grimm (* 22. April 1846 in See bei Bühl am Alpsee,Die NDB und auch brasilianische Quellen geben als Geburtsort Kempten an, stellen die Aussage aber mit Recht gleich wieder in Frage. Laut dem Autor le Maire hat Johann Georg Grimm selbst die Unsicherheit hervorgerufen, der auf entsprechende Fragen in Brasilien mit bei Kempten einfach einen größeren Ort nannte, den man in Übersee besser zuordnen konnte. heute zu Immenstadt im Allgäu gehörend; † 18. Dezember 1887 in Palermo) war ein deutscher Landschaftsmaler, lehrte an der Kunstakademie in Rio de Janeiro und führte die Freiluftmalerei in Brasilien ein.
Leben Jugendzeit, Schule und Schreinerhandwerk mini|Elternhaus und Schreinerwerkstatt
Johann Georg Grimm wurde als Sohn des Tischlers Johann Bernhard Grimm (* 1811; † 1881) und von Maria Anna Herz (* 1814; † 1851) in Bühl am Alpsee geborenMatrikeldatenbank der Akademie der Bildenden Künste München. (). In dem ebenfalls noch erhaltenen Werkstattgebäude unterhalb des Geburtshauses führte sein Vater die unterschiedlichsten Schreinerarbeiten aus – vom Tisch über die Holzvertäfelung von Wänden und Decken bis zu Booten für den Alpsee und Altären für Kirchen. Die Familie besaß außerdem eine größere Zahl kleiner Grundstücke, die sie verpachtete. Die Aussage früherer Quellen, Grimm habe aus ärmlichen Verhältnissen gestammt und zuerst als Hirte, dann Stellmacher und Anstreicher arbeiten müssen, lässt sich deshalb so nicht aufrechterhalten.
Grimm verlor schon mit fünf Jahren seine Mutter. Im gleichen Maß wie sich die Bindung Grimms an seine Heimat löste, orientierte sich das Bauerndorf mit der Eröffnung der Eisenbahn 1851 als Holz- und Viehverladestation und als Touristenort nach außen und öffnete auch den Sinn des jungen Grimm für die große Welt.
Johann Georg erhielt – wie sein zwei Jahre jüngerer und ebenfalls zeichnerisch begabter Bruder Johann Franz (* 1849; † 1933) – nach dem Besuch der Werktagsschule in See (Mai 1852 – April 1859) in der Zeichnungsschule in Immenstadt Unterricht in Architekturzeichnen, Kalligraphie und Ornamentzeichnen. Sein Abschlusszeugnis zeigte in den meisten Fächern „vorzüglich“, die schlechteste Note war „sehr gut“.
Johann Georg erlernte das Schreinerhandwerk und lebte zunächst bei seinem Vater in Bühl am Alpsee. Er soll Aufträge zum Bau von Ruderbooten nicht zuletzt deshalb bekommen haben, weil der Sohn sie so schön zeichnen konnte.
mini|Die Bibliothek in Schloss Rauhenzell weckte die Begeisterung für die Malerei
Ein Auftrag zum Erneuern der Bibliothek des Schlosses Rauhenzell bei Immenstadt, die heute noch unverändert vorhanden ist, gab den entscheidenden Anstoß für den Lebensweg des jungen Schreiners. Er fand dort laut seinem späteren brasilianischen Schüler Parreiras Kunstbücher, die ihn derart fesselten, dass er beschloss, sich ganz der Malerei zuzuwenden.
Es sind dann Lehr- bzw. Arbeitsverhältnisse als Maler in Kempten (August 1865 – Februar 1866), Neustiftob bei Freising, Vilshofen, in Österreich oder in Südtirol ist nicht bekannt; Le Maire Grimm, Künstlerkarriere S. 12. und in München (Juni 1867) bekannt.
Studium Im Juli oder November 1867 wurde Grimm als Eleve in die Akademie der Bildenden Künste München aufgenommen und studierte dort trotz erheblichen finanziellen und materiellen Einschränkungen bis April 1870.
Nach der bisherigen Grimm-Forschung hat sich Grimm nicht über seine Lehrer geäußert. Die Münchner Akademie hatte damals einen herausragenden Ruf, den Karl von Piloty, Wilhelm von Kaulbach und Moritz von Schwind begründeten. Vor allem Piloty werden hervorragende pädagogische Fähigkeiten nachgesagt. Er habe, obwohl penibler Historienmaler, mit seinen Studenten in freier Natur gemalt. Es wäre unwahrscheinlich, wenn ein junger, lernbegieriger Mann wie Grimm sich nicht mit der Kunst dieser hoch angesehenen Professoren im Detail beschäftigt hätte.
Sein späterer Lieblingsschüler Antonio Parreiras erinnerte sich an Berichte Grimms, wonach dieser in München in bitterer Armut gelebt haben soll. Er habe Brot gegessen, das zum Reinigen von Bildern verwendet und deshalb schwarz geworden war, und dass er dazu Wasser trank. Er sei an der Akademie durch seinen ungeheuren Fleiß aufgefallen.
Brasilianische Quellen berichten, Grimm habe 1870 seine Studien unterbrochen, um am Deutsch-Französischen Krieg teilzunehmen.Art Encyclopedia: (Johann) Georg Grimm. Dies ist zwar denkbar; allerdings gibt es keine Briefe oder andere Dokumente, die auf diesen Abschnitt hinweisen.
1872 wechselte Grimm nach Berlin zur dortigen Akademie. Da er sich keine Bahnfahrt leisten konnte, ging er zu Fuß dorthin. Eine Wohltäterin ließ ihn an den Stuck-Kursen der Freien Schule immatrikulieren.was es mit diesem Hinweis in der NDB genau auf sich hatte, konnte noch nicht geklärt werden. Schon im Oktober desselben Jahres (1872) verließ Grimm Berlin. Seinen Eltern schrieb er, dass er […] wieder nach München und dann nach Italien wolle, da soll das Studieren erst recht losgehen, er lasse sich durch nichts beirren auf seiner dornenvollen Bahn.
Die Akademie in Rom wird ebenfalls als Studienort Grimms genannt.siehe Weblink LeMaire2006.
Therese Ravoth In Grimms Lebensdaten taucht immer wieder eine geheimnisvolle Gönnerin auf. Der deutsche Grimm-Forscher le Maire ist inzwischen überzeugt, dass es sich um Therese Carolina Ravoth, Frau eines Chirurgieprofessors und Malerin aus Berlin handelte, die Grimm wahrscheinlich in München kennenlernte. Die 19 Jahre ältere Kunstbegeisterte wurde nach le Maire vermutlich eine Art Ersatzmutter, mit der der Halbwaise Grimm bis zu seinem Tod in Kontakt blieb. Sie holte ihn 1872 an die Akademie nach Berlin und unterstützte ihn möglicherweise finanziell für seine Studienreisen in den Jahren von 1872 bis 1875 nach Italien und um das westliche Mittelmeer. Jedenfalls traf Grimm sich 1873 mit Ravoths Sohn Max und dessen Freunden in Rom. Auch von seinem von Brasilien aus angetretenen zweiten Mittelmeeraufenthalt ist in 1880 ein Treffen mit der damals bereits verwitweten Therese Ravoth in Italien bekannt.
Erste Mittelmeerreise 1872–1877 Dank großzügiger Unterstützung wohlhabender Freunde verließ Grimm Ende 1872 Deutschland und hielt sich bis 1877 fast ausschließlich im Mittelmeerraum auf. Lange Reisen führten ihn durch Italien, wo er mehrfach Rom, Neapel und Capri besuchte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin kehrte er 1874 nach Italien zurück und kam über Sizilien (Trapani) nach Tunesien und Algerien, dann nach Spanien (Granada und Toledo), Frankreich, England, Portugal. Dort in Lissabon entschloss er sich überraschend 1877 nach Brasilien überzusetzen.
Die etwa 200 Zeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde mit Ansichten, Landschaften und Kostümbildern halten Grimms Reiseeindrücke fest. Die in Rom entstandenen Akt- und Kostümstudien in Aquarell bezeichnen Fachleute als herausragend. Zu Grimms Leidenschaft für den Mittelmeerraum ist zu bemerken, dass er diese Vorliebe mit vielen Künstlern seiner Zeit teilte. Dabei bleibt auch für C. R. Maciel Levy unklar, welche Beweggründe Grimm letztlich nach Südamerika in eine große Metropole mit wundersam tropischer Natur gezogen haben.
mini|links|hochkant|Georg Grimm: Vista do cavalão, Landzunge in Niteroi
Brasilien 1877–1879 Grimm kam im August 1877 in Rio de Janeiro an und arbeitete zunächst bei einem deutschstämmigen Unternehmer namens Friedrich Anton Steckel, der sich auf den Farbanstrich von Häusern und Schiffen, Vergoldung, Inneneinrichtung, Inschriften, Schilder und Verkauf von Malerbedarf spezialisiert hatte.
Grimm unternahm in dieser Zeit keine großen Reisen. Er besuchte jedoch häufig Dörfer und kleine Städte im Hinterland von Rio, so im Großraum Vale do Paraíba (Paraíba do Sul) sowie Petrópolis, Valença und in der Provinz Minas Gerais. Er malte dort für reiche Großgrundbesitzer detailgetreue Bilder von Kaffeeplantagen und anderen Landgütern. Obwohl vom Ursprung her nicht den Landschaftsgemälden zuzuordnen, gelten diese mit höchster Genauigkeit ausgeführten Auftragsarbeiten als bedeutsame Beispiele dieses Genres.
Mit der guten Entlohnung konnte Grimm ein besseres Leben führen und sich für die hungrigen Studienjahre entschädigen.
Zweite Mittelmeerreise 1880–1881 Von Anfang 1880 bis Juli 1881 hielt sich Grimm erneut in Europa auf, davon anlässlich des Todes seines Vaters neun Monate in seiner Heimat im Allgäu. Anschließend bereiste er noch einmal den Mittelmeerraum (Italien, Griechenland, Türkei, Syrien, Libanon, Palästina und Ägypten). Ein längerer Aufenthalt auf Korsika schloss sich an. Über die französisch-italienische Riviera, Paris und Bordeaux kehrte er schließlich nach Brasilien zurück. Die Reise ist einzig anhand eines kleinen Skizzenhefts zu rekonstruieren.
Ausstellung 1882 und Professur Im März 1882 führte die Sociedade Propagadora das Belas Artes im Liceu de Artes e Ofícios in Rio de Janeiro eine öffentliche Kunstausstellung durch, auf der von den 418 präsentierten Werken allein 128 von Grimm stammten. Die überwiegend zwischen 1873 und 1876 auf seinen Reisen in Europa entstandenen Ölgemälde und Aquarelle hatten einen gewaltigen Erfolg. Grimm erhielt die Goldene Medaille und wurde von Presse und Kritik einhellig gelobt. Auf persönliche Intervention des Kaisers von Brasilien Pedro II. bot man Grimm im Auftrag der Regierung den seit September 1881 vakanten Lehrstuhl für Landschaftsmalerei der Academia Imperial de Belas Artes (kurz AIBA, deutsch: Kaiserliche Akademie der Schönen Künste) an.Die Akademie wurde 1816, gegen Ende der Kolonialzeit vom portugiesischen König D. João VI (1816–1826) gegründet und ist heute als Escola de Belas Artes Teil der Universität von Rio de Janeiro (siehe Artikel in der portugiesischsprachigen Wikipedia)
Grimm begann im Juni 1882 zu unterrichten. Seine Schüler zählten später Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jh. zu einer der brillantesten Malergenerationen der brasilianischen Kunst.
In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit transformierte er die Unterrichts- und Lehrmethoden an der Akademie grundlegend, indem er die Freiluftmalerei einführte.
Allerdings formierte sich mit der Zeit in der Akademieleitung und bei Kollegen der Widerstand gegen Grimms Unterrichtsmethodik, die Freiluftmalerei und den von ihm vertretenen nüchternen, naturbezogenen Realismus, der der an der Akademie gepflegten Malerei widersprach. Wegen ständiger Meinungsverschiedenheiten verlängerte Grimm Mitte 1884 seinen Vertrag nichtDa Grimm Ausländer war, musste die Professur jährlich erneuert werden (Le Maire Grimm, Künstlerkarriere S. 17) und verließ die AIBA.
Künstlergruppe „O grupo Grimm“ mini|links|Blick von Rio auf Niteroi heutelinks das Museu de Arte Contemporanea mini|Strand von Icaraí im Stadtteil Niteroi, Blick auf Rio
Er zog mit seinen Schülern und Freunden nach Niteroi und beschäftigte sich mit Studien in der Freiluftmalerei. Seine bekanntesten Schüler waren Antônio Parreiras und Giovanni Battista Castagneto. Zusammen mit Domingo García y Vásquez, Hipólito Boaventura Caron, Joaquim José da França Júnior, Francisco Joaquim Gomes Ribeiro, Estêvão Silva und Thomas Georg Driendl wurden sie später O grupo Grimm (auch Escola da Boa Viagem) genannt. Dieser Künstlerkreis war bald Meinungsführer in der brasilianischen Kunstszene und setzte wesentliche Akzente für die zukünftige Malerei in Brasilien. Aus zahlreichen Gründen wurde die Bildung der Gruppe Grimm eines der bedeutendsten Ereignisse in der Entwicklung der brasilianischen Kunst während des 2. Kaiserreiches.
mini|Berg Dedo de Deus (Der Finger Gottes) in Teresopolis