mini|Automatensaal der Spielbank Wiesbaden (2013) mini|Spielbank Magdeburg (2016) Ein Spielautomat ist ein ursprünglich mechanisch, später elektromechanisch und heute meist elektronisch funktionierendes, Screen-basiertes Gerät, das nach Münzeinwurf, Eingabe einer Banknote oder eines werthaltigen Tickets einen Spielverlauf startet, dessen Ergebnis durch Zufall und Spielerbetätigungen bestimmt wird.

Motiv zum Spielen sind Unterhaltung und Hoffnung auf einen Gewinn. Kommerzielle Nutznießer des Automaten sind in der Regel der Betreiber sowie der Staat, der – sofern es sich um legal aufgestellte Geräte handelt – einen nicht unbeträchtlichen Teil des Gewinnes als Vergnügungs- bzw. Spielbankabgabe erhält.

Begriffsbedeutung mini|Flipper-Automat Mit dem Begriff „Spielautomaten“ werden in Deutschland meist Geldspielgeräte im Sinne des der Gewerbeordnung (GewO) bezeichnet, wie sie in Gaststätten und Spielhallen aufgestellt werden dürfen. Allerdings wird die Begriffsbedeutung teilweise auch weiter gefasst:

Einarmige Banditen oder Slotmachines, die mit heute weitgehend identischen Spielangeboten wie in Geldspielgeräten, aber mit deutlich höheren Einsatzmöglichkeiten und Gewinnchancen in Spielcasinos betrieben werden (siehe Abschnitt Spielautomaten in Spielbanken). Unterhaltungsautomaten ohne Geldgewinnmöglichkeit wie Flipperautomaten Arcade-Automaten mechanische Automaten Eine Kombination von Verkaufsautomat und Glücksspiel sind Greifautomaten.

In Spielbanken wird das Automatenspiel oft als „Kleines Spiel“ bezeichnet in Abgrenzung zum „Großen Spiel“, das die klassischen Glücksspiele wie Roulette und Black Jack umfasst.Spielbanken Bayern: § 1 Spielbankordnung (Stand 30. August 2019)

Spielablauf Obwohl programmgesteuerte Spielautomaten, die heute fast ausnahmslos Bildschirm-basiert realisiert werden, sehr komplexe Spielabläufe aufweisen können (darunter auch klassische Kasinospiele wie Black Jack, Poker und Roulette), folgen die meisten Spielautomaten in den Grundzügen ihren elektromechanischen Vorbildern: Ein Spiel umfasst den Lauf von 3 bis 6 Walzen, die jeweils pro Halteposition mit einem Symbol versehen sind. Dabei werden, bedingt durch die Größe eines Sichtfensters, bei jeder Walze jeweils die Symbole zu einer bestimmten Anzahl von Haltepositionen angezeigt. Sehr verbreitet sind Spielabläufe mit 5 Walzen, bei denen jeweils 3 Symbole, d. h. die Symbole von 3 Haltepositionen, zu sehen sind. Meist führen drei oder mehr übereinstimmende Symbole zu einem Gewinn, sofern sie am linken Rand beginnend und ununterbrochen auf geraden oder anderweitig suggestiv erscheinenden Linien liegen.IGT, Introduction to Slots and Video Gaming, Las Vegas 2005, abgerufen am 25. Mai 2020

Viele Spielautomaten verfügen über ein Jackpotsystem. Meist handelt es sich um einen „progressiven Jackpot“, bei dem ein Jackpotzähler in kleinen Schritten erhöht wird, um den derart kumulierten Wert bei Eintritt eines bestimmten Ereignisses („Jackpot-Auslösung“) auszuschütten.Spielbanken Bayern, .IGT, Introduction to Slots and Video Gaming, Las Vegas 2005, abgerufen am 25. Mai 2020, S. 25 In Spielbanken werden meist sogar mehrere Geräte an ein gemeinsames Jackpotsystem angeschlossen (LAN progressive machines, d. h. Local-Area Network progressive machines in Abgrenzung zu Stand-Alone Progressive machines), wobei ein vorher festgelegter Prozentsatz des Spieleinsatzes in den zentralen Jackpotzähler transferiert wird, um beim Gewinnereignis diesen kumulierten Betrag an einem teilnehmenden Spielautomaten als Gewinn auszuzahlen. Ein solches Jackpotsystem kann auf eine einzelne Spielbank beschränkt sein, aber auch Spielbank-übergreifend funktionieren (WAP machines, d. h. Wide-Area Progressive machines) z. B. über ein gesamtes Bundesland wie beim Bayern-Jackpot. Die aktuellen Stände von Jackpots werden zum Zweck der Werbung heute in der Regel im Internet veröffentlicht.Für das Beispiel der Spielbank Feuchtwangen inklusive dem Stand des Bayern-Jackpot auf der . Eine Standardisierung für progressive Jackpots liegt mit der Spezifikation GLI-12 vor.

mini|Cashout-Ticket (Muster), wie es in Spielbanken verwendet wird Die Auszahlung der an einem Spielautomaten erzielten Gewinne erfolgt klassisch in Form von Münzen aus entsprechenden Auszahleinheiten, sogenannten „Hoppern“ (eigentlich Coin-Hopper), heute auch in Form vom Banknoten aus „Banknotenrecyclern“ oder durch Handauszahlung des Aufsichtspersonals. Zumindest in Casinos erfolgt die Auszahlung heute weitgehend bargeldlos in Form von Guthaben-Tickets („TiTo“: Ticket in, Ticket out). Hierbei druckt das Gerät nach Drücken der Auszahltaste ein Ticket aus, auf dem der Gewinnbetrag aufgedruckt ist. Dieser Gutschein in der Größe eines US-Dollars kann anschließend statt einer Banknote für das Spiel an einem anderen Gerät (innerhalb des gleichen Casinos) verwendet werden oder an einem Rückwechselautomat in Bargeld getauscht werden.IGT, Introduction to Slots and Video Gaming, Las Vegas 2005, abgerufen am 25. Mai 2020, S. 62–64. Handauszahlungen sind in amerikanischen Casinos nur noch bei Gewinnen über 1199 $ erforderlich, da ein höherer Gewinn steuerpflichtig ist.

Im Jahr 1990 wurden die ersten Online-Casinos veröffentlicht und bieten seitdem auch Online-Spielautomaten an.

Regulierung und statistische Analyse Wie auch andere Glücksspiele unterliegen Spielautomaten und ihr Betrieb umfangreichen rechtlichen Regelungen, die je nach Rechtsordnung und Lokalität der Automatenaufstellung differieren. Basierend auf solchen Regulierungen, insbesondere solchen für Casinos, wurde von den Gaming Laboratories International LLC eine Zusammenstellung von technischen Anforderungen in Form der technischen Norm GLI-11 erstellt,, siehe insbesondere Kapitel 1.1 und 1.2 die als Grundlage einer Prüfung und eines darüber erstellten Zertifikats durch eine dafür akkreditierte Prüfstelle dienen kann. Die Anforderungen beziehen sich sowohl auf die technische Sicherheit (Schutz gegen Manipulationen, Veränderungen sowie Störungen, beispielsweise nach einer Spannungsunterbrechung), als auch auf Transparenz gegenüber dem Spielpublikum sowie den Finanz- und Aufsichtsbehörden.

Bestandteil der Anforderungen nach GLI-11 ist insbesondere, dass die innerhalb des Spielverlaufs zufällig bestimmten Haltepositionen gleichverteilt sind, 3.2.3 und ein Zufallsergebnis keine Auswirkung auf zukünftige Zufallsentscheidungen haben darf., 3.2.4 Programmtechnisch werden Pseudozufallsgeneratoren verwendet, deren Ergebnisse im Rahmen eines statistischen Tests qualitativ nicht von den Ergebnissen eines klassischen Zufallsprozesses auf Basis eines Würfels oder eines Roulette-Kessels unterschieden werden können., 3.2.2

GLI-11-konforme Spielautomaten lassen sich daher auf Basis der sogenannten PAR Sheets (kurz PARS für Probability Account Reports Sheets)Kevin A. Harrigan, Mike Dixon: PAR Sheets, probabilities, and slot machine play: Implications for problem and non-problem gambling, Journal of Gambling Issues, Band 23, 2009, S. 81–110, doi:10.4309/jgi.2009.23.5 mathematisch mit Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung vollständig berechnen.Stewart N. Ethier, The doctrine of chances: Probabilistic aspects of gambling, Berlin 2010, ISBN 978-3-540-78782-2, Chapter 12, Slot machines, doi:10.1007/978-3-540-78783-9 12 Dazu müssen die Wahrscheinlichkeiten der möglichen Gewinnkombinationen aus den Symbolbelegungen der einzelnen Walzen mit Methoden der Kombinatorik berechnet werden. Anschließend kann der relativ auf den Einsatz bezogene Erwartungswert der Gewinne (Auszahlquote, auch RTP für return to player) berechnet werden; ebenso die Volatilität, und zwar bei stochastisch unabhängigen Spielverläufen in Form der Standardabweichung.

Im Fall klassischer, das heißt mechanischer und elektromechanischer, Spielautomaten ist eine solche Berechnung vergleichsweise elementar möglich,M. Klemt, Prüfung, Zulassung und Überwachung von mechanisch betriebenen Spielgeräten, in: Bundeskriminalamt Wiesbaden, Bekämpfung von Glücks- und Falschspiel, 1955, S. 137–147, insbes. S. 141Martin Klemt, Prüfung der Auszahlungs- und Trefferwartung von Glücksspielen nach statistischen Methoden, . wobei die Sicherstellung einer genügenden Zufälligkeit technisch sehr aufwändig war.Wolfgang Scheibe, Zufallsgeber in Geldspielgeräten, .Martin Klemt, Prüfung von Geldspielgeräten durch die PTB, Automaten-Markt, 1969, Heft 3, S. 7–10, online. Dagegen kann die Berechnung für moderne programmgesteuerte Spielautomaten mit einer hohen Anzahl von Haltepositionen auf den bis zu 6 Walzen, diversen Einfluss- und Auswahlmöglichkeiten sowie aufgrund von erst in späteren Spielen realisierten Gewinnoptionen, wie sie erstmals in einem Spielautomaten bereits 1936 realisiert wurden,S. N. Ethier, Jiyeon Lee, A Markovian slot machine and Parrondo's paradox, The Annals of Applied Probability, Band 20 (2010), S. 1098–1125, doi:10.1214/09-AAP653, Preprint bei arXiv.org (frei zugänglich). sehr kompliziert werden. Für die letztgenannten Gewinnoptionen bedarf es mathematisch einer Modellierung mittels einer Markow-Kette.Noelia Oses, Markov chain applications in the slot machine industry, OR Insight, Band 21 (2008), Heft 9, S. 9–21, doi:10.1057/ori.2008.53.

Geschichte Die Anfänge mini|Liberty Bell (1899) Der Name einarmiger Bandit kommt von dem englischen Ausdruck one-arm(ed) bandit und daher, dass solche Automaten früher nur einen Arm (Hebel) hatten, aber dem Benutzer wie ein Dieb oder Betrüger die Taschen leerten, entsprechend der Bedeutung von bandit in der Umgangssprache. In den USA werden diese Geräte auch slot machine (slot bezeichnet den Münzeinwurfschlitz), in Australien poker machine und in Großbritannien fruit machine (= Obstmaschine, nach den Symbolen auf den Walzen) genannt.

Das Betätigen eines Hebels setzt Walzen mit Symbolen in Bewegung, wobei der Spielablauf anfänglich rein mechanisch realisiert wurde, später elektro-mechanisch und heute programmgesteuert. Ziel eines 2 bis 3 Sekunden dauernden Spiels ist es, dass die Walzen nach dem Stehenbleiben in bestimmten Positionen übereinstimmende Symbole anzeigen.

Der erste aller Geldspielautomaten war die Black Cat der Brüder Caille. Erbaut im Jahr 1889 hatte sie schon den typischen Seitenarm und erhielt als erste die Bezeichnung „einarmiger Bandit“.

Besondere Bekanntheit erlangte das Gerät Liberty Bell des aus Schwaben nach Kalifornien ausgewanderten Maschinenbauers Charles August Fey, welches er 1899 in San Francisco erfand.Alfried Schmitz: Der Einarmige Bandit planet-wissen.de 1. Juni 2009 (Abgerufen am 8. April 2012)Nic Costa: Automatic Pleasures, The history of coin machine. London 1988, S. 37. Diese Slotmachine war die erste mit einem 3-Walzen-Spielsystem. Der Name leitete sich vom Symbol, das bei dreifachem Erscheinen den Höchstgewinn auslöste. Aufgrund der fehlenden Patentanmeldung dieser Erfindung geriet das System zum Allgemeingut der Glücksspielbranche.Für die ganze Geschichte rund um Charlie Fey und die Liberty Bell siehe: Marshall Fey: Slot machines, a pictorial history of the first 100 years. Reno 1989, S. 37–43. Vor der Etablierung dieses Systems produzierten viele Hersteller Stand-Slots, die nach dem Rouletteprinzip funktionierten und bei denen auf eine Farbe gesetzt werden musste, bevor man die Roulettescheibe meist mit einem Hebel in Bewegung versetzte.

Die weitere Entwicklung