mini|Cologne Oval Offices, Baustelle eines grünen Gebäudes in Köln-Bayenthal.

Als grünes Gebäude (engl. green building) wird ein Gebäude bezeichnet, das unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit entwickelt wurde.Website des U.S. Green Building Council, abgerufen am 4. April 2012 Die Gebäude zeichnen sich unter anderem durch eine hohe Ressourceneffizienz in den Bereichen Boden, Energie, Wasser und Material aus, während gleichzeitig schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt reduziert werden. Der Leitgedanke wird dabei idealerweise über alle Phasen des Gebäude-Lebenszyklus von der Projektentwicklung, der Planung und der Konstruktion über den Betrieb, die Wartung und die Demontage verfolgt.Frej, Anne B., editor. Green Office Buildings: A Practical Guide to Development. ULI--The Urban Land Institute, Washington, D.C. 2005, S. 4–8.

Als grünes Gebäude wird in der Architektur oder Denkmalpflege ebenfalls ein Gebäude bezeichnet, das hauptsächlich in Grüntönen gehalten ist, sei es durch einen grünen Farbanstrich der Putzfassaden oder durch grüngetönte Schutzglasfassaden.

Übersicht Die Klassifizierung als Grünes Gebäude soll den allgemeinen Einfluss der bebauten Umwelt auf die menschliche Gesundheit und die natürliche Umgebung durch folgende Maßnahmen reduzieren: effiziente Nutzung von Energie, Wasser und anderen Ressourcen, Schutz der Gesundheit der Gebäudenutzer und Verbesserung der Produktivität der Angestellten, Reduzierung von Abfall, Umweltverschmutzung und UmweltzerstörungBasic Information | Green Building |US EPA

Einem ähnlichen Konzept folgt das ökologische Bauen, welches Aspekte der Nachhaltigkeit in den Neubau von Gebäuden und die Instandsetzungsmaßnahmen und Sanierung bestehender Gebäude überträgt.Carl-Alexander Graubner und Katja Hüske: Nachhaltigkeit im Bauwesen: Grundlagen – Instrumente – Beispiele. Ernst & Sohn Verlag, Berlin 2003, ISBN 978-3-433-01512-4. Andere sinnverwandt benutzte Bezeichnungen für das oben genannte Verfahren sind nachhaltiges Planen und „grüne“ Architektur.

Die damit verbundenen Konzepte nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit sind fester Bestandteil von Praktiken zur Errichtung grüner Gebäude. Der tatsächliche Einsatz von grünen Gebäuden hat mehrere Vorteile: reduzierte Betriebskosten durch erhöhte Produktivität und verminderten Verbrauch von Energie und Wasser, verbesserte Gesundheit von Öffentlichkeit und Nutzern dank verbesserter Innenluft-Qualität und reduzierte Umweltbelastung, beispielsweise durch die Verminderung von Regenwasserabfluss und die Vermeidung von Hitzeinseleffekten.

Prinzip des nachhaltigen Bauens Der klassische Ansatz der Nachhaltigkeit basiert auf drei Dimensionen: Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles.

Diese drei Dimensionen sind als gleichwertig zu betrachten. Zudem sind insbesondere die Planung und Ausführung, die technischen Eigenschaften sowie Standortmerkmale qualitätsbestimmend. Ziel ist es, das Gebäude über dessen gesamten Lebenszyklus zu optimieren, den Energie- und Ressourcenverbrauch zu minimieren und die Umweltbelastung zu verringern.Prinzip des nachhaltigen Bauens

Weil in Gebäuden generell sehr viel graue Energie steckt, ist es heute angebracht, bei Verdichtung im Siedlungsgebiet oder der Planung von Neu- und Ersatzbauten bestehende Gebäude mit angepassten Mitteln zu modernisieren und für neue Nutzungen tauglich zu machen: Renovierung, Umbau, Anbau, Aufstockung und nur teilweiser Abbruch sind die wichtigsten Mittel, in der Bauwirtschaft den Ressourcenverbrauch zu senken und die graue Energie zu erhalten und für einen weiteren Zyklus zu nutzen.

Die Umweltverträglichkeit von Gebäuden Besonders in Industrienationen verbrauchen Gebäude viel Land, Energie und Wasser. Somit sind sie auch für Veränderung von Luft und Erdatmosphäre verantwortlich. In den Vereinigten Staaten werden pro Jahr mehr als 8.100 Quadratkilometer an Freiflächen, Wildtierhabitaten und Feuchtgebieten erschlossen.

40 % der im Jahr 2006 von Bürgern der Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union insgesamt konsumierten Energiemenge wurden von Gebäuden verbraucht.S. Baden u. a.: Hurdling Financial Barriers to Lower Energy Buildings: Experiences from the USA and Europe on Financial Incentives and Monetizing Building Energy Savings in Private Investment Decisions. (PDF; 164 kB) Proceedings of 2006 ACEEE Summer Study on Energy Efficiency in Buildings. American Council for an Energy Efficient Economy, Washington DC, August 2006.US Department of Energy. Annual Energy Review 2006. 27. Juni 2007. Gefunden am 27. April 2008. Innerhalb dieses Anteils wurden in den USA 54 % der Energie für Wohnbauten und 46 % für Wirtschaftsgebäude aufgebraucht.Energy Information Administration. US Department of Energy. „Energy Consumption by Sector.“ 2007. Gefunden am 16. Juli 2008. Beim Verbrauch von Elektrizität kamen Gebäude im Jahr 2002 auf 68 % der in den USA konsumierten Gesamtmenge, wobei Wohnbauten davon 51 % und Wirtschaftsgebäude 49 % verbrauchen. Gleichsam sind für 38 % des in den Vereinigten Staaten ausgestoßenen Kohlendioxids Gebäude verantwortlich, davon entfallen 20,6 % auf Eigenheime und 17,5 % auf Gebäude für gewerbliche Zwecke. Außerdem verursachen Gebäude 12,2 % des Wasserbedarfs der USA.

Diese Statistiken verdeutlichen laut EPAEnvironmental Protection Agency, dass der Verbrauch von natürlichen Ressourcen durch Gebäude deutlich gesenkt werden muss.Environmental Protection Agency Green Building Workgroup, Building and the Environment: A Statistical Summary, December 2004, (PDF; 119 kB) Gefunden am 29. April 2008.

Allerdings wird die mögliche Umweltverträglichkeit von Gebäuden häufig unterschätzt, während die Kosten für das „grüne“ Bauen überschätzt werden. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des World Business Council for Sustainable Development hat ergeben, dass die Kosten um bis zu 300 % überschätzt werden. Leistungsträger aus dem Liegenschafts- und Baugewerbe schätzen die zusätzlichen Kosten immer noch auf etwa 17 % über dem Niveau für herkömmliches Bauen, was jedoch mehr als dem Dreifachen der tatsächlichen Kostendifferenz von lediglich 5 % entspricht.World Business Council for Sustainable Development, August 2007,

Maßnahmen zum Bau grüner Gebäude Der Bezeichnung grünes Gebäude wird eine große Zahl an Praktiken und Techniken zugeordnet, die zur Reduzierung und Eliminierung von Einflüssen von Gebäuden auf die Umwelt sowie die menschliche Gesundheit beitragen sollen.

Oft wird die vorrangige Nutzung erneuerbarer Ressourcen betont, wie beispielsweise die Nutzung von Sonnenlicht durch passive, aktive und photovoltaischen Techniken sowie der Einsatz von Pflanzen und Bäumen auf begrünte Dächer, in Regengärten und zur Reduktion von Regenabfluss. Viele andere Techniken, wie die Nutzung von komprimiertem Kies für Parkplätze anstelle von Beton oder Asphalt, um die Auffüllung des Grundwassers zu verbessern, kommen dabei ebenfalls zum Einsatz. Effektive grüne Gebäude bestehen jedoch aus mehr als nur einer zufälligen Kollektion von umweltfreundlichen Technologien.Hal Levin, 1996. BEST SUSTAINABLE INDOOR AIR QUALITY PRACTICES IN COMMERCIAL BUILDINGS Sie erfordern vielmehr eine sorgfältige und systematische Planung bezüglich der beim Bau verwendeten Ressourcen – sowohl hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt als auch des Verbrauchs –, aber auch der Emission von Verunreinigungen, und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg.

Gleichzeitig gründet die Philosophie von „grüner“ Architektur und nachhaltiger Planung auf der Absicht, das Design eines Gebäudes unter ästhetischen Gesichtspunkten in Harmonie zu den natürlichen Gegebenheiten und Ressourcen seiner Umgebung zu bringen. In diesem Zusammenhang sind verschiedene zentrale Maßnahmen nötig: das Ausfindigmachen von „grünem“ Material aus lokalen Quellen, die Reduzierung von Belastungen, die Optimierung von Systemen und die Entwicklung von vor Ort erneuerbarer Energie.

Materialien für grüne Gebäude mini|Als schnell nachwachsender Rohstoff gehört Bambus zu den Materialien, die in einem grünen Gebäude häufig zum Einsatz kommen. Zu den typischerweise als „grün“ bezeichneten Baumaterialien gehören unter anderem schnell nachwachsende Pflanzenmaterialien wie Bambus und Stroh, Holz aus umweltverträglich bewirtschafteten Wäldern, Naturstein, recycelter Stein, recyceltes Metall und andere Produkte, die ungiftig, wiederverwertbar, erneuerbar und/oder recycelbar (z. B. Trass, Linoleum, Schafwolle, Fußbodenplatten aus Papierflocken, gebrannte Erde, Stampferde, Ton, Vermiculit, Leinen, Sisal, Seegras, Kork, gekörntem Blähton, Kokosnuss, Holzfaserplatten, Kalzium-Sandstein etc.) sind.Duurzaam en Gezond Bouwen en Wonen by Hugo Vanderstadt Baumaterialien sollten in der lokalen Umgebung des Baugeländes gewonnen und aufbereitet werden, um die Energie zu minimieren, die für ihren Transport aufgebracht werden muss. mini|Solarzellen wandeln die Strahlungsenergie von Licht direkt in elektrische Energie um.

Reduzierter Energieverbrauch In grüne Gebäude werden häufig Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs implementiert. Um die Effizienz der Gebäudehülle (die Schwelle zwischen klimatisierter und unklimatisierter Zone) zu steigern, werden beispielsweise Hochleistungsfenster und Dämmstoffe in Wände, Dächer und Böden eingesetzt. Eine andere Strategie – die Einbindung von passiver Sonnenenergie – kommt oft in energiearmen Häusern zum Einsatz. Die Planung von Fenstern, Wänden, örtlichen Sonnensegeln, Vordächern und BäumenSimpson, J.R. Energy and Buildings, Improved Estimates of tree-shade effects on residential energy use, February 2002. doi:10.1016/S0378-7788(02)00028-2 orientiert sich dabei an dem Anspruch, Fenster und Dächer für die Sommermonate möglichst in beschatteten Arealen zu platzieren, während in den Wintermonaten ein maximaler Gewinn an Sonnenenergie erzielt werden soll. Hinzu kommt, dass das effektive Platzieren von Fenstern die Bereitstellung von mehr Tageslicht und dadurch die verringerte Nutzung von elektrischem Licht während des Tages ermöglicht. Solarbetriebene Wasserheizungen können zudem die Energiebelastung reduzieren.

Außerdem kann die Erzeugung von erneuerbarer Energie vor Ort durch Solarenergie, Windkraft, Wasserenergie oder Biomasse signifikanten Einfluss auf die Umweltverträglichkeit des Gebäudes haben. Nicht zuletzt stellt die Stromerzeugung schließlich auch den kostenintensivsten Posten eines Gebäudes dar.

Reduzierter Abfall „Grüne“ Architektur reduziert die Vergeudung von Energie, Wasser und Baustoffen. In der Konstruktionsphase sollte es ein Ziel sein, die Menge des Materials zu verringern, das auf der Mülldeponie endet. Gut geplante Gebäude helfen außerdem bei der Reduzierung der Menge des Abfalls, die von deren Bewohnern erzeugt werden, indem sie örtliche Lösungskonzepte wie beispielsweise Komposteimer bereitstellen.

Um Einflüsse auf Quellen oder Wasseraufbereitungsanlagen zu minimieren, gibt es mehrere Optionen: Grauwasser (Abwasser von Geschirrspülern, Waschmaschinen etc.) kann zur Untergrundbewässerung oder, falls es behandelt wurde, für Zwecke, die keines trinkbaren Wassers bedürfen, wie beispielsweise die Toilettenspülung oder die Autowäsche, eingesetzt werden. Regenwasserbehälter finden in ähnlicher Weise Verwendung.